Germany's next TopmodelWare Schönheit

90.789 junge Frauen haben sich bisher bei der Castingshow "Germany's next Topmodel" beworben. Nur wenige haben es nach oben geschafft, profitiert hat davon vor allem der Fernsehsender ProSieben. von Matthias Kalle

Fiona Erdmann ist Vierte geworden, damals, vor drei Jahren. Kurz vor dem Finale flog sie raus, und als es zu Ende war, fing es an, gut zu werden. Fiona Erdmann ist eine glückliche Frau, jetzt, im Sommer 2010.

Vor drei Jahren war sie eine Zicke, die Zicke in der zweiten Staffel der ProSieben-Show Germany’s next Topmodel . Vielen Menschen, die sie im Fernsehen gesehen hatten, ging sie auf die Nerven. Sie lästerte über die anderen Kandidatinnen, wusste alles besser, hatte immer recht und wollte mit den anderen Mädchen eigentlich nichts zu tun haben. Sie war egoistisch, immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht, früher nannte man so ein Verhalten auch "stutenbissig", jetzt nennt man es "zickig". Als Fiona rausflog aus der Show, da jubelten manche in Internetforen. Heute arbeitet Fiona Erdmann als Schauspielerin, sie hat Modeljobs in Mailand, man kann sagen, dass ihr Traum in Erfüllung gegangen ist.

Fiona Erdmanns Traum war ein Kleinmädchentraum, verkürzt lautet er: Ich wäre gerne berühmt. Mit 15 ist sie von zu Hause ausgezogen, weg aus Meldorf, 7500 Einwohner an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste, nach Bremen, um eine Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin zu beginnen. Damals sagten alle, sie würde es nicht schaffen, das mit dem Berühmtwerden.

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Sie sang dann auf Dorffesten, bewarb sich bei Agenturen, spielte in RTL-Gerichtsshows mit, bewarb sich bei der Castingsendung Popstars. Sie sagt, dass Castingshows für sie der einzige Weg gewesen seien. 2007 dann Germany’s next Topmodel , sie schafft die erste Runde, und dann kommt sie immer weiter, die Rolle der Zicke funktioniert.

Ja, sie geht anderen auf die Nerven, weil sie anstrengend ist. Dass sie auch nett ist und intelligent und ehrgeizig, sieht man in der Show aber nicht, es würde ihre Rolle komplizierter machen. Das Fernsehen schafft sich seine Charaktere, in jeder Staffel von Germany’s next Topmodel gibt es "die Schüchterne", "die Heulsuse", "die Selbstbewusste", und es gibt eine Zicke, das Problem ist nur: Die Zicke gewinnt nie.

Wenn Erdmann über ihre Zeit bei Germany’s next Topmodel spricht, tut sie es ohne Reue. Sie ist freundlich, aber wenn es um ihren damaligen Vertrag geht, aus dem sie irgendwann rauswollte, dann stockt sie, dann überlegt sie sehr genau, was sie erzählt.

"Ich habe mich eigentlich nie gefragt, was ich werden will, meine Frage lautete immer: Was wird mir geboten?" Bei ProSieben, das war ihr Gefühl, wurde ihr zu wenig geboten. Sie hatten nur eine Rolle für sie, und die wollte sie nicht mehr spielen: "Ehrlich gesagt: Es nervt mich extrem! Topmodel-Zicke, immer wieder, bis heute." Dann sagt sie, dass sie gelernt habe, wie die Branche ticke, und dass man es nicht jedem recht machen könne. Es klingt erfahren, ernüchtert und ein bisschen müde. Nach drei Jahren in dieser Branche.

Fiona Erdmann ist 22 Jahre alt. Sie wusste, wenn sie auf Platz vier landet, dann kann aus ihrer Karriere nur etwas werden, wenn sie sie selbst in die Hand nimmt. Sie ist nicht mit 15 aus Meldorf, 7500 Einwohner, weggezogen, damit niemand weiß, wer sie ist. Sie hat also jetzt keinen Vertrag mehr mit ProSieben, dafür hat sie eine Agentur und einen Manager. Sie ist Schauspielerin, Model, Moderatorin.

Die Sendung Germany’s next Topmodel ist ein klassischer Schönheitswettbewerb, der mit den Mitteln des modernen Fernsehens ausgetragen wird. Die Kamera ist immer dabei, wenn aus bis zu 20.000 Bewerberinnen diejenige ausgewählt wird, die der Jury am besten gefällt. In den fünf Jahren, in denen Germany’s next Topmodel jetzt läuft, haben sich laut ProSieben insgesamt 90789 Mädchen beworben, jedes Jahr mehr, eine Handvoll davon hat es geschafft, sie arbeiten als Models, manche sind prominent. Bis es so weit ist, müssen sie verschiedene Aufgaben bestehen. Sie lernen, wie in einer Tanzschule der fünfziger Jahre, beim Gehen ein Buch auf dem Kopf zu balancieren; dann wieder müssen sie sich halb nackt fotografieren lassen, manchmal auch mit einem Elefanten. Am Ende jeder Sendung entscheidet die Jury, welche Teilnehmerin nach Hause muss, bis am Ende eine übrig bleibt. Ihr Gewinn: ein Kleinwagen, ein Cover-Shooting für eine Frauenzeitschrift, eine Werbekampagne für eine Modemarke und ein, wie die Produktionsfirma es formuliert, "lukrativer Vertrag mit einer Modelagentur".

