Bewerbung Namenlos sucht einen Job
Frankreich versucht etwas Neues gegen Diskriminierung am Arbeitsmarkt: Anonyme Bewerbungen
© Justin Sullivan/Getty Images

Ein Bewerber durchsucht die Stellenanzeigen in einer Zeitung
Der junge Mann will unbedingt anonym bleiben. Es sei ja nur so ein Gefühl, sagt er. Beweise habe er nicht. Aber komisch sei das doch schon, dass er Bewerbung um Bewerbung geschrieben und nicht einmal eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen habe. Der Mann ist in Frankreich geboren, lebt mit französischem Pass in der Nähe von Straßburg. Sein Familienname ist türkisch. Das, meint er, sei der Grund für die Ablehnung.
Überraschend wäre es nicht. Tausende beklagen sich jedes Jahr in Frankreich, dass sie aufgrund ihrer Herkunft, einer dunklen Hautfarbe oder eines arabischen Namens benachteiligt würden. Bei der Wohnungssuche etwa und noch häufiger bei Beförderungen. Die jüngste Statistik der Antidiskriminierungsbehörde Halde hat es gerade wieder an den Tag gebracht. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Der Alltag hinkt weit hinter den Idealen der Revolution von 1789 hinterher.
Oft beginnt es bereits im Bewerbungsverfahren. Seit November läuft in den Arbeitsämtern von acht Departements ein Pilotprojekt mit anonymen Lebensläufen. Offiziell sollen damit alle möglichen »Risikogruppen« eine Chance bekommen: Bewerber über 50, solche mit körperlichen Behinderungen, Frauen, Franzosen ausländischer Abstammung oder mit Wurzeln in den ehemaligen Kolonien, Bewohner verrufener Vorstädte. »Aber in erster Linie geht es natürlich um die Diskriminierung aufgrund der Herkunft«, sagt Marie-Louise Hartmann vom Arbeitsamt im elsässischen Molsheim, wo sie auch den jungen Mann mit dem türkischen Namen betreut. Leuten wie ihm will sie helfen, »die erste Hürde zu nehmen«. Sie ist überzeugt: »Wenn man einen Menschen vor sich sieht, verlieren Vorurteile ihre Macht.« Deshalb fragt sie nun bei jedem eingehenden Stellenangebot bei den Unternehmen nach, ob sie an dem Pilotprojekt teilnehmen wollen, und streicht im Fall einer positiven Antwort sämtliche persönlichen Angaben wie Name, Alter, Adresse oder Nationalität aus den Bewerbungsunterlagen.
Die zuständigen Behörden stoßen Papier aus – sonst nicht viel
Natürlich ist Diskriminierung in Frankreich gesetzlich verboten. Das Land beschäftigt zudem eine Vielzahl von Behörden mit dem Thema. Zwar schaffte Präsident Nicolas Sarkozy das Ministerium für Chancengleichheit bei seinem Amtsantritt 2007 ab. Im Dezember 2008 bestellte er dann aber einen »Hochkommissar für Diversität und Chancengleichheit«, der wiederum eine »Kommission für die Messbarkeit und Bewertung von Diskriminierung und Vielfalt« ins Leben rief. Es gibt außerdem die Antidiskriminierungsbehörde Halde und die Beobachtungsstelle für Diskriminierungen, dazu eine Staatssekretärin für Städteplanung, die Pläne gegen die gesellschaftliche Ächtung von Einwandererfamilien aus den berüchtigten Banlieues aufstellt.
Viel mehr als den Ausstoß von Papier scheinen diese Stellen allerdings nicht zu bewirken, wenn man etwa die Debatte über die neue Führung von Halde vor wenigen Wochen verfolgte. Der Vorsitzende der Sarkozy-Partei UMP im Senat wünschte sich einen »Vertreter des traditionellen Frankreich« an der Spitze und nicht Malek Boutih, dessen Eltern aus Algerien nach Frankreich kamen. Schließlich einigte man sich auf Jeannette Bougrab. Mutter und Vater der Juristin stammen zwar auch aus der ehemaligen Kolonie in Nordafrika, hatten sich aber im Unabhängigkeitskrieg auf die französische Seite geschlagen. Der Kommentar einer Konzernsprecherin, die freilich ungenannt bleiben will, zur Idee der anonymen Lebensläufe ist ebenfalls vielsagend: »Man tut so, als seien alle Menschen gleich. Aber das ist nicht der Fall.«
Seit Jahren gibt es Studien darüber, dass Bewerber nordafrikanischer Herkunft in Frankreich fünfmal so schlechte Chancen auf einen Job haben wie die Gesamtbevölkerung. Und wer eine Adresse in einer Banlieue hat, bekommt nur halb so wahrscheinlich eine Zusage. »Es gibt eine ungeheure Heuchelei«, sagt Jean-François Amadieu, Autor der Studien und Vorsitzender der Beobachtungsstelle für Diskriminierungen. Der Soziologe hält es für »unnötig, dass nun wieder herumexperimentiert wird. Wir haben alle wichtigen Daten.« 2006, nach Aufständen in Pariser Vorstädten, sollten Unternehmen schon einmal gesetzlich verpflichtet werden, Bewerbungsverfahren zu anonymisieren. Aber dann verlief die Sache im Sand. »Manche Dinge wollen die Franzosen einfach nicht wahrhaben«, bedauert Amadieu.
