Polnisch-Preußische GeschichteDie mythische Schlacht

Bei Tannenberg in Masuren kämpften die Deutschordensritter 1410 ihren letzten großen Kampf. Es war ein Wendepunkt der polnischen und der preußischen Geschichte von Adam Krzeminski

Tannenberg Masuren Deutschordensritter 1410 Schlacht

Deutschordensritter in Polen  |  © Wojciech Gerson

Diese beiden Schwerter kennt jeder Pole. Vor der Schlacht erhielt sie König Ladislaus II. Jagiełło von zwei Gesandten der Ordensarmee überreicht. Nicht als Versöhnungsgeschenk, versteht sich. Der Hochmeister des Deutschen Ordens – so sprachen die Gesandten – fordere die Polen und Litauer zum Kampf auf, und falls die königliche Armee zu wenig Platz habe, dann sei der Hochmeister auch bereit, sich ein wenig zurückzuziehen, damit der Gegner nicht im Gebüsch vermodere. Die Antwort fiel so knapp und würdig aus, dass Schuljungen sie noch nach mehr als einem halben Jahrtausend in ihren Kriegsspielen wiederholen: »Schwerter haben wir genug, aber auch diese nehmen wir entgegen, als ein Zeichen unseres Sieges!«

An jenem 15. Juli 1410 stehen die beiden Armeen in zwei fast drei Kilometer langen Linien etwa 200 Meter von einander entfernt. Sie sind bereit zu einer der größten Schlachten des späten Mittelalters, die für fast vier Jahrhunderte das Machtgefüge in Ostmitteleuropa vorentscheiden sollte: zur Schlacht von Grunwald (deutsch: Grünfelde), die in Deutschland seit preußischer Zeit die Schlacht bei Tannenberg (polnisch: Stębark) heißt, beides Orte in der Nähe des Geschehens südwestlich von Allenstein in Masuren. Auf der einen Seite warten über 20000 Mann – die Armee des Deutschen Ordens mit 250Rittern, Tausenden Söldnern zu Pferd und zu Fuß aus allen Ländern Europas und 100 Kanonen. Auf der anderen bis zu 30000 Polen und Litauer, aber auch ruthenische Einheiten (drei Banner aus Smolensk) und etwa 2000 tatarische Reiter.

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Zum Auftakt rücken die leichten litauisch-ruthenischen und tatarischen Reiter vor. Sie sollen den Boden nach dem letzten Regen ertasten – und den Gegner provozieren. Als sie zurückgedrängt werden, erklingt das deutsche Christ ist erstanden, worauf die Polen mit der Bogurodzica antworten, der Hymne an die Gottesmutter. Die beiden christlichen Heere gehen aufeinander los.

Adam KrzemiŃski

Der Autor ist Historiker und Publizist und lebt in Warschau. Gerade erhielt er mit dem Historiker Karl Schlögel den Samuel-Bogumił-Linde-Preis der Städte Thorn und Göttingen. Mehr zum Thema in der Ausstellung »Die Schlacht von Tannenberg«, die bis zum 10. Oktober in der Neuen Burg am Heldenplatz in Wien gezeigt wird (Tel. 0043/1/52 52 44 025)

Während am linken Flügel die polnischen Banner die Oberhand gewinnen, weichen am rechten die litauisch-ruthenischen und tatarischen zurück. Dem Druck in die entstehende Lücke halten die Tataren nicht stand und reißen die Litauer und die tschechischen Söldner mit in die Flucht. Nur der Widerstand der Smolensker Banner – eines wird fast vollständig aufgerieben – verhindert die Katastrophe.

Der 38-jährige Herzog heiratet die 13-jährige Königin

Dreimal versucht der Hochmeister des Deutschen Ordens, Ulrich von Jungingen, vergeblich, die polnischen Linien zu durchbrechen. Dann wittern seine Männer die Chance, die feindlichen Regimenter zu umzingeln. Mit einem Stoßtrupp versucht der Hochmeister persönlich, die polnische Phalanx zu umgehen und aufzurollen. Bei diesem Manöver geraten seine Reiter sogar in die Nähe König Jagiełłos, der von einem Hügel aus die Schlacht befehligt. Seiner schwachen Eskorte gelingt es im letzten Moment, die königliche Standarte einzuziehen.

