2200 Kilometer will Jürgen Mennel in 27 Tagen laufen

Im Fernsehen liefe die Fußball-WM , aber Jürgen Mennel hat keine Zeit. Runde um Runde dreht er auf dem Sportplatz der Universität Heidelberg. Es ist später Nachmittag. Schon am frühen Morgen war der 50-Jährige unterwegs. Seit März 2009 rennt er täglich im Wald, auf Wiesen, am Berg, hat 14.000 Kilometer zurückgelegt, im Durchschnitt 30 pro Tag. Auch am Abend wird er noch ein Stündchen laufen. Und dann wieder am Morgen, um fünf.

Der dürre Mann im grün-weißen Trikot hat sich ein gigantisches Trainingsprogramm auferlegt. Gegen die Langeweile, die sich beim monotonen Abspulen von Kilometern ausbreiten könnte, hat er einen Tennisball dabei, den er immer wieder prellt und fängt. Den ganzen Sommer über wird er sein Laufprogramm fortsetzen, langsamer Trab mit 10, schnelle Einheiten mit 17 Kilometern pro Stunde. Bis es am 20. September um 21 Uhr so weit sein wird. Dann bricht Jürgen Mennel auf. Zu Fuß, zu seinem Lauf von Heilbronn nach Athen.

Die Idee hatte er vor zwei Jahren. Ihm fiel auf, dass sich 2010 die Schlacht von Marathon zum 2500. Mal jährt. »Da stricke ich was draus«, sagte er sich und rechnete aus, dass die Strecke nach Athen (2200 Kilometer) in 27 Tagen zu schaffen sei. Umgerechnet zwei Marathonläufe pro Tag. Normalsterblichen Joggern erginge es beim Versuch, diese Leistung zu erbringen, vermutlich nicht besser als dem mythischen Prototyp aller Kilometerfresser: jenem Meldeläufer, der 490 vor Christus von Marathon nach Athen gelaufen und tot zusammengebrochen sein soll.

Just zu diesem Jubiläum will Mennel eine Botschaft verbreiten: Laufen ist gesund. Wer sich regelmäßig bewegt, kann Zivilisationskrankheiten trotzen, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Alzheimer. Mithilfe der Universitäten in seiner Region will er allen diese Lehre schmackhaft machen, der Öffentlichkeit, den Behörden, Firmen.

Sogar im Berufsalltag läuft Mennel. Als Pädagoge in der Evangelischen Stiftung Lichtenstern im württembergischen Löwenstein hält er körperlich und geistig Behinderte auf Trab. Als er sich den Griechenlandtrip per pedes vornahm, erschien ihm die sportliche Herausforderung allein als »zu einseitiges Unterfangen«. Er entwickelte die Idee einer Wissensstafette, in der Erkenntnisse der Wissenschaft zusammengetragen werden.

Konkret heißt das: An den 27 Tagen seiner Reise liefern parallel dazu mehrere Institute auf dem »elektronischen Rundkurs« zwischen den Hochschulstädten Heilbronn, Heidelberg, Ulm und Stuttgart Forschungsergebnisse zum Gesundheitseffekt des Laufens – Sport in der Schwangerschaft, Sport gegen Übergewicht, Krebs und Depression. Die Fachschaft Medizinische Informatik der Hochschule Heilbronn stellt die Beiträge auf der Website athenlauf.de zusammen. Auch Sponsoren hat Mennel gefunden. Das nagelneue Begleitfahrzeug für den Jubiläumstrip nach Süden steht bereit.