Film über The Doors Verschwende deine Tugend
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Und dann kopuliert Morrison auf der Bühne mit dem Mikrofon

In seinem Film sind es die planvoll inszenierten Kollisionen mit der herrschenden Moral, die die Doors groß gemacht haben. Wir sehen sie im Dauerstreit mit ihrem Produzenten, wir sind bei der Ed-Sullivan-Show dabei, wo man ihnen verbieten will, das Wort »higher« zu singen, es könnte zu Missverständnissen führen (sie tun es trotzdem). Und immer wieder zoomt die Kamera Morrisons schweißüberströmtes Gesicht heran. In den besten Momenten entsteht dabei mehr als ein Biopicture, DiCillo, einst Kameramann bei Jim Jarmusch, zeichnet das Porträt eines Zeitalters, wie wir es nicht mehr kennen wollen. Es ist ein Jahrzehnt der geschürten Hysterie, in dem kunstsinnige Rockbands in den Rang von Staatsfeinden aufsteigen konnten und nie klar ist, ob die zahlreichen Polizisten, die die Auftritte der Doors bewachen, den Star schützen oder verhaften sollen.

Selten hat man die Sechziger so komplett durchgeknallt gesehen wie in den Konzertszenen: vor der Bühne Staatswächter, hinter der Bühne Staatswächter, auf der Bühne Staatswächter, mittendrin Morrison, der sich vor der Verstärkeranlage wälzt und mit dem Mikrofon kopuliert. In Momenten wie diesen ist man auf der Stelle bereit, in den Doors die wichtigste Band der Dekade zu erkennen, sie waren die Faust aufs Auge des Puritanismus, die konsequentesten Kritiker der amerikanischen Vernunft, die ihre Generation hervorgebracht hat, und dies, obwohl sie zutiefst amerikanischen Traditionen verpflichtet blieben: dem Freiheitsdrang, der Überschreitung von Grenzen, der Verfolgung des individuellen Glücks. Im Vorübergehen werden noch einige drängende Fragen der Doors-Forschung beantwortet: Hat Morrison bei jenem legendären Konzert in Miami wirklich den Penis hervorgeholt? (Er hat nicht). Wie zugedröhnt war er bei den Aufnahmen zu L.A. Woman wirklich? (Bis unter den Scheitel). Und doch wäre When You’re Strange bloß ein weiterer, gut gemachter Dokumentarfilm ohne die Szenen, die Morrison mit sich selbst in der Hauptrolle gedreht hat.

Sie zeigen, wie sehr er sich schon zu Lebzeiten als mythologische Figur empfand. Wenn der Held in seinem wüstenhimmelblauen Ford Mustang den kalifornischen Highway hinunterreitet, folgt er nicht nur der altamerikanischen Erzählung vom einsamen Cowboy, die Geister toter Bluessänger sind mit ihm, die an einer Straßenkreuzung ihre Seele dem Teufel verkauften, und dahinter werden die europäischen Bilder vom poète maudit sichtbar. Es ist der Mythos vom sich selbst verschwendenden Künstler, der seiner Selbststilisierung zugrunde liegt. Ein Entkommen daraus war nicht möglich. Der postmoderne, souverän mit seinem Image spielende Rockstar wurde erst ein Jahrzehnt später erfunden.

 
Leser-Kommentare
    • Mete
    • 01.07.2010 um 15:33 Uhr

    ein zu sensibler Geist, der an den Koventionen und der Doppelmoral einer sensationssüchtigen Gesellschaft in jungen Jahren zu Grunde ging.

  1. Geht es nur mir so, oder ist Eric Bana Jim Morrison wie aus dem Gesicht geschnitten? Wenn es mal jemals ein Remake des Stoneschen THE DOORS geben sollte, wäre Bana jedenfalls prädestiniert. ;)

    http://www.imdb.com/media...

  2. "Heroen" der Hippiegeneration, - the Mamas & Papas, the Byrds, Scott McKenzie, Humble Pie und wen es da noch so gab, auf immer neuen Aufgüssen der zahlreichen "das war die Woodstock Generation" und "Best of Flower-Power" Samplern ein "Debüt" nach dem anderen erleben, fehlen the Doors auf diesen Machwerken vollkommen. The Doors und Jim Morrison hatten halt etwas zu sagen und waren nicht nur tralala, sie sind nicht die einzigsten in dieser Zeit, zu erwähnen wäre auch Roky Erickson und the 13th Floor Elevators, aber the Doors waren die Besten und sie sind fürs erste mal zeitlos.

    • gaffer
    • 10.11.2010 um 23:32 Uhr

    So schnell habe ich noch nie eine DVD Ankündigung auf arthaus.de in eine amazon Bestellung umgesetzt. Dieser Film ist einfach grandios und mit dem DiCillo Interview lohnt sich gar die Anschaffung.

    Ja, es ist Jim Morrison

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