Weltwirtschaft Ein Sommerhoch

Der Jubel über das Ende der Krise kommt zu früh. Noch können Banken scheitern und Staaten pleitegehen

Sommer 2010. Der deutsche Aktienindex steigt auf über 6000 Punkte. Investoren und Konsumenten sind unerwartet optimistisch. Die Exportindustrie hamstert Aufträge. Und die Ökonomen sagen ein Wirtschaftswachstum von fast zwei Prozent voraus.

Ist die Krise vorbei?

Anzeige

Leider nicht. Ähnliche Erfolgsmeldungen gab es schon zum Ende des Winters – bis Südeuropa die Pleite drohte , der Euro abrutschte und die EU in höchster Not ein Rettungspaket von einer halben Billion Euro schnürte.

Immer noch ist es möglich, dass Griechenland umschuldet. Was so technisch harmlos klingt, wäre ein historischer Akt. Ein Euro-Land würde seine Pleite eingestehen, weil es seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Die Gläubiger aus aller Welt müssten auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Der Ruf des Euro wäre ramponiert. Zum Abenteuer geriete ein solcher Akt, gäbe es bis dahin noch keine Insolvenzordnung für Euro-Länder – also einen vorgezeichneten Weg aus der Pleite. Berlin versucht zu Recht, diese Ordnung in Brüssel durchzusetzen.

Die Krise ist vorbei? Wer »Krise« nur als aktuellen Absturz der Konjunktur begreift, muss sagen: Ja, das Wachstum ist zurückgekehrt, der Albtraum vorüber. Doch das hieße, sich zurückzulehnen, wo Wachsamkeit angebracht ist. Tatsächlich leben wir seit zwei Jahren in einer Weltwirtschaft, die abwechselnd in höchste Gefahr gerät und sich dann wieder entspannt. Krise, das ist, richtig betrachtet, eine Phase extremer wirtschaftlicher Unsicherheit mit teilweise explosionsartigen Entwicklungen – dem Scheitern von Lehman Brothers, dem Absturz des Welthandels kurz danach, dem drohenden Bankrott Griechenlands, Spaniens und Co. ein gutes Jahr später.

Alles begann mit der Bankenkrise – und die ist noch nicht bewältigt

Natürlich kann jetzt auch alles gut gehen, die Konjunktur weltweit ein schönes V beschreiben – und nach dem Niedergang nun also auf Jahre hinaus kräftig zulegen. Dann können die Staaten ihrer Schulden Herr werden, die allermeisten Banken ihre Bilanzen bereinigen, die Unternehmen investieren. Im wunderbaren Land des Wachstums geht fast alles leichter von der Hand.

Doch damit es so kommt, muss sehr vieles sehr gut laufen. Extrem gut sogar.

Das beginnt in Deutschland, das besser über die Runden gekommen ist als die meisten Industrieländer – egal, ob man die Arbeitslosigkeit zum Maßstab nimmt, die öffentliche Verschuldung oder die Auftragslage der Unternehmen. Angefangen aber hat alles mit der Bankenkrise, und die haben wir keineswegs bewältigt. Fern ihres öffentlichen Auftrags haben sich viele Landesbanken verzockt und liegen dem Steuerzahler milliardenschwer auf der Tasche – ohne dass der Staat die Konsequenzen gezogen hätte. Längst sind sich Kenner nahezu einig, dass zwei solcher Institute in Deutschland ausreichend wären. Trotzdem machen acht Landesbanken auf der verzweifelten Suche nach ihrer Daseinsberechtigung die Republik unsicher. Auch private Banken hängen am Tropf der Zentralbank, die ihnen Abermilliarden fast kostenlos leiht und ihnen auch noch die Anleihen gefährdeter Euro-Länder abkauft .

Leser-Kommentare
  1. 1. . . .

    "Berlin muss zeigen, ob es das Zeug zum Architekten der Zukunft hat."

    Die Regierung in Berlin müsste erstmal zeigen, dass sie ÜBERHAUPT eine Zukunft hat!

  2. Die Bedrohung durch den Klimawandel und anderer Weltkrisen sollte endlich vom quantitativen Wachstumsfetischismus zu einer "grünen Revolution" in Richtung eines Green New Deal zwingen, für die mittlerweile sogar in den USA plädiert wird - so z.B. Thomas Friedman.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auch nur einseitiger Ökopopulismus !

    • joG
    • 16.07.2010 um 14:39 Uhr

    .... Revolution. Hatten Sie das nicht mitbekommen? Sie ist verantwortlich dafür, dass so viele Menschen leben können, bzw nicht verhungert sind.

    Es wird ganz anders kommen ... Die USA wird pleite gehen und wir mit. Es wird auch Zeit das dieses korrupte System und damit meine ich auch nser Gesundheitssystem (welches in wirklichkeit ein KRANKHEITSSYSTEM ist) und unser beschissens profitorientiertes Zinssystem (welches noch nie auf Dauer funtioniert hat) zusammenbrechen wird. Es wird Zeit die Möhrchen selber anzupflanzen ! Achja ... und nach dem Zusammenbruch wird eine neue Weltordnung entstehen, die nicht aus Kriegen, Macht Unterdrückung und Ausbeutung besteht.

    Schöne Grüße ! Euer "Verschwörungstheoretiker" **rofl**

    auch nur einseitiger Ökopopulismus !

    • joG
    • 16.07.2010 um 14:39 Uhr

    .... Revolution. Hatten Sie das nicht mitbekommen? Sie ist verantwortlich dafür, dass so viele Menschen leben können, bzw nicht verhungert sind.

