TürkeiDer Sog des Ostens

Die Türkei kehrt sich von ihren alten Verbündeten in Amerika und Europa ab

Sind die Europäer schuld? US-Verteidigungsminister Robert Gates hat die EU als Hauptverantwortlichen für den Verlust eines wichtigen westlichen Verbündeten ausgemacht: »Wenn denn etwas dran ist, dass die Türkei nach Osten driftet, dann nicht zuletzt, weil sie von jenen in Europa getrieben worden ist, die der Türkei die organische Anbindung an den Westen verweigert haben. « Sprich: die EU-Mitgliedschaft.

Ob Gates, der von 2006 an George W. Bush als Pentagonchef diente, der EU diesen Klassenbucheintrag auch 2003 verpasst hätte, als Ankara die zweite Angriffsachse – von der Türkei südwärts – nach Bagdad verweigerte? Da war die Türkei schon vier Jahre lang offizieller EU-Beitrittskandidat, 2005 begannen die Verhandlungen. Doch der Ostwärtsdrift der Türkei deutete sich schon 2002 an, als die islamische Gerechtigkeitspartei AKP unter Tayyip Erdoğan die Macht übernahm. Der Trend beschleunigte sich 2007, als die AKP die absolute Mehrheit errang.

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Dass Ankara die Israelis mit feiner Hand in die Falle des Gaza-Protestschiffs Mavi Marmara lockte, dann unter der grünen Flagge des Propheten einen Propagandakrieg gegen Jerusalem entfesselte , schließlich im UN-Sicherheitsrat zusammen mit Brasilia das vierte Sanktionspaket gegen Iran verwarf, war nicht der EU geschuldet, auch nicht Tagestaktik. Das waren weitere Signale einer strategischen Gewichtsverschiebung in der türkischen Außenpolitik. (Pikante Fußnote: Der Libanon, der von dem Iran-Verbündeten Hisbollah mitregiert wird, hat sich enthalten.)

Mal sind es Paukenschläge wie die demonstrative Einladung des iranischen Präsidenten Ahmadineschad oder des Hamas-Führers Maschal nach Ankara. Mal läuft das Spiel über die Bande, wie im Fall der Gaza-Flottille, die in der Türkei aufgestellt wurde. Hauptorganisator und -finanzier ist der islamische Wohlfahrtsverband IHH, dem diverse Dienste eine Hamas-Connection nachsagen. Von der IHH schreibt der Kolumnist des Massenblattes Hürriyet, Semih Idiz: »Obwohl es keinen Beweis für eine direkte Verbindung gibt, sollte sich niemand darüber täuschen, dass die Erdoğan-Regierung moralisch und politisch hinter der Gruppe steht.« Auch passt die Mavi Marmara gut zu jener Wende, die schon 2001 in dem Buch Stratejik Derinlik (»Strategische Tiefe«) vorgezeichnet wurde. Verfasst hat es der heutige Außenminister Ahmet Davutoğlu. Das Traktat liest sich wie ein Aufguss geopolitischer Pseudowissenschaft vom Beginn des 20. Jahrhunderts .

Geografie sei Schicksal und Sprungbrett, lautet die Grundweisheit. Für den Außenminister ist die Türkei das »Epizentrum des Balkans, des Mittleren Ostens und des Kaukasus, mithin das Zentrum Eurasiens«, wenn nicht gar der Weltpolitik, weil sie in der Mitte des Gürtels liege, der sich von der Gegenküste des Atlantiks über das Mittelmeer zum Pazifik ziehe. Hinzu kommt der religiös-ideologische Anspruch der Türkei als »muslimische Supermacht«, war doch Istanbul die Hauptstadt des letzten Kalifats.

Ein Land entdeckt sich als Zentrum der Weltpolitik

Auf jeden Fall sei Ankaras traditionelle Rolle als Außenposten der Nato falsche Bescheidenheit gewesen, doziert Davutoğlu. Das war die »Selbstentfremdung«, umso mehr, als die »Muslime seit Ende des Osmanischen Reiches immer das kürzere Ende gezogen haben. Die AKP wird das alles korrigieren.« Der Finanzminister Simsek sekundiert: »Wir sind keine Marionetten mehr.« Hätte Gates dieses Buch gelesen, wäre ihm die Schuldzuweisung an die EU nicht so leicht über die Lippen gepurzelt.

