Bundespräsidentenwahl Mit Sinn für Süßes

Stadtkrawatten, Bauhaus-Lampen und Springbrötchen – Osnabrück liebt das schöne Leben.

Historisches Rathaus mit Friedenssaal, Stadtwaage und St. Marienkirche

Historisches Rathaus mit Friedenssaal, Stadtwaage und St. Marienkirche

Sie wollen beide Bundespräsident werden: Christian Wulff aus Osnabrück und Joachim Gauck aus Rostock. Ein Besuch in der Heimat der Kandidaten

Grünfaktor: Osnabrück hat den bestbesuchten Schlosspark Deutschlands: Vor der gelben Barockfassade steht eine barbusige Dame auf schmalem Sockel, auf dem Rasen liegen entblößte Studenten, die die Bibliotheksblässe wegsonnen. Denn wo einst Fürstbischof Ernst August die Gelder seiner Untertanen verprasste, ist heute die Universität untergebracht. Auch sonst läuft der Besucher alle paar Meter über Wiesengrün: Ein Drittel der Stadtfläche ist Landschaftsschutzgebiet.

Wasser: Die Hase ist kein Fluss für Wildwasser-Rafting. Kaum einen halben Meter tief, plätschert sie durch die Innenstadt. Am Herrenteichswall kann man, beschattet von mächtigen Bäumen, das Ufer entlangspazieren. Dann und wann piepst ein Entenküken. Ein netter Ort für erste Dates der Lokaljugend oder ein Fahrradtourchen.

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Spezialität: Einst galt Osnabrück nicht gerade als Hort der Backkunst. »Unser Pumpernickel gib uns heute«, seufzte 1772 der Mathematiker Georg Christoph Lichtenberg. Heute lieben Osnabrücker das »Springbrötchen«: Vor dem Backen wird es üppig mit Fett bestrichen. Hinterher sieht es runzelig aus wie ein afrikanischer Savannenboden zur Dürrezeit. Beißt man hinein, springen die Krumen. Schmeckt auch, wenn gerade keine Butter zur Hand ist, und spart die Fettcreme für die Finger. Alternative: »Die Himmlischen«, die Urpralinen, mit denen Leysieffer von der Osnabrücker Krahnstraße aus sein Schokoimperium begründete. Sahnig-zuckriger Retrohappen, der zurückversetzt an Omas Wohnzimmertisch zur Wirtschaftswunderzeit.

Eine schöne Stadt, und liebenswürdig weltoffen. Die etwas Gebildeten denken an den VfL Osnabrück. Die noch Gebildeteren wissen vom Westfälischen Frieden im Jahre 1648

Christian Wulff

Glamour: Wer hier schön ausgeht, sitzt in Jeans und Top an Holztischen und bestellt das dritte Bier. Gern in der Peitsche oder der Ollen Use. Selbst die Remise, die laut hiesiger U-30er die besten Cocktails der Stadt mixt, ist eher Kneipe als Bar. Wenn abends am Markt die Straßenmusiker aufspielen und der ältere Herr am Nebentisch Guantanamera summt und ein junges Paar über die Pflastersteine tanzt – dann hat das keinen Glamour. Aber es ist charmant.

Einkaufen: Billigshirts und Burger-Dunst unterm Fachwerkgiebel? Nicht in Osnabrück. Die schöne Altstadt ist frei von Allerweltsketten. Stattdessen gibt es kleine Antiquariate, Galerien, Boutiquen, orange-bunte Designerwaren und allerlei Feinkost. Wer einen Salzstreuer kaufen möchte, der über den Tisch spaziert, oder gern im Handbuch Strohballenbau blättert, wer Bauhaus-Lampen mag oder afrikanische Fußballer-Uhren, wird hier glücklich.

Souvenir: Neu ist die Stadtkrawatte in Lila-Weiß und mit Osnabrück-Logo, ausgegeben pünktlich zum Aufstieg des VfL in die Zweite Liga. Bewährt der Osnabrücker Steckenpferdreiter, ein dürres Männchen, das an die Zeit des Westfälischen Friedens erinnert. Wird nach wie vor geschmiedet und an Besucher wie den Dalai Lama verschenkt. Kopien gibt’s in der Touristeninfo.

Leser-Kommentare
  1. eine tolle Stadt, wohne hier seit ein paar Jahren und fühle mich sehr wohl!

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