Polit-Kunst in Österreich Asyl? Nicht mit uns!
Eine neue Behörde organisiert die Verteidigung der Heimat gegen Flüchtlinge und Schlepperkriminalität. Ihr Auftrag sorgt für Irritationen – genau das wollen die Künstler.
Sandra Baierl mag es eher streng. Die Beine korrekt übereinandergeschlagen, sitzt die 36-Jährige mit durchgestrecktem Rücken an ihrem Schreibtisch. Eng taillierter Businessanzug, ordentliche Ponyfrisur, eisige Augen. Die Sachbearbeiterin ist abwehrbereit. Und das von Amts wegen. Schließlich arbeitet sie in einer Behörde, die Tag für Tag im Kampf gegen Flüchtlinge, Überfremdung und Schlepperkriminalität steht: dem Asylabwehramt (AAbA).
Die Behörde operiert in einem politisch hochsensiblen Bereich, auf Publicity wird naturgemäß wenig Wert gelegt. Doch im Schatten der grassierenden Debatte um die Abschiebung der Flüchtlingsfamilie Zogaj gelang es der ZEIT erstmals, Einblick in die Arbeit des klandestinen Diensts zu gewinnen. »Wir sind bestrebt, die Invasion und Unterminierung der Republik durch ungewollte Immigrationssubjekte zu verhindern«, beschreibt Baierl den Auftrag des AAbA. »In erster Linie geht es um den Volksschutz. Wir sind aber auch dafür da, Abschiebeorgane bei Fragen zu kontrollierten Ausreisen von Schüblingen zu unterstützen. Wenn’s da zu Problemen kommt, sind ja die Kollegen immer mit Anschuldigungen der Presse konfrontiert«, weiß die Beamtin. Ihr Kollege Peter Haslinger, ein massiger Mittdreißiger mit glatt rasiertem Schädel, nickt stumm. Hinter seinen dicken Brillengläsern schwimmt ein argwöhnischer Blick. »Aber damit ist nun Schluss«, poltert der Ex-Security-Mitarbeiter plötzlich, und seine volle Stimme hallt von den Wänden der Amtsräume.
Seit Kurzem residieren die Staatsdiener in der Wollzeile, einer noblen Adresse in der Wiener City. Nur ein schlichtes Metallschild mit dem Amtswappen verweist darauf, dass im vierten Stock des unscheinbaren Hauses die Verteidigung der Heimat gegen Asylmissbrauch und illegale Einwanderung organisiert wird. Wer bis hierher vordringt, wird sofort mit der effizientesten Waffe des Beamtenstaates konfrontiert: dem Wartezimmer. Einige abgewetzte Holzstühle möblieren den Raum, die Wände sind mit in Klarsichtfolie gehüllten Aushängen gepflastert. Darauf preist etwa das Innenministerium die Vorteile einer raschen Rückkehr eines Asylwerbers in die Heimat an. »Planen Sie aktiv Ihre Zukunft«, steht auf dem Papier, darunter eine Gratishotline-Nummer. In unzähligen Sprachen wird über die freiwillige Ausreise informiert, dazwischen hängt in roter Fettschrift ein Hinweis in eigener Sache: »Warten! Sie werden abgeholt!«
Eine Tür weiter verrichtet Frau Baierl gemeinsam mit einem Bürolehrling ihre Arbeit. Hinter hohen Aktenstapeln tippen die beiden eifrig auf ihren Computertastaturen. Herr Haslinger schlichtet mit feierlicher Miene Asylanträge. Die Kaffeemaschine gluckert, im Radio dudelt leise Ö3. An der Wand kleben bunte Urlaubskarten von den Kollegen – man liebt die Ferne, so sie einem nicht zu nahe kommt. Auf eine seltsame Art gemütlich wirkt dieser mit persönlichem Tinnef behübschte Raum, wie ein aus der Zeit gefallenes Passamt. Wenn da nicht die Packung Einweghandschuhe auf Frau Baierls Schreibtisch wäre.
Gediegener, nachgerade feudal hat es sich hingegen Oberamtsrat Andreas Bichelbauer in seinem Büro eingerichtet: Auf dem opulenten Holzschreibtisch thront eine repräsentative Messinglampe, neobarocke Fauteuils harren der Besucher. »Der Herr Oberamtsrat weilt zurzeit auf Weiterbildung in den USA«, sagt der Bürolehrling mit devot gesenkter Stimme. Sein Aufbruch dürfte überstürzt erfolgt sein: In der halb geöffneten Schreibtischschublade liegt noch seine Dienstpistole, eine Glock 26, in Fachkreisen als Baby Glock bekannt.
Bloß ein dezenter Hinweisgeber, dass hier der Obrigkeitsstaat den Kettenhund losgelassen hat. Zum Bundesministerium für Landesverteidigung ressortierend, steht der Apparat hierarchisch über dem Abwehramt, dem militärischen Inlandsnachrichtendienst als auch dem Bundesasylamt. Auf der »Heimseite« der Behörde gibt die »teilanonyme und teilautonome« Einrichtung darüber Auskunft, wie sie diese Machtfülle einzusetzen gedenkt: »Das Amt verfügt sowohl über bürokratische Instrumente und über die Weisungskompetenz bei den exekutiven Diensten als auch über legale aktive und passive Gewaltinstrumente wie Folter, unterlassene Hilfestellung und Tötung«, steht da geschrieben.
