Geschichte der Galeeren Hölle auf Wellen

Stolz und schnell kreuzten sie das Mittelmeer: Die Galeeren Venedigs, Frankreichs, Spaniens und des Osmanischen Reichs. Doch das Leben an Bord war grausam

Ein Nachbau der griechischen Galeere Argo nahe der Hafenstadt Volos. Um das Schiff ranken sich zahlreiche Mythen. Es soll bereits um 700 vor Christus im Mittelmeer unterwegs gewesen sein

Ein Nachbau der griechischen Galeere Argo nahe der Hafenstadt Volos. Um das Schiff ranken sich zahlreiche Mythen. Es soll bereits um 700 vor Christus im Mittelmeer unterwegs gewesen sein

Schweiß rinnt über die Rücken. Die Sklaven auf den Ruderbänken stöhnen. Sie drücken die Riemen nach vorn. Die Ruderblätter gleiten auf das Wasser herab, tauchen ein. Dann lassen die Männer ihren Oberkörper nach hinten fallen und reißen die Riemen wieder zu sich heran. Dabei ziehen sie die Ruder aus dem Wasser. Ohne Pause stemmen die ausgemergelten Gestalten die Riemen erneut nach vorn. Alle schuften in einem Takt, arbeiten wie eine Maschine. Paukenschläge geben den Takt vor. Wer das Tempo nicht halten kann, bekommt die Peitsche zu spüren. Die Aufseher dreschen mit voller Kraft auf die nackten Rücken ein.

Mit solchen Szenen prägt William Wylers 1959 gedrehtes Hollywood-Epos Ben Hur noch heute unser Bild von antiken Galeeren. Doch der Regisseur hat sich ganz offensichtlich in den Jahrhunderten vergriffen. Denn bei Römern und Griechen waren Sklaven auf den Ruderbänken eine absolute Ausnahme. Prügelnde Aufseher, sadistische Kapitäne, angekettete Sklaven – das alles gab es erst viele Jahrhunderte später: in der christlichen und islamischen Seefahrt.

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Im Mittelalter und in der Antike saßen auf den Bänken freie Männer. Athens Flotte verfügte über besoldete und exzellent trainierte Rudersoldaten. Bei den Römern ruderten Legionäre und Matrosen, bei den Normannen, die im 9. Jahrhundert ins Mittelmeer vordrangen und später Sizilien eroberten, die Krieger. Und auch die Uskoken, kroatische Seeräuber, waren dafür gefürchtet, dass die Ruderer schwer bewaffnet zum Entern übergingen.

Das klassische Ruderschiff der Antike war die Triere. Dieser von den Athenern perfektionierte Dreireiher verlangte der Besatzung großes Geschick ab, da die Ruderer in drei Etagen übereinander saßen und sich sehr genau abstimmen mussten. Vor allem das Manöver zum Rammen des Gegners mit dem Bugsporn galt als schwierig. Die Athener ließen ihre Mannschaften deswegen immer wieder den Angriff trainieren. Die Ruderer Athens hatten bei Freund und Feind einen ausgezeichneten Ruf. Der Bau der Trieren und deren Unterhalt erforderten eine komplexe Infrastruktur aus Werften, Schiffshäusern und Arsenalen. Das Material zum Bau der schwimmenden Kampfmaschinen stammte aus der gesamten Mittelmeerregion.

Die Römer übernahmen Athens und Karthagos maritime Baukunst und entwickelten sie weiter. Sie rüsteten ihre Kriegsschiffe mit Enterbrücken, den sogenannten Raben, und mit Türmen aus. So konnten die Legionäre zur See fast wie an Land kämpfen.

Die Trieren waren schnell und wendig, sie hatten wenig Tiefgang und konnten auf den Strand aufgesetzt werden, um rasch Truppen an Land zu bringen – ein ideales Seekriegsinstrument für das Mittelmeer. Diese Eigenschaften behielt ihre Nachfolgerin, die Galeere, die vom 11. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein in der Region verwendet wurde.

Die Galeeren waren bis zu vierzig Meter lang und wurden je nach Größe von achtzig bis zu dreihundert Ruderern angetrieben. Dank ihrer Muskelkraft konnten die schlanken Kriegsschiffe auf Flüssen gegen den Strom und wenn nötig sogar rückwärts fahren. Rudern mussten die Männer allerdings nicht immer. Wie schon die Trieren, so nutzten auch die Galeeren zusätzlich Segel, um voranzukommen. Je nach Größe verfügte das Schiff über ein oder zwei Masten und Lateinische Segel. Die Ruderer wurden vor allem beim Angriff und bei der Flucht gebraucht, um zusätzliche Geschwindigkeit zu erreichen. 

Leser-Kommentare
  1. Ist das heute wirklich so ganz anders?