Doch die Polen bemerken die herannahende Gefahr und ändern die Frontlinie. Und sie bekommen Entlastung. Der litauische Großherzog Witold beruhigt inzwischen seine flüchtigen Regimenter und führt sie zurück aufs Schlachtfeld. Ein Gemetzel beginnt, in dem auch der Hochmeister getötet wird. Bis in den Abend hinein verfolgt man die flüchtigen Ordensritter. Ihre 51 Fahnen fallen in polnisch-litauische Hand und landen – zusammen mit den beiden Schwertern – in Krakau auf der Wawelburg.

Die polnischen Verluste waren, wenn man dem Chronisten glauben darf, erstaunlich gering. Die litauischen erheblich. Und die der Ordensarmee erschreckend hoch: 8000 Männer insgesamt, darunter 209 Ordensritter. Es regnete die ganze Nacht, und im Regen starben viele, die man noch hätte retten können, wenn man sie rechtzeitig vom Feld weggetragen und gepflegt hätte, wie der Chronist Jan Długosz etliche Jahrzehnte später schrieb.

Die große Schlacht hatte eine fast 200-jährige Vorgeschichte. Sie begann, wie es der englische Historiker Robert Bartlett nannte, mit der »Geburt des christlichen Europa aus dem Geist der Gewalt«: mit den Kreuzzügen gegen die Muslime am Mittelmeer und die Heiden an der Ostsee.

Die Kreuzfahrerstaaten im Nahen Osten taumelten ihrem Untergang entgegen, als der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 die bereits aus Palästina nach Ungarn vertriebenen Deutschordensbrüder an die Weichsel holte. Der Orden bestand, wie die anderen geistlichen Ritterorden des Mittelalters auch, aus adeligen Männern, die zwar das Mönchsgelübde abgelegt hatten, ansonsten aber wie weltliche Krieger lebten. Sie sollten Konrad bei der gewaltsamen Christianisierung der heidnischen Balten helfen.

Der Herzog betrieb eine ehrgeizige Regionalpolitik, pflegte gute Beziehungen zu Kiew und wollte in Krakau König werden. Doch den welterfahrenen Ordensrittern war er nicht gewachsen. Ihr Hochmeister Hermann von Salza war ein Freund des Stauferkaisers Friedrich II. und spielte den polnischen Provinzler linkerhand aus, indem er sich vom Kaiser und vom Papst die Souveränität über die eroberten Gebiete zusichern ließ. So entstand innerhalb weniger Jahrzehnte östlich der unteren Weichsel ein effizienter Ordensstaat, der – gestützt auf moderne Wehrkloster-Residenzen wie die machtvolle Marienburg bei Danzig – den in Palästina geschlagenen westeuropäischen Rittern Ersatzkreuzzüge und Aufstiegschancen bot.

Zunächst ging es gegen die heidnischen Pruzzen und die teils heidnischen, teils orthodoxen Litauer. Doch dann auch gegen die eigenen Glaubensbrüder: das katholische Polen. Mit diesem hatte anfangs noch Einvernehmen geherrscht. Als die Brandenburger von Westen her die Weichselmündung an sich rissen, holte Polen 1308 die Kreuzritter erneut zu Hilfe. Doch diese vertrieben nicht nur die brandenburgischen Invasoren, sondern auch die polnischen Truppen und Verwalter und setzten sich selbst dort fest. Der Ordensstaat ignorierte 1321 einen päpstlichen Schiedsspruch und rückte Pomerellen mit Danzig nicht mehr heraus. Seither führten die Ritter langwierige Zweifrontenkriege – gegen Litauen im Norden und gegen Polen im Westen.

Diese rückten zusammen. Als Reaktion auf den neuen Feind im eigenen Haus entstand 1385 die polnisch-litauische Allianz. Sie war ein Unikum in Europa, denn sie hielt – seit 1569 eine feste Staatsunion – 400 Jahre lang. Eine Union mit ungleichen Partnern: Das Königreich Polen war zwar kleiner, aber moderner und international anerkannt. Die territoriale Spaltung hatte es überwunden, die Verwüstungen des Mongolensturmes 1241 ebenfalls.

