Kapitalanlage Ewigkeit zum Anfassen

Das Vertrauen in Euro und Dollar schwindet. Manche Menschen sagen: Wir haben es immer gewusst – nur Gold ist wahres Geld

Zwei Männer sitzen in der Bar des Four Seasons Hotel in Singapur. Umwege über Wetter und Familie ersparen sie einander. Sie kommen übergangslos auf Wirtschaftsthemen zu sprechen.

Der eine, Jim Rogers, hat es zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht, über dessen genauen Umfang er nicht spricht. »Südstaatenmanieren«, sagt er. In den siebziger Jahren gründete er mit George Soros den Hedge Fund Quantum, einen der ersten Hedgefonds überhaupt, und weil er damit so erfolgreich war, setzte Rogers sich 1980 mit 37 Jahren zur Ruhe. Was so viel heißt wie: Er spekuliert seither auf eigene Rechnung.

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Der andere, Brite, ein ehemaliger Manager, lebt wie Rogers in Asien. Er ist auf Kurzbesuch in der Stadt. Vor 40 Jahren saßen beide mal bei einem Hochschulwettkampf in Ruderbooten auf der Themse – der Brite für Cambridge, Rogers für Oxford. Oxford gewann.

Die Männer fragen nach Pimm’s Cup, einem Cocktailklassiker aus Kolonialzeiten. Als sich die Kellnerin entfernt, um nach dem Rezept zu fragen, verdirbt ein Schuss Hohn ihr Gelächter. Sie kehren zu ihrem Gespräch zurück. Rogers ist entsetzt über das Rettungspaket, das die EU aufgelegt hat . »Wenn selbst die Deutschen aufgeben und Geld drucken – welche Währung bleibt dann noch verlässlich?«

Er habe Dollar gekauft, sagt Rogers, ohne rechte Überzeugung. Seinem Bekannten rät er, er solle sich ein Feld und einen Traktor in Myanmar kaufen. Land und Landwirtschaft, Sicherheiten an einem vergessenen Ort voller Zukunft. Der Bekannte lacht. Sehr laut. Rogers drückt ihm einen Silberdollar in die Hand, sagt: »Für schwere Zeiten.« Es soll wie ein Scherz klingen, aber seine Augen lächeln nicht mit. Die Geste ist von einer irritierenden fürsorglichen Zärtlichkeit.

Ortswechsel: Vor dem Schubert-Salon des Konferenzhotels CCH, im Herzen des Industriegebiets von Oldenburg, gibt es am Nachmittag dickhäutige Quarkstückchen, Saft und Filterkaffee an Stehtischen. Der Veranstalter, ein Edelmetallhändler, hat seine Kunden zu einem Vortrag eingeladen. Das Thema: »Sicherungsstrategien auf Edelmetallbasis«. Der Redner: Prof. Dr. Hans J. Bocker, Autor des Werks Freiheit durch Gold. Sklavenaufstand im Reich der Papierkönige. Der Saal ist mit Armlehnsesseln auf royalblauer Auslegeware bestuhlt. Auf dem Sonnensegel unter der Decke wachsen Stockflecken.

Die Zuhörer tragen Jeans und Lederschuhe, Anzüge und offene Hemden, rote Kostüme und Perlenketten. Gold , sagt der Redner, der hinter einem langen Tisch Platz genommen hat, sei ewig. Gold habe alle Zeit der Welt. Und sein Preis, sagt Bocker, werde auch weiterhin steigen, »erst Richtung Mond, dann Richtung Mars«. Weil die Regierungen nicht in der Lage seien, ordentlich zu wirtschaften, und die Notenpressen anwürfen, wenn es eng werde. Zustimmendes Nicken in den Stuhlreihen.

Amerika, fährt Bocker fort, stünden die schwierigsten Zeiten noch bevor. Bei 200 Millionen übergewichtigen Bürgern, »das ganze vage, schwabbelnde Zeug, das da über den Bürgersteig kriecht«, sei schon die Gesundheitsreform gar nicht zu finanzieren. Ein Beamer wirft das Foto einer extrem fettleibigen Frau in Strandbekleidung an die Wand. Kichern im Saal. »Kauft, solange es noch Gold zu kaufen gibt!«, rät Bocker. Am besten in kleinen Einheiten, weil Münzen sich im Ernstfall leichter aufteilen und transportieren lassen als Barren. Nach zwei Stunden Vortrag bittet der Veranstalter um eine kurze Pause.

Der Impuls, in Zeiten der Krise nach Sicherheiten Ausschau zu halten, liegt nahe. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Aktienkurse können kollabieren, Immobilien zerstört werden, Kriegsanleihen rächen sich durch Wertlosigkeit an ihren Haltern. Währungen sind im Laufe der Geschichte schon zu bunten Papierzetteln verkommen, denen die Nachkommen so viel Beachtung schenken wie einer zweitklassigen Briefmarkensammlung. Selbst der Goldkurs hat immer wieder Schwankungen unterlegen.

Leser-Kommentare
    • joflo
    • 26.06.2010 um 20:49 Uhr

    Wenn es dann zum großen Crash kommt, wer kauft ihm denn das Gold wieder ab bzw. tauscht es in Lebensmittel?

    • iDog
    • 26.06.2010 um 22:53 Uhr

    wieviel wird das gold wert sein nach dem vermeintlichen totalcrash?

    ich schaetze mal so um die 30 dollar die unze, denn crash ist eben crash !

  1. Der Goldpreis steigt nicht nur, weil momentan es so viele haben wollen, sondern spiegelt gleichzeitig natürlich auch den realen Wert- und Vertrauensverlust der Währungen und in die Regierungen wieder.

