Hamburger Schulreform Der Glaubenskrieg
Sollen Schüler länger gemeinsam lernen? So will es die Politik in Hamburg und NRW. Der Schaden wäre groß
Auf den ersten Blick klären die Hamburger an diesem Sonntag per Volksentscheid eine wenig aufregende Frage: Sollen die Kinder der Hansestadt künftig sechs Jahre lang die Grundschule (dann »Primarschule« genannt) besuchen? So jedenfalls will es der Senat aus CDU und Grünen, so wollen es auch die SPD und die Linkspartei. Oder bleibt es bei der vierjährigen Grundschulzeit? Dafür engagiert sich eine Elterninitiative, die mit einer überraschend erfolgreichen Unterschriftensammlung den Volksentscheid erzwungen hat.
Doch im Kern geht es um eine Frage, die weit über den Stadtstaat hinausreicht : Werden die Schulen, von denen die Zukunft unseres Landes abhängt, wieder zum Ort von Glaubenskriegen? Oder setzt sich die Vernunft durch? Also eine Politik, die pragmatisch, gestützt auf Erkenntnisse der Bildungsforschung, unsere Schulen voranbringt. Auch darüber entscheiden die Hamburger am Sonntag.
Die Bildungspolitik muss sich auf die Hilfe für die Schwachen konzentrieren
Für die sechsjährige Primarschule spricht allein der Glaube an die Vorteile des – so die Modefloskel – »längeren gemeinsamen Lernens«. Dieser Glaube treibt auch die SPD und die Grünen in Nordrhein-Westfalen, die bis 2015 dreißig Prozent der Schulen des Bundeslandes in sogenannte Gemeinschaftsschulen umwandeln wollen. Im Gegensatz zur Zwangsbeglückung nach Hamburger Art immerhin mit dem Versprechen, dies solle auf freiwilliger Basis geschehen.
Das »längere gemeinsame Lernen« werde, so die Überzeugung seiner Unterstützer – und der gute Wille sei ihnen nicht abgesprochen –, mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen. Kinder aus sozial schwachen Familien könnten demnach in der Gemeinschaft mit Kindern aus höheren Bildungsschichten mehr lernen, als wenn die Schüler nach der vierten Klasse auf verschiedene Schularten aufgeteilt werden. Das Ziel ist lobenswert, sogar sehr wichtig, denn das deutsche Schulsystem hat sich im internationalen Vergleich als ungerecht erwiesen.
Allein – es gibt keinen Beleg dafür, dass dieses Ziel durch längeres gemeinsames Lernen erreicht wird. Zwar deuten statistische Berechnungen vage darauf hin. Aber es gibt handfeste Gegenbeispiele. Die Niederlande und Belgien etwa verfügen über eine sechsjährige Grundschule und sind, wie die Pisa-Studie zeigt, sozial noch ungerechter als Deutschland. Und welches Bundesland zeigte sich bei dem jüngsten Ländervergleich der Schülerleistungen als das ungerechteste? Es war Berlin, wo die Kinder sechs Jahre lang gemeinsam die Grundschule besuchen. Dort ist die Leseleistung der Schüler, wie es die Bildungsforscher formulieren, am stärksten an ihre soziale Herkunft gekoppelt.
Es ist erstaunlich, wie hartnäckig von den Anhängern des längeren gemeinsamen Lernens auch die Studie des Züricher Bildungsforschers Helmut Fend ignoriert wird. Fend, ursprünglich ein Befürworter der Gesamtschule, hat die Bildungsbiografien hessischer Schüler untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: Die soziale Herkunft der Schüler bestimmt deren Schul- und Berufsabschlüsse – unabhängig davon, ob sie vorher eine Gesamtschule oder eine Schule des gegliederten Systems besucht haben.
