Training für die Maschine: Ein Roboter entschärft eine Bombe auf einem Übungsplatz © Krafft Angerer/Getty Images

DIE ZEIT: Wäre ein reiner Roboterkrieg denkbar, ohne einen einzigen Soldaten an der Front?

Jutta Weber: Das ist der unrealistische Traum der Militärs, der Stand der Technik ist ein anderer. Zudem führt der Einsatz bewaffneter Drohnen zu extrem hohen Verlusten in der Zivilbevölkerung. Man muss überlegen, was das für den Gegner bedeutet. Das US-Militär beginnt erst langsam zu verstehen, wie etwa in Pakistan der immer häufigere Einsatz von Drohnen die Bevölkerung zunehmend radikalisiert.

ZEIT: Was wäre, wenn sich Terroristen dieser Technologie bemächtigten?

Weber: Das ist bislang nicht geschehen, aber Guerillakämpfer haben sich schon mehrfach in die Kommunikationssysteme gehackt. Unglaublich, dass die Amerikaner überhaupt nicht mit der Gefahr gerechnet haben, Militärroboter könnten gegen ihre eigenen Produzenten gerichtet werden – ein weiterer Grund für einen Bann dieser Waffen.

ZEIT: Lässt sich denn ein neuer Rüstungswettlauf stoppen oder wenigstens begrenzen?

Weber: Der englische Robotiker Noel Sharkey hat mit Friedensforschern und Philosophen das International Committee for Robot Arms Control gegründet. Das ist ein erster Schritt. Man muss eine Debatte in Gang bringen. Drohnen wären ja nicht die erste Waffengattung, die verboten oder eingeschränkt würde.

ZEIT: Autonome Roboter sollen sogar selbstständig Ziele und Zeitpunkte ihrer Attacken wählen. Entwickelt werden sie bereits.

Weber: Nach geltendem Völkerrecht wäre das hochproblematisch, denn für jede militärische Operation muss jemand die Verantwortung tragen. Außerdem müsste die Technik zwischen Zivilisten und Nichtzivilisten unterscheiden können – in absehbarer Zeit völlig undenkbar. Und wer bestimmt die Parameter einer Software, der man die Entscheidung über Leben und Tod überträgt?

ZEIT: Kritiker sagen, schon Einsätze heutiger Drohnen könnten völkerrechtswidrig sein.

Jutta Weber: Erfreulicherweise hat kürzlich Philip Alston, der UN-Sonderberichterstatter für Massentötungen, den Einsatz ferngelenkter Drohnen kritisiert. Daraufhin legitimierte der Rechtsberater des US-Außenministeriums, Harold Koh, sie nur äußerst vage – vor allem mit dem Selbstverteidigungsrecht der USA –, ohne auf den höchst problematischen Einsatz von Drohnen durch die CIA einzugehen. Oder gar darauf, dass die USA weder Pakistan noch dem Jemen den Krieg erklärt haben, dort aber mit Drohnen zuschlagen.