Esoterik Hinters Licht geführtSeite 3/3
Nicht von ungefähr fordert die Hamburger Sektenbeauftragte Ursula Caberta seit Langem einen religiösen Verbraucherschutz, um der vagabundierenden Spiritualität Herr zu werden. »Ein demokratischer Staat kann es sich nur begrenzt leisten, dass ihm die denkenden Menschen abhandenkommen«, sagt sie. Die Anbieter esoterischer Lebenshilfe sollten daher zu klaren Geschäftsregeln und schriftlichen Verträgen verpflichtet werden, in denen sie Ziel und Methode ihrer Kurse genau darlegen. Außerdem verlangt Caberta eine Umkehr der Beweislast: Im Zweifel sollen die Anbieter belegen müssen, dass eventuell auftretende gesundheitliche oder psychische Beschwerden nicht auf ihr Tun zurückzuführen sind. »Wir schützen die Menschen heute besser vor Gammelfleisch als vor denen, die es auf ihre Psyche abgesehen haben.«
Für Huessners Frau wäre wohl selbst ein solches Gesetz zu spät gekommen. Rapide entglitt sie ihrem Mann. Eines Tages sah er, dass der Ehering an ihrem Finger fehlte. »Ich bin jetzt die göttliche Liebe«, erklärte sie ihm. »Du musst dich weiterentwickeln, dann verstehst du mich.« Er versuchte es tatsächlich, buchte ihr zuliebe für 90 Euro eine Telefonséance beim Meister. »Aber in den Film konnte ich nicht mehr einsteigen.« Mit der Zeit kam Huessner gar der Verdacht, seine Frau stehe unter Drogen. Im Schlaf schnitt er ihr eine Locke ab, legte die Toilettenspülung lahm, um an eine Urinprobe zu kommen, schickte beides ein. Ergebnis: negativ.
Seine Frau findet schließlich eine neue Liebe, ihre »zweite göttliche Hälfte« in der Esoterik-Gruppe. Sie zieht in den Ort, in dem der Meister und einige seiner Anhänger leben. Was danach passiert, kann ihr Mann nur schwer rekonstruieren. Die zweite göttliche Hälfte verlässt die Gruppe. Pia wird offenbar von Schuldgefühlen geplagt, weil sie die Kinder im Stich gelassen hat. »Sie muss gemerkt haben, was für ein furchtbares Leben sie inzwischen hatte.«
Im März 2009 fährt sie auf der Bundesstraße 305 durch das Berchtesgadener Land. Sie hält auf Höhe der Weißbachschlucht, steigt aus, klettert auf das Brückengeländer. Als die Polizei eintrifft, steht der Wagen verlassen mitten auf der Straße, der Motor läuft noch. Auf dem Beifahrersitz mehrere Medikamentenschachteln. Die Frau liegt in der Schlucht.
Es gibt keinen Abschiedsbrief, keine Erklärung. Deswegen ist im Nachhinein schwer zu beurteilen, welche Verantwortung die Esoterik-Gruppe an diesem Ende trägt. Die Statistik der Beratungsstelle Sekten-Info NRW zeigt aber, dass die Geschichte nicht untypisch verlaufen ist. Mitglieder esoterischer Sekten bekommen häufig Probleme mit der Familie, verlassen ihren Partner, und wenn die spirituelle Welt Risse zeigt, entstehen Ängste, oft auch Selbstmordgedanken.
Der Meister, dem Huessners Frau vertraute, hatte wenige Monate vor ihrem Tod einen gemeinnützigen Verein gegründet, dessen Zweck sich heute zynisch liest: Heilung von »akuten Störungen des seelischen Zustandes« durch »Rückführung in wahres Gottvertrauen«. So könne sich der Einzelne befreien von »Lebensangst und Neigung zur Selbstzerstörung bis zum Suizid«.
- Datum 11.07.2010 - 19:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
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...mit solch einer "Esoterik-Tante" zusammen...nach den drei Wochen habe ich das Weite gesucht.
Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen sich an etwas halten, was ihnen Kraft gibt. Dabei sollte man aber den Gesunden Menschenverstand nicht ausschalten. Spätestens als Sie mir etwas von Engeln erzählen wollte, war die Sache für mich gelaufen. Mal davon abgesehen, dass man sich selber schlau machen sollte und nicht einfach etwas nachplappern, welches in der Mythologie eine ganz andere Bedeutung besitzt...
Schaue man sich die verschiedenen Anbieter des Kartenlegens an gibt es ja die fantastischesten Preise pro Minute!
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... der diesen Unsinn möglichst für viel Geld abkauft. Das Geschäft ist vermutlich so alt wie die Menschheit und läuft nach wie vor gut, denn die Hoffnung auf Eso-Unsinn wird wohl nicht aussterben.
Wer sich das mal anschauen möchte, sollte sich mal den Besuch einer Esoterik-Messe gönnen. Danach kann man sich sehr lange über die Leichtgläubigkeit und die dazu passende Verdummung der Zielgruppe amüsieren.
Esoterik und New Age sind eine der Seuchen unserer Zeit. Was der Artikel allerdings nicht erwähnt ist dass diese Welle nicht ganz zufällig zu uns schwappt. Die Vereinten Nationen pushen seit ihren Bestehen durch die "NGO" "Lucis Trust" (hatte ursprünglich den schönen Namen "Lucifer Trust"...) diesen ganzen New Age und "Zeitalter des Wassermann"- Kram. Auch einflussreiche Personen wie die Obama Unterstützerin Oprah Winfrey, die in Amerika eine Art "Mutter der Nation ist" wirbt offen für das "New Age", ebenso berühmte Popstars wie z.B. Robbie Williams. Klar, dass viele der Pseudo Erleuchtung ihrer Idole nacheifern. Bei dem ganzen "Licht und Liebe" Gefasel wird natürlich schön unter den Teppeich gekehrt, dass auch die Nazis Esoteriker waren und der Rassenwahn beispielsweise durch Texte von der Mutter dieser Seuche, Helena Blavatsky, inspiriert war. Es ist eine alte teuflische Suppe aus neuen Dosen.
Anmerkung: Bitte belegen Sie Ihre Thesen mit Quellenangaben und weiteren Erläuterungen. Danke. Die Redaktion/km
Es ist immer wieder faszinierend, welches Maß an Ignoranz der Mensch an den Tag legt, wenn er sich über Altbekanntes im neuen Gewand echauffiert. Engel? Geistheilung? Tägliche Meditation? Schauen Sie mal in die katholische Kirche, dort findet sich der selbe Unsinn und noch mehr. Jungfräuliche Empfängnis, Wiederauferstehung und Himmelfahrt sowie eine göttliche Schizophrenie, die aus einer Person drei macht und trotzdem von sich behauptet monotheistisch zu sein.
Nein, es ist nicht notwendig, den Ungeist der Irrationalität in der Esoterik zu suchen, er findet sich in jeder kleinen Kirche nebenan. Auch hier ist der Grundgedanke: Du sollst glauben, nicht wissen.
Anmerkung: Bitte achten Sie dennoch auf eine Unterscheidung hinsichtlich der im Artikel genannten "Harmlosigkeit". Meinen Sie nicht, dass unter diesem Gesichtspunkt die von Ihnen erwähnten "Sektenführer" mit mehr Skepsis betrachtet werden sollten?
Die Redaktion/km
Jeder glaubt doch an ein anderes Versprechen und schmeisst sein Geld dafür zum Fenster raus. Die Kosmetikindustrie lebt zum Bespiel davon und erwirtschaftet grosse Gewinne. Ebenso die Mode- und die Filmindustrie ebenso wie die Versicherungen und - nicht zu vergessen - die Finanzindustrie.
Mit dem Erwerb fast eines jeden Produktes kauft man sich vermeintlich ein kleines Stück vom Glück.
Ich muss auch gleich noch mal shoppen...
und absolut realistisch.
hatte jesus es nicht so benannt:
viele werden kommen und in meinem namen weissagen (sprich: sich so gebärden, als seien sie ebenfalls karmafreie spirituelle meister) ...
ich aber sage: hinweg mit euch, die ihr werke des bösen tut, denn ich kenne euch nicht!
was ich jedoch schade finde:
es wird so dargestellt, als ob die amtskirchen die christlichen wahrheiten rein erhalten hätten. haben sie doch teilweise ebensowenig. auf gut deutsch könnte man sagen, die katholische kirche ist eine riesengroße sekte.
wenn man mal davon ausgeht, dass das ganze papst-brimborium niemals von jesus auch nur ansatzweise so gewollt wurde.
und wie ist das mit dem exorzismus, der immer noch im vatikan gelehrt wird und teilweise sogar praktiziert wird?!
wiegesagt, ich finde den artikel gut, aber diesbezüglich leicht undifferenziert.
denn: nicht ALLES, was zur esoterik gehört, ist gefährlich
und umgekehrt nicht ALLES, was zur "amtskirche" gehört gut.
und was ist eigentlich mit spiritualität, in entschiedener abgrenzung zur esoterik???
Als ob die großen Religionen im Geringsten anders wären. Menschen reden mit nicht existenten Gestalten, glauben, dass Tote wieder auferstehen und gehen sonntäglich zu rituellen Handlungen in die Kirche - mit der Hoffnung, sie könnten sich danach ein Leben nach dem Tod sichern. Und spricht man sie auf die Widersprüche in ihrem Glauben an (Leiden von Kindern etc.), so denken sie sich merkwürdige Konstruktionen aus, warum das doch alles zusammenpasst. Und der Staat steht auch noch unterstützend dahinter.
Wie man auch an dem Zulauf von esoterischen Bewegungen sehen kann, scheint Seelsorge ein Bedürfnis des Menschen zu sein. Die traditionellen Kirchen sind out und viele Menschen werden nicht etwa zu Agnostikern, sondern orientieren sich anderweitig. Ok. Von aussen betrachtet mag es wirklich keinen Unterschied geben, Kokuspokus eben, aber es gibt doch einen. Dieser liegt in der Transparenz und in der institutionellen Erfahrung in Sachen Seelsorge der grossen Kirchen. Die menschliche Seele ist zerbrechlich und deshalb ist die Bedienung dieses Bedürfnisses nach Seelsorge eine brisante Sache, die nicht jedem selbsternannten Schamane überlassen werden darf.
auch wenn das, was sie zum Teil verkünden, genau so unglaubhaft ist, wie die Lehren der Esoteriker.
Der Unterschied ist, dass sie doch weitgehend auf schädliche Praktiken verzichten und hier verantwortungsvoller handeln. So ist z. B. der Exorzismus bei den Katholiken fast ausgestorben. Ferner sind die großen Religionen unter einer doch recht wirksamen Kontrolle des Staates und der Öffentlichkeit.
Das Wirken der Esoteriker geschieht dagegen weitgehend im verborgenen. Ich bin selbst mit diesen Kreisen bekannt geworden und war ziemlich erschüttert, wie weit verbreitet diese mittlerweile sind.
Diese Menschen sind von ihrem Glauben dermaßen überzeugt, dass sie logischen Argumenten in keiner Weise mehr zugänglich sind. Sie bestätigen sich in ihrer Meinung ständig gegenseitig selbst und schirmen sich von anderen konsequent ab.
Ihre hellseherischen Fähigkeiten sind zum Teil wirklich erstaunlich. Wenn ein Ereignis, gleich welches, eintritt, können sie ausführlich begründen, dass sie selbst oder irgendein Prophet das genau so schon vorausgesehen hat. Wenn ich dann sage, wir wollen das einmal empirisch überprüfen, indem sie die nächsten Lottozahlen vorhersagen, erwidern sie, dass sie ihre Macht nicht für so profane Zwecke benützen dürfen.
Mit versteckter Schläue verhindern sie, dass jemand den Unfug, den sie verbreiten, aufdeckt.
Letztendlich wird das Aufkommen dieser primitiven Bräuche natürlich durch das Versagen der großen Kirchen gefördert.
Wie man auch an dem Zulauf von esoterischen Bewegungen sehen kann, scheint Seelsorge ein Bedürfnis des Menschen zu sein. Die traditionellen Kirchen sind out und viele Menschen werden nicht etwa zu Agnostikern, sondern orientieren sich anderweitig. Ok. Von aussen betrachtet mag es wirklich keinen Unterschied geben, Kokuspokus eben, aber es gibt doch einen. Dieser liegt in der Transparenz und in der institutionellen Erfahrung in Sachen Seelsorge der grossen Kirchen. Die menschliche Seele ist zerbrechlich und deshalb ist die Bedienung dieses Bedürfnisses nach Seelsorge eine brisante Sache, die nicht jedem selbsternannten Schamane überlassen werden darf.
auch wenn das, was sie zum Teil verkünden, genau so unglaubhaft ist, wie die Lehren der Esoteriker.
Der Unterschied ist, dass sie doch weitgehend auf schädliche Praktiken verzichten und hier verantwortungsvoller handeln. So ist z. B. der Exorzismus bei den Katholiken fast ausgestorben. Ferner sind die großen Religionen unter einer doch recht wirksamen Kontrolle des Staates und der Öffentlichkeit.
Das Wirken der Esoteriker geschieht dagegen weitgehend im verborgenen. Ich bin selbst mit diesen Kreisen bekannt geworden und war ziemlich erschüttert, wie weit verbreitet diese mittlerweile sind.
Diese Menschen sind von ihrem Glauben dermaßen überzeugt, dass sie logischen Argumenten in keiner Weise mehr zugänglich sind. Sie bestätigen sich in ihrer Meinung ständig gegenseitig selbst und schirmen sich von anderen konsequent ab.
Ihre hellseherischen Fähigkeiten sind zum Teil wirklich erstaunlich. Wenn ein Ereignis, gleich welches, eintritt, können sie ausführlich begründen, dass sie selbst oder irgendein Prophet das genau so schon vorausgesehen hat. Wenn ich dann sage, wir wollen das einmal empirisch überprüfen, indem sie die nächsten Lottozahlen vorhersagen, erwidern sie, dass sie ihre Macht nicht für so profane Zwecke benützen dürfen.
Mit versteckter Schläue verhindern sie, dass jemand den Unfug, den sie verbreiten, aufdeckt.
Letztendlich wird das Aufkommen dieser primitiven Bräuche natürlich durch das Versagen der großen Kirchen gefördert.
Nun müssen halt neue her.
"So bald das Geld im >Kasten klingt...
Nur wie verzweifelt müssen die "Schäfchen" sein?
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