Hochschulmarketing Elfenbeinhüpfburg
Gut, wenn Unis sich öffnen. Aber man kann’s auch übertreiben

Eine Hüpfburg vor der Uni? Einige Hochschulen übertreiben es mit der Selbstvermarktung
Einen Schießstand soll es geben, einen Melkwettbewerb, und die Schokokusswurfmaschine ist bereits geladen – das Sommerfest der Universität wird ein Spaß für die ganze Familie, so verspricht es zumindest die Ankündigung.
Kaum eine Hochschule, die heute ohne Schnuppertage, Kinderuniversität oder lange Nacht der Wissenschaft auskommt. Wenn man bedenkt, dass vor zwei Jahrzehnten die meisten Universitäten wirklich verschlossene Elfenbeintürme waren, aus denen nur dann und wann eine Brieftaube ein Forschungsergebnis in die Welt trug, dann muss man sich freuen über diese Offenheit.
Wäre da nicht die Diskrepanz zwischen dem zunehmenden Eventbrimborium und dem Alltag in Forschung und Lehre. Denn während draußen die Schokokusswurfmaschinen auf Abiturienten zielen, um sie ins Disneyland der Wissenschaft zu locken, grübeln drinnen Professoren über Drittmittelanträgen und Gutachten und träumen höchstens noch im Sekundenschlaf von der fröhlichen Wissenschaft. Die Studenten klagen derweil über ein formalisierteres Studium, das ihnen zwischen Pflichtmodulen und Tests kaum noch Freiheiten lässt, der eigenen Neugier zu folgen.
Womöglich wäre allen geholfen, wenn sich die Universität auf ihren Kern besänne. Denn die Suche nach der Erkenntnis entfaltet ihre Faszination ganz von allein. Auch ohne Hüpfburg.
- Datum 10.07.2010 - 11:34 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
- Kommentare 8
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...für völlig falsch angebrachte Investitionen von Zeit und Geld. Das deutsche (Hoch-)Schulsystem ist und bleibt schlecht und planlos.
Sehr differenziertes statement über das deutsche Hochschulsystem (Vorsicht:Ironie). Vieles ist schlecht, vieles ist gut. Die Exzellenz-Initiave hat einiges verbessert. Die Problematik ist, dass Hochschulen immer den tollen Ideen der Politiker folgen muessen, statt sich auf ihre Kernkompetenz - Lehre und Forschung - zu konzentrieren. Stattdessen Girls-Day, Schüler-Tag, Open-Lab-Day, Schülerpraktikum etc.
Hochschulen und Politiker müssen mal den Ar*** hoch kriegen und diese ekelhafte Ego-Nummer abschalten. Es gibt auch noch andere Menschen auf diesem Planeten...
...das ist ein typisches Verhalten von Hochschulen oder Politikern. IMMER die Schuld auf andere schieben. Grosse Klasse (Vorsicht Ironie!). Wahrscheinlich sind Sie auch einer von den Beteiligten???
Hochschulen und Politiker müssen mal den Ar*** hoch kriegen und diese ekelhafte Ego-Nummer abschalten. Es gibt auch noch andere Menschen auf diesem Planeten...
...das ist ein typisches Verhalten von Hochschulen oder Politikern. IMMER die Schuld auf andere schieben. Grosse Klasse (Vorsicht Ironie!). Wahrscheinlich sind Sie auch einer von den Beteiligten???
Man muss die Beweggründe solche Veranstalltungen hinterfragen.
> Die Unis wollen mehr Bewerber (bzw. haben angst das sie zuwenig haben werden)
- Bei den allgemein überfüllten Studiengängen in Deutschland eigentlich an sich schon paradox.
> also gehen wir davon aus das die Unis einfach einen größeren Pool an Bewerben haben sollen, um sich dann die besten rauszupicken.
- führt dann allgemein zu besseren(von den Abinoten) Studenten an der Uni.
