Wenn man sich vor Augen hält, mit welcher Leidenschaft in Deutschland über deutsche Würste diskutiert wird, sollte man meinen, das Grillen wäre speziell für uns Deutsche erfunden worden.

Einmal aufgestellt, musste mein Grill noch lange unter dem Dach der Remise warten, bevor er benutzt wurde. Bekanntlich war das Wetter in unseren Regionen bis in den Frühsommer saukalt, und niemand geht auf eine Party, wenn er dort dick vermummt auf nassem Rasen stehend essen muss.

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Vorsichtshalber habe ich zunächst einen Selbstversuch gemacht. Ich habe den Deckel geöffnet und das Gas gezündet. Das darf niemals bei geschlossenem Deckel geschehen, warnt die Gebruiksaanwijzing . Weil, so vermute ich, das Gaskraftwerk auch in die Luft fliegen kann. Jetzt darf ich den Rost auflegen und den Deckel schließen und einige Minuten warten, bis das eingebaute Thermometer die gewünschte Hitze anzeigt, sodass ich nur noch mit feuerfesten Handschuhen arbeiten kann.

Zuerst aber musste ich vier "Delikatess Bratwürste (knackig, lecker, klimaneutral)" aus ihrer verschweißten Packung befreien. Sie stammten aus dem "Ökoland" und "retten die Welt", weil sie CO₂-neutral und ohne Zusatzstoffe hergestellt seien.

Die Weltretter waren fingerdick und zirka 20 Zentimeter lang. Als ich sie aus ihrer Plastikhülle befreit hatte, fühlten sie sich glitschig an wie Schlangen. Wenn sie nicht schwarz verbrennen, nicht platzen und nicht von einem Adler entführt werden, sind sie in acht Minuten fertig.

Nicht jede Wurst macht auf dem Grill eine gute Figur. So die Salami und alle harten Würste, die getrocknet und geräuchert in den Handel kommen. Haben sie aber einen weichen Inhalt, dann nichts wie rauf auf den heißen Rost! Sogar die Münchner Weißwurst, die normalerweise gekocht und mittags gegessen wird, gibt ihren Widerstand gegen die Gluthitze auf und platzt bereits nach wenigen Sekunden. Dazu neigen weiche Würste sowieso, also sollte man die Hitze reduzieren, wenn sie an der Reihe sind. Das ist die einzige Regel, die für alle Würste gleichermaßen gilt. Alles andere wie nachwürzen, mit Gartenkräutern bestreuen, einölen ist unsinnig, weil die Qualität einer Wurst vom Hersteller bestimmt wird durch die Aromen, die er zusammen mit der Farce in die Därme stopft.

Aber gewiss doch, gnädige Frau, die Wurstpelle besteht aus dem Darm der Schweine (meistens) und anderer Tiere, welche oft aus dem Ausland importiert werden, weil unsere Landsleute die Arbeit des Darmwaschens nur ungern verrichten. Das ruft dann schon mal den Tierschutz auf den Plan, wie in der Schweiz, weil südamerikanische Darmlieferanten ganze Antilopenvölker abschlachten, nur um Därme für Schweizer Wurststopfer waschen zu können. Doch Würste mit Kunstdärmen sind für den Grill ungeeignet, weil unser Organismus nicht daran gewöhnt ist, Plastik als essbar zu akzeptieren.