Der türkische AKP-Kritiker Soner Cagaptay, ein Thinktanker in Washington, nimmt solche Sprüche ernst: »Der Westen kann nur wenig tun, um die Außenpolitik der AKP zu verändern.« Das hängt davon ab, wo sie hinwill – und um welchen Preis. Ist das Ziel eine strategische Neuausrichtung oder bloß Protz- und Trotzhaltung? Will Ankara die USA als Hauptmacht aus Mittelost verdrängen und deren »Festlandsdegen« Israel zermürben oder bloß eine klassische Aufsteigerpolitik betreiben, die hier sabotiert, dort konterkariert, um so eine höhere Prämie für seine Kooperation herauszuschlagen?

Leserkommentare
  1. diese/r hthschwarz hat einen Wunsch: ein völkisches Deutschland.

    Die einzigen Fremden, welche er auf deutschem Boden dulden möchte, sind christlich Verwandte Religionbrüder und -schwestern.

    Seine Haß auf alles türksich-islamische tropft aus jedem Wort seiner Kommentare. Seine befließenheit in den Sätzen, in welchen er geschickt seine überhebliche Xenophobie einbaut, ist sehr perfide.

    Lesen sie "Die Wohlgesinnten" von J. Littell , dort beschreibt der Autor mit seiner Figur Obersturmbannführer Max Aue hervorragend diese Perfidität.

    Mehr ist zu diesem Kommentator nicht zu sagen.

    Die Provinz ist in Deutschland halt am langen Hebel. Das merkt man in der Politik und der Geisteshaltung. Das untere Mittelmaß ist die Richtschnur für die konservative Stamtischpolitik.

    Man mag damit leben wollen oder nicht, wir können es uns leisten es nicht tun zu müssen.

    Türkiye, geliyorus!

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    Ich finds eigentlich ganz interesant auf diese Art Einblick in den Kopf von "gewöhnlichen" Deutschen zu bekommen, deren Meinung nicht so weich gespült ist wie die von Ihren Politikern, allen voran der Bundeskanzlerin Merkel.

    Ist halt interessant zu beobachten, das immer noch viele Menschen in diesem Land der Dichter und Denker unheimlich bildungsresistent sind.

    Andererseits auch kein Wunder bei den gleichgeschalteten Medien...

    Wir diskutieren hier immer wieder, ohne zu einem vernünftigen Ende zu kommen.
    Nehmen wir Australien oder Neuseeland zum Vorbild und sieben stärker bei der Einwanderung, nach Bildung und Qualifikation und ob das, was man im Behördendeutsch "Einfügung in die deutschen Lebensverhältnisse" nennt, gewährleistet ist.
    Sonst werden wir uns noch bis in alle Ewigkeiten mit den anmaßenden Forderungen einer aggressiven ethnischen Lobby herumschlagen, die keinerlei Skrupel hat, genau die Einwanderungsgesellschaft vor aller Welt als rassistisch und ausländerfeindlich herunterzumachen, die sie aufgenommen, ihnen Schutz und Sicherheit und die Chance zum beruflichen Aufstieg ermöglicht hat.

    Bei all der Diskussion gerät immer wieder aus den Augen, das die Aufnahme eine Entscheidung des deutschen Souveräns ist. (1961 erpresst durch die USA)
    Ein Souverän hat das Recht, den Gast freundlich zu empfangen oder den Gast nicht einzuladen oder ihn wegen schlechter Manieren wieder auszuladen.
    
Ein Souverän besitzt auch das Recht, das nicht erklären zu müssen.
    Last but not least fühlen sich viele Türken, die schon in der 2. und 3. Generation als
    Beruf "Sozialamt" angeben, wohler in D, als in ihrer Heimat der Türkei.
    Das ihre Kinder immer noch Probleme mit der D Sprache haben, liegt
    eindeutig an der Erziehung, Kinder lernen Sprachen spielend, es sei denn,
    die Eltern, oder die "unsichtbare Hand" in Ankara, die diese Gruppe steuert,
    wollen es nicht.

    Ich finds eigentlich ganz interesant auf diese Art Einblick in den Kopf von "gewöhnlichen" Deutschen zu bekommen, deren Meinung nicht so weich gespült ist wie die von Ihren Politikern, allen voran der Bundeskanzlerin Merkel.

    Ist halt interessant zu beobachten, das immer noch viele Menschen in diesem Land der Dichter und Denker unheimlich bildungsresistent sind.

    Andererseits auch kein Wunder bei den gleichgeschalteten Medien...

