Burn-Out Urlaubsreif oder krank?
Burn-out, Bore-out, Depression: Wenn die Psyche leidet, hilft auch keine schöne Reise mehr
Eigentlich ist Stress eine gesunde Reaktion, bei der Körper und Hirn während einer Gefahr auf Höchstleistung schalten. Blutdruck, Durchblutung und Herzschlag steigen, die Muskelspannung erhöht sich, und die Verarbeitung der Sinnesinformationen wird intensiviert. Chronischer Stress wirkt jedoch auf das Gehirn wie ein schleichendes Gift. Der Daueralarm führt zu einer massiven körperlichen und psychischen Erschöpfung, von der sich der Organismus nicht mehr von selbst erholt. Da hilft auch keine Urlaubsreise mehr.
Tierversuche haben sogar gezeigt, dass chronischer Stress die Funktionen von Genen im Gehirn verändert. Dabei können sich Nervenschaltkreise ändern. Ob das Burn-out-Syndrom indessen eine eigenständige Erkrankung darstellt, ist umstritten. Viele Psychiater betrachten den Zustand schlicht als eine Depression , ausgelöst durch chronische Überlastung. Zumindest im Endstadium scheint eine Unterscheidung zur Depression kaum möglich. In den frühen Stadien, sagt der Burn-out-Fachmann Matthias Burisch von der Universität Hamburg, könnten Ausbrenner vorübergehend unbeschwerte Zeiten erleben, während Depressive immer depressiv seien.
- Warnsignale vor einer psychischen Erkrankung
- Quälende, ergebnislose Grübeleien
- Zerstreutheit, Flüchtigkeitsfehler nehmen zu
- Konzentration auf eine Sache wird unmöglich
- Vergesslichkeit, Aussetzer im Kurzzeitgedächtnis
- Gegenstände werden verlegt
- Gefühlte Zeitnot und Gehetztheit, chronische Unruhe; sichtbare Nervosität
- Kontakt zu anderen Menschen wird gemieden
- Anhaltende Schlafstörungen
- Schwierigkeit, anderen zuzuhören
- Verringerte Gefühlskontrolle, Wutausbrüche bei kleinstem Anlass, Weinattacken
- Starre Mimik
- Mehr Fehlzeiten wegen banaler Erkrankungen (Erkältung oder Ähnlichem)
- Häufige Kopfschmerzen, Migräne
- Schwindel
- Schmerzen aller Art ohne klare körperliche Ursache
- Tinnitus, Hörsturz
Oft macht sich das Leiden früh bemerkbar: Die Betroffenen reagieren auf ihre Überforderung mit übertriebenem Arbeitseinsatz, ziehen sich von Freunden und Kollegen zurück, Freizeitaktivitäten werden vernachlässigt. Für ein Burn-out gibt es eine Vielzahl von Symptomen. Die Betroffenen empfinden Kritik als Abwertung ihrer Person, reagieren feindselig auf ihr soziales Umfeld. Typisch sind auch erhöhter Konsum von Nikotin, Alkohol und Rauschmitteln, Missbrauch von Beruhigungs- und Aufputschmitteln.
Zu den wichtigen körperlichen Warnzeichen zählen Kopfschmerzen und Migräne, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Störungen, erhöhter Blutdruck, Herzrasen und Schweißausbrüche, Tinnitus und Hörsturz. Oft werden diese Signale ignoriert. Dann folgt meist der seelische Zusammenbruch: Die Kranken verlieren die Kontrolle über ihr Leben, empfinden totale psychische und körperliche Erschöpfung. Spätestens wenn es so weit gekommen ist, brauchen sie professionelle Hilfe.
- Leiden Sie an Bore-out?
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- Erledigen Sie private Dinge während der Arbeit?
- Fühlen Sie sich unterfordert oder gelangweilt?
- Tun Sie ab und zu so, als ob Sie arbeiten würden – haben tatsächlich aber gar nichts zu tun?
- Sind Sie am Abend müde und erschöpft – obwohl Sie gar keinen Stress hatten?
- Sind Sie mit Ihrer Arbeit eher unglücklich?
- Vermissen Sie den Sinn in Ihrer Arbeit, die tiefere Bedeutung?
- Könnten Sie Ihre Arbeit eigentlich schneller erledigen, als Sie dies tun?
- Würden Sie gerne etwas anderes arbeiten, scheuen sich aber vor dem Wechsel, weil Sie dabei zu wenig verdienen würden?
- Verschicken Sie während der Arbeit private E-Mails an Kollegen?
- Interessiert Sie Ihre Arbeit nicht oder wenig?
Auswertung: "Wenn Sie mehr als viermal ein Ja eingesetzt haben, leiden Sie am Bore-out oder sind auf dem Weg dorthin."
