Stefan Aust Auf eigene Rechnung

Als »Spiegel«-Chef war er einer der mächtigsten Journalisten. Seinen größten Traum erfüllt er sich jetzt: Unternehmer sein

Stefan Aust hat eine sehr lange journalistische Karriere hinter sich und eine sehr kurze akademische im Fach Betriebswirtschaftslehre. Vier Mal war er nach eigenem Bekunden in der Universität: zum Einschreiben, zum Belegen der Seminare, zum Sommerfest – und zu einer Vorlesung. Diese Lehrstunde hinterließ einen tiefen Eindruck. Aust begegnete dem Begriff der »Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals«.

»Das hab ich mir gemerkt«, sagt er. »Es geht um die Frage, ob ich das Geld in mein Unternehmen investieren soll oder es zur Bank bringe.« Das Thema hat ihn so fasziniert, dass er bis zuletzt in Einstellungsgesprächen, die er als Spiegel- Chefredakteur führte, Wirtschaftsredakteure danach fragte.

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Vor ein paar Tagen ist Aust 64 Jahre alt geworden, sein Geburtstagsgeschenk hat er sich selbst gemacht: die Teilhabe am Nachrichtensender N24 . Für Aust geht es im Rentenalter noch einmal richtig los mit einer neuen Karriere, die ihm vielleicht die wichtigste von allen ist.

Sein Hamburger Büro liegt direkt an der Elbe, in dem Haus, das früher einmal für den Sender Sat.1 gebaut wurde. In Austs Zimmer steht ein massiver Holztisch mit roter Maserung, der nach seinem Plan in einer Tischlerei aus einem einzigen Baum gefertigt wurde. Er hat Panoramablick auf den Hamburger Hafen, und auf dem Tisch liegt ein Fernglas, wohl um zu beobachten, was die Schiffe laden oder löschen.

Stefan Aust kommt zur Tür herein, beige Hose, beiges Basecap, weißes Polohemd. Er sieht aus wie einer dieser vitalen Florida-Rentner.

Seit ihn vor zweieinhalb Jahren die Eigentümer des Spiegels recht unschön während seines Bali-Urlaubs vom Chefposten kegelten , ging es umstandslos weiter. Aust war mit einer großzügigen Abfindung ein Jahr lang für die Konkurrenz gesperrt, er durfte also nicht etwa beim Focus anfangen. Einer wie er bleibt aber deswegen nicht zu Hause und kümmert sich um die halbwüchsigen Kinder. Sondern stellt sich kurz die Frage: »Was machste jetzt?« – und antwortet dann schnell.

Aust schrieb ein Buch, gefühlt sein dreißigstes. Er machte einen Film. Er gründete mit der NDR-Tochter Studio Hamburg und Thorsten Pollfuß die Produktionsfirma Agenda Media (die gerade eine große ARD-Dokumentation zum zehnten Jahrestag des 11. September vorbereitet). Er entwickelte das Magazin Woche für den WAZ-Verlag.

Und dann kauft er sich ein Viertel des Nachrichtensenders N24. Ein weiteres Viertel übernimmt N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann, den Rest teilen sich Austs Geschäftspartner Thorsten Pollfuß und einige N24-Manager.

Leser-Kommentare
  1. 9:00 - 11:00 Schicklgruber privat

    11:00 - 13:00 Frau Schicklgruber

    13:00 - 15:00 Friends of Schicklgruber

    15:00 - 17:00 Schicklgruber und ich

    17:00 - 19:00 Die RAF

    19:00 - 21:00 Die RAF und Schicklgruber

    21:00 - 23:00 Wann kommen wir von Schicklgruber los?

    23:00 - 9:00

    19:00 - 21:00 Die RAF und Schicklgruber

    21:00 - 23:00 Wann kommen wir von Schicklgruber los?

    23:00 - 9:00 Telefonsex und Gewinnspiele (Schicklgruber Devotonalien)

  2. Er hat das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zum neoliberalen Kampfpamphlet degradiert. Es lohnt sich schon gar nicht mehr hineinzuschauen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der SPIEGEL ist neoliberal ??? - selten so gut gelacht ;-)...
    [...] mir geht es genauso, ich habe den Eindruck der SPIEGEL wäre ein sozialistisches Kampfblatt gegen schwarz-gelb geworden...
    Vielleicht täuschen wir uns ja beide;-)

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen, auch wenn diese als Spaß gemeint sind. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • Chali
    • 13.07.2010 um 11:04 Uhr

    Überaus bösartig, das!
    Wenn ich nun "INSM-Vereinspostille" schreiben würde!