Nicht weniger als 350 Mitarbeiter in 34 auf der ganzen Welt verstreuten Außenstellen sorgen dafür, dass bereits vor Ort potenzielle Asylsuchende von ihrem Vorhaben abgebracht werden. Aber auch im Inland greift man auf die Dienste des AAbA zurück. »Wir sind ein Schnittstellenamt für andere Behörden«, betont Sandra Baierl stolz. »Praktisch ist, dass wir über eine eigene Eingreiftruppe verfügen. So wie die Cobra. Vor allem in afrikanischen Ländern wie Nigeria oder Somalia ist die Arbeit für sie sehr angenehm, weil die Gesetzeslage vor Ort einfacher ist.« Kollege Haslinger drückt sich weniger diplomatisch aus: »Asylanten sollten generell kriminalisiert werden«, meint er knapp.
- Datum 09.07.2010 - 16:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
- Kommentare 7
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Nahezu gleichzeitig durchzuckten mich beim Anlesen des
Artikels mehrere Gedanken. Asylabwehramt ? Nie gehört.
Ach so, Österreich. Klingt wie ein Aprilscherz. Könnten
wir so etwas in Deutschland nicht auch gebrauchen ?
ich weiss nicht, ob der herr blume erfasst hat, dass es sich
um eine satire handelt, aber seine frage wuerde von der Mehrzahl der leser in deutschland unterschrieben.
Das problem ist dass zugestandenermass mehr als 90 % der
asylsuchenden, dies aus sozialen und nicht aus politischen
gruenden tun. Wenn wir diese leute unterstuetzen wollen, muessen wir es dort tun, wo sie leben, nicht hier, wo es das
vielfache kostet und zukuenftige probleme bringt.
Das ist eine Anregung für viele deutsche Kommunalpolitiker gleich welcher ideologischer Couleur, sich Respekt zu verschaffen und endlich dem Gemurr vieler Bürger ein offenes Ohr zu leihen. Getreu dem Buchstaben des Gesetzes, Signale zu senden, die auch vom dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner verstanden werden können. Aber hat die Wirklichkeit nicht schon längst die Satire überholt, ist der Amtsschimmel in Wahrheit nicht schon immer ein Panzernashorn gewesen und sind die grautristen Sitten- und Gesetzeshüter seit Einführung des Formblattes mit fünffachem Durchschlag nicht die wahren Machthaber in unseren Betonokratien?
Und wie sieht es mit den vielen selbsternannten Hilfssheriffs aus, die als Rentner getarnt, Parksünder stigmatisieren, den moralinsauren Hausmeistern, die heimlich in Briefkästen kriechen und sich unter Türritzen in fremde Wohnungen pfuschen? Den Kaufhausdetektiven und U-Bahnkontrolleuren, die sich als Oberjustizräte des gesunden Volksempfindes und der von der B-Zeitung sanktionierten Selbstjustiz betrachten?
Nichts ist ist so böse lächerlich wie die bürokratisch engstirnige Nibelungentreue eines Staatsapparates, der sich von den der internen Sittlichkeit und einer schwammig definierten Gesetzestreue zu ihren Loyalitätsprinzipien längst abgekoppelt haben. Es ist zum Heulen und zum Brüllen komisch, wie man als demokratisch manipulierter Bittsteller dem Weh Wohl der Bürokratie schutzlos ausgeliefert ist.
Nur die Kunst verspricht Rettung!
W.Neisser
Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.
Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.
Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.
Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.
Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.
Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.
Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.
Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.
Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.
Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.
Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.
Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.
Scherz, Satire und Ironie, kennen Sie das? Kennen Sie überhaupt Kunstprojekte, die sich diesen Themen widmen? Wenn nein, umso schlimmer, denn Ironie zu begreifen, bedarf es eines weiten Horizonts, um mit Ambrose Pierce, Monty Python oder Coluche zu sprechen.
Kennen Sie die auch nicht? Schade. Aber nehmen Sie es nicht so ernst, die Sprache ist ein Instrument, auf dem man spielen kann, aber vorher sollte man ein wenig üben.
Wahrscheinlich halten Sie die Aktionen von Schlingensief oder Cattelan auch für sittenwidrig und humorlos - in der Tiefe steckt der Kern.
Es geht um Beamtenwillkür und Staatsterror, um mieseste Menschenrechtsverletzungen und Rassismus, das wird konterkariert. ok?
So what.
W. Neisser
Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?
Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.
Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.
Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?
Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.
Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.
Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?
Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.
Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.
deutscher Couleur fände ich auch nicht schlecht. Es müsste klar definiert werden welche Beschwerden wie krimininalisiert werden und wie man es schafft die meisten Patienten zu vermeiden. Letztlich sind die im Medizinbetrieb der wesentliche Störfaktor und was noch schlimmer ist, der wesentliche Kostenverursacher.
Weiterhin viel Erfolg in Wien.
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