Kolumne Wörterbericht
Spiegeltrinker
Es wäre durchaus verständlich, wenn der immer noch mit seinem Rücktritt ringende Exbischof Walter Mixa nach einem schuldbewussten Blick in den Spiegel zum Trinker geworden wäre. Oder wenn er nach dem Bericht des Spiegels (und anderer Presseerzeugnisse) über seine Verfehlungen zur Flasche gegriffen hätte. Aber nein, der Spiegeltrinker, als welcher Mixa nun in einer Akte für den Papst geoutet wurde, ist nur ein besonders armes Schwein auf dem weiten Feld der Potomanie, wie man früher sagte, der Trunksucht. Er braucht ständig einen deutlich erhöhten Blutalkoholspiegel, um überhaupt durch den Tag zu kommen. Aber der HErr hat auch für seine gefallenen Diener Trost bereit. Wie heißt es im 1. Korintherbrief? »Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht.«
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- Datum 24.06.2010 - 08:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.06.2010 Nr. 26
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