Kindergarten Und raus bist duSeite 6/6

Am Morgen des 29. April 2010 warten schon Reporter und Fotografen auf dem Flur des Hamburger Verwaltungsgerichts, denn hier tagt gleich die Kammer 9. Thema wird der heiß umstrittene Kindergarten sein, den SterniPark im September 2008 an der Reventlowstraße im noblen Stadtteil Othmarschen eröffnet hat. Inzwischen dürfte der Rechtsstreit um die Kita schon älter sein als manche ihrer kleinen Gäste. Das Problem ist: Der Kindergarten liegt in einem besonders geschützten Wohngebiet. Dort ist jegliches Gewerbe – sogar ein Tante-Emma-Laden – verboten, was auf eine baupolizeiliche Verordnung aus dem Jahre 1938 zurückgeht. Trotzdem ist SterniPark nach Othmarschen vorgestoßen, und seither füllt der Streit darüber, ob ein Kindergarten ein »Gewerbe« ist oder zum »Wohnen« gehört, die Akten. Es ist fraglich, ob eine Verordnung aus der NS-Zeit noch für eine menschenfreundliche Stadtplanung maßgeblich sein darf.

Weil für die Sozialbehörde eine Einrichtung mit 60 Kindern ein »kleiner Kindergarten« ist, genehmigte das Bezirksamt Altona dem Träger die Kita an der Reventlowstraße zuerst für 60 Kinder. Unter dem Druck von Nachbarn wurde sie jedoch bald nach der Eröffnung vorübergehend wieder geschlossen, danach schmolz die Kinderzahl bis auf zehn zusammen. Erst eine einstweilige Anordnung des Oberverwaltungsgerichts machte klar: Selbst in ein »besonders geschütztes Wohngebiet« gehört ein Kindergarten – aber er darf nicht mehr als 22 Kinder beherbergen. Im Fall der Reventlowstraße sah der Träger SterniPark keine andere Möglichkeit, als nun die Genehmigung ohne Gartennnutzung zu beantragen. Die Stadt Hamburg, die anfangs noch auf der Seite des Trägers gekämpft hatte, gab nun auf und zog ihre alte Genehmigung (60 Kinder plus Gartennutzung) zurück. Dagegen klagt an diesem 29. April der Verein SterniPark, der auf den Kosten für das Haus sitzen bleibt. Mit so wenigen Kindern, heißt es außerdem, komme keine Kita aus den roten Zahlen.

In Begleitung des SterniPark-Anwalts ist auch der Geschäftsführer Jürgen Moysich gekommen – ein Altlinker mit halblangen grauen Strähnen, aus denen ein Ohr herauslugt. Besonders streitlustig sieht er nicht aus. Mit dabei ist auch seine Tochter Leila, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung, eine schlanke, gut frisierte Erscheinung, die immer da ist, wenn es in der Öffentlichkeit – sei es auf Anhörungen, in den Medien oder vor Gericht – um SterniPark-Kitas geht. Ihr ist die Bereitschaft anzumerken, dem Beharrungsvermögen der Nachbarn mit noch größerem Beharrungsvermögen zu begegnen. Nach außen verstrahlt sie eine heitere Ungerührtheit, die manche ihrer Gegner zur Weißglut bringt.

Auch die Stadt ist vertreten, durch eine kühle Juristin aus dem Rechtsdezernat. Und ganz zuletzt – als endlich alle Fotografen sitzen – huscht noch ein Herr Ende vierzig herein und lässt sich rasch neben seinem Anwalt nieder: Es ist ein sogenannter Beigeladener. Der kämpferischste unter den Nachbarn. Vor der Eröffnung der Kita, als er die geplante Nutzungsänderung nebenan noch für »nicht genehmigungsfähig« hielt, hatte er dem Kindergartenträger vorsorglich ein paar Bedingungen gemailt, unter denen er immerhin bereit sei, mit sich reden zu lassen. Zu diesen gehörten unter anderem eine gigantische, drei Meter hohe und 47 Meter lange Lärmschutzmauer (beigelegter Kostenvoranschlag: 70.000 Euro) und die Übernahme seiner eigenen Anwaltskosten durch den Verein. Obendrein stellte er die Forderung auf, ihm seine Villa abzukaufen (»ein momentaner Verkaufspreis von 1,2 bis 1,4 Mio EUR ist realistisch«) oder den Wertverlust, den sein Haus durch die Nachbarschaft eines Kindergartens erleide, finanziell auszugleichen. SterniPark ist damals auf keine der drei Forderungen eingegangen.

