Prince im Konzert Zauber des HandgespieltenSeite 2/2
Prince war schon in den seligen Analogzeiten des Musikgeschäfts ein Show-Animal, zu dessen legendären Ritualen es gehörte, nach einem mehrstündigen Konzert in tiefer Nacht noch irgendwo in einem Club einzufallen und bis zum Morgengrauen weiterzujammen. Es gibt ein Livealbum von ihm, bei dem der After-Show-Gig gleich als Extra-CD beiliegt. Und er war einer der Ersten, die sich von der Plattenindustrie nichts diktieren lassen wollten. So hat er das derzeitige Geschäftsmodell für Musiker, nämlich den Hauptteil der Einnahmen mit Konzerten zu erzielen, schon lange vorweggenommen. Anfangs genügte es ihm, alle Instrumente selbst zu spielen, doch seit er sich selbst managt, zeigt sich auch sein geschäftlicher Weitblick. Im Jahr 2007 zweifelten Kritiker an seinem Verstand, als er das fertig produzierte Album Planet Earth der britischen Zeitung Mail On Sunday beilegen ließ. Doch die verbreitete Auflage von 2,8 Millionen Exemplaren lag höher als die seiner letzten fünf Alben zusammen. Gerüchten zufolge bekam er für diesen Deal nur etwa 300.000 Pfund. Das war nach Einschätzungen von Musikindustriemenschen allerdings mehr, als er angesichts seiner Verkaufserwartungen von einer Plattenfirma bekommen hätte. Nach der Beilage zur Mail On Sunday spielte Prince 21 ausverkaufte Shows in der Londoner O₂-World.
Nun wird seine Musik wieder einmal verschenkt: Sein nächstes Werk 20Ten wird in Deutschland dem Musikmagazin im Axel Springer Verlag, Rolling Stone (verbreitete Auflage: etwa 66.000 Exemplare), beigelegt. Ähnliche Aktionen gibt es in England, Schottland, Frankreich und Belgien. Die beteiligten Medien erhalten exklusive Interviews. Dem Reporter des Daily Mirror, der 20Ten mit 2,5 Millionen Stück verbreitet, gab er ein bizarres Interview, in dem er das Internet zu einer vorübergehenden Modeerscheinung erklärte und behauptete, seine Songs seien nicht bei iTunes erhältlich (was sie jedoch sind).
Für Prince, der sich bei Interviews sogar Aufnahmegeräte verbittet, mag das digitale Zeitalter wie ein Fluch erscheinen. Und man denkt angesichts der leicht verschwörungstheoretischen Rhetorik wieder an seine Mitgliedschaft bei den Zeugen Jehovas. Doch Prince ist immer auch Zeuge seiner selbst: Er hält den Zeiten entgegen, was von jeher seine Qualität ausmachte, den unwiederholbaren Zauber des Handgespielten. Kooperationen zwischen Musikern und Medien wird es künftig wohl häufiger geben. Erst kürzlich hat der britische Mojo in seiner Zusammenarbeit mit Tom Waits gezeigt, von welcher Musikleidenschaft ein solches Projekt getragen sein kann: Waits stellte dem Blatt eine CD mit seinen All-Time-Favourites zusammen, mit der er seine eigenen Inspirationsquellen freimütig offenlegte, und firmierte als Gastredakteur.
Das Berliner Konzert von Prince, mit nur fünf Wochen Vorlauf ohne die Marketing-Power eines großen Labels auf die Beine gestellt, wird nicht bei allen geschäftlich Beteiligten ungeteilte Freude hervorrufen. Beim Publikum schon. Praktisch jeder Hit ist noch einmal neu erfunden. Nothing Compares 2 U als dickblütige Soulnummer, Kiss ohne die legendäre, kitzelige Rhythmusgitarre. Jeder Groove, jede Geste, alles sitzt maßgeschneidert und doch locker. Bei Guitar , einer Liebeserklärung an sein Instrument und zugleich einem der wenigen starken Songs aus jüngerer Zeit, trägt er die Fender nach einem orgiastischen Solo auf beiden Händen wie eine Opfergabe zur Rampe. Und wirft sie ins Publikum, wo sie natürlich, das kann jeder sehen, von einem Roadie schnell wieder eingesammelt wird. Bei Purple Rain lässt er sich lange bitten, ehe er in die Saiten greift, doch dann singen die Leute den Refrain noch weiter, als das Stück schon zehn Minuten zu Ende ist. Einen solch hemmungslosen Jubel hört man selten. Am Ende regnet es lila Sterne auf dem Screen.
- Datum 07.07.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
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Wie Willi Winkler heute in der SZ in anderem Zusammenhang schrieb: Wen das nicht rührt, "der hat das Gemüt eines Vorsteherhundes und den Verstand eines Zwergkaninchens".
Hier sei auch der Kritikerin einmal eine ordentliche Portion Emphase zugestanden. Prince am Sonntagabend in Roskilde vor 80.000 Menschen, das war ein großes Erlebnis.
Ist er nicht der einzige lebende Popstar, dessen Schaffen man noch gern Respekt zollt? Keine Plastikshow, kein Playback, nein, da steht einer, der Musik spielt und nicht bloß "performt".
Das Festivalpublikum war ihm dankbar. Da johlten 16-jährige Däninnen den Refrain von "Little Red Corvette", es gröhlten 45-jährige, bierbäuchige Engländer "I like funky music" und klatschen den Offbeat, zu "Purple Rain" schaukelten auch die Rentner.
Prince bringt die Generationen zusammen, 52-jährig und noch immer jungenhaft. Da schaut auch gern zu, wer mit Funk sonst nichts anfangen kann. Denn es braucht kaum mehr Verstand als den eines Zwergkaninchens, um zu erkennen, dass es niemand besser könnte als er. Wie virtuos Prince seine Gitarre spielt, wie er im Pfeifregister kiekst, wie er mit dem Publikum flirtet, wie er mit seinen Musikern kommuniziert, wie er über die Bühne fliegt. Hochachtung.
Und dass er, wie man munkelt, für diesen Auftritt mit einem siebenstelligen Dollarbetrag entlohnt wurde, erschien am Ende nur verhältnismäßig.
das ist keine "Fender" sondern eine alte "Hohner" Telecaster, eine deutsche Gitarre, die heute kaum noch gebraucht zu bekommen ist. Prince besitzt mehrere davon!
... ist wohl leicht übertrieben, fügen Sie doch ein "Pop-" vor dem Musiker ein!
Ach, Popmusiker sind keine Musiker? Spielt es denn eine Rolle, ob ich meine Kunst an der Hochschule gelernt oder sie mir selbst beigebracht habe? Ich würde behaupten, gutes Handwerk ist gutes Handwerk, ob im Pop oder in der Klassik spielt überhaupt keine Rolle.
Ach, Popmusiker sind keine Musiker? Spielt es denn eine Rolle, ob ich meine Kunst an der Hochschule gelernt oder sie mir selbst beigebracht habe? Ich würde behaupten, gutes Handwerk ist gutes Handwerk, ob im Pop oder in der Klassik spielt überhaupt keine Rolle.
Ach, Popmusiker sind keine Musiker? Spielt es denn eine Rolle, ob ich meine Kunst an der Hochschule gelernt oder sie mir selbst beigebracht habe? Ich würde behaupten, gutes Handwerk ist gutes Handwerk, ob im Pop oder in der Klassik spielt überhaupt keine Rolle.
Allerdings: das, was einer wie Prince konkret am Instrument leistet, wäre im Jazz- oder Klassik-Alltag bestenfalls für Mittelmaß ausreichend. Seine Musik ist einzigartig, keine Frage, und zweifelsfrei ist er als außergewöhnliche Künsterpersönlichkeit anzusehen. Aber das hat mit dem «Handwerk» nur am Rand zu tun. Daher schließe ich mich ManniBraun an, die Kategorie «Pop-Musiker» ist durchaus passend. Der Verweis auf die Hochschule hingegen ist polemisch und daher untauglich, um das Faszinosum Pop-Star zu erklären.
Allerdings: das, was einer wie Prince konkret am Instrument leistet, wäre im Jazz- oder Klassik-Alltag bestenfalls für Mittelmaß ausreichend. Seine Musik ist einzigartig, keine Frage, und zweifelsfrei ist er als außergewöhnliche Künsterpersönlichkeit anzusehen. Aber das hat mit dem «Handwerk» nur am Rand zu tun. Daher schließe ich mich ManniBraun an, die Kategorie «Pop-Musiker» ist durchaus passend. Der Verweis auf die Hochschule hingegen ist polemisch und daher untauglich, um das Faszinosum Pop-Star zu erklären.
