Polnisch-Preußische GeschichteDie mythische Schlacht
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Zunächst ging es gegen die heidnischen Pruzzen

Die große Schlacht hatte eine fast 200-jährige Vorgeschichte. Sie begann, wie es der englische Historiker Robert Bartlett nannte, mit der »Geburt des christlichen Europa aus dem Geist der Gewalt«: mit den Kreuzzügen gegen die Muslime am Mittelmeer und die Heiden an der Ostsee.

Die Kreuzfahrerstaaten im Nahen Osten taumelten ihrem Untergang entgegen, als der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 die bereits aus Palästina nach Ungarn vertriebenen Deutschordensbrüder an die Weichsel holte. Der Orden bestand, wie die anderen geistlichen Ritterorden des Mittelalters auch, aus adeligen Männern, die zwar das Mönchsgelübde abgelegt hatten, ansonsten aber wie weltliche Krieger lebten. Sie sollten Konrad bei der gewaltsamen Christianisierung der heidnischen Balten helfen.

Der Herzog betrieb eine ehrgeizige Regionalpolitik, pflegte gute Beziehungen zu Kiew und wollte in Krakau König werden. Doch den welterfahrenen Ordensrittern war er nicht gewachsen. Ihr Hochmeister Hermann von Salza war ein Freund des Stauferkaisers Friedrich II. und spielte den polnischen Provinzler linkerhand aus, indem er sich vom Kaiser und vom Papst die Souveränität über die eroberten Gebiete zusichern ließ. So entstand innerhalb weniger Jahrzehnte östlich der unteren Weichsel ein effizienter Ordensstaat, der – gestützt auf moderne Wehrkloster-Residenzen wie die machtvolle Marienburg bei Danzig – den in Palästina geschlagenen westeuropäischen Rittern Ersatzkreuzzüge und Aufstiegschancen bot.

Zunächst ging es gegen die heidnischen Pruzzen und die teils heidnischen, teils orthodoxen Litauer. Doch dann auch gegen die eigenen Glaubensbrüder: das katholische Polen. Mit diesem hatte anfangs noch Einvernehmen geherrscht. Als die Brandenburger von Westen her die Weichselmündung an sich rissen, holte Polen 1308 die Kreuzritter erneut zu Hilfe. Doch diese vertrieben nicht nur die brandenburgischen Invasoren, sondern auch die polnischen Truppen und Verwalter und setzten sich selbst dort fest. Der Ordensstaat ignorierte 1321 einen päpstlichen Schiedsspruch und rückte Pomerellen mit Danzig nicht mehr heraus. Seither führten die Ritter langwierige Zweifrontenkriege – gegen Litauen im Norden und gegen Polen im Westen.

Diese rückten zusammen. Als Reaktion auf den neuen Feind im eigenen Haus entstand 1385 die polnisch-litauische Allianz. Sie war ein Unikum in Europa, denn sie hielt – seit 1569 eine feste Staatsunion – 400 Jahre lang. Eine Union mit ungleichen Partnern: Das Königreich Polen war zwar kleiner, aber moderner und international anerkannt. Die territoriale Spaltung hatte es überwunden, die Verwüstungen des Mongolensturmes 1241 ebenfalls.

Litauen hingegen war zu der Zeit eine regionale Großmacht in Osteuropa. Es profitierte von der Zerschlagung der Kiewer Rus durch die Mongolen und der Vasallisierung Moskaus durch die Goldene Horde. Das Großherzogtum mit seiner Hauptstadt Wilna reichte von der Ostsee fast bis zum Schwarzen Meer, umfasste Smolensk und Kiew und grenzte an Nowgorod. Es war ein merkwürdiges Gebilde. Die Stammlande waren heidnisch, andere Teile des riesigen Herzogtums orthodox. Doch Litauen suchte Anschluss an das westliche Christentum, auch aus diesem Grund bot sich das kleinere Polen als Verbündeter an.

Die Union wurde durch eine Hochzeit gestiftet: 1386 heiratete der 38-jährige litauische Herzog Jogaila Algirdaitis Polens 13-jährige Königin Hedwig und wurde an ihrer Seite als Ladislaus II. Jagiełło gleichberechtigt König von Polen. Ein deutscher Kaufmann aus Riga soll vermittelt haben – nicht uneigennützig, versteht sich. Die Städte an der Ostseeküste fürchteten das Regime des Ordensstaates und bauten auf ein starkes Gegengewicht. Im Übrigen schätzte man Polens liberalere Staatsordnung. Sie war denn auch später, im 15. und 16. Jahrhundert, einer der Gründe dafür, dass die preußischen Stände – wie sie sich schon nannten – gegen den Deutschen Orden optierten und sich für den Beitritt zur polnischen Krone (als autonomer Teil der Union) starkmachten.

