Interview Guido Westerwelle "Das akzeptiere ich nicht"Seite 5/5

ZEIT: In Ihrer Partei ist die Frage aufgekommen, ob Sie genug Zeit haben für beide Ämter: Parteichef und Außenminister. Wie wollen Sie damit umgehen?

Westerwelle: Die Schnittmengen zwischen Innen- und Außenpolitik sind sehr viel größer, als gelegentlich angenommen wird. Die Bemühung, unsere Währung zu stabilisieren, ist ein gutes Beispiel dafür.

Anzeige

ZEIT: Was ist eigentlich beim Thema Afghanistan das kommunikative Hauptziel: Zustimmung für einen ungeliebten Einsatz gewinnen oder vermitteln, dass wir so schnell wie möglich abziehen?

Westerwelle: Ich bin gar nicht unglücklich darüber, dass die deutsche Bevölkerung bei Auslandseinsätzen eine gesunde Grundskepsis hat. Denn gleichzeitig hat sie bei der Bundestagswahl den drei größten Parteien, die den Afghanistaneinsatz klar befürworten, zusammen etwa 75 Prozent der Stimmen gegeben. Unsere Aufgabe ist es, die Notwendigkeit des Einsatzes auch dann zu vermitteln, wenn es wieder furchtbare Anschläge gegeben hat. Gleichzeitig muss die Politik immer wieder deutlich machen, dass dieser Einsatz nicht auf Dauer stattfinden soll. Wir wollen in den nächsten drei Jahren die Abzugsperspektive erarbeiten. Das beginnt jetzt regional, vielleicht noch dieses, sicherlich nächstes Jahr. 2014 soll Afghanistan so weit sein, dass die afghanische Regierung die Sicherheitsverantwortung in vollem Umfang übernehmen kann. Das heißt aber nicht, dass dann alle Soldaten draußen und Entwicklungshilfe, Infrastruktur- und Aufbauhilfe nicht mehr nötig wären.

ZEIT: Beim Überfall auf den Hilfskonvoi für Gaza war uns Deutschen gleich klar: Das geht uns an, weil es um Israel geht. Es geht auch um die Türkei, aber das löst keinen solchen Reflex aus. Wie kommt das?

Westerwelle: Die internationale Rolle der Türkei muss man ganz unabhängig von diesem konkreten Fall genau betrachten. Ob es um Iran, Nahost oder andere globale Fragen geht – die Türkei hat sich eine einflussreiche Stellung in der Welt erobert. Insofern wird bei uns zu kurzatmig diskutiert, wenn man die Debatte auf eine mögliche Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union beschränkt. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die globale Statik derzeit dramatisch verändert. Länder wie die Türkei gewinnen neben den aufstrebenden Staaten Asiens und Lateinamerikas wirtschaftlich und auch politisch an Gewicht. Wir Deutsche müssen uns sehr viel stärker um die Türkei kümmern, außen- wie wirtschaftspolitisch, auch weil wir eine sehr starke türkische Gemeinde in Deutschland haben.

ZEIT: Bekommen Sie Ihren Koalitionspartner irgendwann von der »privilegierten Partnerschaft« runter?

Westerwelle: Das Wort ist doch lange nicht mehr gefallen, auch nicht in anderen europäischen Regierungen, die es gelegentlich bemüht haben. Ich hoffe, alle merken, dass wir nüchtern diskutieren und keine Fragen vorwegnehmen sollten, die sich erst in einigen Jahren stellen.

Das Gespräch führten Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

 
Leser-Kommentare
    • Slink
    • 08.07.2010 um 16:12 Uhr

    "Gerade dann muss man auf das setzen, was die Bürger erwarten: nämlich dass man richtige Politik für die Zukunft macht..."