Litauen hingegen war zu der Zeit eine regionale Großmacht in Osteuropa. Es profitierte von der Zerschlagung der Kiewer Rus durch die Mongolen und der Vasallisierung Moskaus durch die Goldene Horde. Das Großherzogtum mit seiner Hauptstadt Wilna reichte von der Ostsee fast bis zum Schwarzen Meer, umfasste Smolensk und Kiew und grenzte an Nowgorod. Es war ein merkwürdiges Gebilde. Die Stammlande waren heidnisch, andere Teile des riesigen Herzogtums orthodox. Doch Litauen suchte Anschluss an das westliche Christentum, auch aus diesem Grund bot sich das kleinere Polen als Verbündeter an.

Die Union wurde durch eine Hochzeit gestiftet: 1386 heiratete der 38-jährige litauische Herzog Jogaila Algirdaitis Polens 13-jährige Königin Hedwig und wurde an ihrer Seite als Ladislaus II. Jagiełło gleichberechtigt König von Polen. Ein deutscher Kaufmann aus Riga soll vermittelt haben – nicht uneigennützig, versteht sich. Die Städte an der Ostseeküste fürchteten das Regime des Ordensstaates und bauten auf ein starkes Gegengewicht. Im Übrigen schätzte man Polens liberalere Staatsordnung. Sie war denn auch später, im 15. und 16. Jahrhundert, einer der Gründe dafür, dass die preußischen Stände – wie sie sich schon nannten – gegen den Deutschen Orden optierten und sich für den Beitritt zur polnischen Krone (als autonomer Teil der Union) starkmachten.

Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert stand der Ordensstaat im Zenit seiner Macht. Er setzte alles daran, den neuen Gegner zu spalten. Man lockte und drohte. Doch die Strategie ging nicht auf, Litauen und Polen ließen sich nicht mehr auseinanderdividieren und bedrängten ihrerseits die Ordensritter.

Im August 1409 eröffnete Hochmeister Ulrich von Jungingen seinen Feldzug, der aber bald schon ins Stocken geriet. Man schloss einen Waffenstillstand bis zum 24. Juni 1410. In der Zwischenzeit sollte der König von Böhmen, der ein Alliierter des Ordens war, den Streit schlichten.

Der Schiedsspruch aus Prag fiel wie erwartet aus, ganz im Sinne der Herren auf der Marienburg. Beide Seiten rüsteten nun erneut. Böhmens König versprach dem Orden eine Unterstützung von 10000 Reitern; er warb dazu um Ritter aus dem eigenen Land, aus Westeuropa, Schlesien und Ungarn. Aber auch das polnisch-litauische Heer war »international«: In der Liste der Ritter findet sich manch deutscher Name.

Am 24. Juni erklärten Polen und Litauer dem Hochmeister den Krieg. Kurz danach setzte die gesamte Armee über eine kühn konstruierte Pontonbrücke auf das östliche Weichselufer über und rückte nordwärts vor. Unerbittlich zogen die Heerscharen jetzt aufeinander zu. Am 15. Juli war bei Grunwald und Tannenberg die Stunde der Entscheidung gekommen.

Die Historiker rätseln, worüber die beiden Litauer, Jagiełło und Witold, nach der gewonnenen Schlacht unter vier Augen sprachen. Warum stießen sie nicht gleich zur Marienburg vor, um dem wehrlos gewordenen Ordensstaat den Todesstoß zu versetzen? Warum ermöglichten sie Jungingens Nachfolger Heinrich von Plauen, die Verteidigung der Hochburg am Ufer der Nogat zu organisieren? Die Festung hielt der Belagerung stand, und trotz weiterer Siege akzeptierte Jagiełło einen miserablen Friedensschluss, der keiner wurde; neue Kriege mit dem geschwächten Ordensstaat folgten. Erst 1466 wurde Danzig mit Pomerellen und dem Ermland als Preußen Königlichen Anteils – das heißt als autonomes Gebiet – durch eigenen Entschluss der polnischen Krone unterstellt.

1525 schließlich legte der letzte Hochmeister, Albrecht von Hohenzollern, in Krakau den Lehnseid auf den polnischen König ab. Zugleich schloss sich Albrecht dem Protestantismus an und wandelte den verbliebenen Ordensstaat in das Herzogtum Preußen um. Dieses wurde, vereint mit Brandenburg, zum Nukleus jenes Staates, der 250 Jahre später im Zusammenspiel mit Russland und Habsburg Polen-Litauen den Garaus machen sollte.

