Junge Muslime "Das kommt von innen"

Dürfen muslimische Schüler an deutschen Schulen beten? Wer trägt warum ein Kopftuch? Ein Gespräch über Religion mit fünf Experten

DIE ZEIT: In Berlin hat ein Gericht entschieden, dass eine Schule einem muslimischen Schüler das Beten verbieten darf. Was halten Sie davon?

Taoufik: Ich finde das nicht in Ordnung. Wir leben in einem freien Land, da darf jeder seine Religion ausleben und praktizieren. Wenn es den Unterricht nicht stört, ist es falsch, zu sagen, man darf das nicht.

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Bilge: Generell finde ich so ein Verbot auch nicht richtig, solange es den Schulalltag nicht stört. Wenn einer in seiner Pause beten möchte, ist das doch okay.

Merve: Ich denke auch, dass es den Unterricht natürlich nicht stören darf, aber dass es die Möglichkeit geben sollte, das Gebet zu praktizieren.

Junge Muslime

Bilge Alp Yildirim ist 18 Jahre alt und geht in die 12. Klasse der Max-Brauer-Schule. Er ist in Hamburg geboren, seine Eltern kommen aus Istanbul. Nach dem Abitur will er Soziologie oder Journalistik studieren

Taoufik Alegbe ist 17 Jahre alt und stammt aus Togo. Nach den Sommerferien wechselt er von der Gesamtschule Wilhelmsburg auf die höhere Handelsschule. Später möchte er Islamwissenschaften studieren

Merve Yilmaz ist 17 Jahre alt und geht in die 11. Klasse an der Max-Brauer-Schule in Hamburg. Ihre Eltern kommen aus der Türkei. Nach dem Abitur will sie studieren

Tuğçe Demir ist 19 Jahre alt und hat gerade ihr Abitur an der Max-Brauer-Schule gemacht. Sie ist in Hamburg geboren, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Tuğçe möchte Stadtentwicklung oder Architektur studieren

Vanessa Nielander ist 16 Jahre alt. Sie wurde in Hamburg geboren, ihre Mutter kommt aus Bosnien, ihr Vater ist Deutscher. Sie besucht die 10. Klasse der Gesamtschule Wilhelmsburg und möchte Krankenschwester werden

ZEIT: Beten Sie denn?

Vanessa: Nein.

Bilge: Ich auch nicht.

Taoufik: Ich bete fünfmal am Tag. Morgens stelle ich mir den Wecker, damit ich das erste Gebet nicht verschlafe, das ist ja um fünf Uhr früh. Ab und zu verpasse ich eines, ich versuche auch in der Schule zu beten, aber nicht während des Unterrichts. Religion ist wichtig, aber Schule ist auch wichtig, ich respektiere die Schule und halte mich an die Regeln, ich möchte es da nicht zu Streitigkeiten kommen lassen. Manchmal sehen es Lehrer, wenn ich im Flur bete, sie haben aber noch nie etwas dazu gesagt.

Merve: Ich bete, so gut ich kann, schaffe es aber nicht immer. In der Schule kann ich nicht einfach auf dem Flur beten. Als Mädchen bräuchte ich einen abgetrennten Raum dafür. Schade finde ich das schon.

Tuğçe: Ich bete morgens und abends, sonst nicht. Ich knie mich aber nicht hin, mache das nicht so rituell.

ZEIT: Welche Rolle spielt denn die Religion in Ihrem Alltagsleben? Wenn Sie sich eine Skala von 0 bis 10 vorstellen, wo würden Sie sie einordnen?

Tuğçe: So in der Mitte, bei fünf.

Bilge: Zwei.

Vanessa: Auch bei Zwei.

Leser-Kommentare
    • ASP-D
    • 06.07.2010 um 15:58 Uhr

    Eine wahnhafte multikulturelle, heterogene Parallelgesellschaft.

    [Der Rest wurde entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Aussagen. Danke. /Die Redaktion pt.]

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    • Anonym
    • 06.07.2010 um 16:37 Uhr

    ist höchstens die Xenophobie, die Ihrem Kommentar zu entnehmen ist...

    • Isaidy
    • 06.07.2010 um 16:39 Uhr

    ist an diesem Interview wahnhaft multikulturell. Das sind junge Leute, die sich mehr oder weniger zu ihrer Religion bekennen. Genau das gleiche Interview hätte man mit jugendlichen Katholiken führen können. Der eine neigt extremer zum Einhalten von vorgegebenen Ritualen, der andere sieht es gelassener. Moslemische Jugendliche sind nun einmal eine nicht mehr wegzudenkende und auch bereichernde Tatsache in Deutschland, zumal wenn sie in der Lage sind, ihr Verhältnis zum Islam so zu differenzieren, wie im geführten Interview. Mit solchen Jugendlichen und ihrer Multikulturalität habe ich überhaupt gar keine Probleme. Wenn widernatürlich ist, dass Menschen verschiedenster Herkunft in einem Land unter einem Gesetz zusammenleben, dann dürfte es die USA überhaupt gar nicht geben.

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 16:37 Uhr

    ist höchstens die Xenophobie, die Ihrem Kommentar zu entnehmen ist...