(Quelle: Philippe Rothlin / Peter R. Werder: Diagnose Bore-out: Warum Unterforderung im Job krank macht, 2007: Redline Wirtschaft Heidelberg, 126 Seiten, 17,90 Euro)
- Literatur zum Thema
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Philippe Rothlin / Peter R. Werder: Diagnose Bore-out: Warum Unterforderung im Job krank macht, 2007: Redline Wirtschaft Heidelberg, 126 Seiten, 17,90 Euro
Philippe Rothlin / Peter R. Werder: Die Bore-out-Falle: Wie Unternehmen Langeweile und Leerlauf vermeiden, 2008: Redline Wirtschaft Heidelberg, 160 Seiten, 19,90 Euro
Daniel Beye: Innere Kündigung durch Bore-out?: Untersuchung des Zusammenhangs von Unterforderung und Leistungsbereitschaft am Arbeitsplatz, Grin Verlag: 2009, 76 Seiten, 24,99 Euro
Markus H. Kipfer: Bore-out: Ein neues Konzept oder längst in der Psychologie etabliert? VDM Verlag Dr. Müller: 2009, 160 Seiten, 59 Euro
In den Medien kursiert auch der Begriff des Bore-out , der krank machenden Unterforderung. Dabei handelt es sich noch weniger um ein anerkanntes Krankheitsbild, und in den Kliniken sind diese Fälle eher selten.
Doch wer dauerhaft extrem unterfordert wird und keine Wertschätzung für seine Arbeit erfährt, kann ähnlich wie bei einer Überforderung in die Depression rutschen. Denn ob Burn- oder Bore-out – mangelnde Anerkennung spielt in beiden Fällen eine wichtige Rolle. Und schließlich führt Arbeitslosigkeit, gewissermaßen der Extremfall des Bore-outs, besonders häufig zu psychischen Problemen. Auch unfreiwillige Untätigkeit ist eben ein Stressfaktor.
- Datum 07.07.2010 - 15:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
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Hauptsache wir sind alle krank...
...möchtegern-itonischer Kommentar über den BrunOut ist, dann wünsche ich Ihnen, solch einen in der nächsten Zeit auch einmal zu bekommen...spätestens dann würde sich Ihre Meinung ändern...
Aber dies wird sich beim Menschen so schnell nicht ändern, denn für alle psychischen Krankheiten gilt: Was man nicht sieht gibt es auch nicht...
Schön für Sie, dass sie nicht erkrankt sind und schön für Sie, dass in ihrem Familien- und Freundeskreis auch nie jemand erkrankt zu sein schneint. Möge es so bleiben.
Schade hingegen ist, dass ihr Vorstellungshorizont offensichtlich nicht einmal an das heranreicht, dass täglich um sie herum geschieht.
...möchtegern-itonischer Kommentar über den BrunOut ist, dann wünsche ich Ihnen, solch einen in der nächsten Zeit auch einmal zu bekommen...spätestens dann würde sich Ihre Meinung ändern...
Aber dies wird sich beim Menschen so schnell nicht ändern, denn für alle psychischen Krankheiten gilt: Was man nicht sieht gibt es auch nicht...
Schön für Sie, dass sie nicht erkrankt sind und schön für Sie, dass in ihrem Familien- und Freundeskreis auch nie jemand erkrankt zu sein schneint. Möge es so bleiben.
Schade hingegen ist, dass ihr Vorstellungshorizont offensichtlich nicht einmal an das heranreicht, dass täglich um sie herum geschieht.
...möchtegern-itonischer Kommentar über den BrunOut ist, dann wünsche ich Ihnen, solch einen in der nächsten Zeit auch einmal zu bekommen...spätestens dann würde sich Ihre Meinung ändern...
Aber dies wird sich beim Menschen so schnell nicht ändern, denn für alle psychischen Krankheiten gilt: Was man nicht sieht gibt es auch nicht...
"Hochgeschwindigkeit" und "Beschleunigung" sind die Schlüsselwörter unserer Epoche, "Eilkrankheit" ist die pathologische Diagnose ihrer Leistungsgesellschaft. Je beschleunigter das Tempo, desto mehr Verkehrsunfälle geschehen; je mehr Stress herrscht, desto schwächer ist das Immunsystem, desto größer wird die Zahl der Krankheiten und Umweltallergien. Die Eilkrankheit, die eine neue Gesellschaftskrankheit ist, lässt sich mit einem Wort benennen: Zeitnot. Die Zahl der Burn-outs steigt stetig, Panikattacken nehmen zu, Angst im Verbund mit Depression gehört mittlerweile zur vierthäufigsten Todesursache in westlichen Industriestaaten und wird im Jahr 2020 nach den Herz Kreislauf-Erkrankungen zur zweithäufigsten aufsteigen.
"Wenn ein totalitäres Regime sich dadurch auszeichnet, dass seine Untertanen nachts schweißgebadet, mit rasendem Puls und dem Gefühl einer tonnenschweren Last auf der Brust, ja mit existenzieller Angst, aufwachen, dann leben wir in einem totalitären Zeitregime." (Prof. Dr. Hartmut Rosa)
www.eilkrankheit.de
Schön für Sie, dass sie nicht erkrankt sind und schön für Sie, dass in ihrem Familien- und Freundeskreis auch nie jemand erkrankt zu sein schneint. Möge es so bleiben.
Schade hingegen ist, dass ihr Vorstellungshorizont offensichtlich nicht einmal an das heranreicht, dass täglich um sie herum geschieht.
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