    Vieles läuft subtiler, indirekter und mehr im Hintergrund ab, es gibt andere verfeinerte Methoden zur Repression statt echter Ketten und direkter Schläge. Leiharbeit heutiger Ausprägung gehört u.v.a. auch dazu.

    Sklaven ohne Ketten

    Liebe Hauke Friederichs, herzlichen Dank für die Erinnerung und damit auch der Ermöglichung eines Brückenschlages vom alten zum neuen Sklaventum

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    • etm
    • 28.06.2010 um 0:15 Uhr

    Galeerensklaven mit Leiharbeitern u.ä. in Deutschland zu vergleichen ist so absurd! Ich habe früher mal als Leiharbeiter gearbeitet, bin mit dem Auto zur Arbeit gefahren, die Arbeit hat oft Spaß gemacht, nach der Arbeit habe ich es mir gutgehn lassen, und ich habe damit Geld verdient. Wer solche Vergleiche anstellt, hat keinen blassen Schimmer davon, was es heißt, wenn es einem richtig schlecht geht.

    Die Abbildung zum Artikel ist großartig. Ich hätte aber gern auch Abbildungen von Galeeren aus verschiedenen Zeiten gesehen. Auch werden die karthagischen Penteren (fünfreihige Ruderschiffe!) nicht erwähnt, die den römischen Trieren an Geschwindigkeit überlegen waren, und die die Römer erst nachbauen konnten, nachdem sie eine gestrandete karthagische Pentere aufgetan hatten.

    • etm
    • 28.06.2010 um 0:15 Uhr

    Galeerensklaven mit Leiharbeitern u.ä. in Deutschland zu vergleichen ist so absurd! Ich habe früher mal als Leiharbeiter gearbeitet, bin mit dem Auto zur Arbeit gefahren, die Arbeit hat oft Spaß gemacht, nach der Arbeit habe ich es mir gutgehn lassen, und ich habe damit Geld verdient. Wer solche Vergleiche anstellt, hat keinen blassen Schimmer davon, was es heißt, wenn es einem richtig schlecht geht.

    Die Abbildung zum Artikel ist großartig. Ich hätte aber gern auch Abbildungen von Galeeren aus verschiedenen Zeiten gesehen. Auch werden die karthagischen Penteren (fünfreihige Ruderschiffe!) nicht erwähnt, die den römischen Trieren an Geschwindigkeit überlegen waren, und die die Römer erst nachbauen konnten, nachdem sie eine gestrandete karthagische Pentere aufgetan hatten.

  2. In der Tat ein Gedanke, der sich einem aufdrängt.

    (Fast)könnte man Parallelen mit unserem jetzigen, deutschen Arbeitsmarktsituation - vor allem mit der Zeitarbeit - ziehen. (Jedenfalls geht es mir so :V)

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    Ich vermute, Sie haben Sie bislang auf keiner Galeere Dienst getan. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt anscheinend auch nicht. Ich empfehle mit letzterem zu beginnen, dann tief Luft zu holen und eine erneute Einschätzung zu tätigen.

    Ich vermute, Sie haben Sie bislang auf keiner Galeere Dienst getan. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt anscheinend auch nicht. Ich empfehle mit letzterem zu beginnen, dann tief Luft zu holen und eine erneute Einschätzung zu tätigen.

  3. Ein bedeutender Unterschied zwischen den Ruderern islamischer und christlicher Staaten wird allerdings verschleiert, offenbar wissentlich: Während es sich bei den Ruderern islamischer Galeeren um Sklaven handelte, wurden auf christlichen Galeeren Sträflinge eingesetzt. Nicht, dass es für das Schicksal des Einzelnen notwendigerweise von Bedeutung gewesen sein mag, kulturgeschichtlich ist es aber von großer Wichtigkeit darauf hinzuweisen. Mit der Christianisierung Europas findet Versklavung von Menschen dort nämlich nicht mehr statt. Christliche Seefahrer hielt das bekanntermaßen nicht davon ab, mit Sklavenhandel Profite zu machen. Das aktive Versklaven von Menschen findet jedoch noch durch islamische Piraten statt, die Millionen von Europäern verschleppten. Mit der Schlacht bei Lepanto 1571, tritt hier allerdings eine Wende ein und mit der Beschießung von Algier, 1816, besteht für die islamischen Menschenfänger praktisch keine Möglichkeit mehr, auf Europäer zuzugreifen (sie wenden sich umso mehr dem sog. Schwarzafrika zu). Es ist also falsch im Zusammenhang mit Ruderern auf spanischen, französischen oder venezianischen Galeeren von «Sklaven» zu sprechen, es handelte sich – wie im Artikel teils auch richtig beschrieben – um Sträflinge.