Leserkommentare
  1. Ein sehr guter Beitrag von A. Krzeminski. Jahrzehntelang wurde die Geschichte Deutschland-Polen als eine Geschichte der Konflikte und als eine Geschichte zweier ewigstreitender Nationen gesehen.

    Aber das ist nur eine Sicht der Dinge. Die Geschichte der Deutschen und Polen ist auch ein Stück gemeinsamer Geschichte, ein bedeutendes Stück europäischer Geschichte: Preußens Fundament wird in Polen gelegt. Veit Stos ist bis heute in Polen ein bedeutender Künster, während seine Name nur wenigen Deutschen ein Begriff ist. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Polen ins Ruhrgebiet ein.

    Jetzt im 21. Jahrhundert gehört sich nicht nur die Konfliktfelder zu sehen, sondern auch die Gemeinsamkeiten zu entdecken. Für eine fruchtbare und erfolgreiche Nachbarschaft.

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    Polen hatte allenfalls einen nominellen Anspruch auf den Norden, den der deutsche Orden erst einmal erobern und kolonisieren musste. Und als der Mohr seine Schuldigkeit getan hat…

    Und dass Polen 1945 dann das Land auf dem Silbertablett bekommen hat, sorgt auch nicht dafür, dass Preußen in Polen entstanden ist.

    Man kann auch Gemeinsamkeiten sehen wo keine sind.

    P.S. Wirklich relevant ist für mich eh nur Grunwald 2008 ;).

    Richtig, immerhin steht ja ein Großteil Preussens heute unter polnischer Verwaltung. Preussen ist eine Nationalität ganz eigener Art. Der ultramontane Geist hat in ihm seinen Gegner gefunden. Dazu passt auch der heutige deutschkatholische Versöhnungskitsch mit dem polnischen Katholizismus. Es sehe historisch keinen wirklichen Konflikt zwischen Deutschen und Polen, sondern nur einen zwischen Ultramontanen und Protestanten/Juden. Meine Vorfahren waren Preussen, diese Leute sprachen teils Deutsch, teils Polnisch, teils Niederdeutsch. Preussen wurde bereits an den kleindeutschen Nationalismus verraten. Zur gleichen Zeit wie das "deutsche Volk" entstand die Idee eines "polnischen Volkes", im 19. Jh. Was der Historiker hier aufschlüsselt ist das historische Gerümpel, das zum Identitätsbacken herangezogen wurde.

    Nehmen wir die Hermannschlacht (ein heidnisches Germanenvölkchen) als kulturelle Basis, dann würden ja in ganz Europa Germanen leben aufgrund der Völkerwanderung, in Tunesien z.B. die Vandalen, oder in der Türkei, wo sind die nicht alle hingezogen. Genau das gleiche gilt auch für die Legenden der Polen.

  2. Polen hatte allenfalls einen nominellen Anspruch auf den Norden, den der deutsche Orden erst einmal erobern und kolonisieren musste. Und als der Mohr seine Schuldigkeit getan hat…

    Und dass Polen 1945 dann das Land auf dem Silbertablett bekommen hat, sorgt auch nicht dafür, dass Preußen in Polen entstanden ist.

    Man kann auch Gemeinsamkeiten sehen wo keine sind.

    P.S. Wirklich relevant ist für mich eh nur Grunwald 2008 ;).

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    @Kommentator2010: Albrecht ließ sich die Herzogswürde über Preußen durch den polnischen König bestätigen. Ein cleverer, pragmatischer Schachzug.

    Mein Vorschag: Statt mit nationalistischer Verbledung die Geschichte der Polen und Deutschen zu sehen, sollten beide Völker erkennen, dass man - trotz der zahlreichen Konflikte - bereits vor 500 Jahren nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gelebt hat.

  3. 3. Unsinn

    Preußen wurde erst 1701 gegründet, was auch nichts mit der Tätigkeit der Deutschritter zu tun hatte, welche wiederum weder von der Hohenzollern-Familie entsandt wurden noch aus der MArk stammten, von daher ist der Artikel kompletter Unsinn.

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    • manheu
    • 03. Juli 2010 8:53 Uhr

    Die Zusammenhänge zwischen dem Ordenstaat und dem späteren Königreich sind doch offensichtlich: Das Gebiet des Deutschen Ordens wurde 1525 vom letzten Hochmeister (ein Hohenzoller!) säkularisiert, hieß fortan Herzogtum Preußen und wurde ab 1577 von den Kurfürsten Brandenburgs mitregiert, bevor es 1657 im Vertrag von Wehlau endgültig an Brandenburg fiel. 1701 wurde dieses Herzogtum zum Königreich Preußen erhoben.
    Zu behaupten, Preußen wurde erst 1701 - quasi aus dem Nichts - gegründet, ist daher völlig haltlos.

