Fifa und Apartheid: Blatters Schweigen
Der Fifa-Präsident lässt sich als Freund Afrikas feiern – und verliert kein Wort über die Rolle seines Verbandes zur Zeit der Apartheid. Von Bartholomäus Grill
© Antonio Scorza/AFP/Getty Images

Sepp Blatter: Friedensnobelpreis? Wofür nur!
"Wir entschuldigen uns im Namen des Rugby-Sports bei allen schwarzen Südafrikanern, die unser Land nicht repräsentieren durften und durch die rassistische Ideologie der früheren Regierung unterdrückt wurden." Diese Abbitte hatte niemand erwartet, schon gar nicht von der Rugby-Union Südafrikas, die wie keine andere Sportorganisation die Rassenpolitik des weißen Regimes exekutierte. Dennoch war sie die erste, die nach dem Untergang der Apartheid um Vergebung bat. 16 Jahre hat das gedauert.
Die Fifa aber schweigt noch immer. Die Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbands wollen sich während der Weltmeisterschaft 2010 als großherzige Gönner feiern lassen – schließlich haben sie Südafrika die erste WM auf afrikanischem Boden beschert. Fifa-Präsident Sepp Blatter und seine Adjutanten treten in diesen Tagen so selbstherrlich auf, als hätte ihre Organisation im Widerstand gegen die Apartheid an vorderster Front gestanden. In Wahrheit hat die Fifa lange Zeit ihre schützenden Hände über den weißen südafrikanischen Fußballverband gehalten, der schwarze, farbige und indischstämmige Spieler ausschloss und zu Menschen zweiter Klasse degradierte. Die WM hätte dem Verband eine ideale Gelegenheit geboten, um sich endlich dafür zu entschuldigen. Doch den Fifa-Granden fehlt – anders als dem Rugby-Verband – der Mut zur Selbstkritik. Sie lassen sich in Südafrika hofieren, und Sepp Blatter, das ist kein Witz, wird sogar als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt. Wofür nur?
Südafrika war in der Ära der Apartheid weltweit geächtet. Nach dem Soweto-Aufstand 1976 wurde die globale Antiapartheidbewegung zur größten Menschenrechtsbewegung aller Zeiten. Aber die herrschenden Buren beeindruckte der weltweite Protest genauso wenig wie das Waffenembargo oder die Handelsblockade. Nur eine Strafmaßnahme traf sie wirklich: der Sportboykott.
Die weißen Südafrikaner sind ein sportbegeistertes Volk, Cricket, Rugby, Rasenbowling oder Golf sind Teil ihrer kolonialen Identität, und sie empfanden es als tiefe Kränkung, bei internationalen Wettbewerben nicht mehr mitmachen zu dürfen. Aber es war ein langes, zähes Ringen, ehe sie endgültig isoliert wurden, und die Weltsportverbände gaben dabei eine traurige Figur ab.
Die Politik der Apartheid, 1948 zur Staatsdoktrin erhoben, wurde im Laufe der fünfziger Jahre in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens vollstreckt; auch im Sport war die strikte Rassentrennung gesetzliche Pflicht. Die exklusiv weißen Verbände lehnten nicht-weiße Mitglieder ab, gemischte Wettbewerbe wurden verboten, und nur hellhäutige Athleten durften Südafrika im Ausland repräsentieren. Die Funktionäre multiethnischer Sportorganisationen verfolgte das Regime als Staatsfeinde. Besonders verhasst war ihnen Dennis Brutus, ein junger farbiger Dichter und Journalist, der den Ausschluss Südafrikas von der olympischen Bewegung forderte. Immer wieder appellierte er an die alten weißen Männer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), immer wieder hörte er: Das ist Politik, da mischen wir uns nicht ein. Als es Brutus einmal gelang, den mächtigen IOC-Präsidenten Avery Brundage zur Rede zu stellen, beschied ihn dieser kategorisch: "Selbst wenn ich der einzige Zuschauer bin und Südafrika das einzige Team im Stadion ist, werden die Spiele weitergehen."






Der gute Mann schweigt nicht nur zur Apartheid sondern auch dazu:
http://www.youtube.com/wa...
Recht schweigsam der Herr Blatter, gar introvertiert ?