Nach einer Stunde ist klar, dass die Verwaltungsrichter den OVG-Beschluss auch im Hauptsacheverfahren nicht antasten. Vielleicht wird die Frage dereinst anders entschieden, wenn Hamburg noch mehr Alte und noch weniger Kinder hat – an diesem Tag jedoch verliert SterniPark den Prozess. Die umgeschwenkte Stadt und der Nachbar bekommen recht: 22 Kinder, dabei muss es bleiben. »Warum versuchen Sie auch dauernd, in besonders geschützte Wohngebiete hineinzugehen?«, sagt einer der Richter kopfschüttelnd zu Moysich.

Allerdings könnte es sein, dass der Triumph des Nachbarn nicht von Dauer ist, der Bezirk Altona ist nämlich schon dabei, das ganze Gebiet an der Reventlowstraße neu zu überplanen und einen modernen Bebauungsplan aufzustellen. Mit der Beseitigung des besonderen Wohngebietsschutzes wäre auch der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts die Grundlage entzogen und damit die Frage, wie viele Kinder in der umstrittenen Sterni-Kita Platz haben, wieder offen.

Natürlich werden alle möglichen Bewohner der wohlhabenden Elbvororte auch gegen diese Neuerung rechtliche Schritte ergreifen. Im Juni 2009 hat es schon mal eine »Öffentliche Plandiskussion« gegeben, und erwartungsgemäß waren die Vermögenden und Betuchten wieder versammelt und kämpften auch dort gegen neue Kindergärten. Ihre Wortbeiträge waren von einer Art, dass der Leiter des Bezirksamts Altona, Jürgen Warmke-Rose, sich seiner Bürger schämen musste: »Da wurden Grenzen des Anstands überschritten«, sagt er rückblickend.

An diesem 29. April 2010 aber tritt die vor Gericht unterlegene Leila Moysich mit dem Selbstbewusstsein der moralischen Siegerin vor den Verhandlungssaal, blickt, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Blitzlichtgewitter der Lokalmedien und verkündet laut, heute sei »ein schwarzer Tag für Hamburgs Kinder«.

Zurück bleibt der Nachbar. Obwohl er recht bekommen hat, scheut er die Fotografen und traut sich nicht durch die Tür. Später taucht er dann doch auf der Straße vor dem Gebäude auf, auf irgendeinem Umweg muss es ihm also gelungen sein, das Gericht ungesehen zu verlassen.

 
Leser-Kommentare
  1. Toleranz nimmt mit dem Abstand zum Problem zu.

    Das gilt auch für Lärmbelästigung - egal ob kinderlos oder nicht, der Krach von anderen Kindern zerrt an den Nerven - das hat die Natur so eingerichtet, damit man sich um die Brut kümmert.
    Philosophisch oder gesellschaftspolitisch wird man den Stress, den die Nachbarn eines Kindergarten empfinden nicht wegdiskutieren können. Auch nicht, wenn man sie diffamiert und von "hektischen Flecken" bei den Beschwerdeführern
    redet. Es muss eben ein Kompromiss gefunden werden - und Gerichte müssen in dem Fall entscheiden. Um das Recht auf Ruhe zu streiten, ist völlig legitim - es muss gegen die Notwendigkeit von Kindergärten abgewogen werden.
    Ein normaler Vorgang.

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    • Guido3
    • 01.07.2010 um 9:43 Uhr

    Dann werden Sie bitte mal konkret. Wie sollen Kompromisse aussehen? Kindergärten werden nur noch in Industriegebieten neben Schlachtereien, Speditionen und Chemiefabriken errichtet, wo Emissionen nicht stören? Kindergärten dürfen nur in schalldichten Häusern errichtet werden und es gibt - siehe Beispiel im Artikel - ein totales Gartenverbot, was zu degenerierten Kindern führt?