Sieg oder Niederlage hängt von der Jury ab, ihre Besetzung wechselt mit jeder Staffel, die einzige Konstante ist Heidi Klum aus Bergisch Gladbach. Auch sie wurde im Privatfernsehen entdeckt, 1992 gewann sie einen Vertrag mit einer New Yorker Modelagentur. 1998 war sie auf dem Cover der Bademoden-Ausgabe des US-Magazins Sports Illustrated, und plötzlich war sie ein gefragtes Model, ein Star. Sie spielte Rollen in amerikanischen Serien, moderierte Shows, sie ging mit prominenten Männern aus, und 2005 heiratete sie den Schmusesänger Seal. In einem Interview sagte sie einmal: "Ich würde mich nicht als Supermodel bezeichnen. Supermodels machen viel Mode. Ich bin eher eine Personality. Ich mache eher Fernsehen." Heute hat Klum einen vom Forsa-Institut berechneten Bekanntheitsgrad in Deutschland von über 96 Prozent. So viel wie Jesus.

Jedes Jahr kommen neue Kandidatinnen zu Germany’s next Topmodel , jedes Jahr kommt eine neue Jury, aber ohne Heidi Klum kommen keine Zuschauer, darüber sind sich beim Sender alle einig, deshalb wurde ihr Vertrag vor Kurzem verlängert. Sie ist das Vorbild für die Bewerberinnen, sie ist das Versprechen. Ein Versprechen, das größer ist als alle Bedenken, alle Zweifel, alle Versagensängste.

Die ProSiebenSat.1 Media AG hat mit der Sendung eines der lukrativsten Unterhaltungsformate im deutschen Fernsehen geschaffen. Ausgebuchte Werbeblöcke, Sponsoring, Kooperationen unter anderem mit einem Auto- und einem Handyhersteller, einer Kosmetikmarke und einem Modeunternehmen: Germany’s next Topmodel ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des überschuldeten Senders. Man könnte auch sagen: ProSieben braucht Frauen wie Fiona Erdmann. Der Sender braucht sie für die Welt, die er sich selbst geschaffen hat: Es gibt die Shows wie Germany’s next Topmodel , in denen junge Mädchen bekannt gemacht werden, und es gibt Boulevardsendungen, in denen diese jungen Mädchen dann als Prominente auftauchen – prominent, weil der Sender es entschieden hat, weil der Sender für eine Öffentlichkeit sorgen kann, die seine eigenen Produkte feiert. Ein Kreislauf, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Aber brauchen die Frauen auch den Sender? Kann er ihre Träume erfüllen?

Als Models sind die Gewinnerinnen der letzten Staffeln nicht besonders erfolgreich. Seit dem vergangenen Jahr wird die Siegerin nicht mehr von der internationalen Modelagentur IMG vertreten. Zu der Frage, warum die Zusammenarbeit beendet wurde, will sich die Agentur nicht äußern. Einer der Juroren in der Sendung war Agent bei IMG, bis er 2008 die Agentur verließ und in der fünften Staffel auch nicht mehr in der Jury saß. Jetzt werden die Gewinnerinnen sowie die 17 Finalistinnen von Redseven Artists unter Vertrag genommen. Redseven Artists hieß früher Face Your Brand und ist eine Vermarktungsagentur und Tochterfirma von ProSieben mit Sitz in München, die Talente mit "medialer Herkunft" vertritt. Die Zielsetzung lautet: "prominente Gesichter mit den Marken der Werbekunden" zu verknüpfen.

Redseven Artists wird immer wieder vorgeworfen, mit den Kandidatinnen sittenwidrige Verträge abzuschließen. Darüber hätte man gerne mit den Verantwortlichen gesprochen, mit Nico Wirtz zum Beispiel, dem Geschäftsführer von Redseven Artists. Ein persönliches Treffen mit ihm kam trotz mehrfacher Anfrage nicht zustande, nach drei Wochen bot Wirtz an, unsere Fragen per Mail zu beantworten, schriftliche Begründung: "Ich würde gerne alle Gewerke hier im Haus bündeln, damit Sie umfassend informiert werden. Das geht momentan am besten und leider ausschließlich schriftlich, da es wirklich schwer ist, alle terminlich an einen Tisch zu bekommen. Wären Sie so nett, uns die Fragen per Mail zuzuschicken?"

Frage: "Was genau ist im Rahmen der Sendung die Aufgabe von Redseven Artists?" Nico Wirtz: "Redseven Artists betreut die Models, vermittelt Aufträge und schützt sie vor Fehlentscheidungen. Dafür stehen ihnen erfahrene Agenten und Juristen zur Seite. Wir nehmen die Verantwortung für die Mädchen sehr ernst: Sie werden über Nacht berühmt und benötigen deshalb eine zuverlässige und fachkundige Betreuung."

"Was sagen Sie zu den Vorwürfen, die Verträge mit den Kandidatinnen seien sittenwidrig?"

"Das ist Quatsch!"

Dem ZEITmagazin liegen zwei Verträge vor, die die letzten 15 Teilnehmerinnen der zweiten Staffel unterschrieben haben, ein Rahmenvertrag mit ProSieben und ein "Werbemodel Vermarktungsvertrag" mit Face Your Brand. Diese Verträge wurden vor drei Jahren abgeschlossen; wie die heutigen Verträge aussehen, wissen wir nicht. Die Verträge der zweiten Staffel haben wir Dirk-Rainer Finkenrath vorgelegt, er ist Rechtsanwalt, promovierte über Vermittlungsrecht und ist Geschäftsführer bei Velma, dem Verband lizenzierter Modellagenturen. Ihm zufolge verstoßen die Verträge "gegen geschriebenes und eindeutiges Vermittlungsrecht". Finkenrath moniert, im Vertrag sei eine Agenturprovision von bis zu 30 Prozent netto vorgesehen, neben variablen Provisionen von bis zu 20 Prozent netto. Laut Vermittlervergütungsverordnung dürfe aber für die Vermittlung in kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse von bis zu sieben Tagen höchstens eine Provision von 18 Prozent brutto erhoben werden, bei längeren Beschäftigungsverhältnissen seien es sogar nur 14 Prozent brutto. "Bei dieser eindeutigen Rechtslage würde jedes deutsche Gericht beide Verträge für unwirksam erklären."