    Ergo: gib's auf Guido, bevor es noch peinlicher wird!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 08.07.2010 um 18:41 Uhr

    ....einseitigen Berichterstattung der hiesigen Medien. (siehe auch 46)

    Wo bitte schön sollen die bösen Medien denn Westerwelle etwas in den Mund gelegt haben, was dieser überhaupt nicht gesagt oder gemeint hat? Seine Vorfürfe ("aus dem Zusammenhang gerissen", "mit Verdrehungen gearbeitet", "auf ein Schlagwort verkürzt") sind doch die billigste Art der Verleugnung von persönlicher Verantwortung. Er ist es doch der die Tatsachen aufs übelste verdreht ("in NRW wird eine Linksregierung vorbereitet"), der polemisch hetzt ohne brauchbare Vorschläge zu machen (oder kennen Sie auch nur einen einzigen intelligenten konkreten Vorschlag von ihm zum Umbau der Sozialstaates? Schneeschippen? Das käme aktuell bestimmt gut! "Bürgergeld"? Eine blumige Worthülse, mehr nicht!). Und dass er seinen Dauer-Kotau vor den Lobbyisten der Rebublik ohne Unterbrechung fortzusetzen gedenkt (Kernkraft als Zukunftstechnologie!!! Ich könnte mich schlapplachen, wenn der Mann infolge seiner Macht nicht so gefährlich wäre), zeigt dieses Interview mal wieder mehr als deutlich. Nein, Westerwelle ist alles Mögliche, aber ganz bestimmt kein Opfer der Medien.

    • joG
    • 08.07.2010 um 18:41 Uhr

    ....einseitigen Berichterstattung der hiesigen Medien. (siehe auch 46)

    Wo bitte schön sollen die bösen Medien denn Westerwelle etwas in den Mund gelegt haben, was dieser überhaupt nicht gesagt oder gemeint hat? Seine Vorfürfe ("aus dem Zusammenhang gerissen", "mit Verdrehungen gearbeitet", "auf ein Schlagwort verkürzt") sind doch die billigste Art der Verleugnung von persönlicher Verantwortung. Er ist es doch der die Tatsachen aufs übelste verdreht ("in NRW wird eine Linksregierung vorbereitet"), der polemisch hetzt ohne brauchbare Vorschläge zu machen (oder kennen Sie auch nur einen einzigen intelligenten konkreten Vorschlag von ihm zum Umbau der Sozialstaates? Schneeschippen? Das käme aktuell bestimmt gut! "Bürgergeld"? Eine blumige Worthülse, mehr nicht!). Und dass er seinen Dauer-Kotau vor den Lobbyisten der Rebublik ohne Unterbrechung fortzusetzen gedenkt (Kernkraft als Zukunftstechnologie!!! Ich könnte mich schlapplachen, wenn der Mann infolge seiner Macht nicht so gefährlich wäre), zeigt dieses Interview mal wieder mehr als deutlich. Nein, Westerwelle ist alles Mögliche, aber ganz bestimmt kein Opfer der Medien.

    • BerndL
    • 08.07.2010 um 16:19 Uhr
    • XYZett
    • 08.07.2010 um 16:20 Uhr

    Der deutsche Außenminister ist in der Türkei zu Besuch und sagt: "wir stehen zu unserem Wort für offene Verhandlungen". Zur gleichen Zeit verlangt der eigene Regierungspartner, dass man sofort und vor Ort der Türkei klar machen soll, dass sie nie in die EU aufgenommen werden. Was ist das für ein Armutszeugnis der CSU. Aber was mich noch viel mehr verwundert, ist die Tatsache, dass es unter den Konservativen keinen gibt, der dieser "Wildsau"-Truppe diplomatische Manieren beibringt und solche außenpolitischen Fehler unbestraft lässt.
    Die Konservativen in Deutschland sind halt auch nicht mehr dass was sie einmal waren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ist eine der wenigen Parteien, die noch sowas wie eine breite Basis hat. Erodierend zwar, aber noch weit weg von dem unerträglichen Opportunismus/Pragmatismus und der political correctness der CDU und diverser anderer Parteien-Gruppierungen.

    Ich freue mich immer, wenn mal wieder irgendein Bayer in die selige Parteien-Gemeinsamkeit grätscht und was Unanständiges, angeblich vollkommen weltfremdes, laut rausposaunt. Letztlich natürlich recht durchschaubar, aber es hat sowas hemdsärmeliges, so etwas wie: "bis hierhin und nicht weiter". Was man bei den stromlinienförmigen Karriereseilschaftern in Berlin kaum noch findet. Selbst die Ausfälle eines Westerwelle und Sarazzin wirken dagegen irgendwie gestellt, berechnet, unehrlich, übertrieben und einseitig nur gegen die Schwachen gerichtet.

