Eine Studentin blättert in einem Buch in einer Bibliothek © Michal Cizek/AFP/Getty Images

Irgendwann hatte Felix Hofmann die Nase gestrichen voll. Er pendelte zwischen Berlin, wo er gerade mitten im BWL-Examen steckte, und St. Gallen, dem Ort seines Zweitstudiums. Immerzu musste er kiloweise Bücher mitschleppen und aufpassen, dass er kein Rückgabedatum verpasste. Oft befand sich natürlich das Buch, das er gerade am dringendsten brauchte, genau am anderen Ort. Das kann’s doch nicht sein, dachte der 27-Jährige. Und suchte nach einer Lösung.

Was ihm einfiel, passt zum permanenten Mobil-und-online-Sein. Denn in einer Zeit, in der die ersten digital natives, diejenigen, die ins Internetzeitalter geboren und mit dem Medium aufgewachsen sind, an die Unis kommen, will das Online-Angebot PaperC Studenten und Wissenschaftlern den Gang in die Bibliothek ersparen. Auch stundenlanges Kopieren und umständliche Fernleihen sollen nach der Vorstellung von Hofmann der Vergangenheit angehören. 4000 Fachbücher können inzwischen auf PaperC direkt und legal online gelesen werden. Nur wer Seiten ausdrucken oder mit eigenen Kommentaren versehen möchte, muss zahlen. Zehn Cent kostet das pro Seite, das Guthaben kann man online aufladen. Etwa 1000 Nutzer registrieren sich an einem guten Tag. Rund 50.000 sind es derweil insgesamt.

Seinetwegen wird irgendwann der Fotokopierer abgeschafft. Er hat "PaperC" gegründet, eine Webplattform zum Lesen und Runterladen von Fachliteratur. Generationen von Studenten werden es ihm danken. © Norman Konrad

Wie in Online-Katalogen von Bibliotheken können Nutzer nach Autoren, Verlagen, Erscheinungsjahr und ISBN-Nummer suchen. Gibt man ein Schlagwort ein, werden alle Bücher aufgelistet, in denen der Begriff vorkommt. Zu jedem Buch wird dann angezeigt, auf welcher Seite der gewünschte Begriff steht. Ferner erscheinen ein paar Sätze aus dem Umfeld des Suchbegriffs, um einschätzen zu können, ob es sich auch um den richtigen Kontext handelt. Klickt man auf das Cover eines der vorgeschlagenen Bücher, so kann man es vollständig online lesen. Der Nutzer kann zudem einzelne Stellen als Zitate für die eigene Hausarbeit übernehmen; diese werden direkt um die Fußnote ergänzt.

Vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels wurde PaperC mit dem Innovationspreis ausgezeichnet, und das Web-Portal deutsche-startups.de kürte das Projekt zum »Start-up des Jahres 2009«, weil, so die Jury, von der Idee »nicht nur die Leser, sondern auch Verlage und Autoren profitieren« können.

Bislang dürften aber nur wenige Studenten fündig werden, wenn sie ein ganz bestimmtes Werk brauchen. Die Auswahl ist noch recht beschränkt, und längst nicht jedes Fachgebiet wird abgedeckt. »Am Anfang hatten wir das Ziel, in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ganz groß zu werden«, sagt Felix Hofmann. Diesen Plan mussten sie allerdings bald abspecken, denn längst nicht alle Verlage zeigten sich aufgeschlossen gegenüber den digitalen Bestrebungen. Außerdem hat nicht jeder Autor die Online-Rechte an seinen Verlag abgetreten, und die Bücher müssen überhaupt erst einmal in digitaler Form vorliegen. Eine Menge Ausschlusskriterien also. Und so behandeln momentan rund ein Viertel der verfügbaren Bücher IT-Themen. 30 Verlagshäuser kooperieren aktuell mit PaperC. So sind beispielsweise Werke des auf IT- und Internet-Themen spezialisierten Verlags OReilly auf PaperC zu finden sowie einige der Wissenschaftsverlage de Gruyter und Hamburg University Press.