    Vielleicht sollte man auch daran denken, was man seinerzeit für 30 USD in Deutschland kaufen konnte, als die Unze diesen (sehr niedrigen) Wert hatte.

    Einen durchaus größeren Vermögensanteil (so man glücherweise einen hat), in Rohstoffen zu halten (wer kann das schon?) oder darum eben Edelmetalle ist sicherlich nicht die dümmste Idee, wenn man auch ausreichend kleine Stückelungen für alltägliche oder wöchentliche Dinge hat, neben ein paar ausgesuchten Vorräten im Keller.

    Wenn es crashed zum Währungsschnitt ist Freitagabend, dann ist auch Just-in-Time obsolet - die Supermärkte, Kauf- und Bauhäuser leben aus der täglichen LKW-Lieferung. Da ist nach allerspätestens 2 Tagen alles leer, Banken womöglich wochenlang geschlossen, der privatisierte Strom- und Wasserbezug möglicherweise abgestellt, Tankstellen geschlossen, alle Bezugsplätze von Polizei und Bundeswehr bewacht. Lesen Sie in der Notstandsgesetzgebung und Katastrophenplanung.

    Geld- und Giralguthaben dürften auf 10% abgewertet werden (sonst macht es keinen Sinn mit dem "Schuldenabbau").

    • iMax
    • 27.06.2010 um 7:24 Uhr

    Dabei unternehmen unsere geschmierten Regierungen doch eh alles, dass dies eben nicht geschehen wird. Schon aus reinem Eigeninteresse der Reichen. Die würden es auch nur ungern sehen, wenn deren Vermögen auf 10% des ursprünglichen Werts schrumpft.

    Ich denke, das ein Crash erst mal nicht stattfinden wird. Wird vielleicht noch ein paar Turbulenzen geben, aber der Crash wird mit aller Macht verhindert werden.

    Ein Crash würde ja den Mittelstand und die weniger wohlhabenden am wenigsten Treffen, die besitzen eh keine großen Summen auf den Konten. Das trifft nur die, die richtig viel Geld auf ihren Konten liegen haben.

    Das wenige Ersparte könnte man ja rechtzeitig in ein neues oder zweites Auto investieren, dann hat man wenigstens was in der Hand.

    Wie ist es mit Schulden? Wenn ich einen Crash vorhersehen würde und noch kräftig Schulden machen würde, würden die dann auch auf 10% schrumpfen?

    Wie auch immer, wie im Jahr 2000 wird die Apokalypse wahrscheinlich mal wieder verschoben...

    imax

  2. Der Handelswert der Ware Gold ist in kurzer Zeit schnell auf eine enorme Höhe gestiegen. Das ist ja nichts anderes als eine singuläre produktbezogene galoppierende Inflation.

    Bei Immobilien in den USA haben wir erlebt, wie so etwas enden kann. Momentan steigen bestimmte Immobilenpreise (z.B. hier im Hamburger Raum) ebenfalls. In Spanien platzte die Blase gerade. Beim Gold kann das ebenfalls so kommen, muß aber nicht.

    Wertpapiere haben im Zuge der Finanzkrise einen schlechten Ruf bekommen, speziell einige bestimmte Arten. Also verlagern die Vermögensanleger ihr Interesse auf andere Dinge. Was sich dann in irgendeiner Zukunft tatsächlich als eine gute Vermögensanlage erweist, das zeigt sich in dem Moment, wenn man die Sachwerte gegen andere Waren oder Dienste eintauschen möchte. Niemand kennt die Zukunft wirklich.

    Generell zeigt die Entwicklung, daß das Vertrauen in Geld gesunken ist. Der Preis einer Ware ist ja nichts anderes als eine Relation. Beim Gold ist dies besonders deutlich, da es weder nennenswert konsumierbar oder produktiv einsetzbar ist und auch sonst keine Erträge abwirft. Wer würde bei einer Hungersnot das Zeugs gegen Hergabe von Kartoffeln, Reis oder Brot annehmen wollen?

    Das Vertrauen in das Zahlungsmittel Dollar, Euro o.ä. basiert auf dem Vertrauen in die Wirtschaft. Und dies Vertrauen ist durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erheblich gestört worden. Wesentlich wurde das durch eine permanent übermäßige Verschuldung erzeugt. Obama möchte das fortsetzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bei einer Hungersnot tauscht niemand Nahrung gegen Gold.
    Man nimmt sich das Gold einfach, wenn der Gold-Besitzer verhungert ist.
    Wenn ein Totalkollaps kommt, herrscht sowieso Anarchie.
    Wer zahlt dann noch die Ordnungskräfte und womit?
    Da bräuchte es schon externe Kräfte, wie die Besatzer nach dem Krieg.
    Darum gäbe es bei einem globalen Crash einfach nur Chaos.
    Jedes Land müsste nach sich selber schauen.
    Jeder Mensch müsste nach sich selber schauen.
    Mehr als seither!

    Bei einer Hungersnot tauscht niemand Nahrung gegen Gold.
    Man nimmt sich das Gold einfach, wenn der Gold-Besitzer verhungert ist.
    Wenn ein Totalkollaps kommt, herrscht sowieso Anarchie.
    Wer zahlt dann noch die Ordnungskräfte und womit?
    Da bräuchte es schon externe Kräfte, wie die Besatzer nach dem Krieg.
    Darum gäbe es bei einem globalen Crash einfach nur Chaos.
    Jedes Land müsste nach sich selber schauen.
    Jeder Mensch müsste nach sich selber schauen.
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