Sängerin M.I.A. "Seit unserer Flucht sehne ich mich nach einer Heimat"

Weil ihre Eltern in den USA nicht willkommen sind, ist M.I.A. auf der Suche nach einem neuen Zuhause für ihre Familie.

Ich sehne mich nach einem Ort, an dem meine ganze Familie willkommen ist. Ein großes Heim, in dem wir alle kommen und gehen dürfen, wie wir wollen. Eigentlich müsste ich glücklich sein, denn ich bin mit einem tollen Mann zusammen, wir haben ein Anwesen in einer guten Gegend von Los Angeles gekauft und einen Sohn bekommen. Wir haben nur ein Problem: Meine Mutter ist in diesem Land nicht willkommen, und mein Vater und meine Geschwister sind es auch nicht.

Mit den USA verbindet mich eine Art Hassliebe. Ich mag die Menschen, aber nicht die Einwanderungspolitik. Ich bin in Sri Lanka geboren, mein Sohn in Amerika – und meine Mutter, seine Großmutter, darf uns nicht in Los Angeles besuchen, weil sie als Bedrohung für die USA eingestuft wird. Wenn meine Mutter eine Bedrohung für Amerika ist, sind mein Sohn und ich es auch. Das Problem ist, dass ich bestraft werden soll, weil ich zu oft und zu laut- stark unbequeme Wahrheiten über die politischen Verhältnisse in Sri Lanka ausspreche. Man hat mir mitgeteilt, dass ich mich öffentlich für einige meiner Äußerungen entschuldigen müsste, um die Situation zu entspannen, aber das werde ich nicht tun. Jedes Mal, wenn ich auf Reisen bin, frage ich mich, ob ich nach Amerika zurückkehren soll – und ob ich überhaupt wieder reingelassen werde.

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M.I.A.

Die 34-Jährige Sängerin heißt eigentlich Mathangi Arulpragasam. Sie wurde in Sri Lanka geboren und wuchs in London auf. Bekannt wurde sie durch ihren Hit »Paper Planes« und ihre Songs für den Film »Slumdog Millionaire«. In diesen Tagen erscheint ihr Album »Maya«

Dabei träume ich seit meinem zehnten Lebensjahr von einem Zuhause. Damals musste meine Familie wegen des Bürgerkriegs aus Sri Lanka fliehen, weil wir zur tamilischen Minderheit gehörten.

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Bis ich zehn Jahre alt war, habe ich dort gelebt, es war himmlisch. In unserer Dorfstraße wohnten in jedem Haus Verwandte. Meine Mutter hat zwölf Geschwister, sechs von ihnen lebten nebenan, und jeder von denen hatte mindestens acht Kinder. So wuchs ich mit ungefähr 50 Cousins und Cousinen auf. Es war wunderbar, bis der Krieg alles vernichtete. Das Dorf wurde komplett zerstört. Ich habe dann 15 Jahre in England gelebt, und seit einigen Jahren bin ich nun in Amerika.

Seit wir aus Sri Lanka fliehen mussten, treibt mich die Sehnsucht nach einer neuen Heimat für meine Familie. Meine Verwandten sind über die ganze Welt verstreut. Überall habe ich Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Wir sehen uns oft, irgendwer heiratet immer oder feiert seinen 75. Geburtstag. Auf solchen Festen fühle ich mich daheim, denn Familie ist für mich wichtiger als Heimat. Ich würde lieber mit meiner Familie in ein Flüchtlingscamp ziehen, als auf Dauer allein in einem Palast in Los Angeles zu residieren.

Viele meiner Verwandten leben in Deutschland, die meisten in Düsseldorf. Wenn ich dort Konzerte gebe, kommen sie alle. Ich verstehe sogar ein wenig Deutsch. Vielleicht sollte ich einen meiner Cousins auf meiner kommenden Tournee als Assistenten mitnehmen, dessen Aufgabe allein darin bestünde, mir Deutsch beizubringen. Denn wer weiß, vielleicht ziehen wir alle eines Tages nach Düsseldorf.

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Leser-Kommentare
  1. 1985 war ich als Deutscher in einem internationalen Team für etwa 5 Monate in Sri Lanka, um auf Einladung des singhalesischen Ministers für Indiginous Medicine (=Ayurveda) die Technik der Transzendentale Meditation zu lehren. Minister Lokubandare wollte, dass in seinem Wahlkreis (Haputale im Uva-Distrikt), in dem es zwei Sprachen und drei Weltreligionen gab, an den Schulen (und auch in den Teeplantagen) die e i n e gemeinsame Sprache gelernt werden sollte, die Sprache der Stille, und d e r Bewusstseinszustand, der uns alle eint, der Zustand der ruhevollen Wachheit. Der damalige singhalesische Präsident Jayawardena wusste davon und traf sich dann auch mit dem indischen Weisen, der die Meditationstechnik in den Westen gebracht hatte, mit Maharishi Mahesh Yogi. Leider musste das Projekt nach 5 Monaten gestoppt werden, weil die Regierung die Ausbildung und Anstellung der einheimischen TM-Lehrer nicht bezahlen wollte - der Widerstand der Buddhistenmönche war ähnlich stark wie bei uns der Widerstand der Kirchen. Der Veda, das Heim aller Naturgesetze, wurde als fremd empfunden.

    Es passt gut zum Veda, wenn eine Sängerin sich M.I.A. nennt: Am I "A"? Bin ich "A"? A ist der Anfang der Sprache, die Kehle ist ganz offen. Der Rig-Veda beginnt mit A-G-N-I. Die Universität, die MMY in Fairfield/Iowa gegründet hatte, hieß übrigens ursprünglich M.I.U. (Am I you?). Jetzt heißt sie MUM und gibt Menschen eine HEIMAT in einer anderen Dimension. VASUDEVA KUTUMBAKA - Die Welt ist meine Familie.

    • joG
    • 04.07.2010 um 15:34 Uhr

    .....kommen. Als Promi bekommt sie sicherlich eine Aufenthaltsgenehmigung für die Familie.

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