Unwirksam sind laut Finkenrath auch Vereinbarungen, "die sicherstellen sollen, dass ein Arbeitgeber oder ein Ausbildungssuchender oder Arbeitsuchender sich ausschließlich eines bestimmten Vermittlers bedient". In den Verträgen von ProSieben und Face Your Brand findet Finkenrath solche unzulässigen "Exklusivbindungen" gleich an mehreren Stellen. Im Übrigen erkennt er "eine völlig unangemessene Benachteiligung der Teilnehmerinnen in beiden Verträgen" – ein Verstoß gegen die Gesetze über Allgemeine Geschäftsbedingungen, sagt Finkenrath. Sein Fazit: "Die Verträge sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Es ist wohl ausschließlich die Sorge um die Karriere, welche die Teilnehmerinnen bindet."

Karriere – oder was manche dafür halten. Fiona Erdmanns Karriere begann, als sie aus dem Vertrag rauskam, sie sagt: "Das war schon nicht einfach. Und es ist ja auch verständlich, dass ProSieben da sauer ist, die sagen: Du haust einfach ab, und wir profitieren jetzt nicht mehr von dir." Sie wollten sie nicht gehen lassen, aber dann trat Benjamin Ahlborn auf den Plan, auf seiner Visitenkarte steht: "Management Agentur für Künstler und Persönlichkeiten aus den Bereichen TV, Film, Model und Musik". Er kannte Erdmann zunächst nur aus dem Fernsehen. Er traf sie zufällig, während einer Musikveranstaltung, sie redeten, trafen sich wieder. Ahlborn sagt, Erdmann sei keine von den "Hi-hi-Tussis".

Benjamin Ahlborn, 35, ist seit 2004 selbstständig, vorher arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der VW-Autostadt in Wolfsburg und war Junior Manager der Künstleragentur Pool Position. Einer, der schon viel hinter sich hat und hofft, noch viel vor sich zu haben. Auch er hielt Erdmanns Vertrag für ungerecht, und er half ihr da raus, mit der Unterstützung eines Anwalts. "Für mich waren die Verträge nicht in Ordnung. Hier wurden einseitige Optionen von ProSieben gesetzt, sodass ein alleiniges Vorankommen der Kandidatinnen verhindert wurde. So was geht natürlich nicht." Über Heidi Klum und die Show sagt Ahlborn: "Heidi Klum ist ein Werbemodel, und ihre Show ist eine Werbesendung, in der sich meist mittelmäßig bekannte Designer und Fotografen präsentieren können. Einen Modelvertrag mit einer großen und seriösen Agentur gibt es schon seit der dritten Staffel nicht mehr."

Benjamin Ahlborns Agentur ist nicht groß, er betreut keine richtigen Stars, und natürlich könnte es sein, dass da einer voller Neid über die schimpft, die erfolgreicher sind als er. Aber wenn man mit ihm spricht, hat man den Eindruck von einem Mann, der trotz der Jahre in dieser Branche immer noch ehrlich schockiert ist über deren ungeschriebene Gesetze. "Ich finde, die Verantwortlichen von Germany’s next Topmodel gehen verantwortungslos mit den Träumen junger Mädchen um", sagt er. "Warum muss eine 16-Jährige im knappen Bikini ein Schlamm-Shooting machen oder im silbernen Catsuit vor der Jury tanzen?"

Ahlborn findet, "wenn man so ein Format in der Art und Weise macht, muss man mit Kritik rechnen und auch damit umgehen können". Doch jenen Ex-Teilnehmerinnen, die sich kritisch über das Format äußern, sei die Zusammenarbeit mit der Sendergruppe erschwert worden.

Ahlborn kümmert sich um Erdmann, er berät und unterstützt sie, und er hat vor, das noch lange zu tun. "ProSieben hat mit den Mädchen doch nichts anders vor, als sie durch zehn Autogrammstunden zu schleusen, dann kommen eh die nächsten Mädchen der neuen Staffel. Und die Gewinnerinnen sind fast nur bei ProSieben präsent. Ich habe den Eindruck, sie sind die Lückenfüller im Programm."

Germany’s next Topmodel gibt vor, einen Traum erfüllen zu können, den Traum vom Topmodel. Aber keine, die ProSieben bisher zu "Germany’s next Topmodel" gekürt hat, ist heute Topmodel. Die Gewinnerinnen sind ProSieben-Gesichter, Markenbotschafterinnen des Senders und der Show geworden.