    Keine Frage: Kinder können nerven. Aber es heißt Wohngebiet und nicht Altersruhesitzgebiet. Zu einem Wohngebiet gehören Menschen aller Alterklassen - also auch Kinder. Und dann muss es in akzeptabler Entfernung auch in ausreichender Zahl Kita-Plätze geben. Der damit fraglos einhergehende Lärm beschränkt sich üblicherweise wochentags auf die Zeit von 8-17 Uhr und fällt auch während dieser Zeit nicht durchgehend an. Das muss gesellschaftlich auszuhalten sein.

    Es ist ein gewisser Trost, dass zumindest ein Teil derer, die heute gegen KiTas in ihrer Nähe ätzen, morgen von Hartz 4 lebt, weil niemand mehr da ist, der für sie per Umlageverfahren eine anständige Rente erwirtschaftet.

    Keineswegs hat die Natur es so eingerichtet, dass der Lärm von anderen Kindern stört - das wäre evolutionär auch völliger Quatsch. Nein, der Lärm der eigenen Kinder nervt, damit man sich gefälligst um sie kümmert. So hat die Natur das gemeint.

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen respektvollere Ausdrucksweise. Danke. Die Redaktion/sh

    • joG
    • 02.07.2010 um 13:21 Uhr

    ....verständig. Kinder können laut sein und nerven. In Restaurants können sie Einem die die Zeit versauen und das Geplärre, wenn sie spielen? Einen Erwachsenen würde die Polizei wegen Ruhestörung abholen. Wieso dürfen das dann Kinder?

    Aber wie wollen Sie es regeln? Kitas und Schulen könnte man außerhalb der Stadt ansiedeln, vielleicht. Aber wollen Sie Eltern der Stadt verweisen, wenn sie werfen? Vielleicht kann man Sondergebiete ausweisen, wo Ruhe herrschen muss. Aber glauben Sie das BVerfG erlaubt das?

    • BertaG
    • 03.07.2010 um 16:32 Uhr

    Der Beitrag von Leonas3 mag sehr sachlich und eloquent klingen, richtig wird er davon nicht.

    Menschen können durchaus Dinge unterschiedlich wahrnehmen und die Kriterien die an die eigene Wahrnehmung angelegt werden reflektieren. So kann man sich entscheiden, ob man Dinge mit Ärger/Nicht-Ärger oder etwas Leben/Nicht-Leben bewerten möchte. Damit hätte man dann Ärger oder auch nicht.

    Leider Leonas3 hat in seinem Leben vermutlich noch die positive Erfahrung gemacht, dass Recht nicht auf alle Dinge anwendbar ist und dass es gut tut anderen Recht, das sie vielleicht gar nicht haben, zuzugestehen, weil es dem Leben dient.
    Und wo ist mehr Leben als in Kindern?

    Interessant ist, dass erste Kommentar (mal wieder) sich auf die Seite der armen Nachbarn schlägt. Die mehr oder minder subtile Aussage "Toleranz nimmt mit dem Abstand zum Problem zu" suggeriert doch nur, dass sich jeder gestört fühlt, der in der Nähe eines Kindergartens lebt. Da frage ich mich doch sofort, ob der Kommentator aus eigener Erfahrung oder nur aus grundsätzlicher Abneigung gegen Kindergärten schreibt.

    Größerer Abstand zum einem Kindergarten mag hilfreich sein, weniger von selbigen zu hören. Dass er ein Kriterium für größere Toleranz wäre, halte ich dagegen für Unsinn.

    Ich wohne direkt neben einem Kindergarten, und ja, da ist es manchmal etwas lauter und ja, Kinderstimmen sind heller und manchmal schriller, als die von Erwachsenen, aber wirklich unerträglich ist es nie. Mal ganz davon abgesehen, dass es nur Montags bis Freitags tagsüber etwas zu hören gibt und die meisten arbeitenden Menschen es daher kaum wahrnehmen.

    • Guido3
    • 01.07.2010 um 9:43 Uhr

    Dann werden Sie bitte mal konkret. Wie sollen Kompromisse aussehen? Kindergärten werden nur noch in Industriegebieten neben Schlachtereien, Speditionen und Chemiefabriken errichtet, wo Emissionen nicht stören? Kindergärten dürfen nur in schalldichten Häusern errichtet werden und es gibt - siehe Beispiel im Artikel - ein totales Gartenverbot, was zu degenerierten Kindern führt?