Dies würde für eine einzelne UNI noch funktionieren. Da jedoch alle Unis so etwas machen wird im Endeffekt die verteilung gleich bleiben
Falls es so seien sollte das Deutsche Unis, vorsätzlich solche Veranstalltungen betreiben(besser wissend, dass sie damit sich überfühlen),
um dann die überschüssigen Studiengebühren abzusahnen wäre das höchst verwerflich.
(Wenn der Hörsaal voll is kosten die 40 studenten die auf den Treppen sitzen die Uni ja keinen Cent mehr)
Zu Beginn meines Studiums habe ich einem Studentenwohnheim gewohnt. Dort besaßen alle Badezimmer keine Fenster und keine Lüsftung und hatten demzufolge irgendwann vor Jahren angefangen zu schimmeln. Dem Studentenwerk war dies lange bekannt, aber auf Grund der finanziellen Situation...
Sie können sich unsere Freude vorstellen, als wir eines Tages Baugerüste und jede Menge Handwerker an unserem Wohnheim erblickten. Schade nur, dass die dann lediglich neue, schöne Briefkastenanlagen und einen neuen Außenanstrich gebracht haben. Die Bäder schimmeln heute noch (5! Jahre später) fröhlich vor sich hin. Aber hauptsache man kann von außen mal ein schönes Foto von dem auch so tollen neu renovierten Haus machen.
Und an der Uni das selbe in bunt! Das neuste Lehrbuch in meinem Fach ist von 1978 (!!!) aber bevor da mal ein neues angeschaft wurde mußte erst mal eine neue Einganshalle (in der sich NIE jemand aufhält) gebaut werden, der Campus benötigte ein neues Dach und bevor man die leckenden Fenster in den Laboren, oder die altersschwachen Pentium 1 Computer ersetzt müssen erst mal noch neue Lampen auf den Campus, ein Campus-Park mußte angelegt werden (wir waren mit den Baum bestandenen Wiesen mehr als zufrieden!) und auch sonst wird überall fleißig Kosmetik betrieben, während ganze Fachbereiche vor die Hunde gehen.
Auch an der Uni zählt der Schein halt mehr als das Sein...
Aber alle 4 Jahre wird ja alles besser, zumindest versprechen das alle Parteien vor jeder Wahl, "Wissenschaft und Forschung" "Wissenschaft und Forschung"...
Passiert ist bis jetzt noch gar nichts! Alles wird immer schlechter, älter und teurer! Und dann wundert sich die Politik noch, wenn die fähigsten Wissenschaftler so früh wie möglich ins Ausland gehen! Gebt denen wieder eine Perspektive in der Wissenschaft und sie werden mit Freuden bleiben! Befristete Juniorprofessuren und W3-Stellen halten jedenfalls keinen hier!
Hochschulen und Politiker müssen mal den Ar*** hoch kriegen und diese ekelhafte Ego-Nummer abschalten. Es gibt auch noch andere Menschen auf diesem Planeten...
...das ist ein typisches Verhalten von Hochschulen oder Politikern. IMMER die Schuld auf andere schieben. Grosse Klasse (Vorsicht Ironie!). Wahrscheinlich sind Sie auch einer von den Beteiligten???
"Denn die Suche nach der Erkenntnis entfaltet ihre Faszination ganz von allein. Auch ohne Hüpfburg."
Ich glaube, hier hat sich nicht nur die Universität verändert. Die Schulabsolventen von heute sind anders. Ich bin selbst an einer Universität für die Werbung für einen Studiengang mitverantwortlich. Bei Informationsveranstaltungen ist die erste Frage meistens: "Und was verdient man da hinterher?" Auf den Geschmack der Erkenntnis kommt ein Teil der Studenten erst im Studium, und für diese Leute muss man keine Werbung mehr machen, die haben das Produkt ja schon gekauft.
Das Professoren sich mit allerlei Verwaltungskram herumschlagen ist eigentlich ein Skandal. Sie sind dafür einfach nicht ausgebildet. Man würde ja auch keinen Elektriker die Heizung installieren lassen und hinterher meckern, dass sowohl die Elektroinstallation aus Zeitmangel als auch die Heizung aus Kompetenzmangel gelitten haben.
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