Der Hilferuf kam aus New York. Die als Anschub überwiesenen 200.000 Euro würden nicht mehr lange reichen, meldeten die Friends of Freie Universität Berlin im Herbst 2003 nervös nach Deutschland, ohne neues Geld werde es ganz eng für das Vorzeigeprojekt. Als erste und bis heute einzige deutsche Universität hatte die Freie Universität (FU) 2002 über einen formal unabhängigen Ehemaligenverein ein eigenes Fundraisingbüro in den USA gegründet, das einen ehrgeizigen Zweck verfolgte: mithilfe glanzvoller Galas Großspenden amerikanischer Mäzene hereinzuholen. Und nach einem Jahr sollte bereits das Aus drohen? Undenkbar!

Der zuständige FU-Abteilungsleiter versprach Abhilfe: Es gebe da ja laut Beschluss der Hochschulleitung noch eine Ausfallbürgschaft, vielleicht lasse die sich in eine weitere Anschubfinanzierung umwandeln. Tatsächlich flossen bald die nächsten 200.000 Euro nach Amerika. Auf dem Überweisungsträger stand "Anschubfinanzierung", ansonsten aber fehlt offenbar bis heute jede Dokumentation, dass die Hochschulleitung über die Überweisung Bescheid wusste. Und mit derlei verstörenden Ungenauigkeiten ging es weiter: Die bereits gezahlte Ausfallbürgschaft wurde später ein zweites Mal transferiert, und jahrelang scheint es keinen gestört zu haben, dass von den als Vorschüsse gedachten Überweisungen nie etwas zurückkam. Im Gegenteil: Als 2009 die Innenrevision den Fall aufzuklären begann, summierten sich die Zahlungen nach Amerika auf über eine Million Euro. Plötzlich stand nicht nur der Verdacht eigenmächtiger Transaktionen im Raum, es sah sogar so aus, als sei die einzige bis dato eingeworbene Großspende in Wirklichkeit von den "Friends" zur Deckung ihrer Kosten verfrühstückt worden.

Ja, man kann die Geschichte der von der Berliner Presse schnell "Spendenskandal" getauften Affäre um die Berliner Eliteuni kompliziert erzählen, in Form von kaum nachvollziehbaren Geldströmen und Erinnerungslücken der Akteure. Im Grunde aber beruht sie auf einem einfachen Plot. Er handelt von übersteigertem Geltungsdrang, persönlichen Feindschaften und falsch verstandenen Loyalitäten. Im Mittelpunkt steht der Kampf zweier Gruppierungen um die Macht; ein Kampf, der so erbittert geführt wurde, dass er die Chancen der FU in der nächsten Runde des Exzellenzettbewerbs zunichtemachen könnte.