Polit-Kunst in Österreich Asyl? Nicht mit uns!Seite 2/2

Für diese Aussage wurde er übrigens noch nie verklagt. Für etwa 15 seiner Aktionen sind hingegen juristische Verfahren anhängig. Denn Peter Haslinger ist im richtigen Leben der Medienkünstler Hans Bernhard. Er und seine Partnerin – Sandra Baierl hört auf den Künstlernamen LIZ VLX – sind nur anlässlich eines bis zum 17. Juli laufenden Kunstprojekts in die Rolle der strengen Sachbearbeiter geschlüpft. Weder das »Asylabwehramt« noch dessen kruden Auftrag gibt es tatsächlich – nur einige zu Behördenbüros umfunktionierte Räume des Kunstvereins Das weiße Haus in der Wollzeile und eine gekonnt gefälschte Website des Verteidigungsministeriums. Bundesadler, Rundwappen und umständliches Beamtendeutsch vermitteln trügerische Authentizität. Vor allem, weil die Website in Links und Download-Seiten von existierenden Behörden und Institutionen eingebunden ist. Informationen mehrerer Ministerien, aber auch von honorigen Non-Profit-Organisationen sind nur einen Klick entfernt. Bei der angegebenen Hotline-Nummer hebt übrigens tatsächlich eine freundliche Dame ab: Nur berät sie für European Homecare, jenes Unternehmen, das im Auftrag des Innenministeriums für die Asylbetreuung zuständig ist.

Bei der Ausstattung des Amtes wurde gleichfalls auf Authentizität Wert gelegt: Gewissenhaft hat man in dreiwöchiger Kleinarbeit Formblätter und Anträge aus heimischen Behörden zusammengetragen. »Wir haben sogar unsere Arbeitstreffen in Warteräumen durchgeführt, um ein Gefühl für die Stimmung dort zu bekommen«, erzählt Bernhard.

Seit 1995 operieren der Schweizer und die Wienerin LIZ VLX unter dem Namen Ubermorgen.com in der Grauzone zwischen Realität und Fiktion. »Forged Original« nennen sie ihre meist satirischen Wirklichkeitskonstruktionen. Mitunter darf ihre Kunst aber auch das Leben verändern: jener Skinheads zumindest, die 2001 im Rahmen eines etwas anderen Resozialisierungsprogramms für Christoph Schlingensiefs Inszenierung von Hamlet am Zürcher Schauspielhaus gecastet wurden. Das Vorhaben, ehemaligen Nazis als Schauspielern eine zweite Chance zu geben, sorgte für einige Aufregung – kein Vergleich jedoch zu den Irritationen, die das auf »Media-Hacking« spezialisierte Duo während des US-Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2000 ausgelöst hatte.

Damals entwickelten sie mit Voteauction.com eine Homepage, auf der sie Wählern die Möglichkeit gaben, ihr Stimmrecht an den meistbietenden Kandidaten zu verkaufen. Die Aktion löste ein weltweites Echo aus: Von der New York Times über die Frankfurter Allgemeine Zeitung bis hin zu Boulevardblättern wurde über den Coup der Kommunikationsguerilleros berichtet. Nur die US-Wahlbehörden waren nicht begeistert. Seitdem ist eine Strafzahlung im fünfstelligen Bereich anhängig. Die aktuelle Aktion kommt da vergleichsweise günstig. »Wegen des Missbrauchs des Hoheitszeichens auf der Website rechne ich mit 750 Euro Strafe«, meint Bernhard und zuckt mit den Schultern. Mehr Kopfzerbrechen bereitete den Künstlern das Projekt während der Vorbereitung. »Es fiel uns relativ schwer, die restriktive Asylpolitik in diesem Land noch zu überzeichnen«, erzählt LIZ VLX. »Manchmal hat man das Gefühl, dass die Realität jegliche Fiktion überholt.«

 
Leser-Kommentare
  1. Nahezu gleichzeitig durchzuckten mich beim Anlesen des
    Artikels mehrere Gedanken. Asylabwehramt ? Nie gehört.
    Ach so, Österreich. Klingt wie ein Aprilscherz. Könnten
    wir so etwas in Deutschland nicht auch gebrauchen ?

  2. ich weiss nicht, ob der herr blume erfasst hat, dass es sich
    um eine satire handelt, aber seine frage wuerde von der Mehrzahl der leser in deutschland unterschrieben.
    Das problem ist dass zugestandenermass mehr als 90 % der
    asylsuchenden, dies aus sozialen und nicht aus politischen
    gruenden tun. Wenn wir diese leute unterstuetzen wollen, muessen wir es dort tun, wo sie leben, nicht hier, wo es das
    vielfache kostet und zukuenftige probleme bringt.