Geht man mit Sara Nuru, "Germany’s next Topmodel 2009", im Frühjahr 2010 durch die Münchner Innenstadt, erlebt man, dass sich die Leute nach ihr umdrehen. Sie kennen ihr Gesicht. ProSieben zeigt es ja oft genug. Für die Boulevardsendung red, die immer donnerstags nach Germany’s next Topmodel läuft, begleitet ein Kamerateam Sara Nuru zu Werbeaufnahmen nach Südafrika. Das ist er, der Kreislauf, die sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Nurus erfolgreichste Kampagne in letzter Zeit: die Plakatwerbung für das Germany’s next Topmodel- Computerspiel. Außerdem macht sie TV-Spots für die Kooperationspartner der Sendung, für Handys und Damenrasierer. Dass diese Jobs in keinem Verhältnis zu ihrer Bekanntheit stehen, stört im Privatfernsehen niemanden. Bei ProSieben ist ein Topmodel ein Model, das im Fernsehen Drogeriemarktprodukte bewirbt. Von einer Modelagentur wird Nuru derzeit nicht vertreten.

Als Nuru im Café im obersten Stock des Bayerischen Hofs von einem Neunjährigen um ein Autogramm gebeten wird, strahlt sie. Sie schreibt sorgfältig ihren Namen auf den Zettel, den der Junge ihr hinhält. "Viele sagen, wir von Germany’s next Topmodel sind keine richtigen Models. Aber jedes Model arbeitet, um bekannt zu werden, um sich auf Plakaten zu sehen. Ob man das jetzt vor einem Fernsehpublikum macht oder für die Modeszene – letztendlich haben wir alle das gleiche Ziel: erfolgreich zu sein im Job und ordentliches Geld zu verdienen. Das ist so."

Ende Januar 2010. Nikoleta, langes blondes Haar, hohe Wangenknochen und große grüne Augen, sagt: "Mein Freund meint, ich habe die schönsten Augen von allen. Mal sehen, was Heidi Klum dazu sagt." Nikoleta wird es nie erfahren, bis zu Heidi Klum dringt sie gar nicht vor, denn ihr Traum von einem Modelleben endet in Köln-Mülheim. Dort steht sie mit 1935 anderen jungen Mädchen vor dem Palladium, einer Konzerthalle. Drinnen findet das offene Casting für die fünfte Staffel von Germany’s next Topmodel statt. Am 10. Juni wird sie mit der Kür der Gewinnerin Alisar Ailabouni enden. Alisar Ailabouni, 21 Jahre alt, Kellnerin aus Mattinghofen in Oberösterreich, geboren in Syrien. Heidi Klum wird ihren Namen rufen, und Alisar Ailabouni wird vor Freude in die Knie gehen. An diesem stockdunklen Januarmorgen muss auch sie irgendwo hier in Mülheim sein.

Nikoleta friert. Sie trägt schwarze Stiefel mit Stilettoabsatz und Nietenverzierungen. "Ich war schon immer eine Kämpfernatur", sagt sie. Dieser Satz ist so etwas wie das Mantra aller Castingshow-Kandidaten. Talent kann man haben, Glück auch – aber man muss vor allem kämpfen können.

Nikoleta ist gerade 20 geworden, sie hat Kosmetikerin gelernt, sie hat zwei kleine Kinder, die jetzt bei der Großmutter in Bremen sind. Um Mitternacht ist Nikoleta losgefahren, in ihrem Koffer: "Bikini, High Heels und Kleidung für jedes Wetter." So stand es in dem Castingaufruf, denn für die Erfolgreichen der ersten Runde beginnt am nächsten Tag die zweite Runde, und wer dann immer noch dabei ist, der reist nach Berlin, Kapstadt, New York, Los Angeles, dort warten weitere Prüfungen, die man bestehen muss. Um am Ende wieder in Köln zu landen.

Jemand drückt Nikoleta ein Blatt Papier in die Hand, das sie unterschreibt. Der Rücken einer anderen Wartenden dient als Schreibunterlage, damit sie, ohne recht hinzusehen, ihre Unterschrift unter den Vertrag setzen kann, mit dem sie alle Namens- und Bildrechte an ProSieben abtritt. Alle Bilder, die eine ProSieben-Kamera ab jetzt von Nikoleta macht, kann der Sender ohne ihr Einverständnis verwenden. Auch auf das Recht, eine Einstweilige Verfügung zu beantragen, verzichtet Nikoleta mit ihrer Unterschrift. Über irgendwelche Pflichten, die der Sender ihr gegenüber hätte, über Bezahlung, Arbeitszeiten, Aufklärung zum Ablauf der Sendung und über mögliche Folgeverträge steht in der Rechteeinräumung nichts. Der Deal lautet: Der Sender bringt Nikoleta vielleicht ins Fernsehen und darf als Gegenleistung mit ihr machen, was er will.

Der TV-Komiker Oliver Pocher ist vorbeigekommen, er hat sich als schmieriger Manager verkleidet und macht Aufnahmen für seine Show, die auf Sat.1 läuft, einem Sender der ProSiebenSat.1 Media AG. "Was würdest du für deinen Traum alles machen?", fragt er eine der Wartenden. "Viel. Haare ab", sagt sie. "Unten auch?", fragt Pocher. Der erste TV-Auftritt der Kandidatin.

"Ich würde auch bei Deutschland sucht den Superstar mitmachen. Ich gehöre einfach ins Fernsehen", sagt Nikoleta. Sie sagt das mit großer Selbstverständlichkeit, was wenig verwunderlich ist. Das Fernsehen selbst suggeriert jungen Menschen ständig, sie könnten Protagonisten der Unterhaltungsbranche sein, wichtige Akteure mit Einfluss. Aber die Stars sind nicht die Teilnehmer, der Star ist die Show – jene Maschine, die den Kreislauf in Gang setzt, der große Motor des sich selbst speisenden Prinzips.

