Polnisch-Preußische GeschichteDie mythische Schlacht

Bei Tannenberg in Masuren kämpften die Deutschordensritter 1410 ihren letzten großen Kampf. Es war ein Wendepunkt der polnischen und der preußischen Geschichte von Adam Krzeminski

Tannenberg Masuren Deutschordensritter 1410 Schlacht

Deutschordensritter in Polen  |  © Wojciech Gerson

Diese beiden Schwerter kennt jeder Pole. Vor der Schlacht erhielt sie König Ladislaus II. Jagiełło von zwei Gesandten der Ordensarmee überreicht. Nicht als Versöhnungsgeschenk, versteht sich. Der Hochmeister des Deutschen Ordens – so sprachen die Gesandten – fordere die Polen und Litauer zum Kampf auf, und falls die königliche Armee zu wenig Platz habe, dann sei der Hochmeister auch bereit, sich ein wenig zurückzuziehen, damit der Gegner nicht im Gebüsch vermodere. Die Antwort fiel so knapp und würdig aus, dass Schuljungen sie noch nach mehr als einem halben Jahrtausend in ihren Kriegsspielen wiederholen: »Schwerter haben wir genug, aber auch diese nehmen wir entgegen, als ein Zeichen unseres Sieges!«

An jenem 15. Juli 1410 stehen die beiden Armeen in zwei fast drei Kilometer langen Linien etwa 200 Meter von einander entfernt. Sie sind bereit zu einer der größten Schlachten des späten Mittelalters, die für fast vier Jahrhunderte das Machtgefüge in Ostmitteleuropa vorentscheiden sollte: zur Schlacht von Grunwald (deutsch: Grünfelde), die in Deutschland seit preußischer Zeit die Schlacht bei Tannenberg (polnisch: Stębark) heißt, beides Orte in der Nähe des Geschehens südwestlich von Allenstein in Masuren. Auf der einen Seite warten über 20000 Mann – die Armee des Deutschen Ordens mit 250Rittern, Tausenden Söldnern zu Pferd und zu Fuß aus allen Ländern Europas und 100 Kanonen. Auf der anderen bis zu 30000 Polen und Litauer, aber auch ruthenische Einheiten (drei Banner aus Smolensk) und etwa 2000 tatarische Reiter.

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Zum Auftakt rücken die leichten litauisch-ruthenischen und tatarischen Reiter vor. Sie sollen den Boden nach dem letzten Regen ertasten – und den Gegner provozieren. Als sie zurückgedrängt werden, erklingt das deutsche Christ ist erstanden, worauf die Polen mit der Bogurodzica antworten, der Hymne an die Gottesmutter. Die beiden christlichen Heere gehen aufeinander los.

Adam KrzemiŃski

Der Autor ist Historiker und Publizist und lebt in Warschau. Gerade erhielt er mit dem Historiker Karl Schlögel den Samuel-Bogumił-Linde-Preis der Städte Thorn und Göttingen. Mehr zum Thema in der Ausstellung »Die Schlacht von Tannenberg«, die bis zum 10. Oktober in der Neuen Burg am Heldenplatz in Wien gezeigt wird (Tel. 0043/1/52 52 44 025)

Während am linken Flügel die polnischen Banner die Oberhand gewinnen, weichen am rechten die litauisch-ruthenischen und tatarischen zurück. Dem Druck in die entstehende Lücke halten die Tataren nicht stand und reißen die Litauer und die tschechischen Söldner mit in die Flucht. Nur der Widerstand der Smolensker Banner – eines wird fast vollständig aufgerieben – verhindert die Katastrophe.

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Dreimal versucht der Hochmeister des Deutschen Ordens, Ulrich von Jungingen, vergeblich, die polnischen Linien zu durchbrechen. Dann wittern seine Männer die Chance, die feindlichen Regimenter zu umzingeln. Mit einem Stoßtrupp versucht der Hochmeister persönlich, die polnische Phalanx zu umgehen und aufzurollen. Bei diesem Manöver geraten seine Reiter sogar in die Nähe König Jagiełłos, der von einem Hügel aus die Schlacht befehligt. Seiner schwachen Eskorte gelingt es im letzten Moment, die königliche Standarte einzuziehen.

Doch die Polen bemerken die herannahende Gefahr und ändern die Frontlinie. Und sie bekommen Entlastung. Der litauische Großherzog Witold beruhigt inzwischen seine flüchtigen Regimenter und führt sie zurück aufs Schlachtfeld. Ein Gemetzel beginnt, in dem auch der Hochmeister getötet wird. Bis in den Abend hinein verfolgt man die flüchtigen Ordensritter. Ihre 51 Fahnen fallen in polnisch-litauische Hand und landen – zusammen mit den beiden Schwertern – in Krakau auf der Wawelburg.

Die polnischen Verluste waren, wenn man dem Chronisten glauben darf, erstaunlich gering. Die litauischen erheblich. Und die der Ordensarmee erschreckend hoch: 8000 Männer insgesamt, darunter 209 Ordensritter. Es regnete die ganze Nacht, und im Regen starben viele, die man noch hätte retten können, wenn man sie rechtzeitig vom Feld weggetragen und gepflegt hätte, wie der Chronist Jan Długosz etliche Jahrzehnte später schrieb.

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