    Keine Frage: Kinder können nerven. Aber es heißt Wohngebiet und nicht Altersruhesitzgebiet. Zu einem Wohngebiet gehören Menschen aller Alterklassen - also auch Kinder. Und dann muss es in akzeptabler Entfernung auch in ausreichender Zahl Kita-Plätze geben. Der damit fraglos einhergehende Lärm beschränkt sich üblicherweise wochentags auf die Zeit von 8-17 Uhr und fällt auch während dieser Zeit nicht durchgehend an. Das muss gesellschaftlich auszuhalten sein.

    Es ist ein gewisser Trost, dass zumindest ein Teil derer, die heute gegen KiTas in ihrer Nähe ätzen, morgen von Hartz 4 lebt, weil niemand mehr da ist, der für sie per Umlageverfahren eine anständige Rente erwirtschaftet.

    Keineswegs hat die Natur es so eingerichtet, dass der Lärm von anderen Kindern stört - das wäre evolutionär auch völliger Quatsch. Nein, der Lärm der eigenen Kinder nervt, damit man sich gefälligst um sie kümmert. So hat die Natur das gemeint.

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen respektvollere Ausdrucksweise. Danke. Die Redaktion/sh

    • joG
    • 02.07.2010 um 13:21 Uhr

    ....verständig. Kinder können laut sein und nerven. In Restaurants können sie Einem die die Zeit versauen und das Geplärre, wenn sie spielen? Einen Erwachsenen würde die Polizei wegen Ruhestörung abholen. Wieso dürfen das dann Kinder?

    Aber wie wollen Sie es regeln? Kitas und Schulen könnte man außerhalb der Stadt ansiedeln, vielleicht. Aber wollen Sie Eltern der Stadt verweisen, wenn sie werfen? Vielleicht kann man Sondergebiete ausweisen, wo Ruhe herrschen muss. Aber glauben Sie das BVerfG erlaubt das?

    • BertaG
    • 03.07.2010 um 16:32 Uhr

    Der Beitrag von Leonas3 mag sehr sachlich und eloquent klingen, richtig wird er davon nicht.

    Menschen können durchaus Dinge unterschiedlich wahrnehmen und die Kriterien die an die eigene Wahrnehmung angelegt werden reflektieren. So kann man sich entscheiden, ob man Dinge mit Ärger/Nicht-Ärger oder etwas Leben/Nicht-Leben bewerten möchte. Damit hätte man dann Ärger oder auch nicht.

    Leider Leonas3 hat in seinem Leben vermutlich noch die positive Erfahrung gemacht, dass Recht nicht auf alle Dinge anwendbar ist und dass es gut tut anderen Recht, das sie vielleicht gar nicht haben, zuzugestehen, weil es dem Leben dient.
    Und wo ist mehr Leben als in Kindern?

    Interessant ist, dass erste Kommentar (mal wieder) sich auf die Seite der armen Nachbarn schlägt. Die mehr oder minder subtile Aussage "Toleranz nimmt mit dem Abstand zum Problem zu" suggeriert doch nur, dass sich jeder gestört fühlt, der in der Nähe eines Kindergartens lebt. Da frage ich mich doch sofort, ob der Kommentator aus eigener Erfahrung oder nur aus grundsätzlicher Abneigung gegen Kindergärten schreibt.

    Größerer Abstand zum einem Kindergarten mag hilfreich sein, weniger von selbigen zu hören. Dass er ein Kriterium für größere Toleranz wäre, halte ich dagegen für Unsinn.

    Ich wohne direkt neben einem Kindergarten, und ja, da ist es manchmal etwas lauter und ja, Kinderstimmen sind heller und manchmal schriller, als die von Erwachsenen, aber wirklich unerträglich ist es nie. Mal ganz davon abgesehen, dass es nur Montags bis Freitags tagsüber etwas zu hören gibt und die meisten arbeitenden Menschen es daher kaum wahrnehmen.

  2. Tja, da kann man dem Hamburger Senat doch nur empfehlen, in solchen Stadtgebieten eine Suppenküche für Arme oder eine Auszahlungsstelle für Nichtsesshafte einzurichten, oder vielleicht ein Wohnheim für nicht mietfähige psychisch kranke Menschen....

    Da hätten dann die Snobs mal so richtig was zum Aufregen, wenn sie sich schon von spielenden Kindern genervt fühlen!

    Als wir mit unserer Abteilung für Nichtsesshafte in ein wirklich nicht mondänes Stadtviertel umzogen, hagelte es schon reihenweise Anzeigen wegen Wertminderung der sehr bescheidenen Eigentumswohnungen.

    Unsere Kundschaft war aber zugegebenermassen nicht so niedlich wie die Kleinen in Hamburg, warfen Bierflaschen und Flachmänner in die Vorgärten und pinkelten mal in die Einfahrten.

    Angesichts der Reaktion der Anwohner der Villenviertel in Hamburg wäre eine Lektion seitens der Hamburger Sozialbehörde schon sinnvoll, um den reichen Herrschaften zu zeigen, dass unsere Gesellschaft vielfältig ist und sie keinen "Artenschutz genießen",sondern auch Randgruppen beinhaltet, die man nicht nur in Industriegebiete abschieben sollte.

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    Oder am besten gleich vor die Wahl stellen:

    ein Kindergarten oder die Wahl: zwischen einer offenen Drogen-Entzugseinrichtung und einem Gefängnis. ;)

    Echt. Kein Verständniss.

    Uhhh! Kindergarten. Laut. Schlimmer als ein Endlager unter unserem Haus.

    *Kopfschütteln*

    Zum Verzweifeln, diese Kinder...die laufen und springen und schreien. Ja, geht das denn an? Achja, die leben ...Und da staunen die Politiker, weshalb immer weniger Leute (besonders aus ihrer Lieblingsgruppe der Akademikern) Kinder kriegen. Hm. Ratlosigkeit allerseits.

    Oder am besten gleich vor die Wahl stellen:

    ein Kindergarten oder die Wahl: zwischen einer offenen Drogen-Entzugseinrichtung und einem Gefängnis. ;)

    Echt. Kein Verständniss.

    Uhhh! Kindergarten. Laut. Schlimmer als ein Endlager unter unserem Haus.

    *Kopfschütteln*

    Zum Verzweifeln, diese Kinder...die laufen und springen und schreien. Ja, geht das denn an? Achja, die leben ...Und da staunen die Politiker, weshalb immer weniger Leute (besonders aus ihrer Lieblingsgruppe der Akademikern) Kinder kriegen. Hm. Ratlosigkeit allerseits.

    • kmgeo
    • 01.07.2010 um 8:24 Uhr

    Es stellt sich weniger die Frage nach Toleranz, sondern nach Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft - und zwar weniger in der viel besprochenen demographischen Schrumpfung, als in der grundsätzlichen hanseatischen Haltung zur Gemeinschaft. Es wird an der Zeit, dass die ältere Generation Verständnis dafür zeigt, dass sie auch die negativen Folgen ihrer eigenen Politik zu tragen hat und diese nicht unwidersprochen an ihre Kinder und Enkel übertragen kann. Letztlich heißt das dann auch, Lasten zu tragen: Meine Kinder haben keine Verantwortung an der Finanzkrise, dem Klientel- und Versorgungsstaat, den gerichtlichen Durchsetzungen von Partikularinteressen aufgrund "eigener Erfahrungen" von Menschen, deren Urteilsbefähigung von zwei Staatsprüfungen abhängt. Sie haben nicht gewählt, aber heute keine Wahl mehr. Daher lautet mein Vorschlag, den potentiellen Wertverlust der Villen einfach auf die Steuerlast dieser "Bürger" anzurechnen, da nur monetäre Anreize zählen. Im übrigen ist darauf hinzuweisen, dass Freiheit ein wichtiges Gut ist - diese Freiheit bedeutet Niederlassungsfreiheit für alle und auch das Recht zum Wegzug (am besten in eine gated community für die Menschen über 60Jahre und 100.000 € Einkommen) - aber nur mit Lärm- und Sichtschutz!