    • Isaidy
    • 06.07.2010 um 16:39 Uhr

    ist an diesem Interview wahnhaft multikulturell. Das sind junge Leute, die sich mehr oder weniger zu ihrer Religion bekennen. Genau das gleiche Interview hätte man mit jugendlichen Katholiken führen können. Der eine neigt extremer zum Einhalten von vorgegebenen Ritualen, der andere sieht es gelassener. Moslemische Jugendliche sind nun einmal eine nicht mehr wegzudenkende und auch bereichernde Tatsache in Deutschland, zumal wenn sie in der Lage sind, ihr Verhältnis zum Islam so zu differenzieren, wie im geführten Interview. Mit solchen Jugendlichen und ihrer Multikulturalität habe ich überhaupt gar keine Probleme. Wenn widernatürlich ist, dass Menschen verschiedenster Herkunft in einem Land unter einem Gesetz zusammenleben, dann dürfte es die USA überhaupt gar nicht geben.

    • Anonym
    • 06.07.2010 um 16:37 Uhr

    ist höchstens die Xenophobie, die Ihrem Kommentar zu entnehmen ist...

    Antwort auf "Erste Sahne..."
  1. Ich finde, dass alle interviewten Jugendlichen sehr glaubhaft rüberkommen.

    Lieber ASP-D, wo lesen Sie da die heterogene Parallelgesellschaft raus? Das passiert doch nur, wenn sich Leute wie Sie so voreingenommen verhalten und schon das Wort "Islam" offensichtlich als Reizwort empfinden und sich genötigt fühlen einen solch unsinnigen Kommentar entgegenzusetzen.

    • rondo
    • 06.07.2010 um 17:10 Uhr

    @Isaidy
    In Amerika hat man die Indianer nahezu ausgerottet.
    erst nachdenken, dann schreiben!

  2. Religion sollte an der Schule überhaupt nichts zu suchen haben. Wozu hatten wir vor über 200 Jahren die Aufklärung, etwa damit jetzt an den Schulen wieder religiöse Ideologie einzieht? Da ist mir ein laizistischer Staat wie Frankreich lieber, denn dort hat Religion innerhalb der Schule höchstens in konfessionell gebundenden Privatschulen Platz.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Religion und Religionsgeschichte muß schon, weil sie Bestandteil der Kulturgeschichte ist, Bestandteil des Schulunterichtes sein.

    Ich würde mir wünschen, daß die großen Weltreligionen dort ihren Platz finden ebenso wie andre Deutungskonzepte und Sekten, mit einem klaren Hinweis auf die Religionsfreiheit. Deruterricht könnte vorallem auzeigen, daß der Anspruch einiger Religionen auf Deutungshoheit deren Meinung ist, aber nicht Gesetz.
    ........................................................

    Zum Artikel: Danke!! Es macht den Eindruck als ob diese Jugendlichen angekommen sind, oder beinahe angekommen sind.

    Religion und Religionsgeschichte muß schon, weil sie Bestandteil der Kulturgeschichte ist, Bestandteil des Schulunterichtes sein.

    Ich würde mir wünschen, daß die großen Weltreligionen dort ihren Platz finden ebenso wie andre Deutungskonzepte und Sekten, mit einem klaren Hinweis auf die Religionsfreiheit. Deruterricht könnte vorallem auzeigen, daß der Anspruch einiger Religionen auf Deutungshoheit deren Meinung ist, aber nicht Gesetz.
    ........................................................

    Zum Artikel: Danke!! Es macht den Eindruck als ob diese Jugendlichen angekommen sind, oder beinahe angekommen sind.

  3. Das Interview stellt die jungen Muslime als ganz normale, sympathische junge Leute dar - und das sind die auch. Leider kann man bei der Betrachtung ihrer Existenz hier nicht vergessen, dass die multi-kulturelle Gesellschaft in Deutschland, wie anderswo, kurz vor dem Offenbarungseid steht. Gerade in einem Pulverfass wie Hamburg ist das der Fall. Keine guten Aussichten für sie und alle anderen!

    Bitte schüren Sie keine Ängste, sondern argumentieren Sie sachlich. Die Redaktion/is

  4. Wer betet nicht allezeit von Herzen?Mein Werk gelinge,meine Arbeit sei erfolgreich,kein Fehler unterlaufe mir,betet das Herz stets,ohne daß so mancher Betende bekennen würde,daß er im Herzen betet:Um Gutsein also bittet,eifert,dem Guten und Wahren anhänget.Ohne Worte nimmt die Sonne ihren Lauf:Ohne zu erkennen,daß er betet,betet jederzeit so mancher.Letztlich heißet,nicht mehr zu beten,nicht mehr zu sein.Und das Ende des betenden Herzens,das zum Selbstein ebenso steht,wäre ...wie etwa bei Torwart Enke,...der Suizid.Deswegen werden die Mauern phänomenaler Verblendung der Wahrheit selbst gegenüber irgendwann fallen."Möge,was ich schreibe,gut sein",betet nun mein Herz:Jedes Herz betet stets um das Sein,weil es ist.Sollte auch das öffentlich-rituelle Gebet(hier muselmanisch gesehen) nicht statthaben,wird jedes Herz,so wahr es schlägt und weiterhin sein will,also dem Guten,Wahren hingeneigt bleibt,ein betendes Herz sein.Beten und Sein gehören auf das Allerinnigste zusammen,-auch falls dies nicht erkannt und nicht bekannt werden sollte.Ein inneres Gebet aber um das Gutsein wird nur ein Böser verbieten können.

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