Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert stand der Ordensstaat im Zenit seiner Macht. Er setzte alles daran, den neuen Gegner zu spalten. Man lockte und drohte. Doch die Strategie ging nicht auf, Litauen und Polen ließen sich nicht mehr auseinanderdividieren und bedrängten ihrerseits die Ordensritter.

Im August 1409 eröffnete Hochmeister Ulrich von Jungingen seinen Feldzug, der aber bald schon ins Stocken geriet. Man schloss einen Waffenstillstand bis zum 24. Juni 1410. In der Zwischenzeit sollte der König von Böhmen, der ein Alliierter des Ordens war, den Streit schlichten.

Der Schiedsspruch aus Prag fiel wie erwartet aus, ganz im Sinne der Herren auf der Marienburg. Beide Seiten rüsteten nun erneut. Böhmens König versprach dem Orden eine Unterstützung von 10000 Reitern; er warb dazu um Ritter aus dem eigenen Land, aus Westeuropa, Schlesien und Ungarn. Aber auch das polnisch-litauische Heer war »international«: In der Liste der Ritter findet sich manch deutscher Name.

Am 24. Juni erklärten Polen und Litauer dem Hochmeister den Krieg. Kurz danach setzte die gesamte Armee über eine kühn konstruierte Pontonbrücke auf das östliche Weichselufer über und rückte nordwärts vor. Unerbittlich zogen die Heerscharen jetzt aufeinander zu. Am 15. Juli war bei Grunwald und Tannenberg die Stunde der Entscheidung gekommen.

Die Historiker rätseln, worüber die beiden Litauer, Jagiełło und Witold, nach der gewonnenen Schlacht unter vier Augen sprachen. Warum stießen sie nicht gleich zur Marienburg vor, um dem wehrlos gewordenen Ordensstaat den Todesstoß zu versetzen? Warum ermöglichten sie Jungingens Nachfolger Heinrich von Plauen, die Verteidigung der Hochburg am Ufer der Nogat zu organisieren? Die Festung hielt der Belagerung stand, und trotz weiterer Siege akzeptierte Jagiełło einen miserablen Friedensschluss, der keiner wurde; neue Kriege mit dem geschwächten Ordensstaat folgten. Erst 1466 wurde Danzig mit Pomerellen und dem Ermland als Preußen Königlichen Anteils – das heißt als autonomes Gebiet – durch eigenen Entschluss der polnischen Krone unterstellt.

1525 schließlich legte der letzte Hochmeister, Albrecht von Hohenzollern, in Krakau den Lehnseid auf den polnischen König ab. Zugleich schloss sich Albrecht dem Protestantismus an und wandelte den verbliebenen Ordensstaat in das Herzogtum Preußen um. Dieses wurde, vereint mit Brandenburg, zum Nukleus jenes Staates, der 250 Jahre später im Zusammenspiel mit Russland und Habsburg Polen-Litauen den Garaus machen sollte.