Studentenjobs Mit Tempo an der Uni vorbei
Juliane Gerke ist 23, studiert in Köln Physik und hat einen besonderen Nebenjob: Sie ist Stadtbahnfahrerin
© KVB AG

Stadtbahnfahrerin Juliane Gerke
Bis der Zug der Kölner Stadtbahn an der Station Universität hält, bleibt Juliane Gerke sitzen. Die Studentin sieht, wie ihre Kommilitonen die Taschen packen und aussteigen. Sie aber drückt ein paar Knöpfe und schiebt schließlich mit der linken Hand einen schwarzen Knüppel nach vorn. Der Zug fährt an, mit Juliane Gercke am Steuer. Sie arbeitet für die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) als Fahrerin der Stadtbahn. Das ist ihr Studentenjob.
Seit Ostern fährt die 23-Jährige auf zwei Stadtbahn-Linien der KVB. Zwischen acht und 20 Stunden pro Woche ist sie im Dienst, für etwas mehr als 11 Euro Stundenlohn. Dann sitzt die 23-Jährige hinter der Glasscheibe im Führerstand und bewegt sich wie eine Dirigentin, die Einsätze gibt und auf sie wartet: koordiniert, flink und aufmerksam. Auf der Armatur vor ihr prangen Dutzende blaue, grüne, gelbe und weiße Schalter. Mit einem Finger hält sie die Taste »Spiegel rechts« gedrückt. Darüber lauert ihr Zeigefinger, einen Schalter zu drücken, um die Türen zu schließen. An den Haltestellen beobachtet die Masterstudentin im Spiegel, wie Fahrgäste aus- und einsteigen. »Als ich das erste Mal auf dem Betriebshof fuhr – mit 25 Stundenkilometern –, kam mir das sehr schnell vor«, sagt die angehende Physikerin lachend und zieht dabei die Augenbrauen nach oben. Inzwischen fährt sie auf der Linie 1 etwa doppelt so schnell. Rasen ist nicht drin, weder unter der Erde noch im Stadtverkehr.
In Köln fahren Studenten aller möglichen Fachrichtungen Stadtbahn: Naturwissenschaftler, Ingenieure und Geisteswissenschaftler. Auch im öffentlichen Nahverkehr anderer Städte mischen sie mit: In Frankfurt am Main arbeiten sie als U-Bahn-Fahrer, in Dortmund setzte man sie immer wieder gern als Busfahrer ein.
Juliane Gerke ist unter ihren Kölner Stadtbahn-Kommilitonen trotzdem eine Exotin – als einzige Frau. Im Frühjahr begann sie eine siebenwöchige Ausbildung. Sie wiederholte Verkehrsregeln, lernte Signale und: trainierte, den Zug zu steuern. Mit rund 70 Tonnen ist er über 35 Mal schwerer als eine große Limousine. Nach der Führerscheinprüfung ging es mit einem erfahrenen Kollegen einige Tage auf die Strecke. Dass sie ihren Job als Gästebetreuerin in einem Museum aufgegeben hat, bereut sie nicht. Auch wenn es ungleich stressiger ist, bis zu 180 Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Schließlich ist sie schon immer ein Technikfan gewesen. »Es war ein Kindheitstraum, eine Bahn zu fahren – am liebsten ICE.«
Nun setzt Juliane Gerke aber erst mal die Kölner Stadtbahn in Bewegung. Da quert ein Mann nur ein paar Meter vor dem Zug die Gleise. Sie warnt ihn mit einem Klingeln. Er huscht auf die andere Straßenseite, ohne aufzublicken. Mit ruhiger Stimme sagt sie: »Er hat die Bahn gesehen, er wäre nicht auf den Gleisen stehen geblieben.«
Doch nicht alle Fahrten verlaufen glimpflich: Pro Jahr verzeichnen die KVB rund 700 Unfälle. »Es gibt Leute, die in der Fahrschule die Ausbildung abbrechen, weil sie sich der großen Verantwortung bewusst werden, die sie tragen«, sagt KVB-Pressesprecher Joachim Berger. Diese Last nimmt ihnen auch nicht das Wissen, für den Fall versichert zu sein, dass sie einen Unfall verursachen. Ebenso wenig wie die psychologischen Schulungen während der Ausbildung oder die Unterstützung durch Sicherheitskräfte, die an überfüllten Bahnsteigen für Ordnung sorgen. Jeden Tag transportieren die Busse und Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe im Schnitt 850.000 Fahrgäste. Die meisten sind Pendler im Berufsverkehr. Doch samstags und sonntags ist es keinesfalls still in Köln: Konzerte, Fußballspiele sowie Straßenfeste locken die Menschen in die Stadt. Für solche Großveranstaltungen an den Wochenenden müssen zusätzliche Züge eingesetzt werden. Die etwa 630 Stadtbahnfahrer in Vollzeit können diese Spitzen nicht allein abdecken.
- Datum 14.07.2010 - 15:22 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Einen solch unausgewogenen Artikel habe ich selten auf Zeit-Online gelesen.