- Datum 30.06.2010 - 12:04 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 01.07.2010 Nr. 27
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Gegen gewollte Diskriminierung hilft die anonyme Bewerbung wenig, allerdings werden so erstmal einige Fakten geprüft, bevor Aussehen und Herkunft ein Rolle spielen und unbewusste Vorurteile so reduziert, wenn auch nicht aufgehoben.
....die vielleicht etwas bringt und vielleicht nicht. Letztlich ist aber die einzige Lösung über den Rückgriff auf statistische Zahlen der Belegschaft und hohen Schadensersatz für abgelehnte Personen, die statistisch in der Organisation unterrepräsentiert sind. Ähnliches wäre auch auf die Einkommensverteilung anzuwenden. Natürlich muss das genauer formuliert und strukturiert werden, aber eine solche Lösung schiene eine gangbare Lösung.
....die vielleicht etwas bringt und vielleicht nicht. Letztlich ist aber die einzige Lösung über den Rückgriff auf statistische Zahlen der Belegschaft und hohen Schadensersatz für abgelehnte Personen, die statistisch in der Organisation unterrepräsentiert sind. Ähnliches wäre auch auf die Einkommensverteilung anzuwenden. Natürlich muss das genauer formuliert und strukturiert werden, aber eine solche Lösung schiene eine gangbare Lösung.
"Kein Name, keine Adresse, kein Alter, nichts. Nur die Angaben zum schulischen und beruflichen Werdegang sind geblieben."
Ah! Da ist das ominöse »Sich ein Bild machen.« wieder.
Und sobald der Herr Soundso mit dem "stolzen" Alter von 54 auftaucht »diskriminiert man im zweiten Schritt«, dem Vorstellungsgespräch.
Also nicht das ich da etwas dagegen habe, ich finde die Idee toll, vor allem bei den ausufernden "Online Bewerbungen" (schon wieder so eine richtig falsche Begrifflichkeit). Das kann dem Bewerber helfen, sein Recht auf informative Selbstbestimmung zu wahren.
Aber kritisch sehen muss man es trotzdem. Vor allem wenn sich vor Augen führt, dass der Diskriminierungsschutz in Deutschland ein echter Papiertiger ist und nur bei ganz extremen Fällen wirklich greifen kann.
Gerade bei nicht anonymen E-Mail-Bewerbungen besteht die Gefahr, das man mit den "Datensätzen" gröbsten Schindluder betreiben kann.
In diesen Elektronischen Kopien sind so ziemlich alle Daten vorhanden, die viele, viele Interessengruppen interessieren.
Name, Alter, Ehestand, Schulbildung, Ausbildung, Studium, Berufserfahrung, Berufsart, möglicherweise Angaben zum Verdienst bzw. "Wunschverdienst" (mit Angaben der Gehaltsvorstellung), Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer.
Oder möchte jemand, wie vor etwas längerer Zeit eine Firma mit nicht virituellen Bewerbungen getan hat, seine Bewerbungsmappen mit Inhalt auf Ebay oder ähnlichen Plattformen (Banken, Versicherungen, Firmen bei denen man Kunde ist) zirkulieren wissen?
Gerade bei nicht anonymen E-Mail-Bewerbungen besteht die Gefahr, das man mit den "Datensätzen" gröbsten Schindluder betreiben kann.
In diesen Elektronischen Kopien sind so ziemlich alle Daten vorhanden, die viele, viele Interessengruppen interessieren.
Name, Alter, Ehestand, Schulbildung, Ausbildung, Studium, Berufserfahrung, Berufsart, möglicherweise Angaben zum Verdienst bzw. "Wunschverdienst" (mit Angaben der Gehaltsvorstellung), Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer.
Oder möchte jemand, wie vor etwas längerer Zeit eine Firma mit nicht virituellen Bewerbungen getan hat, seine Bewerbungsmappen mit Inhalt auf Ebay oder ähnlichen Plattformen (Banken, Versicherungen, Firmen bei denen man Kunde ist) zirkulieren wissen?