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    • Acrux
    • 27.06.2010 um 16:40 Uhr

    Die Sklaverei in Europa bestand als Institution bis in die Revolutionszeiten ohne Unterbrechung. Nur durften allerdings, seit der Speatantike und dem Fruehmittelalter, Christen nicht mehr versklavt werden, was in einem zunehmend christlichen Europa den Markt austrocknete. Wie im Islam durften Andersglaeubige auch im Christentum sehr wohl als Sklaven gehalten werden, was sich in den zahlreichen Haussklaven des Adels und der Handelsfuersten niederschlug, auch in der Neuzeit. Nur fuer die grobe Arbeit waren Sklaven zu kostbar geworden. Der Unterschied liegt also nicht im Prinzip, sondern lediglich in der "Beschaffungseffizienz", die leztlich die Machtverhaeltnisse im Mittelmeerraum spiegelt: Sobald europaeisch/amerikanische Kriegsschiffe in der Lage waren, die Seeherrschaft zu behaupten, war es mit den Sklavenexpeditionen schnell vorbei (Siehe z.B. amerikanische Barbareskenkriege).

    • Acrux
    • 27.06.2010 um 16:40 Uhr

    Die Sklaverei in Europa bestand als Institution bis in die Revolutionszeiten ohne Unterbrechung. Nur durften allerdings, seit der Speatantike und dem Fruehmittelalter, Christen nicht mehr versklavt werden, was in einem zunehmend christlichen Europa den Markt austrocknete. Wie im Islam durften Andersglaeubige auch im Christentum sehr wohl als Sklaven gehalten werden, was sich in den zahlreichen Haussklaven des Adels und der Handelsfuersten niederschlug, auch in der Neuzeit. Nur fuer die grobe Arbeit waren Sklaven zu kostbar geworden. Der Unterschied liegt also nicht im Prinzip, sondern lediglich in der "Beschaffungseffizienz", die leztlich die Machtverhaeltnisse im Mittelmeerraum spiegelt: Sobald europaeisch/amerikanische Kriegsschiffe in der Lage waren, die Seeherrschaft zu behaupten, war es mit den Sklavenexpeditionen schnell vorbei (Siehe z.B. amerikanische Barbareskenkriege).

  4. wirklich nur fast Parallelen ziehen.

  5. 5. p.s. -

    Bleibt anzumerken, dass zur Zeit der Schlacht bei Lepanto die Galeere für die europäischen Seemächte längst ein Auslaufmodell war. Bereits 1492 war Columbus mit einer Karavelle über den Atlantik gesegelt. Für die Bedürfnisse der an Welthandel ausgerichteten europäischen Atlantikstaaten war das Linienschiff viel interessanter, es sollte bis zur Motorisierung der Schiffahrt der bedeutendste Bautyp sein.

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    • Guglda
    • 27.06.2010 um 23:03 Uhr

    Die Galeeren waren technisch im 17. Jahrhundert kein Auslaufmodell - sie waren einfach für den stürmischen Atlantik nicht geeignet, vor allem der kontruktionsbedingten Öffnungen an den seitlichen Bordwänden, die man für die Riemen berücksichtigen mußte. Auch waren die Entfernungen im Atlantik zu groß, um mal eben einen Stützpunkt anzulaufen, um Verpflegung für ein paar hundert Ruderer und Mannschaften aufzunehmen. Nur im relativ kleinen und ruhigen Mittelmeer waren Galeeren (im südeuropäischem Raum) fast uneingeschränkt einsetzbar.

    • Guglda
    • 27.06.2010 um 23:03 Uhr

    Die Galeeren waren technisch im 17. Jahrhundert kein Auslaufmodell - sie waren einfach für den stürmischen Atlantik nicht geeignet, vor allem der kontruktionsbedingten Öffnungen an den seitlichen Bordwänden, die man für die Riemen berücksichtigen mußte. Auch waren die Entfernungen im Atlantik zu groß, um mal eben einen Stützpunkt anzulaufen, um Verpflegung für ein paar hundert Ruderer und Mannschaften aufzunehmen. Nur im relativ kleinen und ruhigen Mittelmeer waren Galeeren (im südeuropäischem Raum) fast uneingeschränkt einsetzbar.

  6. Ich vermute, Sie haben Sie bislang auf keiner Galeere Dienst getan. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt anscheinend auch nicht. Ich empfehle mit letzterem zu beginnen, dann tief Luft zu holen und eine erneute Einschätzung zu tätigen.

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    Bitte kehren Sie mit Ihren Kommentaren zum historischen Thema des Artikels zurück. Danke, die Redaktion/fk.

    Bitte kehren Sie mit Ihren Kommentaren zum historischen Thema des Artikels zurück. Danke, die Redaktion/fk.

    • Peleo
    • 27.06.2010 um 14:36 Uhr

    Das scheint mir der Erwähnung wert:

    Arthur Schopenhauer hat auf einer Reise mit seinem Vater nach Südfrankreich das Elend der Galeeren-Sträflinge gesehen. Dem Vernehmen nach hat es seine Weltsicht und damit seine Philosophie wesentlich beeinflusst.

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