Fragen, wie z.b. die Dauer der Ausbildung für den regulären Stadtbahnfahrer oder was er verdient oder was er davon hält, dass Studenten, die einen siebenwöchigen Kurs machen, ihn ersetzen, werden genauso wenig beantwortet, wie die Frage, warum man keine zusätzliche reguläre Fahrer eintstellt.
Das solch eine unreflektierte "Reportage" auf diesem seriösen Portal angeboten wird, ist mir unbegreiflich. Eigentlich müsste darüber "Anzeige" stehen.
Gut gemacht, Herr Berger!
Was manche Leute erwarten, muss einer mal verstehen.. Schreib doch selber Artikel!
ich fand den Artikel wirklich gut, Herr Berger!
Was manche Leute erwarten, muss einer mal verstehen.. Schreib doch selber Artikel!
ich fand den Artikel wirklich gut, Herr Berger!
Was manche Leute erwarten, muss einer mal verstehen.. Schreib doch selber Artikel!
ich fand den Artikel wirklich gut, Herr Berger!
womit man es heutzutage alles in die Zeitung schafft...
>>Uhh es war schon mein Kindheitstraum eine Bahn zu fahren - am liebsten ICE<< (wenn sie als Kind überhaupt schonmal einen zu Gesicht bekommen hat). Noch mehr Klischee geht wohl nicht...
>>Eine Hand voll Studenten von zehntausenden<< Noch realitätsferner gehts auch kaum noch. Das hat mit dem Uni-Leben der meisten wohl kaum etwas zu tun. Außerdem dürfte man als Student dafür locker überqualifiziert sein. Aber Hauptsache ich muss meine Grauen Zellen bei der KVB nicht anstrengen, um mir zu überlegen, wie ich jemanden eine Chance gebe, der sie sonst nicht hätte. Da nehm ich lieber gleich Studenten. Ist ja auch viel einfacher. Die kann man teilzeitmäßig nur einsetzen wenn man sie braucht. Ansonsten werden sie vom Staat/Eltern alimentiert und man ist nicht weiter verantwortlich und wer weis schon, ob es bei der Entlohnung mit rechten Dingen zugeht.
Ich hab diese Selbstbeweihräucherung von Studenten sowas von satt, die sich für die besten halten. Hat sie sonst nichts zu tun oder was als Stadbahn zu fahren. Ist sie im Studium so unterfordert, dass sie sich erstmal nen paar Wochen dazu ausbilden lässt. Der Steuerzahler hats ja solchen Leuten temporär immer wieder aufs neue die Ausbildung zu finanzieren. Aber ich bin total beeindruckt von ihr wie toll sie das alles macht. EHRLICH!
Ich finde es auch total lustig!
Mal wieder typischer Fall von Matthäus-Effekt.
Der Name stimmt und etwas anderes können sie auch nicht.
[Anm.: Bitte sehen Sie davon ab, persönlich zu werden und konzentrieren Sie sich bitte auf eine sachlich-argumentative Diskussion. Danke. /Die Redaktion pt.]
"Ich hab diese Selbstbeweihräucherung von Studenten sowas von satt, die sich für die besten halten. Hat sie sonst nichts zu tun oder was als Stadbahn zu fahren. Ist sie im Studium so unterfordert, dass sie sich erstmal nen paar Wochen dazu ausbilden lässt. Der Steuerzahler hats ja solchen Leuten temporär immer wieder aufs neue die Ausbildung zu finanzieren. Aber ich bin total beeindruckt von ihr wie toll sie das alles macht. EHRLICH!"
Mal ehrlich, ein bißchen Neid und Bitterkeit schwingt da in Ihren Worten jetzt schon mit, oder?
Ich bin ebenfalls Studentin und heilfroh über meinen Nebenjob. Ich mache das nicht aus purer Langeweile, Überheblichkeit und weil ich den vollzeitbeschäftigten Kollegen beweisen will dass ich zwar fast dasselbe mache, dabei weniger verdiene, aber immerhin gebildeter bin als sie.
Ich mache das, weil ich ansonsten mein (nebenbei bemerkt recht spartanisches) Leben und die Studiengebühren (die ich übrigens gerne zahle, damit der Steuerzahler das NICHT tun muss) nämlich nicht finanzieren könnte.
Zugegeben, ich war noch nie in der Zeitung dafür. Aber das ist für mich noch lange kein Grund, an dieser Stelle in Zornes- und Schimpftiraden aufzugehen über diejenigen, die es zufällig sind.
Der Name stimmt und etwas anderes können sie auch nicht.
[Anm.: Bitte sehen Sie davon ab, persönlich zu werden und konzentrieren Sie sich bitte auf eine sachlich-argumentative Diskussion. Danke. /Die Redaktion pt.]