Gerade bei nicht anonymen E-Mail-Bewerbungen besteht die Gefahr, das man mit den "Datensätzen" gröbsten Schindluder betreiben kann.
In diesen Elektronischen Kopien sind so ziemlich alle Daten vorhanden, die viele, viele Interessengruppen interessieren.
Name, Alter, Ehestand, Schulbildung, Ausbildung, Studium, Berufserfahrung, Berufsart, möglicherweise Angaben zum Verdienst bzw. "Wunschverdienst" (mit Angaben der Gehaltsvorstellung), Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer.
Oder möchte jemand, wie vor etwas längerer Zeit eine Firma mit nicht virituellen Bewerbungen getan hat, seine Bewerbungsmappen mit Inhalt auf Ebay oder ähnlichen Plattformen (Banken, Versicherungen, Firmen bei denen man Kunde ist) zirkulieren wissen?
dass Bewerber nordafrikanischer Herkunft in Frankreich fünfmal so schlechte Chancen auf einen Job haben wie die Gesamtbevölkerung. "
Und wie sieht es damit in D-land aus, gehen sie mal als Nachfahre von Ostpreußen, Besarabiern, Siebenbürgen oder Schlesiern mit entsprechend 'un'deutsch klingenden Namen auf Arbeitssuche.
Neben gezwungenen sprachlichen Vergewaltigung des Namens durch Personaler, werden sie das Selbe erleben und bei arabisch klingenden Namen ist es wahrscheinlich das Gleiche. Kenne Leute die extra ihren Namen gewechselt oder eingedeutsch haben.
Ist aber auch hier in Canada das selbe, da wechseln vor allen Dingen Asiaten und Araber ihre Namen und nehmen englische Namen an, nur um bei der Vorauswahl nicht gleich rauszufallen.
Gab sogar racial profiling auf Ingenieursjobmessen, wo ein großes Unternehmen Fotos von potentiellen Kandidaten aufgenommen hat, und es kam raus das non-whites damit ausgesiebt werden sollten und wurden.
Ansonsten kann ich #2 nur zu stimmen.
Die Tatasache, dass bspw. Türken schlechtere Chancen haben, kommt ja nicht von ungefähr. Ich denke nicht, dass jemand mit einem englischen oder chinesischen Namen ähnliche Probleme hat.
Würden sie nicht immer und überall negativ auffallen, gäbe es sicher auch dieses Problem nicht.
In Deutschland ist es doch das gleiche.
Wirklich! Das ist nett gemeint, ehrenwert die Motivation. Aber das wird wieder ein Argument für diejenigen sein, die meinen, dass so etwas wie Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft, Hautfarbe etc. es in Deutschland gar nicht gibt.
Seht her, werden sie sagen, Diskriminierung hat in Deutschland keine Chance.
denn die Diskriminieren - nach der Leistung. Das ist das Ziel der Gleichmacherei.
Bringen wird es nicht. Ich bezweifle übrigens die Brisanz dieses Themas das sich mit einem einfachen eindeutschen/franzosifizieren der Namen erledigen würde. Wäre das die schlimmste Lösung ? Ein indischer Kollege in den USA hatte so einen unaussprechlichen Namen, dass er allen eine großen Gefallen machen würde, wenn er sich damit abfindet das man seltsame Namen in den USA nicht haben will - es ist einfach nervend.
da keift der Quotenliberale wieder. Schulnoten abschaffen *gääähn* gleichmacherei *GÄÄÄÄÄÄÄHNNNN*
Leute wie Sie nerven mit ihren Forderungen der vollständigen assimilierung. den Namen ändern,... wie wärs denn wenn sich für Sie alle Ausländer weiss schminken und nicht mehr reden, hautfarbe und Akzent stören Sie bestimmt auch hm ?
da keift der Quotenliberale wieder. Schulnoten abschaffen *gääähn* gleichmacherei *GÄÄÄÄÄÄÄHNNNN*
Leute wie Sie nerven mit ihren Forderungen der vollständigen assimilierung. den Namen ändern,... wie wärs denn wenn sich für Sie alle Ausländer weiss schminken und nicht mehr reden, hautfarbe und Akzent stören Sie bestimmt auch hm ?
da keift der Quotenliberale wieder. Schulnoten abschaffen *gääähn* gleichmacherei *GÄÄÄÄÄÄÄHNNNN*
Leute wie Sie nerven mit ihren Forderungen der vollständigen assimilierung. den Namen ändern,... wie wärs denn wenn sich für Sie alle Ausländer weiss schminken und nicht mehr reden, hautfarbe und Akzent stören Sie bestimmt auch hm ?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren