Das alte Embryonenschutzgesetz erwähnt die Samenspende mit keinem Wort
In jedem Fall dürfte es weiterhin verboten bleiben, dass Eltern eines schwer kranken Kindes mithilfe der PID ein weiteres Kind zeugen – als Knochenmark- oder Stammzellspender. In Spanien oder Großbritannien ist das erlaubt. Jeden Einzelfall von vornherein festzulegen ergibt allerdings wenig Sinn. Wahrscheinlich wäre es angebrachter, über PID-Anträge individuell zu entscheiden. Den Ärztekammern könnten dabei Kommissionen helfen, zum Beispiel aus Medizinern, Patienten und unparteiischen Experten. Auch sollte gewährleistet sein, dass Paare, die eine PID wünschen, eine fachkundige Beratung erhalten, die nicht der behandelnde Fertilitätsmediziner erteilen darf. All dies kann nur ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz regeln.
Gleichzeitig müsste es die Zulässigkeit weiterer biomedizinischer Verfahren klären. Zwei Beispiele:
So erwähnt das alte Embryonenschutzgesetz die Samenspende mit keinem Wort. Zwar haben auf diesem Weg gezeugte Kinder einen Anspruch darauf, ihre genetische Herkunft zu erfahren. Wie sie diesen einlösen, ist aber ungeregelt. Denn die Spender beharren auf Anonymität, um Unterhalts- und Erbansprüche zu vermeiden.
Die Eizellspende ist bislang nicht erlaubt. Dass die genetische Mutter wichtiger sei als der genetische Vater, gilt aber als überholt. So hat im April der Europäische Gerichtshof das Verbot der Eizellspende als diskriminierend bezeichnet. Geklagt hatte ein Paar aus Österreich, aber die Gesetzeslage in Deutschland ist identisch. Würde die Politik die Spende erlauben, könnte sie für sinnvolle Rahmenbedingungen sorgen, nämlich für eine hochwertige Betreuung der beteiligten Frauen. Diese ist im Ausland nicht immer garantiert.
Das BGH-Urteil bietet insofern eine große Chance, die Reproduktionsmedizin in Deutschland neu zu ordnen. Die ethischen Debatten um ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz werden allerdings schwierig und langwierig sein. Doch diese Kontroverse darf sich die Republik nicht ersparen, sonst dauern in vielen Fällen Unsicherheit und Diskriminierung weiter an. Das ist in einer so zentralen Angelegenheit wie dem Beginn des Lebens inakzeptabel.
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- Datum 07.07.2010 - 08:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28
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- völlige Liberalisierung der PID
- Eizellspende
- Instrumentalisierung eines Kindes zur Knochenmarkspende etc.
Zusätzlich zu erwähnen wäre
- die Leihmutterschaft
- Forschung und Experimente an befruchteten Eizellen.
Martin Spiewak schreibt hierzu, "wäre es falsch, von dem einen Extrem, dem totalen Verbot, nun ins andere Extrem zu verfallen"
Diese Bemerkung erscheint mir zu reflexhaft. Ein grundsätzliches Problem sehe ich bei keinem der genannten Punkte. (Selbst die Instrumentalisierung eines zu zeugenden Kindes bedeutet ja nicht, dass das Kind ausschließlich instrumentaliert wird.)
Das ist übrigens ein großer Vorteil der Globalisierung, dass man (zu) engen juristischen Korsetts entschlüpfen kann (solange sie noch bestehen). Und dies schafft einen langfristig wirksamen Hebel zur Aufweichung solcher Korsetts. Denn: die Besserverdienenden werden diese Möglichkeiten der internationalen (juristischen) "Arbeits"teilung ganz selbstverständich nutzen. Und die anderen werden sich fragen: Ist das dann noch "gerecht"?
Meine persönliche Prognose: wir werden Diskussionen und Rückzugsgefechte erleben wie bei der Abtreibungsdebatte seit den 70-ern und in der Zwischenzeit fährt man nach "Holland".
Herzlichst Crest
weil mit ihr z.B. Trisomie 21 erkannt werden kann, so müsste man konsequenterweise auch gegen einen Teil der Pränataldiagnostik sein, der genutzt wird um u.a. Trisomie 21 auszuschließen (Nackenfaltentransparenz, Fruchtwasseruntersuchung, Chorionzottenbiopsie).
P.S.: Man kann für eine PID auch nach Österreich fahren.
weil mit ihr z.B. Trisomie 21 erkannt werden kann, so müsste man konsequenterweise auch gegen einen Teil der Pränataldiagnostik sein, der genutzt wird um u.a. Trisomie 21 auszuschließen (Nackenfaltentransparenz, Fruchtwasseruntersuchung, Chorionzottenbiopsie).
P.S.: Man kann für eine PID auch nach Österreich fahren.
Wie schon bei den anderen Beiträgen zu diesem Urteil muss ich zuerst auf das Versagen der Politik hinweisen. Statt die kritischen Themen der Zeit aufzugreifen, sie kompetent einer Diskussion und gesellschaftlichen Entscheidung zuzuführen, wird es nur ausgesessen. Das gilt entsprechend für viele andere Bereiche; man denke nur an das Internet oder eine globalisierte Arbeitswelt.
Dieser Artikel hier widerspricht jedoch in einem Punkt den vorherigen, indem er eine gewonnene Rechtssicherheit in Frage stellt. Seine Beispiele belegen es zwar im Einzelfall, aber er führt selbst an, dass wohl nicht eine generelle, dauerhafte Lösung gefunden werden kann.
Insofern stütze ich weiterhin die Meinung, dass eine rechtliche Sicherheit verbessert wurde. Bislang war einige Geschehnisse und Wünsche in der Praxis schlicht nicht erlaubt. Oder berührten widersprüchliche Regelungen. Es ist schon eine Verbesserung, dass dies nun anerkannt wurde. Die gewonnene Rechtssicherheit besteht darin, dass manche Praxis eben nicht automatisch verboten ist. Ob man je zu einem positiven Katalog des Erlaubten kommen wird, ist eine andere Frage.
Der nach dem Urteil erreichte Zustand auf Justizebene entspricht somit genau dem in der Praxis. Mehr war nicht möglich. Mehr wäre auch nur dann möglich, wenn es zuvor eine weitgehende gesellschaftliche und politische Diskussion über diese Möglichkeiten geben würde, so dass ein neues Recht auf einer neuen, öffentlichen Moral aufsitzen könnte.
weil mit ihr z.B. Trisomie 21 erkannt werden kann, so müsste man konsequenterweise auch gegen einen Teil der Pränataldiagnostik sein, der genutzt wird um u.a. Trisomie 21 auszuschließen (Nackenfaltentransparenz, Fruchtwasseruntersuchung, Chorionzottenbiopsie).
P.S.: Man kann für eine PID auch nach Österreich fahren.
Das Urteil zur Präimplantationsdiagnostik ist kein Sieg der Freiheit und kein Zeichen von Liberalität. Es beschädigt vielmehr die Grundlage aller republikanischen Freiheit, die Gattungssolidarität.
Warum das so ist steht in dem wirklich guten Artikel von Alexander Kissler, der hier zum Posten leider zu lang ist.
Hier der Link: http://bit.ly/byUihk
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