Milla von Krockow hatte gerade ihr Abitur gemacht, und während sie auf einen Psychologie-Studienplatz wartete, drehte sie ein Bewerbungsvideo für die zweite Staffel 2007. "Dann habe ich Bescheid gekriegt, dass ich unter den letzten hundert bin, und da begann so eine Art Rausch." Sie kam auf Platz sieben, ihr Vertrag sollte bis Ende August gehen. Erst im selben Monat teilte ProSieben ihr mit, man habe von der Option Gebrauch gemacht, den Vertrag durch einseitige Erklärung um zwei Jahre zu verlängern. Milla von Krockow hatte nichts dagegen. Aber dass es ein gewisses Machtgefälle zwischen den beiden Vertragsparteien gab, dachte sie da nicht zum ersten Mal. Sie hatte es auch gedacht, als ihr Foto auf der Packung des Brettspiels zur Sendung auftauchte, was sie abgelehnt hätte, wenn man sie um ihr Einverständnis gebeten hätte. Sie dachte es auch oft, wenn sie vom Management wieder mal tagelang niemand zurückrief, wenn sie keine Informationen zu den Aufträgen bekam, sondern Anweisungen.

Letztes Jahr ist ihr Vertrag mit ProSieben ausgelaufen. Es kam diesmal kein Brief, sagt von Krockow, woraus sie schloss, dass ProSieben kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit mit ihr hatte. Denn inzwischen waren die dritte und vierte Staffel gelaufen, deren Finalistinnen nun statt Milla von Krockow für ProSieben zu Musikevents und Shoperöffnungen gingen. Von Krockows Modelagentur dagegen, Louisa Models, eine renommierte Agentur in München, von der sie nach der Sendung angesprochen worden war, störte sich nicht daran, dass sie nicht mehr so oft in der Öffentlichkeit zu sehen war. Neben ihrem Studium modelt von Krockow heute immer noch bei Louisa.

Milla von Krockow sagt: "Ich glaube, der Sender verdient sehr gut mit dem Format. Aber Verträge, Bezahlung, wer was verdient – darüber habe ich am Anfang überhaupt nicht nachgedacht. Das Ganze hatte eine Eigendynamik. Es war wie ein Spiel, von Runde zu Runde weiterkommen, das war das Einzige, was wichtig schien."

Ein Spiel, mit eigenen Regeln, und zu diesen Regeln gehört auch, dass sich die zumeist jungen, weiblichen Zuschauer mit den Kandidatinnen identifizieren müssen. Dass die Zuschauerinnen in den Kandidatinnen sich selbst sehen, dass sie denken: "So hübsch bin ich doch eigentlich auch." Einige Teilnehmerinnen der diesjährigen Staffel von Germany’s next Topmodel hatten nicht die gängigen Modelmaße, und was erst mal nett und richtig klingt und so, als ob man einem gängigen, fragwürdigen Schönheitsideal widersprechen wollte, macht es für den Zuschauer leichter, sich zu identifizieren: Wenn die das schaffen, dann kann das eigentlich jede schaffen. Gebraucht werden Zuschauer, die sich vorstellen, sich irgendwann einmal zu bewerben. Das aber ist das Problem für ProSieben: Die Quoten schwächeln. Im Schnitt erreichte Germany’s next Topmodel in diesem Jahr einen Marktanteil von knapp über 18 Prozent in der Zielgruppe, 6 Prozent weniger als 2009. Das Finale am 10. Juni sahen 3,57 Millionen Zuschauer, nie schauten sich weniger Menschen ein Germany’s next Topmodel- Finale an.

Vanessa Hegelmaier möchte öffentlich nicht mehr über ihre Erfahrungen als Teilnehmerin der dritten Staffel reden. "Sie ist jetzt einen Schritt weiter und sollte auch nicht mehr ständig mit dieser Sendung in Verbindung gebracht werden", sagt ihr Agent Yannis Nikolaou von der Hamburger Agentur Place Models. Hegelmaier stieg freiwillig aus der Show aus, nachdem sie, wie es in der Sendung zur Erklärung hieß, bei einem Sturz eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Kurze Zeit später unterschrieb sie bei Place Models. Seither ist sie auf zahlreichen Schauen gelaufen, für Dolce & Gabbana, für Louis Vuitton. Hegelmaier hat neben den Maßen, die ein Model braucht, ein ebenmäßiges Gesicht und beherrscht die Kunst, mit einem steinernen Gesichtsausdruck über den Laufsteg zu gehen. "Sie ist erfolgreich, weil sie toll aussieht und vor der Kamera wirkt. Und weil sie richtig gemanagt wird", sagt Nikolaou. "Günther Klum und Redseven Artists, das sind keine Modelagenten. Schon deshalb können aus den Teilnehmerinnen der Show keine richtigen Models werden. Die Sendung hat mit der Realität des Modelberufs nichts zu tun. Es geht um das Drama, die Mädchen sollen weinen und sich streiten und sonst wie ausflippen. Ob sie danach wirklich als Models arbeiten oder nur für ProSieben-Jingles, ist für die Quote egal."

Das bestreitet nicht einmal Sara Nuru, der kein einziges kritisches Wort zur Sendung über die Lippen käme. "Es ist eben mehr Show", sagt sie, "aber ich finde das auch nicht verkehrt. Wenn es ausschließlich um den Alltag von Models ginge, die Tag für Tag an ihrer Karriere arbeiten und von Casting zu Casting hetzen, wäre das auf Dauer auch langweilig. Dann würde das als Show nicht laufen."