Die Schlacht bei Grunwald war der militärische Gründungsakt der Union Polens und Litauens. Nach dem Tod des litauischen Fürsten Witold 1430 wurde der König von Polen gleichzeitig Großherzog von Litauen. Von 1569 bis 1795 blieb die res publica ein Bundesstaat mit einer Währungsunion, in ihrer Außenpolitik indes waren die beiden Länder durchaus autonom. So nahmen die Litauer, als König Johann Sobieski 1683 gegen die Türken zog, am Entsatz von Wien nicht teil.

Der polnisch-litauische Staat, die Rzeczpospolita, hatte eklatante Schwächen. Die Zentralverwaltung war unterentwickelt, es herrschte eine wirtschaftliche Monokultur. Dazu kam der ständische Egoismus der Adelsnation, die Bürger und Bauern unterdrückte und die freien Kosaken – und damit die Ukraine – nicht zum dritten Teilstaat der res publica aufsteigen ließ. Auf der anderen Seite bewahrte sich die politische Klasse des Landes einen Sinn für Freiheit und Gleichberechtigung, wie er in der Wahlmonarchie zum Ausdruck kam und in Europas erster moderner Verfassung von 1791. Nach der endgültigen Teilung und dem Verlust der Eigenstaatlichkeit trug die Erinnerung an die Rzeczpospolita zu einem widerständigen Nationalbewusstsein bei, sowohl in Polen als auch in Litauen.

Immer wieder beschworen und besangen die Barden des 19. Jahrhunderts die vergangenen Siege. Der besonders im russischen und österreichischen Teil des Landes gepflegte Kult um die Schlacht von Grunwald richtete sich direkt gegen die Bismarcksche und wilhelminische Polenpolitik. Die Kreuzritter, der im Jahr 1900 erschienene Roman des Nobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz, wurde zur nationalen Bibel. Und die Grunwald-Denkmäler, 1910 in Krakau und New York errichtet, dokumentierten den Anspruch auf Selbstbestimmung und Souveränität.

Für die preußisch-deutschen Nationalisten blieb die »Schmach von Tannenberg« hingegen ein Stachel im Fleisch, der mit dem Mythos von der Marienburg als deutschem Vorposten gegen die Barbarei kompensiert werden sollte. Später stilisierte man den Sieg über die russischen Armeen in Ostpreußen im September 1914 zur zweiten Tannenberg-Schlacht, zur Revanche für Grunwald.

Auch die Nazis wollten die Erinnerung tilgen. Sie zerstörten nach der Besetzung Polens 1939 das Krakauer Denkmal Jagiełłos und überführten die Kopien der 1410 eroberten Standarten feierlich in die Marienburg; die Originale waren bereits 1797 von den Habsburgern entwendet worden und sind seitdem verschollen – wie heute auch die Kopien.

Just in jenen Tagen der deutschen Schreckensherrschaft diente der Grunwald-Mythos den Polen zur »Ertüchtigung der Herzen«. Soldaten der Untergrundarmee wählten als Nom de Guerre oft Namen aus Sienkiewicz’ Roman.

Auch die Kommunisten zitierten gern die Grunwald-Symbolik, weil man daraus irgendwie auch eine »polnisch-sowjetische Waffenbrüderschaft« ableiten konnte. Da wurden die drei Smolensker Pulks, die trotz der Flucht der Litauer standgehalten hatten, plötzlich zu Vorboten der Roten Armee.

»Grunwald« blieb das Stichwort bei nationalen Muskelspielen. Noch in den achtziger Jahren versuchten die Betonköpfe der Kommunistischen Partei, schon in Panik durch den Solidarność-Erfolg, mit der »Patriotischen Vereinigung Grunwald« eine antideutsche Stimmung im Lande zu schüren – angesichts der deutschen Paketaktion für Polen in den Tagen des Kriegsrechts 1981/82 ein besonders lächerliches und hoffnungsloses Unterfangen.

