Psychische Erkrankungen »Kostenstelle Mensch«

Warum es sich für Firmen lohnt, zum Beispiel einer alleinerziehenden Mitarbeiterin zu helfen. Ein Fachberater fordert mehr Engagement

Der Krankenstand ist in solchen Unternehmen niedrig, in denen sich die Mitarbeiter wohl fühlen

Der Krankenstand ist in solchen Unternehmen niedrig, in denen sich die Mitarbeiter wohl fühlen

Werner Fürstenberg ist Gründer und Leiter des Fürstenberg Institut , einem Beratungsinstitut mit dem Schwerpunkt Externe Mitarbeiterberatung (EAP). Das Institut berät Mitarbeiter und Führungskräfte aus Unternehmen bei persönlichen, gesundheitlichen, familiären und beruflichen Fragen.

DIE ZEIT: Seit 1990 hat sich die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme verdoppelt. Was läuft schief in den Unternehmen?

Werner Fürstenberg: Nicht nur in den Unternehmen läuft etwas schief. Es hat auch mit dem Tempo der Veränderungen in der Gesellschaft insgesamt zu tun, in vielen Branchen, in der Technik. Der Druck hat zugenommen. Man muss per Blackberry oder Handy erreichbar sein. Das macht nicht gleich krank, ist aber ein Stressfaktor.

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Burn-out

Was ist Burn-out? Von einem Burn-out wird heute gesprochen, wenn der Patient drei Symptome zeigt: Er ist emotional und körperlich erschöpft, entfremdet sich immer mehr von seiner Arbeit, zieht sich von Freunden zurück, da er keine Kraft mehr für sie aufbringt, und hat das Vertrauen in seine Fähigkeiten verloren.

Wie kommt es dazu? Gefährdet ist, wer dauerhaft an seine Grenzen geht, was Zeit und Energie betrifft. Dazu können Frustrationen kommen, wenn etwa ein Dozent oder ein Chef die eigene Arbeit nicht anerkennt, wenn man nicht die Noten oder die Bezahlung bekommt, die angemessen wären.

Bin ich gefährdet? Das können Sie mit diesem Test nachprüfen: www.burnout-fachberatung.de/burnout-test.htm

Auch wenn Sie noch nicht vor dem Zusammenbruch stehen, diese Zeilen Sie aber zum Nachdenken gebracht haben, sollten Sie etwas gegen Ihre Überlastung tun.

Was kann ich dagegen tun?

Eine Erholungspause hilft nur kurzfristig. Sie müssen langfristig lernen, Ihren Arbeits- und Lebensrhythmus zu ändern, sonst werden Sie immer wieder rückfällig. Ein Gespräch mit einem Uni-Psychologen ist ein erster Schritt; gemeinsam suchen Sie nach den Ursachen und legen einzelne Handlungs- schritte fest, etwa die Ziele für das nächste Semester. Wenn Sie zusammenbrechen, hilft er Ihnen, einen Klinikplatz zu finden.

Wie kann ich vorbeugen?

Mit den Klassikern: Gesund und abwechslungs- reich essen – ein warmes Essen pro Tag in der Mensa. Sport treiben – einmal die Woche Uni-Sport plus zur Uni radeln bringt schon viel. Am besten in der Bibliothek arbeiten – das eigene Zimmer bleibt der Freizeit vorbehalten. Pausen machen, nicht nur zwischen den Lernkapiteln – nehmen Sie das Wochenende zum Entspannen. Vor allem: Lernen Sie, Ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, und setzen Sie sich Ziele, die damit kompatibel sind.

ZEIT:Was sollten Unternehmen tun ? Ihren Mitarbeitern sagen: Schaltet das Blackberry aus?

Fürstenberg: Manche machen das. Es gibt Mittelständler, die sagen, auch ich selbst will am Wochenende nicht immer erreichbar sein. Wer nicht auftanken kann, kann auf Dauer nichts leisten.

ZEIT: Liegt das Problem auch schlicht daran, dass Stellen gestrichen werden, das Arbeitspensum insgesamt aber gleich bleibt?

Fürstenberg: In der Tat werden Mitarbeiter oft noch immer als Kostenstelle gesehen. Kostenstelle Mensch . Aber die Unternehmen müssen umdenken, allein wegen der Demografie. Künftig wird nur Erfolg haben, wer sich um seine Leute bemüht.

ZEIT: Sie bieten Firmen an, ihren Mitarbeitern bei allen Arten sozialer und psychischer Probleme zu helfen. Welche Sorgen haben die Leute?

