Es gibt keinen wirksameren Feind des Humanismus und kein schnelleres Fluchtgefährt aus der sozialen Realität als die Esoterik, den Irrationalismus, den Obskurantismus. So schroff sich esoterische Strömungen unterscheiden mögen, so übereinstimmend sind doch ihre Wesensmerkmale: Alle zementieren die herrschende Ordnung, oben und unten sollen bleiben, wo sie sind – alles Karma, Schicksal. Die umfassende Emanzipation des Menschen? Ein Verstoß gegen die ehernen Regeln irgendwelcher Götter, Geister und Naturgesetze.

Esoteriker propagieren »Eliten«, »Rassen«, Antisemitismus, »höheres« und »minderwertiges« Leben; an vorderster Front steht die Anthroposophie mit ihrer abgrundtief rassistischen »Wurzelrassenlehre«.

Der Multimilliardär Warren Buffett sagte der New York Times 2005: »Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.« Angesichts von so viel psychischem und physischem Elend, unerklärter Welt und Angst vor dem Tod – wie tröstlich erscheinen jenseitige Aufenthaltsräume.

Esoterik ist eines der wirkungsvollsten Gifte, um dem Menschen die Flausen auszutreiben, er habe nur ein Leben, und dessen Sinn könne darin liegen, sich mit anderen für ein wirklich freies, selbstbestimmtes Leben für alle zu verbünden. »Heilig« ist mir gar nichts, höchst wertvoll aber die soziale Gleichheit der Menschen.

Jutta Ditfurth, 58, ist Mitbegründerin der Grünen, trat aber 1991 aus und gründete die Ökologische Linke mit. Als Publizistin wurde sie durch scharfe Ideologiekritik an Rechtskonservativen, Esoterikern und grünen Realos bekannt. Aufsehen erregten ihre Bücher »Entspannt in die Barbarei. Esoterik, (Öko-)Faschismus und Bio- zentrismus« (Konkret Verlag) sowie »Ulrike Meinhof« (Ullstein). Zuletzt erschien »Zeit des Zorns: Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft« (Droemer Knaur)