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    • MaBone
    • 01.07.2010 um 13:36 Uhr

    Beitrag 1 und 3 haben das Problem beide gut beschrieben.

    @kmgeo
    Zitat:
    "Meine Kinder haben keine Verantwortung an der Finanzkrise, dem Klientel- und Versorgungsstaat, den gerichtlichen Durchsetzungen von Partikularinteressen aufgrund "eigener Erfahrungen" von Menschen, deren Urteilsbefähigung von zwei Staatsprüfungen abhängt. Sie haben nicht gewählt, aber heute keine Wahl mehr. Daher lautet mein Vorschlag, den potentiellen Wertverlust der Villen einfach auf die Steuerlast dieser "Bürger" anzurechnen, da nur monetäre Anreize zählen.[...]"

    Sie sagen, Ihre Kinder haben keine Wahl mehr. Aber was ist mit den (älteren) Leuten, die ebenfalls ihr ganzes Leben lang das Gefühl hatten, sich totzuarbeiten und wenigstens zum Feierabend/Ruhestand ihre Ruhe auch verdient zu haben?

    Es ist für mich immer noch eine Frage der Toleranz und des persönlichen Empfindens. Ich wüsste - genau wie in Beitrag 1 beschrieben – nicht, wem ich welches Recht zusprechen sollte. Denn es kommt wie überall auf das Verhältnis und die Balance an. Gibt es 100 Kindergärten und einen Seniorenstift, sieht es so aus, als müsste der Seniorenstift stärker geschützt werden. Ist es andersherum, dann der Kindergarten. Die Masse macht's ... und ihre Verteilung.
    Pro Straße in Halburg nur ein halber Kindergarten, und die Sache wäre erledigt.

    • MaBone
    • 01.07.2010 um 13:36 Uhr

    Beitrag 1 und 3 haben das Problem beide gut beschrieben.

    @kmgeo
    Zitat:
    "Meine Kinder haben keine Verantwortung an der Finanzkrise, dem Klientel- und Versorgungsstaat, den gerichtlichen Durchsetzungen von Partikularinteressen aufgrund "eigener Erfahrungen" von Menschen, deren Urteilsbefähigung von zwei Staatsprüfungen abhängt. Sie haben nicht gewählt, aber heute keine Wahl mehr. Daher lautet mein Vorschlag, den potentiellen Wertverlust der Villen einfach auf die Steuerlast dieser "Bürger" anzurechnen, da nur monetäre Anreize zählen.[...]"

    Sie sagen, Ihre Kinder haben keine Wahl mehr. Aber was ist mit den (älteren) Leuten, die ebenfalls ihr ganzes Leben lang das Gefühl hatten, sich totzuarbeiten und wenigstens zum Feierabend/Ruhestand ihre Ruhe auch verdient zu haben?

    Es ist für mich immer noch eine Frage der Toleranz und des persönlichen Empfindens. Ich wüsste - genau wie in Beitrag 1 beschrieben – nicht, wem ich welches Recht zusprechen sollte. Denn es kommt wie überall auf das Verhältnis und die Balance an. Gibt es 100 Kindergärten und einen Seniorenstift, sieht es so aus, als müsste der Seniorenstift stärker geschützt werden. Ist es andersherum, dann der Kindergarten. Die Masse macht's ... und ihre Verteilung.
    Pro Straße in Halburg nur ein halber Kindergarten, und die Sache wäre erledigt.

    • sajnax
    • 01.07.2010 um 8:41 Uhr

    Als junge, beruflich erfolgreiche Frau, die fast täglich von der Politik aufgefordert wird, endlich Kinder zu bekommen, ehemaliges Kindergartenkind und Bürgerin einer Gesellschaft, die aufgrund des demographischen Wandels schon heute von akutem Fachkräftemangel betroffen ist, bin ich über Ihren Artikel tief erschüttert. Schon beim Gedanken an Kinder sollte ich mich vermutlich auf diverse Wartelisten der wenigen Kitas im Ruhrgebiet setzen lassen und hoffen, dass diese nicht in der Zwischenzeit von kinderlosen Millionären weggeklagt werden.
    Gegenseitige Rücksichtnahme ist gut und richtig. Aber dass jedes im Hochsommer draußen spielende Kind gleich einen Gerichtsprozess provoziert, macht mich einfach nur wütend. Armes Deutschland!