Sie lächelt, zeigt ihre strahlend weißen Zähne. Augen, Mund und Wangen sind sorgfältig geschminkt, als erwarte sie, dass gleich irgendwo eine Kamera angeht. Das Make-up lässt sie älter wirken, sie ist 20, Lena Meyer-Landrut ist 19 und hat im Prinzip das Gleiche gemacht, sie hatte die gleichen Träume und Hoffnungen – und doch ist es bei ihr anders gelaufen.

Auch Lena Meyer-Landrut ist die Gewinnerin einer Castingshow, aber ihre Geschichte zeigt, dass es auch anders geht. Unterstützt von Stefan Raab, der Unser Star für Oslo erfand, verweigert Meyer-Landrut bis heute die Beantwortung privater Fragen. Sie sagt nichts über ihre Mutter, ihren Vater, Fragen in diese Richtung beantwortete sie auf einer Pressekonferenz mit "Nöööööt". Sie spielt das Spiel nicht mit, das Ergebnis lautet: Siegerin des Eurovision Song Contests, in 15 Ländern in den Hitparaden. Meyer-Landrut ist ein Star, der in einer Castingshow entdeckt wurde, aber sie ist kein Castingshow-Star. Der Erfolg von Meyer-Landrut lässt Sendungen wie Germany’s next Topmodel und Deutschland sucht den Superstar beinahe gestrig aussehen: Lena Meyer-Landrut stellte sich auf eine Bühne und sang ihre Lieder – sie musste nicht heulen, nicht zusammenbrechen, sie musste nicht ihre Bikinifigur begutachten lassen, sie musste nicht über ihr hartes, schweres Leben sprechen.

Im Laufe der Recherchen zu dieser Geschichte macht man eine merkwürdige Erfahrung: Es gibt Gerüchte, Geschichten, jeder erzählt einem etwas, und es fällt auf, dass immer wieder von sexuellen Gefälligkeiten die Rede ist, von Männern mit Macht und Mädchen mit Träumen. Fiona Erdmann nennt diese Gesellschaft "Branche", und im Laufe des Gesprächs werden ihre Schilderungen dieser "Branche" drastischer: "Es gibt halt Leute in der Branche, die nichts tun, außer sich hochzuschlafen." Wenn man sie fragt, ob sie Fehler gemacht habe, dann sagt sie: "Ich hätte nach der Show vielleicht ein bisschen weniger öffentlich lästern sollen über Heidi und die anderen." Würde sie ihrer Tochter erlauben, bei Germany’s next Topmodel mitzumachen? "Nein. Das würde ich ihr verbieten."

Etwas muss passiert sein mit den jungen Mädchen, die bei so einer Sendung mitmachen – wirklich reden will aber niemand darüber. Eine ausgeschiedene Teilnehmerin gab uns ein Interview, in dem sie eigentlich nichts erzählte, was brisant gewesen wäre. Für ProSieben dennoch Grund für einen Anruf. Eine Dame, die sie nicht kannte, meldete sich bei ihr und wies sie darauf hin, dass sie mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen habe, wenn sie das Interview nicht zurückziehe. Was sie dann auch tat. Jemand aus einer Modelagentur, der einige der Teilnehmerinnen kennt und namentlich nicht genannt werden will, sagt: "Die Mädchen sind so gedrillt, die sagen kein falsches Wort."

Es scheint wie ein Kartell des Schweigens, mit festen, ungeschriebenen Regeln, und es verwundert, dass junge Frauen sich diesen Regeln unterwerfen, die im Leben eigentlich andere Optionen hätten: Die Teilnehmerinnen von Germany’s next Topmodel sind zu einem großen Teil Töchter der Mittelschicht, Abiturientinnen, Studentinnen eben.

"Eine Castingshow zu gewinnen ist nicht der Traum eines bestimmten Milieus, sondern einer Generation", sagt Gudrun Quenzel, Soziologin an der Universität Bielefeld und Co-Autorin der Shell Jugendstudie, die im Spätsommer 2010 erscheint. Castingshows seien für junge Leute so anziehend, weil sie sich mit den Teilnehmern identifizieren können. Die Sendung ist eine Art Parabel, meint Quenzel. Was die Teilnehmerinnen leisten müssen – vor der Jury bestehen, Aufgaben bewältigen, Anforderungen erkennen und ihnen entsprechen –, all das hat symbolischen Charakter, weil sie diese Situationen aus dem Alltag zu kennen meinen, zu dem Prüfungen und Bewerbungen gehören und die Angst, keinen Platz in der Gesellschaft zu finden, eine Angst, die laut Jugendstudie in den letzten Jahren immer größer wurde.

Oliver Seeden ist seit 18 Jahren Modelagent und ist oft dabei gewesen, wenn Träume zerplatzten. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass in unserer bilderversessenen Gesellschaft schöne junge Menschen, besonders wenn sie weiblich sind, ähnlich einer seltenen Tierart Schutz vor Wilderern brauchen. Seine Agentur Promod hat ihren Sitz in Hamburg-Winterhude. 1989 musste er sich zwei Jahre lang bemühen, bis er von der Bundesanstalt für Arbeit die Genehmigung bekam, eine Modelagentur zu gründen. Die Bundesanstalt für Arbeit hatte bis in die neunziger Jahre das alleinige Recht, Arbeitsstellen zu vermitteln. Nur ausnahmsweise erlaubte sie privaten Firmen die Arbeitsvermittlung. Das Monopol fiel 1994, private Arbeitsvermittlung blieb erlaubnispflichtig. Seit 2002 muss eine Arbeitsvermittlung nur einen Gewerbeschein vorweisen. Face Your Brand, später Redseven Artists, wurde 2005 gegründet.