    Wir diskutieren hier immer wieder, ohne zu einem vernünftigen Ende zu kommen.
    Nehmen wir Australien oder Neuseeland zum Vorbild und sieben stärker bei der Einwanderung, nach Bildung und Qualifikation und ob das, was man im Behördendeutsch "Einfügung in die deutschen Lebensverhältnisse" nennt, gewährleistet ist.
    Sonst werden wir uns noch bis in alle Ewigkeiten mit den anmaßenden Forderungen einer aggressiven ethnischen Lobby herumschlagen, die keinerlei Skrupel hat, genau die Einwanderungsgesellschaft vor aller Welt als rassistisch und ausländerfeindlich herunterzumachen, die sie aufgenommen, ihnen Schutz und Sicherheit und die Chance zum beruflichen Aufstieg ermöglicht hat.

    Bei all der Diskussion gerät immer wieder aus den Augen, das die Aufnahme eine Entscheidung des deutschen Souveräns ist. (1961 erpresst durch die USA)
    Ein Souverän hat das Recht, den Gast freundlich zu empfangen oder den Gast nicht einzuladen oder ihn wegen schlechter Manieren wieder auszuladen.
    
Ein Souverän besitzt auch das Recht, das nicht erklären zu müssen.
    Last but not least fühlen sich viele Türken, die schon in der 2. und 3. Generation als
    Beruf "Sozialamt" angeben, wohler in D, als in ihrer Heimat der Türkei.
    Das ihre Kinder immer noch Probleme mit der D Sprache haben, liegt
    eindeutig an der Erziehung, Kinder lernen Sprachen spielend, es sei denn,
    die Eltern, oder die "unsichtbare Hand" in Ankara, die diese Gruppe steuert,
    wollen es nicht.

  2. ... was Ihre ellenlangen Kopien aus Wikipedia mit dem obigen Kommentar eines jüdischen Redakteurs zu tun haben ?

    Es geht ja nicht um den EU-Beitritt der Türkei. Sie haben sich im Artikel verirrt !

  3. ... anhand welcher Kriterien messen Sie die Integrationsbereitschaft von Migranten ?

    Sie haben selbst geschrieben das sich von den 15 Mio. Migranten nur die 3 Mio. Türken quer stellen würden.

    Also, was sind Ihre Integrationsmaßstäbe ? Bitte meßbare Fakten vorbringen und keine Vorurteile ala Bild-Zeitung oder Josef Joffe !

    Antwort auf "Fox_Muilder @ 374"
  4. 380. Iwo !

    Ich finds eigentlich ganz interesant auf diese Art Einblick in den Kopf von "gewöhnlichen" Deutschen zu bekommen, deren Meinung nicht so weich gespült ist wie die von Ihren Politikern, allen voran der Bundeskanzlerin Merkel.

    Ist halt interessant zu beobachten, das immer noch viele Menschen in diesem Land der Dichter und Denker unheimlich bildungsresistent sind.

    Andererseits auch kein Wunder bei den gleichgeschalteten Medien...

    Antwort auf "Fox Mulder"
  5. Wir diskutieren hier immer wieder, ohne zu einem vernünftigen Ende zu kommen.
    Nehmen wir Australien oder Neuseeland zum Vorbild und sieben stärker bei der Einwanderung, nach Bildung und Qualifikation und ob das, was man im Behördendeutsch "Einfügung in die deutschen Lebensverhältnisse" nennt, gewährleistet ist.
    Sonst werden wir uns noch bis in alle Ewigkeiten mit den anmaßenden Forderungen einer aggressiven ethnischen Lobby herumschlagen, die keinerlei Skrupel hat, genau die Einwanderungsgesellschaft vor aller Welt als rassistisch und ausländerfeindlich herunterzumachen, die sie aufgenommen, ihnen Schutz und Sicherheit und die Chance zum beruflichen Aufstieg ermöglicht hat.

    Bei all der Diskussion gerät immer wieder aus den Augen, das die Aufnahme eine Entscheidung des deutschen Souveräns ist. (1961 erpresst durch die USA)
    Ein Souverän hat das Recht, den Gast freundlich zu empfangen oder den Gast nicht einzuladen oder ihn wegen schlechter Manieren wieder auszuladen.
    