Auch für den ewigen polnisch-litauischen Historikerstreit war die Schlacht ein gefundenes Fressen. Denn in der litauischen Lesart entschieden sie nicht die Polen, sondern die Litauer, die eine tatarische Taktik anwandten und ihre Flucht nur mimten, um die Kreuzritter in die Sümpfe zu locken. Nebbich, antworteten Polens späte Grunwald-Krieger, und selbst wenn, dann verpfuschten sie den Plan, denn mehr Litauer ergriffen die Flucht, als sie Verfolger von der Hauptschlacht ablenkten. Den Streit schlichtete der schwedische Historiker Sven Ekdahl, nachdem er vor wenigen Jahren in einem Göttinger Archiv einen Brief aus dem Schicksalsjahr fand. Darin warnt der (anonyme) Schreiber die Ordensbrüder, man möge künftig bei einer Flucht der Litauer diesen nicht folgen, weil das nur eine Finte sei.

Diese exklusiven Debatten interessieren die Neuritter wenig, die jedes Jahr in den Auen von Grunwald die Schlacht nachstellen. Auch die Brüder Kaczyński kümmerten sich 2005 nicht um die Details, als sie vor Jan Matejkos berühmtem Schlachtengemälde im Warschauer Nationalmuseum ihren (damals siegreichen) Präsidentschaftswahlkampf eröffneten.

Zum 600. Jahrestag gibt es keine antideutschen Töne mehr

Ansonsten aber ist es still geworden über dem Schlachtfeld. Dass der Deutsche Orden nicht nur ein verhängnisvoller Erbfeind war, sondern sich auch produktiv für die Entwicklung des Königreichs Polen ausgewirkt hat, kommt inzwischen als Gemeinplatz daher. Und ganz sicher wird an diesem Jahrestag auch keine antideutsche Politik mehr gemacht. Der in der Flugzeugkatastrophe von Smolensk ums Leben gekommene Präsident Lech Kaczyński wollte zwar den Sieg zusammen mit dem litauischen Präsidenten als ein Event in seinem geplanten Wahlkampf feiern. Doch die Zeit für solche Inszenierungen ist vorbei. Stattdessen werden die Erinnerungsfestivitäten wohl jenen Tonfall aufnehmen, den Angela Merkel voriges Jahr in Kalkriese gewählt hat: »Wir« haben zwar die Hermannsschlacht gewonnen, aber ob die Germanen dadurch friedfertiger geworden und näher an Europa gerückt sind?

Der vergangenheitspolitische Ertrag des Jahrestags wird dementsprechend versöhnlich ausfallen. Schon macht in Polen die Idee die Runde, dass aus gegebenem Anlass der Ministerpräsident und die Bundeskanzlerin eine Schirmherrschaft über den Wiederaufbau von Schloss Steinort in Masuren übernehmen. Hier könnte, so lautet die Erwartung, eine Forschungsstätte für Wissenschaftler entstehen, die sich mit der Geschichte dieses Teils Europas beschäftigen.

Einer Geschichte, für die zum Beispiel Ignatius Krasicki steht. Dieser polnische Bischof, ein Freund Friedrichs des Großen, ein Aufklärer und bekannter Schriftsteller, der 1773 die Hedwigs-Kathedrale in Berlin weihte, verweilte gern in Steinort bei seinen Freunden, den Lehndorffs – ganz unabhängig davon, auf welcher Seite ein Lehndorff oder Dohna 1410 bei Grunwald wohl gestanden haben mochte...

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Leserkommentare
  1. Ein sehr guter Beitrag von A. Krzeminski. Jahrzehntelang wurde die Geschichte Deutschland-Polen als eine Geschichte der Konflikte und als eine Geschichte zweier ewigstreitender Nationen gesehen.

    Aber das ist nur eine Sicht der Dinge. Die Geschichte der Deutschen und Polen ist auch ein Stück gemeinsamer Geschichte, ein bedeutendes Stück europäischer Geschichte: Preußens Fundament wird in Polen gelegt. Veit Stos ist bis heute in Polen ein bedeutender Künster, während seine Name nur wenigen Deutschen ein Begriff ist. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Polen ins Ruhrgebiet ein.

    Jetzt im 21. Jahrhundert gehört sich nicht nur die Konfliktfelder zu sehen, sondern auch die Gemeinsamkeiten zu entdecken. Für eine fruchtbare und erfolgreiche Nachbarschaft.

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    Polen hatte allenfalls einen nominellen Anspruch auf den Norden, den der deutsche Orden erst einmal erobern und kolonisieren musste. Und als der Mohr seine Schuldigkeit getan hat…

    Und dass Polen 1945 dann das Land auf dem Silbertablett bekommen hat, sorgt auch nicht dafür, dass Preußen in Polen entstanden ist.

