Stilkolumne Ein Schluck Lagerfeld
Karl Lagerfeld hat eine Flasche für Coca-Cola light designt. Darauf ist sein Schattenriss zu sehen. Nur konsequent, findet Tillmann Prüfer, schließlich trinkt der Meister selbst täglich die braune Brause.
Wer Karl Lagerfeld ganz nah sein will, kann ihn jetzt in Händen halten: Cola light, erhältlich nur in Frankreich, etwa 1,50 Euro
Warum gestalten Designer so gerne Flaschen? Vielleicht haben sie es da endlich mal mit den Kurven zu tun, die sie auf dem Laufsteg so oft vermissen müssen. Vor einigen Jahren haben die
niederländischen Designer Viktor & Rolf
für die Champagnermarke Piper-Heidsieck eine Flaschenedition gestaltet. Paul Smith hat unlängst für den Mineralwasserhersteller Evian eine bunte Glasflasche entworfen.
Und nun hat Karl Lagerfeld für Coca-Cola light eine Flasche designt. Dem Alublech-Behältnis, welches die Marke neben der klassischen Glasflasche vertreibt, verpasste er einen sanften Weiß-Grau-Verlauf, eine pinkfarbene Kappe – und einen Schattenriss des Meisters selbst. Das so abgefüllte Getränk gibt es zurzeit in gehobenen französischen Supermärkten oder Stores wie dem Pariser Colette zu kaufen, in Deutschland ist es nicht erhältlich.
Karl Lagerfeld hat sich schon einmal im Flaschendesign geübt. Vor etlichen Jahren gestaltete er eine Champagnerflasche für Dom Perignon. Damals spickte er den Glaskörper mit seltsamen goldenen Nieten, was ein bisschen aussah, als hätte die traditionsreiche Flasche einen allergischen Schock erlitten.
Dass er die Gestaltung der Colaflasche mit dem eigenen Abbild versieht, mag eitel, wenn nicht gar selbstsüchtig erscheinen. Modeschöpfer, die vor ihm diese Ehre hatten, gebärdeten sich bescheidener. Für den deutschen Markt hatte schon der New Yorker Zac Posen eine Coca-Cola-light-Flasche kreiert. Sie war golden mit pinkfarbenen Punkten. Auch der Spanier Manolo Blahnik stand schon im Dienste des Brauseabfüllers. Er malte viele kleine Damenschuhe auf das Aluminiumblech.
Dass nun Lagerfeld die Koffein-Limonade in ein neues Kleid steckt, hat eine ganz andere Dimension, denn keinem Getränk ist Lagerfeld so verbunden wie Cola light. Er wird praktisch von ihr angetrieben, wie Autos von Benzin. Sein ehemaliger Assistent Arnaud Maillard schrieb in seinem Buch Karl Lagerfeld und ich, dass überall, wo Lagerfeld erschien, kalte Cola light vorgehalten werden musste, bevorzugt in einem Kristallglas. So ist es nur konsequent, wenn eine von ihm gestaltete 0,33-Liter-Cola-light-Flasche ihn selbst zeigt. Vermutlich empfindet Lagerfeld eine viel stärkere emotionale Bindung zu der braunen Brause als zu Champagner.
- Datum 28.06.2010 - 10:04 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 24.06.2010 Nr. 26
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.. quasselt er so überdreht!
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