    Es wird ganz anders kommen ... Die USA wird pleite gehen und wir mit. Es wird auch Zeit das dieses korrupte System und damit meine ich auch nser Gesundheitssystem (welches in wirklichkeit ein KRANKHEITSSYSTEM ist) und unser beschissens profitorientiertes Zinssystem (welches noch nie auf Dauer funtioniert hat) zusammenbrechen wird. Es wird Zeit die Möhrchen selber anzupflanzen ! Achja ... und nach dem Zusammenbruch wird eine neue Weltordnung entstehen, die nicht aus Kriegen, Macht Unterdrückung und Ausbeutung besteht.

    Schöne Grüße ! Euer "Verschwörungstheoretiker" **rofl**

  3. auch nur einseitiger Ökopopulismus !

  4. Ich denke die Auswirkungen der Zockerbanken auf die Realwirtschaft kann man in Grenzen halten, wenn Unternehmen einfach geschlossen zu Banken wechseln, die nicht in riskanten Spekulationsgeschäften tätig sind. Die Realwirtschaft muss entkoppelt werden von diesen Praktiken.

    Natürlich wird dann immernoch mit Währungen, Rohstoffen oder ähnlichem gezockt, aber es besteht Hoffnung das diese Geschäfte per Regulierungen eingeschränkt werden.

    Und dann sollen Sie bitte einfach untergehen die Banken. Wer hoch hinaus will fällt auch tief. Es kann jawohl nicht so schwer sein zu verhindern, dass der tiefe Fall andere mitzieht. Wenn die Banken wirklich so mächtig sind, dass sie jede Regulierung auf absehbare Zeit verhindern können, müssen wir alles daran setzen ihnen das Kapital zu entziehen.

    Privathaushalte sollten geschlossen zu genossenschaftsbanken wechseln genauso wie Mittelstandsunternehmen. Und wer eine Lebensversicherung abschliesst, sollte genau nachfragen diese ihr Geld anlegt.

  5. "Als Feuerwehrmann in der Krise war die deutsche Politik zur Stelle, als Architekt der Zukunft erweist sie sich bisher nicht."

    Wenn Angela Merkel offenlegte, welche zukünftige Ordnungsarchitektur sie mit ihrem 'ORDOliberalismus globalisieren' meint, dann würden die Herren ZEIT-Journalisten wahrscheinlich von Utopismus reden.

    Man muß nur Kurt Biedenkopfs SPIEGEL-Interview v. 27.7.2009 'In der Wachstumsfalle', lesen. Dort ortet er die staats- und privat-schuldengetriebene Wachstumspolitik in den entwickelten Industriestaaten als Quelle der diversen Blasen. Und aus diesem 2%Wachstumszwange-Regime müssen wir diesmal ‘raus.

  6. Die Schulden sind die eine Seite der Medaille, der angehäufte Reichtum die Kehrseite derselben Medaille. Sollte diese Medaille untergehen. so wird beides nivelliert.
    Der Reichtum kann ja nur durch Zinsoptionen entstehen: "Das Geld arbeitet für mich"
    Die Zentralbanken (EZB etc) haben hier krass versagt. Diese Banken haben die Aufgabe den Geldbedarf der realen Wirtschaft an Laufen zu halten. Leider haben sie auch den "Geldbedarf" des Finanzmarktes bedient und damit bilden sich eben "Blasen" die irgendwann platzen und Geld vernichten.
    Das sich z.Zt. im Umlauf befindliche Geld entspricht bei weitem nicht mehr dem Bedarf der Real-Wirtschaft. Hier müssten die Zentralbank langsam aber sicher dieses Geld einsammeln und gut in den Tresoren verstauen. Und den USA müßte man die Gelddruckmaschiene rigoros wegnehmen.

    Aber unsere Politiker sind einer solchen Aufgabe einfach nicht gewachsen. Schäuble ohne Macht in der CDU, Merkel ist sowieso immer noch nur "Kohls"-Mädchen, das nur nach Machterhalt arbeitet.
    Aber gemach, spätestens 2013 kommt ihr Waaterloo

  7. "Immer noch finanzieren die Amerikaner viele Importe, indem sie sich im Ausland weiter und weiter verschulden."

    Die Nettoauslandsschulden der USA sind in 2009 um 738Mrd. dank des Finanzkasinos gesunken. Die USA haben nun wirklich kein Interesse den Finanzmarkt zu ihrem Ungunsten zu verändern. Und die Leichen im Keller, der deutschen Banken, die sie in den USA erworben haben sind noch lange nicht beseitigt und werden sich für uns als Mühlstein erweisen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 16.07.2010 um 14:41 Uhr

    ....dass man hier selbst viel stärker im Ausland verschuldet ist als die Amerikaner das sind. Nur sagt das niemand.

    Die paar US-Subprimes in den Kellern einiger deutschen Landesbanken sind ein minimales Problem. Es geht um die selbst-fabrizierte Billionenverschuldung Europas. Das Glück für den unbeteiligten Rest der Welt ist, dass die EU-Nationen lediglich gegeneinander verschuldet sind.

    • joG
    • 16.07.2010 um 14:41 Uhr

    ....dass man hier selbst viel stärker im Ausland verschuldet ist als die Amerikaner das sind. Nur sagt das niemand.

    Die paar US-Subprimes in den Kellern einiger deutschen Landesbanken sind ein minimales Problem. Es geht um die selbst-fabrizierte Billionenverschuldung Europas. Das Glück für den unbeteiligten Rest der Welt ist, dass die EU-Nationen lediglich gegeneinander verschuldet sind.

    • joG
    • 16.07.2010 um 14:39 Uhr

    .... Revolution. Hatten Sie das nicht mitbekommen? Sie ist verantwortlich dafür, dass so viele Menschen leben können, bzw nicht verhungert sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service