Wie weiland schon Frank Zappa bemerkte, gibt es keine U- und E-Musik, sondern nur gute und schlechte Musik. Ebenso steht es mit den Musikern. Und das Prince zu den alleraller(aller!!)besten gehört, konnte, wer Augen, Ohren und Herz hat, am Montag in Berlin erleben. Ich jedenfalls schwebe immer noch und leuchte nachts. Damn! Außerdem spielt Prince, wie wir alle wissen, nicht nur eines, sondern 23 Instrumente - und jedes davon perfekt. Herr Geisenhanslüke trifft es auf den Punkt. On the one, sozusagen.
Allerdings: das, was einer wie Prince konkret am Instrument leistet, wäre im Jazz- oder Klassik-Alltag bestenfalls für Mittelmaß ausreichend. Seine Musik ist einzigartig, keine Frage, und zweifelsfrei ist er als außergewöhnliche Künsterpersönlichkeit anzusehen. Aber das hat mit dem «Handwerk» nur am Rand zu tun. Daher schließe ich mich ManniBraun an, die Kategorie «Pop-Musiker» ist durchaus passend. Der Verweis auf die Hochschule hingegen ist polemisch und daher untauglich, um das Faszinosum Pop-Star zu erklären.
War ja klar, dass hier gleich wieder die (Jazz-)Musikerpolizei lauert und sich für Prince den Status Pop(!)-Musikers erbittet. Lächerlich. Denn er ist eben kein Popmusiker, dazu ist er viel zu eigensinnig und viel zu schlecht zu vermarkten. Mag sein, dass irgendwelche Jazzer die Skalen auf Gitarre und Klavier und Bass schneller und sauberer runterballern als Prince, mag sein, dass Dave Weckl oder Vinnie Colaiuta oder Gary Novak schneidigere Soli am Schlagzeug trällern als Prince - na und? Als musikalisches Gesamtgenie ist Prince einmalig und unübertroffen; das wird übrigens auch in der Jazzwelt so gesehen (ich erinnere mich an schöne Konzerte von Prince und Miles Davis). In meiner Abteilung der Musikerpolizei (zu der ich mich durchaus ab und zu zähle, bin auch Musiker) hat Prince ein sehr hohes Ansehen, Pop hin oder her.
War ja klar, dass hier gleich wieder die (Jazz-)Musikerpolizei lauert und sich für Prince den Status Pop(!)-Musikers erbittet. Lächerlich. Denn er ist eben kein Popmusiker, dazu ist er viel zu eigensinnig und viel zu schlecht zu vermarkten. Mag sein, dass irgendwelche Jazzer die Skalen auf Gitarre und Klavier und Bass schneller und sauberer runterballern als Prince, mag sein, dass Dave Weckl oder Vinnie Colaiuta oder Gary Novak schneidigere Soli am Schlagzeug trällern als Prince - na und? Als musikalisches Gesamtgenie ist Prince einmalig und unübertroffen; das wird übrigens auch in der Jazzwelt so gesehen (ich erinnere mich an schöne Konzerte von Prince und Miles Davis). In meiner Abteilung der Musikerpolizei (zu der ich mich durchaus ab und zu zähle, bin auch Musiker) hat Prince ein sehr hohes Ansehen, Pop hin oder her.
War ja klar, dass hier gleich wieder die (Jazz-)Musikerpolizei lauert und sich für Prince den Status Pop(!)-Musikers erbittet. Lächerlich. Denn er ist eben kein Popmusiker, dazu ist er viel zu eigensinnig und viel zu schlecht zu vermarkten. Mag sein, dass irgendwelche Jazzer die Skalen auf Gitarre und Klavier und Bass schneller und sauberer runterballern als Prince, mag sein, dass Dave Weckl oder Vinnie Colaiuta oder Gary Novak schneidigere Soli am Schlagzeug trällern als Prince - na und? Als musikalisches Gesamtgenie ist Prince einmalig und unübertroffen; das wird übrigens auch in der Jazzwelt so gesehen (ich erinnere mich an schöne Konzerte von Prince und Miles Davis). In meiner Abteilung der Musikerpolizei (zu der ich mich durchaus ab und zu zähle, bin auch Musiker) hat Prince ein sehr hohes Ansehen, Pop hin oder her.
... dass maria und margot hellwig besser jodeln können.
dennoch mag ich prince lieber (ob in shirt oder bluse)
... dass maria und margot hellwig besser jodeln können.
dennoch mag ich prince lieber (ob in shirt oder bluse)
... dass maria und margot hellwig besser jodeln können.
dennoch mag ich prince lieber (ob in shirt oder bluse)
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