    Ich habe das Blatt abbestellt, als Gabor Steingard empfohlen hat, man sollte sich doch endlich von den Relikten des 19.Jahrhunderst trennen solle (Er meinte damit die deutsche Maschinenindustrie) und statt dessen doch Milliardden mit Finanz-Industrie und Versicherungs-Wirtschaft verdienen sollte.

    Der SPIEGEL ist neoliberal ??? - selten so gut gelacht ;-)...
    [...] mir geht es genauso, ich habe den Eindruck der SPIEGEL wäre ein sozialistisches Kampfblatt gegen schwarz-gelb geworden...
    Vielleicht täuschen wir uns ja beide;-)

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen, auch wenn diese als Spaß gemeint sind. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • Chali
    • 13.07.2010 um 11:04 Uhr

    Überaus bösartig, das!
    Wenn ich nun "INSM-Vereinspostille" schreiben würde!

    Ich habe das Blatt abbestellt, als Gabor Steingard empfohlen hat, man sollte sich doch endlich von den Relikten des 19.Jahrhunderst trennen solle (Er meinte damit die deutsche Maschinenindustrie) und statt dessen doch Milliardden mit Finanz-Industrie und Versicherungs-Wirtschaft verdienen sollte.

  3. Der SPIEGEL ist neoliberal ??? - selten so gut gelacht ;-)...
    [...] mir geht es genauso, ich habe den Eindruck der SPIEGEL wäre ein sozialistisches Kampfblatt gegen schwarz-gelb geworden...
    Vielleicht täuschen wir uns ja beide;-)

    [Gekürzt, bitte verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen, auch wenn diese als Spaß gemeint sind. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • Chali
    • 13.07.2010 um 11:04 Uhr

    Überaus bösartig, das!
    Wenn ich nun "INSM-Vereinspostille" schreiben würde!

    Ich habe das Blatt abbestellt, als Gabor Steingard empfohlen hat, man sollte sich doch endlich von den Relikten des 19.Jahrhunderst trennen solle (Er meinte damit die deutsche Maschinenindustrie) und statt dessen doch Milliardden mit Finanz-Industrie und Versicherungs-Wirtschaft verdienen sollte.

  4. "Ich habe Journalismus nie als politisches Instrument betrachtet, sondern immer eher so wie Augstein: Schreiben, was ist.«"
    Das ich nicht laut lache. Wenn es eines weiteren Beweises bedurfte, dann ist es dieser Artikel: Die unselige Verquickung von Politik, Wirtschaft und Journalismus ist keine Fata Morgana, sie ist in dieser Gesellschaft gelebte Realiatet. Die sogenannte und vielgepriesene Unabhaengigkeit von Journalismus als seibsternannte "vierte Gewalt" im Staate dagegen ist die reine Fiktion, ist Marketing fuer die Gesellschaftsform "Demokratie" und wird tagtaeglich ad absurdum gefuehrt.

  5. "Stefan Aust hat eine sehr lange journalistische Karriere hinter sich und eine sehr kurze akademische im Fach Betriebswirtschaftslehre. Vier Mal war er nach eigenem Bekunden in der Universität: zum Einschreiben, zum Belegen der Seminare, zum Sommerfest – und zu einer Vorlesung. Diese Lehrstunde hinterließ einen tiefen Eindruck. Aust begegnete dem Begriff der »Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals«."

    Ich hatte in den Endsechzigern und Siebzigern immer wieder mal privat mit Stefan Aust zu tun. Auf einem seiner Geburtstage gab es interessante Begegnungen mit Bott und Bissinger im Forsthaus nahe Lamstedt. Übrigens habe ich ihn als ausgesprochen freundlich und charmant in Erinnerung. Er war nicht so der typische linke Intellektuelle. Stefan war schon damals durch und durch ein Macher; mit Hang zum Anarchischen. Stefan hat ein Leben lang nur das getan, wozu er wirklich Lust hat.

    Wir haben zur selben Zeit an der Hamburger Universität Soziologie studiert. Die Geschichte mit der BWL sollten Sie vielleicht noch mal recherchieren Frau Marohn. Und vier mal; da hat er wohl ein wenig kokettiert. Er wollte mal schnell promovieren. So hat er das einer gemeinsamen Freundin erzählt. Das klappte dann doch nicht so im Schnellerfahren. Allerdings war er zu der Zeit schon erfolgreich bei Panorama.

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