Wie lange hat es denn eigentlich bei uns gedauert, bis eine leidlich bemühte "Aufarbeitung" unserer eigenen massen-mörderischen "Apartheitspolitik" statt gefunden hat und deren Sympathisanten aus Politik, Recht, Wirtschaft, Sport, Kultur, Medizin, Medien und, und, und weitestgehend unbelästigt ein ruhiges Leben führten?
es geht doch nicht um Südafrika und die Bewältigung der Verbrechen der Apartheit (wo ich im übrigen finde, daß die Wahrheitskommissionen einen vortrefflichen Ansatz darstellen) sondern um das kurze Gedächtnis der FIFA (Sitz:Schweiz) bezüglich ihrer mittelbaren Unterstützung der Apartheit. Neben ihrer Korruptheit - danke für den link im ersten Kommentar, ein sehr sehenswerter Film.
es geht doch nicht um Südafrika und die Bewältigung der Verbrechen der Apartheit (wo ich im übrigen finde, daß die Wahrheitskommissionen einen vortrefflichen Ansatz darstellen) sondern um das kurze Gedächtnis der FIFA (Sitz:Schweiz) bezüglich ihrer mittelbaren Unterstützung der Apartheit. Neben ihrer Korruptheit - danke für den link im ersten Kommentar, ein sehr sehenswerter Film.
es geht doch nicht um Südafrika und die Bewältigung der Verbrechen der Apartheit (wo ich im übrigen finde, daß die Wahrheitskommissionen einen vortrefflichen Ansatz darstellen) sondern um das kurze Gedächtnis der FIFA (Sitz:Schweiz) bezüglich ihrer mittelbaren Unterstützung der Apartheit. Neben ihrer Korruptheit - danke für den link im ersten Kommentar, ein sehr sehenswerter Film.
Ein sehr guter Artikel.
Dennoch frage ich mich, warum Zeit-Online so feige ist und erst das Ausscheiden Deutschlands abwartet, um kritisch über die mafiöse FIFA zu berichten.
Halten Sie die Leser hier für so dauerbesoffen, dass sie nicht empfänglich wären für kritische Berichterstattung während der Spiele?
Wenn das der Fall ist, sollten Sie vielleicht mal öfter die Kommentare durchlesen, um zu erkennen, dass viele Leser die WIRKLICH wichtigen Nachrichten vermissen und dem Hype um die WM AUCH wegen Blatter und FIFA skeptisch gegenüberstehen.
Sie sollten außerdem Ihre Konkurrenz nicht immer als Feind betrachten, sondern bereit sein, von ihr zu lernen, denn Spiegel Online hat schon zwei Mal während der WM die Machenschaften der FIFA offengelegt.
Fifa-Funktionäre kaufen sich frei
http://www.spiegel.de/wir...
Fifa-Präsident Blatter
Der Sonnenkönig von Südafrika
http://www.spiegel.de/spo...
Den Link meines Vorredners kann ich nur dringend empfehlen. Ich hab die Reportage vorher schon gesehen und es ist schier unglaublich, wie korrupt und kriminell Blatter und die FIFA sind.
Wenn man als seriöse Zeitung seinem "Bildungsauftrag" gerecht werden wollte, hätte man am Tag der Ausstrahlung auf arte einen kritischen Bericht bringen und auf die Sendung hinweisen können. Denn auch ich bin zufällig drauf gestoßen und viele, die die Sendung gerne gesehen hätten, haben sie womöglich verpasst.
http://fussball.amplify.c...
Natürlich wird das alles gesponnen sein, niemals könnten all die Entscheidungen, die zu den Siegen Spaniens geführt haben, gekauft worden sein, wie vorher durch Zufall quasi angekündigt. Das sind alles Zufälle, selbst die nicht vorgenommene Sperre von Villa nach einem zehn mal so offensichtlichen Foul wie das eines Frings (NACH einem Macht und OHNE klaren Videobeweis und Aussage des "getroffenen" Spielers, er habe gar nichts gespürt).
Damals traf ein durchaus gefährliches Deutschland auf den zukünftigen Weltmeister Italien.
Diesmal hätte es den jetzigen Weltmeister Spanien getroffen in einem Spiel, dass bei einer Niederlage das vorzeitige Aussscheiden aus der WM bedeutet hätte.
Im Halbfinale traf der jetzige Weltmeister dann wieder auf ein gefährliches Deutschland, welches - einen plötzliche Regeländerung sei dank - wieder einmal einen wichtigen Spieler (Top Scorer dieser WM!) missen durfte wegen zwei äußerst fragwürdigen gelben Karten.
Und bei Spanien selbst? Abseitstore, die zum Sieg führen, aberkennung regulärer Tore der Gegner, die zu Spaniens Sieg führten und auch im Hollandspiel kann man diskutieren, genaus, warum ein gut getarnter, aber kräftiger Tritt gegen Özils Achillessehne genausowenig gepfiffen wurde, wie ein viel deutlichers Foul kurz vor Ende gegen Schweinsteiger.
ALLES natürlich nur Zufälle, Zufälle, Zufälle...
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