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  3. Was wir hier erleben ist eine weitere Folge der Individualisierung, in der der Einzelne sich selbst überhöht. Man denkt vernehmlich an sich und seine eigenen Rechte und übersieht dabei, dass der Mensch als soziales Wesen auch ein Zusammenleben mit anderen Menschen organsisieren muss.

    So sehr man geneigt ist jedem, der sich über Kinderlärm beschwert, die Rente komplett zu streichen weil er seinen späteren Finanzierer ja nicht haben will, so sehr muss man sich vor Augen halten, dass auch diese Phänomene nur Auswirkung einer breiter gefassten Bewegung ist, die noch immer andauert und sich intensiviert.

    Eine Rückbesinnung aufs Gemeinwohl, welches neben dem Einzelwohl nicht zu weit zurückstehen kann, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

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    Ihrer Analyse stimme ich im vollen Umfang zu. Die Individualisierung vieler Menschen in unserer Gesellschaft führt dazu, dass nur noch die eigene Lebenssituation mit ihren Rechten und Bedürfnissen erkannt wird, die Lebenssituation von Menschen in anderen Verhältnissen wird nicht mehr wahrgenommen. Damit werden auch deren Rechte und Bedürfnisse nicht mehr gesehen, ja in Frage gestellt. Es resultiert ein anscheinend rücksichtsloses Verhalten, ist es doch in Wirklichkeit nur die Unfähigkeit zur Empathie. Nicht Vielfalt ist das Ziel, sondern Gleichheit gemessen am eigenen Ich.
    Dieses Verhalten ist, wie jeder sehen kann, auch in der Politik angekommen. Es zerstört die Gesellschaft von innen - wenn wir uns nicht entschlossen dagegen wehren.

    Ihrer Analyse stimme ich im vollen Umfang zu. Die Individualisierung vieler Menschen in unserer Gesellschaft führt dazu, dass nur noch die eigene Lebenssituation mit ihren Rechten und Bedürfnissen erkannt wird, die Lebenssituation von Menschen in anderen Verhältnissen wird nicht mehr wahrgenommen. Damit werden auch deren Rechte und Bedürfnisse nicht mehr gesehen, ja in Frage gestellt. Es resultiert ein anscheinend rücksichtsloses Verhalten, ist es doch in Wirklichkeit nur die Unfähigkeit zur Empathie. Nicht Vielfalt ist das Ziel, sondern Gleichheit gemessen am eigenen Ich.
    Dieses Verhalten ist, wie jeder sehen kann, auch in der Politik angekommen. Es zerstört die Gesellschaft von innen - wenn wir uns nicht entschlossen dagegen wehren.

  4. Bei uns in Norwegen ist die Nähe eines Kindergartens ein Werbeargument in den Broschüren der Immobilienmakler.
    Schließlich spart es morgens viel Zeit.

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    • Chali
    • 01.07.2010 um 9:12 Uhr

    Norwegen!

    • Chali
    • 01.07.2010 um 9:12 Uhr

    Norwegen!

    • Chali
    • 01.07.2010 um 9:12 Uhr

    Norwegen!

    • DeLox
    • 01.07.2010 um 9:25 Uhr

    Man muß aber auch das Dilemma der älteren Herrschaften verstehen: Es ist wirklich unangenehm, morgens um 10 von lärmenden Kindern geweckt zu werden. Und beim Frühstück erst... und dann auch noch beim Mittagessen um 12 Uhr. Und wenn dann noch das Mittagsschläfchen bis 15 Uhr vermiest wird, ist man den Rest des Tages ärgerlich, bis man schließlich um 22 Uhr ins Bett geht. /ironie off

    Ich habe auch einen Spielplatz vor meinem Balkon und der Kinderlärm ist mir hundert mal lieber als der Lärm einer stark befahrenen Straße. Für das Verhalten der Anwohner habe ich nur ein unverständliches Kopfschütteln über. Die Kinder sollten das Wichtigste einer Gesellschaft sein, aber das ist in Deutschland ja seit Langem nicht der Fall.

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