Fürstenberg: Rund 40 Prozent der Fälle drehen sich um den Beruf: Stress, Burn-out, Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, Stellenabbau. Das hat stark zugenommen. Früher hatten nur zehn Prozent der Gespräche einen direkten Bezug zur Arbeit.

ZEIT: Worum geht es sonst?

Fürstenberg: In 25 Prozent der Fälle um unklare psychosomatische Beschwerden. Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme ohne körperliche Ursache. In weiteren 25 Prozent um familiäre Themen: Scheidung, Erziehungsprobleme, Schulden.

Leser-Kommentare
  1. ...noch interessiert, wie die Unternehmen darauf reagieren? Ändert sich wirklich etwas oder halten sie das ganze nur für Humbug? Ich habe selber in genügend Unternehmen gearbeitet die so etwas als Humbug bezeichnen würden...

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    Warum sollte es auch manche Unternehmen interessieren? Solange genügend Arbeitslose auf der Straße stehen wird schnell ausgetauscht...

    Warum sollte es auch manche Unternehmen interessieren? Solange genügend Arbeitslose auf der Straße stehen wird schnell ausgetauscht...

  2. Warum sollte es auch manche Unternehmen interessieren? Solange genügend Arbeitslose auf der Straße stehen wird schnell ausgetauscht...

    Antwort auf "Mich hätte..."
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    an arbeitslosem "Humankapital" ein absolutes Muss, für eine florierende Wirtschaft, deren oberste Prämisse in Kosteneffizienz, Optimierung, vor Allem aber, Gewinnmaximierung besteht".

    Da braucht man einfach den Zugriff auf eine leicht fungible, und aus schierer Not gar zu Leiharbeit = Sklavenarbeit getriebene, (Bio)Masse an Arbeitskräften, die zusätzlich noch mit drakonischen, staatlichen Repressalien "motiviert" werden, jeden, wirklich jeden miesen Job anzunehmen!

    Vor diesem Hintergrund betrachtet, versteht man dann auch leichter, warum die Instrumentarien zur Zementierung dieser unfreien Lohnknechtschaft immer weiter ausgebaut und verfeinert werden, während sie einen jeden, ehedem gut verdienenden Inhaber eines Vollzeitarbeitsplatzes, dem Rendite-Streben der Shareholder und ihren gedungenen Manager zugänglich und verfügbar macht.

    Da aber das Humankapital zunehmend gegen Investitionsgüter ausgetauscht wird, man nennt dies Rationalisierung, entsteht zwangsläufig ein Überangebot an, immer überflüssiger werdenden, biologischen Arbeitskräften, was sich logischerweise auf deren "Preis", den Lohn, auswirken muss. Da kommt nun der "Markt" ins Spiel, an dem bekanntlich Angebot & Nachfrage den Preis diktieren. Leider sinkt der Preis für den Produktionsfaktor Mensch aus den zuvor genannten Gründen immer weiter, was zu einem Überangebot führt, der Arbeitslosigkeit. Doch für kleines Geld da rechnet sich dann auch wieder der Arbeiter aus Fleisch und Blut, zumindest bis aus Weiteres..

    an arbeitslosem "Humankapital" ein absolutes Muss, für eine florierende Wirtschaft, deren oberste Prämisse in Kosteneffizienz, Optimierung, vor Allem aber, Gewinnmaximierung besteht".

    Da braucht man einfach den Zugriff auf eine leicht fungible, und aus schierer Not gar zu Leiharbeit = Sklavenarbeit getriebene, (Bio)Masse an Arbeitskräften, die zusätzlich noch mit drakonischen, staatlichen Repressalien "motiviert" werden, jeden, wirklich jeden miesen Job anzunehmen!

    Vor diesem Hintergrund betrachtet, versteht man dann auch leichter, warum die Instrumentarien zur Zementierung dieser unfreien Lohnknechtschaft immer weiter ausgebaut und verfeinert werden, während sie einen jeden, ehedem gut verdienenden Inhaber eines Vollzeitarbeitsplatzes, dem Rendite-Streben der Shareholder und ihren gedungenen Manager zugänglich und verfügbar macht.

    Da aber das Humankapital zunehmend gegen Investitionsgüter ausgetauscht wird, man nennt dies Rationalisierung, entsteht zwangsläufig ein Überangebot an, immer überflüssiger werdenden, biologischen Arbeitskräften, was sich logischerweise auf deren "Preis", den Lohn, auswirken muss. Da kommt nun der "Markt" ins Spiel, an dem bekanntlich Angebot & Nachfrage den Preis diktieren. Leider sinkt der Preis für den Produktionsfaktor Mensch aus den zuvor genannten Gründen immer weiter, was zu einem Überangebot führt, der Arbeitslosigkeit. Doch für kleines Geld da rechnet sich dann auch wieder der Arbeiter aus Fleisch und Blut, zumindest bis aus Weiteres..