    Man kann auch Gemeinsamkeiten sehen wo keine sind.

    P.S. Wirklich relevant ist für mich eh nur Grunwald 2008 ;).

    Richtig, immerhin steht ja ein Großteil Preussens heute unter polnischer Verwaltung. Preussen ist eine Nationalität ganz eigener Art. Der ultramontane Geist hat in ihm seinen Gegner gefunden. Dazu passt auch der heutige deutschkatholische Versöhnungskitsch mit dem polnischen Katholizismus. Es sehe historisch keinen wirklichen Konflikt zwischen Deutschen und Polen, sondern nur einen zwischen Ultramontanen und Protestanten/Juden. Meine Vorfahren waren Preussen, diese Leute sprachen teils Deutsch, teils Polnisch, teils Niederdeutsch. Preussen wurde bereits an den kleindeutschen Nationalismus verraten. Zur gleichen Zeit wie das "deutsche Volk" entstand die Idee eines "polnischen Volkes", im 19. Jh. Was der Historiker hier aufschlüsselt ist das historische Gerümpel, das zum Identitätsbacken herangezogen wurde.

    Nehmen wir die Hermannschlacht (ein heidnisches Germanenvölkchen) als kulturelle Basis, dann würden ja in ganz Europa Germanen leben aufgrund der Völkerwanderung, in Tunesien z.B. die Vandalen, oder in der Türkei, wo sind die nicht alle hingezogen. Genau das gleiche gilt auch für die Legenden der Polen.

  2. Polen hatte allenfalls einen nominellen Anspruch auf den Norden, den der deutsche Orden erst einmal erobern und kolonisieren musste. Und als der Mohr seine Schuldigkeit getan hat…

    Und dass Polen 1945 dann das Land auf dem Silbertablett bekommen hat, sorgt auch nicht dafür, dass Preußen in Polen entstanden ist.

    Man kann auch Gemeinsamkeiten sehen wo keine sind.

    P.S. Wirklich relevant ist für mich eh nur Grunwald 2008 ;).

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    @Kommentator2010: Albrecht ließ sich die Herzogswürde über Preußen durch den polnischen König bestätigen. Ein cleverer, pragmatischer Schachzug.

    Mein Vorschag: Statt mit nationalistischer Verbledung die Geschichte der Polen und Deutschen zu sehen, sollten beide Völker erkennen, dass man - trotz der zahlreichen Konflikte - bereits vor 500 Jahren nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gelebt hat.

  3. 3. Unsinn

    Preußen wurde erst 1701 gegründet, was auch nichts mit der Tätigkeit der Deutschritter zu tun hatte, welche wiederum weder von der Hohenzollern-Familie entsandt wurden noch aus der MArk stammten, von daher ist der Artikel kompletter Unsinn.

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    • manheu
    • 03. Juli 2010 8:53 Uhr

    Die Zusammenhänge zwischen dem Ordenstaat und dem späteren Königreich sind doch offensichtlich: Das Gebiet des Deutschen Ordens wurde 1525 vom letzten Hochmeister (ein Hohenzoller!) säkularisiert, hieß fortan Herzogtum Preußen und wurde ab 1577 von den Kurfürsten Brandenburgs mitregiert, bevor es 1657 im Vertrag von Wehlau endgültig an Brandenburg fiel. 1701 wurde dieses Herzogtum zum Königreich Preußen erhoben.
    Zu behaupten, Preußen wurde erst 1701 - quasi aus dem Nichts - gegründet, ist daher völlig haltlos.

    Es stimmt schon, dass sich bei Beginn der Reformation der deutsche Orden von der katholischen Kirche unabhängig gemacht und sich in das weltliche Herzogtum (glaube ich) Preußen umgewandelt hat. "Preußen" war ja ursprünglich auch nur die Bezeichnung für das spätere Ostpreußen. Benannt nach dem baltischen Stamm der Pruzzen, die vom Deutschen Orden "integriert" wurden, wie man heute sagen würde.^^

    Aber es stimmt auch, dass das, was wir vor allem unter Preußen verstehen, erst durch die Vereinigung mit Brandenburg im Jahr 1701 und die Übernahme des Namens Preußen (das mittlerweile ein Königreich war) für den Gesamtstaat entstanden ist.