"Ich hab diese Selbstbeweihräucherung von Studenten sowas von satt, die sich für die besten halten. Hat sie sonst nichts zu tun oder was als Stadbahn zu fahren. Ist sie im Studium so unterfordert, dass sie sich erstmal nen paar Wochen dazu ausbilden lässt. Der Steuerzahler hats ja solchen Leuten temporär immer wieder aufs neue die Ausbildung zu finanzieren. Aber ich bin total beeindruckt von ihr wie toll sie das alles macht. EHRLICH!"
Mal ehrlich, ein bißchen Neid und Bitterkeit schwingt da in Ihren Worten jetzt schon mit, oder?
Ich bin ebenfalls Studentin und heilfroh über meinen Nebenjob. Ich mache das nicht aus purer Langeweile, Überheblichkeit und weil ich den vollzeitbeschäftigten Kollegen beweisen will dass ich zwar fast dasselbe mache, dabei weniger verdiene, aber immerhin gebildeter bin als sie.
Ich mache das, weil ich ansonsten mein (nebenbei bemerkt recht spartanisches) Leben und die Studiengebühren (die ich übrigens gerne zahle, damit der Steuerzahler das NICHT tun muss) nämlich nicht finanzieren könnte.
Zugegeben, ich war noch nie in der Zeitung dafür. Aber das ist für mich noch lange kein Grund, an dieser Stelle in Zornes- und Schimpftiraden aufzugehen über diejenigen, die es zufällig sind.
Der Name stimmt und etwas anderes können sie auch nicht.
[Anm.: Bitte sehen Sie davon ab, persönlich zu werden und konzentrieren Sie sich bitte auf eine sachlich-argumentative Diskussion. Danke. /Die Redaktion pt.]
"Ich hab diese Selbstbeweihräucherung von Studenten sowas von satt, die sich für die besten halten. Hat sie sonst nichts zu tun oder was als Stadbahn zu fahren. Ist sie im Studium so unterfordert, dass sie sich erstmal nen paar Wochen dazu ausbilden lässt. Der Steuerzahler hats ja solchen Leuten temporär immer wieder aufs neue die Ausbildung zu finanzieren. Aber ich bin total beeindruckt von ihr wie toll sie das alles macht. EHRLICH!"
Mal ehrlich, ein bißchen Neid und Bitterkeit schwingt da in Ihren Worten jetzt schon mit, oder?
Ich bin ebenfalls Studentin und heilfroh über meinen Nebenjob. Ich mache das nicht aus purer Langeweile, Überheblichkeit und weil ich den vollzeitbeschäftigten Kollegen beweisen will dass ich zwar fast dasselbe mache, dabei weniger verdiene, aber immerhin gebildeter bin als sie.
Ich mache das, weil ich ansonsten mein (nebenbei bemerkt recht spartanisches) Leben und die Studiengebühren (die ich übrigens gerne zahle, damit der Steuerzahler das NICHT tun muss) nämlich nicht finanzieren könnte.
Zugegeben, ich war noch nie in der Zeitung dafür. Aber das ist für mich noch lange kein Grund, an dieser Stelle in Zornes- und Schimpftiraden aufzugehen über diejenigen, die es zufällig sind.
Prust.
Wie im Artikel deutlich beschrieben, geht die Gute schon nicht mehr an die Uni, sie "lässt ihre Kmmilitonen aussteigen und fährt weiter".
Damit ist das Studium praktisch schon geschmissen.
Statt Physikerin mit einem Einkommen von Tausenden nun als Hire and Fire Aushilfskraft im Dumpinglohnsektor gelandet.
Sicher eine harmlose Story, kein Material für einen Pulitzer-Preis. Aber "Studenten als Straßenbahn-Fahrer" ist vor allem für nicht-urbane Leser was Neues. Ich selber wohne in Köln, und für mich ist das nicht neu, und ich hab soviel mit Studenten zu tun, daß ich weiß, daß die KVB schon Erfahrungen hat mit Studenten als Kontrolleure.
Aber manchen (linken?) Lesern ist die Story wohl zu wenig sozialkritisch, zu positiv, nicht pessimistisch genug, zu bunt und zu wenig grau. Eine Studentin, die mit sich im Reinen ist und ihren Job gerne macht (im Gegensatz zu den Studenten-Kellnern). Daß sie nur 11 Euro verdient finde ich persönlich auch zu wenig, viel zu wenig, aber ist das jetzt schon Lohn-Dumping? Bei McD gibt es sicher weniger, und Kellnern ist auch kein Job zum Ausruhen, stressig und mit noch schlechteren Arbeitszeiten fürs Studium.
Und zukünftigen Führungskräften hat es noch nie geschadet (ganz im Gegenteil) mal die Arbeit von normalen Leuten zu machen und eingebunden zu sein in Schichtpläne, Hierarchien, Verantwortung, Rechtfertigung und Leistungserbringung. Das sind wichtige Lerninhalte, die an der Uni nicht gelehrt und nicht gelernt werden können.
Insofern verstehe ich nicht die grantelige und substanzfreie Nörgelei von Mitkommentatoren. Leute geht raus, esst ein Eis und kühlt Euch ab!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren