Finanzkrise Bloß nicht fallen

Europa unterzieht seine Banken einem Belastungstest. Er soll das Vertrauen der Anleger stärken

Für den größten Zahltag in der Geschichte Europas lief es erstaunlich glatt. Unglaubliche 442 Milliarden Euro mussten die Banken in der Euro-Zone vergangene Woche an die Europäische Zentralbank überweisen – Kredite, die sie ein Jahr zuvor bei ihr aufgenommen hatten und die nun fällig wurden. Pünktlich landete das Geld auf dem Konto der Notenbank .

Was die Frage aufwirft, wie schlecht es um die vermeintlich so kranken Institute tatsächlich steht. Ende des Monats wird es die offizielle Diagnose geben. Dann werden die Aufsichtsbehörden die 100 größten Banken Europas einer Belastungsprobe unterzogen haben und die Ergebnisse dieser sogenannten Stresstests veröffentlichen. In Deutschland werden wohl unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Hypo Real Estate und die Landesbanken unter die Lupe genommen.

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Stresstest

Mithilfe von Stresstests analysieren Aufsichtsbehörden, wie gut Banken für Krisen gerüstet sind. Sie untersuchen, wie es sich auf die Bilanz einer Bank auswirkt, wenn zum Beispiel Kredite ausfallen oder es erneut zu einer Rezession kommt. Organisiert werden die Tests von der Vereinigung der europäischen Bankenaufseher CEBS. Die Ergebnisse sollen an diesem Freitag veröffentlicht werden.

Die teilnehmenden Institute

Europaweit werden 91 Banken getestet. Darunter sind auch 14 deutsche Institute, etwa die Postbank oder die Hypo Real Estate. Das Land, das die meisten Banken zu den Tests angemeldet hat, ist Spanien. Die Regierung in Madrid war es auch, die auf die Stresstests gedrängt hatte. Spanien will mit Hilfe der Tests das Vertrauen in seine Banken wiederherstellen. Die spanischen Institute bekommen am Geldmarkt kaum noch Kredit.

Die Szenarien

Die Aufseher spielen drei Szenarien durch. In einem ersten Schritt wird getestet, wie sich die Eigenkapitalquoten der Institute verhalten, wenn die Wirtschaft sich so entwickelt wie erwartet. Das ist das Basisszenario. Im zweiten Teil des Tests wird geprüft, was mit dem Eigenkapital der Banken passiert, sollte Europa erneut in eine Rezession rutschen. Die Aufseher gehen in diesem Szenario davon aus, dass das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa um drei Prozentpunkte geringer ausfällt als bislang vorhergesagt. Im dritten Teil des Tests wird ein Crash am Staatsanleihemarkt simuliert. Die CEBS gibt an, dass das getestete Szenario in etwa jenem entspricht, das auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Europa herrschte. Kritiker monieren, dass dies zu optimistisch ist. Sollte Griechenland doch noch umschulden müssen, könnten die Spannungen weit größer sein als vor einigen Wochen.

Schon jetzt aber zeichnet sich ab, dass die Resultate besser ausfallen als vielfach befürchtet. Zwar stehen in den Büchern der Banken noch immer gewaltige Risiken: faule amerikanische Immobilienpapiere, Kredite an existenzgefährdete Firmen und vor allem Staatsanleihen aus dem Süden Europas. Laut der US-Investmentbank Morgan Stanley beläuft sich der Wert der ausstehenden staatlichen Schuldscheine aus den gefährdeten Ländern Spanien, Griechenland, Portugal und Irland auf 960 Milliarden Euro – und einen großen Teil davon halten Europas Banken.

Für sie haben diese Papiere die Sprengkraft von Dynamit. Bei der Commerzbank entspricht allein der Wert der griechischen Staatsanleihen in ihrem Besitz 62 Prozent des Eigenkapitals, bei der Postbank sind es 47 Prozent, bei der belgischen Dexia 54 Prozent. Die griechische Bank Piraeus leistet sich gar ein Bond-Portfolio, das ihr Eigenkapital um das Dreifache übersteigt. Wenn – wie bei den Staatspleiten von Russland oder Argentinien vor rund zehn Jahren – die Investoren auf 70 bis 80 Prozent ihres Geldes verzichten müssten, wären einige Institute auf einen Schlag praktisch pleite. Ihr Eigenkapital würde durch die Verluste aufgezehrt. Im Fall einer oder gleich mehrerer Staatspleiten, das räumen Finanzaufseher ein, droht Europas Finanzsektor ein »Blutbad«.

Um ein solches Blutbad zu verhindern, hat die Europäische Union (EU) allerdings einen Schutzschirm für ihre schwächsten Mitgliedsländer aufgespannt. Wird ein Land von den Kapitalmärkten gemieden, stehen 750 Milliarden Euro an Notkrediten bereit.

In den Stresstests wird eine Staatspleite deshalb dem Vernehmen nach auch gar nicht erst simuliert. Die Aufseher untersuchen, wie sich ein Kursverfall der Staatsanleihen auf die Bilanzen auswirkt, denn die Banken müssen auch ohne Pleite Wertberichtigungen vornehmen, sobald die Marktpreise der Anleihen in ihrem Portfolio sinken. Geprüft wird zudem, welche Folgen ein Einbruch der Konjunktur für die Banken und ihre Kredite hätte. Fällt die Eigenkapitalquote in den Tests unter sechs Prozent, müssen die Banken zeigen, wie sie ihren Kapitalstock erhöhen.

Mit dem Plan, die Testergebnisse zu veröffentlichen, vollzieht die EU eine Kehrtwende. Lange hatte sie sich gegen eine Publikation gewehrt, ist sie doch im Zweifel alles andere als angenehm – weder für Banker noch für Politiker. Finden die Durchfaller keine privaten Kapitalgeber, muss die Regierung einspringen. Das bedeutet mehr Staatseinfluss im Finanzsektor und neue Geldspritzen für die Banken, die die Politiker den Wählern nur mehr schwer vermitteln können.

Leser-Kommentare
  1. Dass allein die Schulden der vier PIGS bei Europas Banken mit 960 Mrd den gesamten Rettungsschirm bereits um ein Beträchtliches übersteigen, klingt nicht allzu
    vertrauenerweckend. Nicht mitgerechnet am Rande noch ein paar Groschen für die US-Hypotheken, die man ja so gern für die ganze Eurokrise verantwortlich machen möchte.

    Wenn Griechenlands Schulden bei der Commerzbank bereits 62% des gesamten Eigenkapitals ausmachen, werden wir neugierig,
    woraus wohl die restlichen 38% des "Kapitals" bestehen könnten.

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    • joG
    • 13.07.2010 um 11:27 Uhr

    ....Simulationen ab. Dann sehen wir ob die Tests dazu geeignet sind, die Märkte zu beruhigen.

    • joG
    • 13.07.2010 um 11:27 Uhr

    ....Simulationen ab. Dann sehen wir ob die Tests dazu geeignet sind, die Märkte zu beruhigen.

  2. Dann wird das Ergebnis auch sich daran orientieren. Selbst wenn es ernsthafte Probleme geben würde, würde man das doch nicht im Stresstest bekanntgeben. Hätte man vor 2008 einen Stresstest gemacht, wäre auch alles prima gewesen. Die Banken stellen sich meist nur dumm. Sie wissen was bei ihnen vorgeht. Sie haben Strategien. Demnach ist das hier alles nur Show. Politisch gesehen sieht man nichts, ebenso wirtschaftlich. Nur die Anleger sollen glauben, dass das Geld sicher ist.

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    "Die Kriterien für die europäischen Stresstests sind nach SPIEGEL-Informationen so aufgeweicht, dass die Banken die Ergebnisse nicht fürchten müssen." Spiegel-Online

    Im weiteren heißt es:

    "Der Grund: Die Kriterien für die Tests, die Aufschluss über die Widerstandskraft der Finanzinstitute in der Krise geben sollen, sind in hektischen Verhandlungen zwischen der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und europäischen Bankenaufsehern aufgeweicht worden - und dürften damit nicht jede Schwäche einer Bank ans Licht bringen. So reagierten alle 91 untersuchten europäischen Banken mit Erleichterung, als ihnen ihre Aufseher in der vergangenen Woche streng vertraulich die genauen Ausführungsbestimmungen übersandten." Spiegel-Online

    http://www.spiegel.de/wir...

    Damit bestätigen sich die Vermutungen.

    "Die Kriterien für die europäischen Stresstests sind nach SPIEGEL-Informationen so aufgeweicht, dass die Banken die Ergebnisse nicht fürchten müssen." Spiegel-Online

    Im weiteren heißt es:

    "Der Grund: Die Kriterien für die Tests, die Aufschluss über die Widerstandskraft der Finanzinstitute in der Krise geben sollen, sind in hektischen Verhandlungen zwischen der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und europäischen Bankenaufsehern aufgeweicht worden - und dürften damit nicht jede Schwäche einer Bank ans Licht bringen. So reagierten alle 91 untersuchten europäischen Banken mit Erleichterung, als ihnen ihre Aufseher in der vergangenen Woche streng vertraulich die genauen Ausführungsbestimmungen übersandten." Spiegel-Online

    http://www.spiegel.de/wir...

    Damit bestätigen sich die Vermutungen.

  3. inzwischen zieht sich die offenlegung so lange hin, und die neue betrachtung wird so schön geredet, ich glaube die ergebnisse sind inzwischen so weichgespült, dass sie nix mehr hegeben...also, warum den aufwand, blickt doch jder, dass ihr uns nur beschei..en wollt

  4. das die englender einen stresstest von sagehafte { 60% }von europa banken foredern,ist NOCH EIN BEWEIS WAS SIE WIERKLICH ERREICHEN WOLLEN,,,,,,!!!!!!!!!!!.
    AUFWACHEN BITTE.

  5. "Die Kriterien für die europäischen Stresstests sind nach SPIEGEL-Informationen so aufgeweicht, dass die Banken die Ergebnisse nicht fürchten müssen." Spiegel-Online

    Im weiteren heißt es:

    "Der Grund: Die Kriterien für die Tests, die Aufschluss über die Widerstandskraft der Finanzinstitute in der Krise geben sollen, sind in hektischen Verhandlungen zwischen der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und europäischen Bankenaufsehern aufgeweicht worden - und dürften damit nicht jede Schwäche einer Bank ans Licht bringen. So reagierten alle 91 untersuchten europäischen Banken mit Erleichterung, als ihnen ihre Aufseher in der vergangenen Woche streng vertraulich die genauen Ausführungsbestimmungen übersandten." Spiegel-Online

    http://www.spiegel.de/wir...

    Damit bestätigen sich die Vermutungen.

  6. wird gar nichts laufen.

    derzeit weiterhin festhalten an der "symptomkuriererei"!

    • joG
    • 13.07.2010 um 11:27 Uhr

    ....Simulationen ab. Dann sehen wir ob die Tests dazu geeignet sind, die Märkte zu beruhigen.

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