    Ich meine das ist in Bayern noch nicht ganz so, etwa wenn ein Peter Gauweiler gegen die EU-"Verfassung" klagt, dann hat das eher was von David gegen Goliath. Einer gegen den Rest der bornierten Berliner Republik.

    ... ist eine der wenigen Parteien, die noch sowas wie eine breite Basis hat. Erodierend zwar, aber noch weit weg von dem unerträglichen Opportunismus/Pragmatismus und der political correctness der CDU und diverser anderer Parteien-Gruppierungen.

    Ich freue mich immer, wenn mal wieder irgendein Bayer in die selige Parteien-Gemeinsamkeit grätscht und was Unanständiges, angeblich vollkommen weltfremdes, laut rausposaunt. Letztlich natürlich recht durchschaubar, aber es hat sowas hemdsärmeliges, so etwas wie: "bis hierhin und nicht weiter". Was man bei den stromlinienförmigen Karriereseilschaftern in Berlin kaum noch findet. Selbst die Ausfälle eines Westerwelle und Sarazzin wirken dagegen irgendwie gestellt, berechnet, unehrlich, übertrieben und einseitig nur gegen die Schwachen gerichtet.

    Ich meine das ist in Bayern noch nicht ganz so, etwa wenn ein Peter Gauweiler gegen die EU-"Verfassung" klagt, dann hat das eher was von David gegen Goliath. Einer gegen den Rest der bornierten Berliner Republik.

  1. Selten so einen verlogenen Murks gelesen. Gibt es eigentlich noch irgentjemand, der diesem Herren Glauben schenkt?

    Anmerkung: Bitte bemühen Sie sich trotz Ihrer Empörung, um eine angemessene und respektvolle Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km

  2. ... ist eine der wenigen Parteien, die noch sowas wie eine breite Basis hat. Erodierend zwar, aber noch weit weg von dem unerträglichen Opportunismus/Pragmatismus und der political correctness der CDU und diverser anderer Parteien-Gruppierungen.

    Ich freue mich immer, wenn mal wieder irgendein Bayer in die selige Parteien-Gemeinsamkeit grätscht und was Unanständiges, angeblich vollkommen weltfremdes, laut rausposaunt. Letztlich natürlich recht durchschaubar, aber es hat sowas hemdsärmeliges, so etwas wie: "bis hierhin und nicht weiter". Was man bei den stromlinienförmigen Karriereseilschaftern in Berlin kaum noch findet. Selbst die Ausfälle eines Westerwelle und Sarazzin wirken dagegen irgendwie gestellt, berechnet, unehrlich, übertrieben und einseitig nur gegen die Schwachen gerichtet.

    Ich meine das ist in Bayern noch nicht ganz so, etwa wenn ein Peter Gauweiler gegen die EU-"Verfassung" klagt, dann hat das eher was von David gegen Goliath. Einer gegen den Rest der bornierten Berliner Republik.

  3. äußert und was er zu tun gedenkt, um die durch Abbau von Reglementierung - sprich Liberalisierung - entstandenen Probleme zu lösen.

    "Wir müssen in Deutschland die Politik stärker auf die Zukunftsgestaltung ausrichten als auf eine Verwaltung von Gegenwartsproblemen."

    Ohne die Verwaltung (Lösung) der Gegenwartsprobleme lässt sich keine Zukunft gestalten!

    "Das ist der eigentliche Anspruch – neben der Philosophie des Liberalismus, dass Freiheit vor Gleichheit kommt, ..."

    Falsch! Ohne Gleichheit (für alle, z.B. vor dem Gesetz) kann es keine Freiheit (für alle) geben. Freiheit und Gleichheit bedingen sich gegenseitig. Das sollte auch Herr Westerwelle wissen. Das er die Brüderlichkeit erst gar nicht erwähnt hat, verwundert nicht - die wird von ihm und seiner Partei schon dem Kommunismus zugeordnet.

  4. Das ist aber eine noch sehr nette Umschreibung. Ich hoffe, dass der Minister für solch eine DREISTE LÜGE weitere Symphathie-Punkte verliert und mit ihm seine Partei.
    Diese gehört in den Orkus der Bedeutungslosigkeit- für immer!

    Oder meinte er die Kaufkraft der Hoteliers?
    Dann nehme ich natürlich alles zurück..

    Antwort auf "Fast..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service