  3. Volle Zustimmung zu Kommentar Nr. 4. Vor 20 Jahren gingen die Mitarbeiter pünktlich nach Hause, es wurden 40 Stunden die Woche gearbeitet. Der einzige, der länger blieb, war der Chef. Und wenn etwas dringend fertig werden musste, dann wurden offiziell bezahlte Überstunden angeordnet.

    Für Bedarfsfälle hatte man einen Bereitschaftsdienst, der erreichbar sein musste. Das wurde dann -- je nach Branche -- ebenfalls extra vergütet, aber zu einem niedrigeren Stundensatz.

    Heute haben viele das Gefühl, wie Führungskräfte erreichbar sein zu müssen, obwohl sie nur kleine Angestellte sind. Das ist ein schleichender Prozess. Zuerst fragt der Chef höflich, ob man am Donnerstag nächster Woche mal länger bleiben könne. Da sagt man dann natürlich gerne zu. Dann aber wird das immer häufiger. Und irgendwann heißt es dann, "ich brauche Sie heute Abend!" Wer bis dahin keinen Riegel vorgeschoben hat, hat kein Argument mehr, warum er plötzlich lieber zum Sport will oder auch noch ein Familienleben hat.

    Manchmal glaube ich, dass Chefs ohne familiären Anhang und ohne echte Freunde, die ihr Selbstwertgefühl nur aus der Arbeit ziehen, ihren Mitarbeitern die Freizeit regelrecht missgönnen. Das sind dann die, die einem am Freitag Abend etwas mit dem Vermerk "Bis Montag!" auf den Tisch knallen.

    Ich habe mich aus meiner letzten Arbeitslosigkeit heraus selbständig gemacht. Ich arbeite so viel wie früher und verdiene weniger. Aber wann Schluss ist, das bestimme ich.

  4. Unternehmen interessiert es kaum : Entscheidungsträger tragen keine Verantwortung und es ist so steril geworden, das der Entscheidungsträger oftmals nichts mit dem zu tun hat, über den er entscheidet.

    Streß, Arbeitsbelastung. Ja und dann noch einfach z.B. Offshoring.
    Die Fachkraft sagt z.B. : " - auch noch oben drauf die Einarbeitung ? Aber er hat kein Vorwissen - klar ist er billiger - das geht nicht gut"
    Der Entscheidungsträger sagt : "..nicht motzen. Sie sind nun auch noch dafür verantwortlich, das der - der ihren Job übernimmt - das auch zum Zeitpunkt X kann"

    So wälzt man ab. So werden Wochenenden gekappt, abends Mehrleistung gebracht.
    Ein solcher Artikel wird NUR von denen wahrgenommen, die sich EH um Ihre Mitarbeiter kümmern und sich ihrer sozialen Verantwortung bewußt sind.
    Alle anderen sagen : "Das ist nunmal so und der Markt verlangt es."
    - da macht die eine oder andere Todesanzeige - die gelegentlich durchs Unternehmen geistert dann auch nix !

    (Das ist leider Realität ! Noch springt keiner aus dem Fenster - jedoch die "Begleiterkrankungen")

    Nun könnte man als Mitarbeiter NATÜRLICH wechseln. Mit Familie im Hintergrund etc - ist jedoch ein solches Risiko ein Schritt - vor dem viele Angst haben und der nochmals Streß erzeugt !

    Auch NICHTFührungskräfte müssen übrigends nach heutigem Verlangen jederzeit erreichbar sein ;-) (So so zum Post 4)

  5. ...lässt sich aber leicht umgehen:

    Ein guter Freund ist Kälteanlagenbauer, welche zu dieser Jahreszeit natürlich Hochbetrieb haben. In der Firma hat am Wochenende immer jemand Notdienst. So wird die zusätzliche Arbeit auf alle Schultern gelegt und die anderen haben dann auch wirklich frei.

    Wenn dann nur ein Ansprechpartner da ist, dann läuft in der Planung was falsch. Es müssen an diesen Tagen immer bestimmte Mitarbeiter Bereitschaft haben, was bedeutet, dass sie ihren Tag so einrichten, dass sie jederzeit schnell erreichbar sind.

    Antwort auf "@ isenburger"

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