  3. Das ist eine Anregung für viele deutsche Kommunalpolitiker gleich welcher ideologischer Couleur, sich Respekt zu verschaffen und endlich dem Gemurr vieler Bürger ein offenes Ohr zu leihen. Getreu dem Buchstaben des Gesetzes, Signale zu senden, die auch vom dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner verstanden werden können. Aber hat die Wirklichkeit nicht schon längst die Satire überholt, ist der Amtsschimmel in Wahrheit nicht schon immer ein Panzernashorn gewesen und sind die grautristen Sitten- und Gesetzeshüter seit Einführung des Formblattes mit fünffachem Durchschlag nicht die wahren Machthaber in unseren Betonokratien?
    Und wie sieht es mit den vielen selbsternannten Hilfssheriffs aus, die als Rentner getarnt, Parksünder stigmatisieren, den moralinsauren Hausmeistern, die heimlich in Briefkästen kriechen und sich unter Türritzen in fremde Wohnungen pfuschen? Den Kaufhausdetektiven und U-Bahnkontrolleuren, die sich als Oberjustizräte des gesunden Volksempfindes und der von der B-Zeitung sanktionierten Selbstjustiz betrachten?
    Nichts ist ist so böse lächerlich wie die bürokratisch engstirnige Nibelungentreue eines Staatsapparates, der sich von den der internen Sittlichkeit und einer schwammig definierten Gesetzestreue zu ihren Loyalitätsprinzipien längst abgekoppelt haben. Es ist zum Heulen und zum Brüllen komisch, wie man als demokratisch manipulierter Bittsteller dem Weh Wohl der Bürokratie schutzlos ausgeliefert ist.
    Nur die Kunst verspricht Rettung!

    W.Neisser

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    Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.

    Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.

    Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.

    Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.

    Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.

    Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.

    Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.

    Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.

  4. Sie verteilen in Schachtelsätzen Rundumschläge aber lassen dabei meiner Meinung nach jedes Niveau vermissen. Sich über fehlende Tiefe in der Auseinandersetzung mit diesem Thema beklagen und gleichzeitig mit Wortwahl a lá "dumpfest eingehirnten Glotzenlandbewohner" zu poltern widerspricht sich - gelinde gesagt.

    Darüber hinaus stört mich grundsätzlich wenn man Bedenken, auch Ängsten, nicht mit größtmöglicher Sachlichkeit und stichhaltigen Argumenten begegnet - gerade dann - sondern seinerseits beginnt Leute auf herablassende Weise in Schubladen zu stecken und zu verspotten. Damit verhalten Sie sich meiner Meinung nach nicht anders als die von Ihnen sogenannten "Glotzenlandbewohner", lediglich ist der Gegenstand ihres heiligen Zorns ein anderer. Nichts für ungut, aber wer "austeilt" muss auch "einstecken" können.

    Zum Artikel, um den es hier eigentlich gehen sollte, will mir eigentlich nur einfallen dass man für "Irritationen" stets sorgen kann wenn man es darauf anlegt. Ich kann persönlich darin kein "Kunstprojekt" erkennen. Und für alles was über ein fünfminütiges Bühnenstück im Kabarett hinausgeht hielte ich diese ehm Darstellung auch für eher langatmig.

    Die Einzelschicksale derer die unter Flucht und Vertreibung zu leiden haben wären für sich genommen aufrüttelnd genug.

  5. Scherz, Satire und Ironie, kennen Sie das? Kennen Sie überhaupt Kunstprojekte, die sich diesen Themen widmen? Wenn nein, umso schlimmer, denn Ironie zu begreifen, bedarf es eines weiten Horizonts, um mit Ambrose Pierce, Monty Python oder Coluche zu sprechen.
    Kennen Sie die auch nicht? Schade. Aber nehmen Sie es nicht so ernst, die Sprache ist ein Instrument, auf dem man spielen kann, aber vorher sollte man ein wenig üben.
    Wahrscheinlich halten Sie die Aktionen von Schlingensief oder Cattelan auch für sittenwidrig und humorlos - in der Tiefe steckt der Kern.

    Es geht um Beamtenwillkür und Staatsterror, um mieseste Menschenrechtsverletzungen und Rassismus, das wird konterkariert. ok?

    So what.

    W. Neisser

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    Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?

    Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.

    Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.

    Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?

    Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.

    Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.

  6. Nur weil ich etwas nicht gut heiße fehlt mir noch lange nicht das Verständnis. Ich weiss jetzt nicht wieso Sie denken mich auch noch persönlich angreifen zu müssen. Geht es nicht einfach mal sachlich?

    Und zu der "Spiel"-Metapher möchte ich einen weiteren Anglizismus hinzufügen: "Fair Play" - von verbalen "Fouls" halte ich nichts.

    Ich bin übrigens ein schwuler halber Sinti halber Latino, Sie brauchen mich nicht bezüglich Rassismus o.ä. zu belehren. Gemeinschaft und gegenseitiges Verständnis erreicht man durch sympathisches Verhalten, nicht durch verbale Konfrontation. Bei von Ihnen genannten Charakteren erkenne ich im Übrigen mehr Profilneurose als Weltverbessertum. Letzteres ist höchstens willkommene Kulisse um den eigenen Sinn für Selbstgerechtigkeit zu zelebrieren.

  7. deutscher Couleur fände ich auch nicht schlecht. Es müsste klar definiert werden welche Beschwerden wie krimininalisiert werden und wie man es schafft die meisten Patienten zu vermeiden. Letztlich sind die im Medizinbetrieb der wesentliche Störfaktor und was noch schlimmer ist, der wesentliche Kostenverursacher.

    Weiterhin viel Erfolg in Wien.

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