    Es stimmt schon, dass sich bei Beginn der Reformation der deutsche Orden von der katholischen Kirche unabhängig gemacht und sich in das weltliche Herzogtum (glaube ich) Preußen umgewandelt hat. "Preußen" war ja ursprünglich auch nur die Bezeichnung für das spätere Ostpreußen. Benannt nach dem baltischen Stamm der Pruzzen, die vom Deutschen Orden "integriert" wurden, wie man heute sagen würde.^^

    Aber es stimmt auch, dass das, was wir vor allem unter Preußen verstehen, erst durch die Vereinigung mit Brandenburg im Jahr 1701 und die Übernahme des Namens Preußen (das mittlerweile ein Königreich war) für den Gesamtstaat entstanden ist.

    • manheu
    • 03. Juli 2010 8:53 Uhr

    Die Zusammenhänge zwischen dem Ordenstaat und dem späteren Königreich sind doch offensichtlich: Das Gebiet des Deutschen Ordens wurde 1525 vom letzten Hochmeister (ein Hohenzoller!) säkularisiert, hieß fortan Herzogtum Preußen und wurde ab 1577 von den Kurfürsten Brandenburgs mitregiert, bevor es 1657 im Vertrag von Wehlau endgültig an Brandenburg fiel. 1701 wurde dieses Herzogtum zum Königreich Preußen erhoben.
    Zu behaupten, Preußen wurde erst 1701 - quasi aus dem Nichts - gegründet, ist daher völlig haltlos.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Unsinn"
  4. Es stimmt schon, dass sich bei Beginn der Reformation der deutsche Orden von der katholischen Kirche unabhängig gemacht und sich in das weltliche Herzogtum (glaube ich) Preußen umgewandelt hat. "Preußen" war ja ursprünglich auch nur die Bezeichnung für das spätere Ostpreußen. Benannt nach dem baltischen Stamm der Pruzzen, die vom Deutschen Orden "integriert" wurden, wie man heute sagen würde.^^

    Aber es stimmt auch, dass das, was wir vor allem unter Preußen verstehen, erst durch die Vereinigung mit Brandenburg im Jahr 1701 und die Übernahme des Namens Preußen (das mittlerweile ein Königreich war) für den Gesamtstaat entstanden ist.

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    Antwort auf "Unsinn"
  5. Die ZEIT hat es geschaft, einen anerkannten polnischen Author zu gewinnen und was passiert ? Ich befürchte, der Artikel wurde wenig gelesen. Aber es überrascht mich nicht.
    Trotzdem würde ich mir mal einen Artikel von Prof. Harald Seubert zu einem ähnlichen Thema wünschen. Der ist immerhin Professor in Posen.

  6. Ein informativer Artikel.
    Passend auch zum Staufer Jahr 2010.
    Von Salza erhielt das Pruzzenland nach der Christianisierg. der Balten vom Papst resp. Stauferkaiser zum Lehen.
    Der Militärorden der Deutschritter soll brutal gegen die einheimische Bevölkerung vorgegangen sein, ähnlich der karolingischen Franken bei der Sachsenmission im 8./9.Jhdt.
    Wenn die Polen/Litauer bis heute die Deutschen aus kollektiven Erinnern mit dem Missionsorden der Deutsch-Ritter in Verbindung brachten, dann erklärt sich vieles und völlig unabhg. der 6 Jahre WK2 1939-45/49.
    Innerhalb von rd. 100 Jahren gab es nachweislich im Baltikum 199 ausgerufene Kreuzzüge - im Heiligen Land/Palästina nur 7 - an denen Barone/Grafen/Ritter aus ganz Westeuropa teilnahmen, wie bei einer Fuchsjagd des engl. Adels.
    Die Beute/Trophäen=Schwertmission waren die Pruzzen/Balten als Totgeschlagene oder eingefangene Sklaven/Slaven.

    Wie die Staufer im Südwesten Deutschlands, Süditalien und Palästina baute der Orden als deren imperialer Ableger Wehrburgen, um das Volk auszubeuten, sich und die imperiale Ideologie zu feiern und zu schützen.
    Wie die gesamte damalige Kloster-/Mönchordenbewegung war sie der Gier nach materiellen Reichtümer mehr zugetan als nach dem Seelenfischen - parallel verlaufen die Kreuzzüge gegen die Katharer und Albingensern in Aquitanien resp. Ligurien sehr ähnlich -.
    Warum verbinden die Polen ihr kollektives Erinnern statt mit Deutschsein nicht mit entartetem Katholizismus oder Orden-u.Mönchsbewegung?

  7. @Kommentator2010: Albrecht ließ sich die Herzogswürde über Preußen durch den polnischen König bestätigen. Ein cleverer, pragmatischer Schachzug.

    Mein Vorschag: Statt mit nationalistischer Verbledung die Geschichte der Polen und Deutschen zu sehen, sollten beide Völker erkennen, dass man - trotz der zahlreichen Konflikte - bereits vor 500 Jahren nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gelebt hat.

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