"Ich habe die Regularien, denen Modelagenturen damals unterlagen, für übertrieben gehalten. Aber heute ist mir das Gesetz fast zu lax", sagt Seeden. "Jeder kann sich heute Modelagent nennen."

Gemeinsam mit anderen Agenten gründete Seeden 1992 Velma, den Verband lizenzierter Modellagenturen, in dessen Vorstand er ist. Heute hat der Verband 22 Mitglieder, die größten Agenturen Deutschlands gehören dazu, von denen sich Claudia Schiffer, Toni Garrn und Julia Stegner vertreten lassen. Seeden sagt: "Meine Agentur ist ein Unternehmen, auch ich möchte Gewinn machen. Aber die Modelle sind meine Kunden, wenn ich sie nicht anständig behandle, laufen sie mir davon. Selbst wenn ich es wollte – ich habe gar keine Möglichkeit, sie mit rechtswidrigen Verträgen an meine Agentur zu binden."

ProSieben aber hat eine so große Bekanntheit, dass das Versprechen, sie aus dem Stand zum Star zu machen, in den Ohren junger Mädchen glaubwürdig klingt. Für die kleine Chance auf den Durchbruch begeben sie sich in die unbedingte Abhängigkeit des Senders. Seeden sagt: "ProSieben hat eine Nische gefunden, einen quasi rechtsfreien Raum, weil die Mädchen fast alles machen, um berühmt zu werden."

Mandy Bork ist eine zierliche junge Frau mit sehr blondem Pferdeschwanz und blassem Gesicht, gerade 19 Jahre alt. Ihre Eltern leiten in Witten eine Tanzschule, und seit sie elf ist, will sie Model werden. Aber sie wusste nicht, in welcher Agentur sie sich hätte vorstellen sollen, welche gut ist und welche nicht. Germany’s next Topmodel kannte sie. Sie musste sich nur in die Schlange mit den Wartenden stellen. Sie wurde Zweite.

Heute ist Bork bei einer Agentur unter Vertrag, Munich Models, Susanne Maushake, die Chefin, hatte sie nach der Sendung angesprochen. Sie organisiert für sie die Modeljobs im Ausland. Hätte Mandy Bork in ihrer Agentur eine Chance gehabt, wenn sie nicht bei Germany’s next Topmodel mitgemacht hätte? "Ja. Ich hätte sie sofort aufgenommen."

Mandy Borks Vertrag mit Redseven Artists läuft wahrscheinlich noch ein paar Jahre, so lange, wie ProSieben will. Und so lange wird sie neben ihrer Arbeit als Model auch dort auftreten, wo ProSieben Werbung für Germany’s next Topmodel machen will.

Hana Nitsche, die in der zweiten Staffel auf Platz drei kam, beendete die Zusammenarbeit mit dem Sender, nachdem sie zwei Jahre lang in Schnellrestaurants aufgetreten war und Autogrammstunden in Einkaufszentren gegeben hatte. "Ich habe mich eher wie eine Angestellte von ProSieben gefühlt, nicht wie ein Model, das von einer Agentur vertreten wird", sagt sie. Sie hatte keine Lust mehr, das Werbegesicht für eine TV-Sendung zu sein, die jungen Mädchen verspricht, sie zu Models zu machen, sie aber letztlich nur zu Werbegesichtern für eine TV-Sendung macht. Sie wollte nicht mehr so tun, als hätte ProSieben ihr einen Traum erfüllt. Sie beauftragte einen Anwalt, der verhandelte mit dem Sender, der Vertrag wurde aufgelöst, und Nitsche stellte sich bei der Agentur Modelwerk in Hamburg vor. Geschäftsführerin Claudia Midolo sagt, dass sie lange überlegt habe, ob sie Hana aufnehmen solle. "Wir hatten Angst, mit dem Castingshow-Image in Berührung zu kommen", sagt sie. "Hana war gebrandet. Also haben wir noch mal von vorne angefangen, für sie Kontakte aufzubauen".

Hana Nitsche, 24, kam als Kind mit ihrer Familie aus Tschechien nach Oftersheim in Baden-Württemberg. Heute modelt sie für die Wäschemarke Victoria’s Secret, zu deren wichtigsten Gesichtern seit Jahren Heidi Klum gehört. Es ist eine Erfolgsgeschichte aus der Welt von Germany’s next Topmodel, aber es ist eine andere Geschichte als diejenige, die sich ProSieben ausgedacht hätte. Um sich ihren Traum zu erfüllen, um ihrem Vorbild Heidi Klum ein wenig näher zu kommen, musste sich Hana Nitsche von ihr abwenden.

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Leserkommentare
    • olut
    • 24. Juni 2010 9:33 Uhr

    War ja klar, dass da eine Menge faul ist, und dass die Sender die Mädels ausnutzen.. Trotzdem, der ausführliche Artikel hat mir sehr gefallen, danke!

  1. wie verkommen die medial vermittelten Ziele sind.

    Eine Egozentrik hat sich breit gemacht unter den jungen Menschen, die eine öffentliche Ausbeutung ihrer Persönlichkeit als selbstverständlich anerkennt.

    Und von solchen Leuten soll dann ein funktionierendes Gemeinwesen betrieben werden.

