Urlaub gratis Wir sind urlaubsreif!
Ein Bremer Kulturhaus spendiert Künstlern Ferien – wenn sie glaubhaft machen können, warum sie welche brauchen. Ein Blick in die Bewerbungen
© Sean Gallup/Getty Images

Gemeinsam atmen an der Algarve – ein Bremer Kulturhaus macht es mögliich
Kunstpause
Wie man sich das so vorstellt. Picasso an der Côte d’Azur, Gauguin in der Südsee, Hemingway beim Fischen in Key West. Während wir Jahr für Jahr den Sommerferien entgegenfiebern, scheinen die Künstler schon längst da zu sein, wo wir erst noch hinwollen: an einem schönen Ort, in einem Leben ohne Zwänge. So weit das Bild, das natürlich schon immer schief war. Künstler mögen ein Gespür für malerische Landschaften haben, sie kommen auch mehr rum als unsereins, aber sie kommen eben nicht zur Ruhe. Selbst Picasso hat am Mittelmeer wie ein Besessener gearbeitet. Und wer nicht ganz so gut im Geschäft ist, dem muss Urlaub erst recht wie ein überflüssiger Luxus vorkommen.
Doch auch Künstler müssen mal raus, um Kraft zu schöpfen und auf neue Ideen zu kommen, fand die Leitung der Bremer Schwankhalle. Und weil die meisten Künstler keinen Arbeitgeber haben, der ihnen einen Jahresurlaub genehmigen könnte, schlüpft das von der Stadt finanzierte Kulturhaus nun in diese Rolle – und schickt seit Herbst 2009 alle drei Monate ein paar freischaffende Theaterleute, Musiker und Maler auf Reisen.
Einzige Bedingung: Die Urlaubsreife muss in einem Antrag glaubhaft oder zumindest originell begründet werden. Im ersten Durchlauf hätten viele die Aktion »Urlaubsanträge jetzt stellen« für eine Performance oder ein Arbeitsstipendium gehalten, sagt der Schwankhallen-Sprecher Carsten Werner. Inzwischen habe sich aber herumgesprochen, »dass wir keine Ergebnisse sehen wollen«. Im Gegenteil: Wer den Urlaub zum Arbeiten nutzen will, hat schlechte Aussichten, seinen Antrag bei der Jury durchzubekommen. Die Schwankhalle will, dass die »Leute den Kopf freikriegen«. Sie hat im vergangenen Herbst einem jungen Vater einen Nordseeurlaub mit seinem Sohn spendiert und einem Musiker eine Woche Ausspannen bei Freunden in New York. Die fünfzig Bewerber der aktuellen vierten Runde wollen fast alle ans Meer. Fünf der schönsten Anträge drucken wir hier ab. Sie zeigen: Gut essen, aufs Meer gucken und die Liebe finden, das ist in diesen Wochen die Kunst.
- Datum 14.07.2010 - 07:49 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.07.2010 Nr. 27
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Liegt es an den Interessen der Autorin, dass die Auswahl urlaubsreifer Künstler nur auf Frauen fällt oder sollte das Rückschlüsse zulassen auf die unterschiedliche Auswirkung künstlerischer Anstrengung auf die beiden Geschlechter? Oder waren, ganz banal, nur die männlichen Vertreter der Gilde nicht mit der Veröffentlichung ihrer Urlaubswünsche einverstanden.
oh, das ist Ihnen vor uns aufgefallen!
In der Tat stellen mehr Frauen Anträge. Und in der Tat waren einige Herren nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden. Also zwei weitere interessante Aspekte dieser kleinen Feldforschung unter Freischaffenden. (Vermutlich sind schlicht auch unter Freischaffenden grundsätzlich mehr Frauen!?) "Bewilligt" wurde aber z.B. auch schon ein (erster) Vater-Kind-Urlaub.
Herzliche Grüße aus der Schwankhalle,
Carsten Werner
oh, das ist Ihnen vor uns aufgefallen!
In der Tat stellen mehr Frauen Anträge. Und in der Tat waren einige Herren nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden. Also zwei weitere interessante Aspekte dieser kleinen Feldforschung unter Freischaffenden. (Vermutlich sind schlicht auch unter Freischaffenden grundsätzlich mehr Frauen!?) "Bewilligt" wurde aber z.B. auch schon ein (erster) Vater-Kind-Urlaub.
Herzliche Grüße aus der Schwankhalle,
Carsten Werner
oh, das ist Ihnen vor uns aufgefallen!
In der Tat stellen mehr Frauen Anträge. Und in der Tat waren einige Herren nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden. Also zwei weitere interessante Aspekte dieser kleinen Feldforschung unter Freischaffenden. (Vermutlich sind schlicht auch unter Freischaffenden grundsätzlich mehr Frauen!?) "Bewilligt" wurde aber z.B. auch schon ein (erster) Vater-Kind-Urlaub.
Herzliche Grüße aus der Schwankhalle,
Carsten Werner
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