Ein Souverän besitzt auch das Recht, das nicht erklären zu müssen.
    Last but not least fühlen sich viele Türken, die schon in der 2. und 3. Generation als
    Beruf "Sozialamt" angeben, wohler in D, als in ihrer Heimat der Türkei.
    Das ihre Kinder immer noch Probleme mit der D Sprache haben, liegt
    eindeutig an der Erziehung, Kinder lernen Sprachen spielend, es sei denn,
    die Eltern, oder die "unsichtbare Hand" in Ankara, die diese Gruppe steuert,
    wollen es nicht.

    Antwort auf "Fox Mulder"
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    Sehr gute Äußerungen. Kann Ihnen voll inhaltlich zustimmen.
    m.f.G
    hthschwarz

    Sehr gute Äußerungen. Kann Ihnen voll inhaltlich zustimmen.
    m.f.G
    hthschwarz

  6. Na, da hat Ihre Familie sich exakt so verhalten wie das BÜLENT ECEVIT als Arbeitsminister der Türkei 1961 das damals beabsichtigte:
    1.)Nach Deutschland seine Landsleute schicken zum Devisen verdienen. Die Türkei benötigte dringend Devisen, um Waffen zu kaufen. Das hat Ihre Familie ja trefflich getan. (siehe Haus in Antalya, Eigentumswohnung in Istanbul) Ich gönne Ihrer Familie dieses. Hat ja dem Türk. Staat mächtig Devisen gebracht.
    2.) Ausbildung seiner Landsleute in Deutschland, da die Türkei weder finanziell noch kulturell dazu in der Lage war. Sind doch Ihre beiden Brüder Ingenieur geworden. Und das kostenfrei. (für Ihre Familie)

    Warum hetzen Sie so gegen ein Land, dass sowohl Ihnen als auch dem türk. Staat durch Ihre Familie die Möglichkeit gab sein Außenhandelsbilanzdefizit zu verringern?

    Aber wie Sie ja mitteilen, wandern Sie und Ihre Familie in die Türkei zurück, wie das ja auch ursprünglich 1961 so vorgesehen war. Also doch Vertragstreue. Meine Hochachtung, wenn Sie dies tatsächlich umsetzen. Und wirklich alles Gute dort.

  7. Sehr gute Äußerungen. Kann Ihnen voll inhaltlich zustimmen.
    m.f.G
    hthschwarz

  8. Einen tendenziösen Satz wie "Dass Ankara die Israelis mit feiner Hand in die Falle des Gaza-Protestschiffs Mavi Marmara lockte, dann unter der grünen Flagge des Propheten einen Propagandakrieg gegen Jerusalem entfesselte, schließlich im UN-Sicherheitsrat zusammen mit Brasilia das vierte Sanktionspaket gegen Iran verwarf..." würde man vielleicht in einer Likud-nahen Zeitung wie der Jerusalem Post erwarten, aber nicht in der ZEIT, und erst recht nicht vom Herausgeber der Zeit. Die ZEIT erweist dem Streben nach einer ausgewogenen Meinungsbildung zum Nahen Osten kaum einen Dienst, wenn sie sich in dieser unseriösen Weise auf die Seite der letzten verbliebenen 'westlichen' Kolonialmacht stellt.

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    ... sieht man an vielen seiner Bemerkungen. Er steht für die amerikanisch-israelische Achse und zitiert nicht nur aus jüdischen Medienblättern, sondern auch von konservativen Thinktankern aus Washington.

    Insofern ist der ganze Beitrag nur ein Schmähwerk nicht nur gegen die Türkei, sondern auch gegen alle, die sich gegen die Hegemoniebestrebungen der USA und seines Anhängsels Israel stellen. Man denke hier nur mal an Brasilien.

    Insofern ist es echt schade, das die ZEIT zu einem Propaganda-Blatt irgendeiner politisch-militärischen Achse verkommen ist. Da ist ja die Bild-Zeitung fast unabhängiger !

    ... sieht man an vielen seiner Bemerkungen. Er steht für die amerikanisch-israelische Achse und zitiert nicht nur aus jüdischen Medienblättern, sondern auch von konservativen Thinktankern aus Washington.

    Insofern ist der ganze Beitrag nur ein Schmähwerk nicht nur gegen die Türkei, sondern auch gegen alle, die sich gegen die Hegemoniebestrebungen der USA und seines Anhängsels Israel stellen. Man denke hier nur mal an Brasilien.

    Insofern ist es echt schade, das die ZEIT zu einem Propaganda-Blatt irgendeiner politisch-militärischen Achse verkommen ist. Da ist ja die Bild-Zeitung fast unabhängiger !

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