    Ich bedaure nicht, daß ich in meinem Alter nicht mehr dem Zeitgeist unterliege. Und dabei bin ich noch gar nicht so alt!
    Wie schnell sich doch die Wertenorm der Sozialisation verändert hat!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    … das wusste schon Sokrates. Gut, dass es da die Älteren gibt, die in ihrer Jugend und auch heute so verantwortungsvoll mit der Welt umgehen. ;-)

    Mal ehrlich, ein bisschen differenzierter sehen Sie die Lage doch hoffentlich auch?

    ...nagen schon. Und im Gegensatz zu einem Kraftfahrzeug wird es im Alter eben gerade nicht wertvoller - das Topmodel. Also schnell die jugendliche Haut zu Markte tragen wenn man nichts anderes hat. Studieren gehen kann man später immer noch - hat man erst mal den solventen Finanzier gefunden. Laßt sie doch ihre Erfahrungen machen mit der multimedialen Vermarktung - das war immer so in einer Welt der Illusionen. Und solange sie sich gegenseitig damit das sauer verdiente Geld aus der Tasche ziehen ist dagegen auch nichts einzuwenden.

  2. … das wusste schon Sokrates. Gut, dass es da die Älteren gibt, die in ihrer Jugend und auch heute so verantwortungsvoll mit der Welt umgehen. ;-)

    Mal ehrlich, ein bisschen differenzierter sehen Sie die Lage doch hoffentlich auch?

  3. ...nagen schon. Und im Gegensatz zu einem Kraftfahrzeug wird es im Alter eben gerade nicht wertvoller - das Topmodel. Also schnell die jugendliche Haut zu Markte tragen wenn man nichts anderes hat. Studieren gehen kann man später immer noch - hat man erst mal den solventen Finanzier gefunden. Laßt sie doch ihre Erfahrungen machen mit der multimedialen Vermarktung - das war immer so in einer Welt der Illusionen. Und solange sie sich gegenseitig damit das sauer verdiente Geld aus der Tasche ziehen ist dagegen auch nichts einzuwenden.

  4. "Bei ProSieben ist ein Topmodel ein Model, das im Fernsehen Drogeriemarktprodukte bewirbt.

    • Sted
    • 24. Juni 2010 17:00 Uhr

    Wirklich sehr schön und aufschlussreich geschrieben.Ich habe mich schon des öfteren gefragt, wo denn die ganzen "Gewinnerinnen" eigentlich statt finden,weil ich davon außer vielleicht der versprochenen C&A Kampagne und dem Magazincover nichts mitbekomme.
    Aber ich wusste auch nicht,dass man mit nicht mehr mit einer professionellen, internationalen und großen Agentur zusammenarbeitet.

    Mir sind Castingshows im Allgemeinen, Topmodel jedoch im Besonderen, einfach zuwider. Ich bete regelmäßig dafür dass die Leute einfach aufhören einzuschalten. Aber unabhängig davon, dass Einschaltquoten ja nur hochgerechnet werden bemerke ich im Gespräch mit gleichaltrigen die, wie ich, der begehrten Zielgruppe 14-49 angehören, immer wieder, dass das Konzept aufgeht. Freunde von mir schalten regelmäßig ein, um sich hübsche Mädchen anzuschauen, Fleischbeschauung 2.0 .Freundinnen schauen ob der emotionalen Bindung zu,sie suchen sich ihre Favoritin aus,fiebern mit, wollen sehen wie Intrigen gesponnen werden und glauben, Sie sind damit "besser unterhalten" als von GZSZ, bei dem das selbe stattfindet, aber künstlicher wirkt. Ich bin froh, dass wenigstens einige der "gescheiterten" (im Pro7 Sinne) Teilnehmerinnen auspacken und sich von dem Sender distanzieren.

    • Sted
    • 24. Juni 2010 17:00 Uhr

    Was haben wir von diesem Artikel gelernt? "Germany's Next Topmodel" und Pro7 sind das Produkt, die Maschine. Die Teilnehmerinnen sind nur der Treibstoff,der verheizt wird.Und nicht ganz unpassend zu unserem Verhältnis zum "schwarzen Gold",das im Golf gerade in großen Mengen ausströmt, braucht auch diese "Maschine Topmodel" immer mehr Treibstoff der verfeuert werden kann. Und die Ware "schöne, junge Frau" hat ja bekanntlich eine geringe Halbwertszeit.Entweder bis die ersten Falten auftauchen oder die nächste Staffel "Frischfleisch" liefert.

    Aber das Konzept wirkt. "Wen scheren die Kritiker?", fragt Pro7.

    PS: Ich bin für eine Erhöhung der maximalen Zeichenzahl bei Beiträgen.

  5. Jetzt würde mich aber doch interessieren, wie denn der Vertrag aussieht, den Lena Meyer-Landrut unterzeichnen musste. Ist der wirklich besser als der von GNTM? Schwer zu glauben.

    Ich vermute mal, dass der Journalist das vor lauter Lena-Indie-Hype gar nicht recherchiert hat... Oder sollte ich mich irren?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist Lena jetzt wirklich europaweit bekannt...

    Wie dir vielleicht aufgefallen ist, geht es in dem eh schon viel zu langem Artikel hauptsächlich um GNTM und nicht um LML. Hier wurde lediglich geschrieben, dass LML sich anscheinend nicht so verbiegen musste. Der Vertrag von LML wäre eine andere Baustelle! Herrgott, wieso müssen die Leute eigtl. immer rummaulen, dass dies und das fehlt, weil ja vermutlich dieser und jener Autor nur blind/faul/bestochen/von der Redaktion gelenkt worden ist...

    Derartige Ausbeuterverträge wird die ARD garantiert nicht aufsetzen. Und Raab auch nicht.

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