    • manheu
    • 03. Juli 2010 8:53 Uhr

    Die Zusammenhänge zwischen dem Ordenstaat und dem späteren Königreich sind doch offensichtlich: Das Gebiet des Deutschen Ordens wurde 1525 vom letzten Hochmeister (ein Hohenzoller!) säkularisiert, hieß fortan Herzogtum Preußen und wurde ab 1577 von den Kurfürsten Brandenburgs mitregiert, bevor es 1657 im Vertrag von Wehlau endgültig an Brandenburg fiel. 1701 wurde dieses Herzogtum zum Königreich Preußen erhoben.
    Zu behaupten, Preußen wurde erst 1701 - quasi aus dem Nichts - gegründet, ist daher völlig haltlos.

    Antwort auf "Unsinn"
  4. Es stimmt schon, dass sich bei Beginn der Reformation der deutsche Orden von der katholischen Kirche unabhängig gemacht und sich in das weltliche Herzogtum (glaube ich) Preußen umgewandelt hat. "Preußen" war ja ursprünglich auch nur die Bezeichnung für das spätere Ostpreußen. Benannt nach dem baltischen Stamm der Pruzzen, die vom Deutschen Orden "integriert" wurden, wie man heute sagen würde.^^

    Aber es stimmt auch, dass das, was wir vor allem unter Preußen verstehen, erst durch die Vereinigung mit Brandenburg im Jahr 1701 und die Übernahme des Namens Preußen (das mittlerweile ein Königreich war) für den Gesamtstaat entstanden ist.

    Antwort auf "Unsinn"
  5. Die ZEIT hat es geschaft, einen anerkannten polnischen Author zu gewinnen und was passiert ? Ich befürchte, der Artikel wurde wenig gelesen. Aber es überrascht mich nicht.
    Trotzdem würde ich mir mal einen Artikel von Prof. Harald Seubert zu einem ähnlichen Thema wünschen. Der ist immerhin Professor in Posen.

  6. Ein informativer Artikel.
    Passend auch zum Staufer Jahr 2010.
    Von Salza erhielt das Pruzzenland nach der Christianisierg. der Balten vom Papst resp. Stauferkaiser zum Lehen.
    Der Militärorden der Deutschritter soll brutal gegen die einheimische Bevölkerung vorgegangen sein, ähnlich der karolingischen Franken bei der Sachsenmission im 8./9.Jhdt.
    Wenn die Polen/Litauer bis heute die Deutschen aus kollektiven Erinnern mit dem Missionsorden der Deutsch-Ritter in Verbindung brachten, dann erklärt sich vieles und völlig unabhg. der 6 Jahre WK2 1939-45/49.
    Innerhalb von rd. 100 Jahren gab es nachweislich im Baltikum 199 ausgerufene Kreuzzüge - im Heiligen Land/Palästina nur 7 - an denen Barone/Grafen/Ritter aus ganz Westeuropa teilnahmen, wie bei einer Fuchsjagd des engl. Adels.
    Die Beute/Trophäen=Schwertmission waren die Pruzzen/Balten als Totgeschlagene oder eingefangene Sklaven/Slaven.

    Wie die Staufer im Südwesten Deutschlands, Süditalien und Palästina baute der Orden als deren imperialer Ableger Wehrburgen, um das Volk auszubeuten, sich und die imperiale Ideologie zu feiern und zu schützen.
    Wie die gesamte damalige Kloster-/Mönchordenbewegung war sie der Gier nach materiellen Reichtümer mehr zugetan als nach dem Seelenfischen - parallel verlaufen die Kreuzzüge gegen die Katharer und Albingensern in Aquitanien resp. Ligurien sehr ähnlich -.
    Warum verbinden die Polen ihr kollektives Erinnern statt mit Deutschsein nicht mit entartetem Katholizismus oder Orden-u.Mönchsbewegung?

  7. @Kommentator2010: Albrecht ließ sich die Herzogswürde über Preußen durch den polnischen König bestätigen. Ein cleverer, pragmatischer Schachzug.

    Mein Vorschag: Statt mit nationalistischer Verbledung die Geschichte der Polen und Deutschen zu sehen, sollten beide Völker erkennen, dass man - trotz der zahlreichen Konflikte - bereits vor 500 Jahren nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gelebt hat.

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