Man könnte die schulpolitischen Glaubenskrieger gewähren lassen, aber sie richten in zweierlei Hinsicht großen Schaden an:
Erstens zerschlagen sie ohne Not funktionierende Strukturen. In unserem problembeladenen Schulsystem erbringen die bei den Eltern beliebten Gymnasien ganz passable Leistungen. Ihnen nach der Belastung durch die Gymnasialzeitverkürzung (G8) nun zwei weitere Klassen zu amputieren ist abenteuerlich. Sich zu den vorhandenen Problemen des Schulsystems noch neue zu schaffen ist eine Torheit.
- Datum 16.07.2010 - 10:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 103
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Ich halte diesen Artikel für ziemlich einseitig.
Aus meiner Sicht ist das gemeinsame Lernen schon vorteilhaft (und man könnte es ja bei einer Schulreform mit weiteren Vorteilen verknüpfen).
Ich halte die Tragweite der Entscheidung pro/contra Gymnasium in der 4. Klasse noch gar nicht für absehbar. Oft entwickeln sich Schüler ja später noch komplett anders - sowohl von Interessen als auch vom Lernverhalten her. Ein unnötiges Hin- und Herspringen zwischen den Schulen ist dann auch nicht besonders hilfreich. Deshalb finde ich das derzeit in Deutschland verbreitete Modell relativ ungünstig.
Man sollte ja nicht immer mit "früher war alles besser" argumentieren. Allerdings: in meiner eigenen Schulzeit sind wir nach der 8. Klasse zum Gymnasium gewechselt. Zu dieser Zeit kann man schon viel besser eine mögliche Zukunftsperspektive entwickeln und die passende Schule auswählen.
Förderung von guten Schülern muss nicht auf das Gymnasium beschränkt sein!
....des Bildungsweges die besten Ergebnisse bringt, nicht richtig beurteilen. Da habe ich Studien gelesen, die das Eine und dessen Gegenteil besagten und habe ungenügendes Interesse, die Studien zu untersuchen, um fest zu stellen welche worin irren. Ich glaube aber aus dem, was ich las, dass keiner weiß, wie es am Besten geht.
Das spricht gegen eine Vereinheitlichung der Schulen, wie wir sie hier vornehmen. Denn, wenn wir einen Weg auswählen, der schlechter ist, so trifft diese Entscheidung alle. Wenn aber Schulen frei von den Direktoren oder Eigentümern gestaltet werden können, so irrt Dieser und Jener irrt nicht. Der Schaden ist weit geringer.
Die "sozialen" Aufgaben kann der Staat über eine Kette Schulen erfüllen, die er unterhält. Einen Qualitätsnachweis kann man erbringen indem Jahresabschlussprüfungen zentral entworfen werden und von allen Schülern unternommen werden. Hier könnten Unis, Industrieverbände, Kirchen oder Gewerkschaften ihren Input leisten oder man wählt einfach das Gremium direkt.
....des Bildungsweges die besten Ergebnisse bringt, nicht richtig beurteilen. Da habe ich Studien gelesen, die das Eine und dessen Gegenteil besagten und habe ungenügendes Interesse, die Studien zu untersuchen, um fest zu stellen welche worin irren. Ich glaube aber aus dem, was ich las, dass keiner weiß, wie es am Besten geht.
Das spricht gegen eine Vereinheitlichung der Schulen, wie wir sie hier vornehmen. Denn, wenn wir einen Weg auswählen, der schlechter ist, so trifft diese Entscheidung alle. Wenn aber Schulen frei von den Direktoren oder Eigentümern gestaltet werden können, so irrt Dieser und Jener irrt nicht. Der Schaden ist weit geringer.
Die "sozialen" Aufgaben kann der Staat über eine Kette Schulen erfüllen, die er unterhält. Einen Qualitätsnachweis kann man erbringen indem Jahresabschlussprüfungen zentral entworfen werden und von allen Schülern unternommen werden. Hier könnten Unis, Industrieverbände, Kirchen oder Gewerkschaften ihren Input leisten oder man wählt einfach das Gremium direkt.
In der Tat ist die von ideologisierten Gutmenschen wie Frau Goetsch und naiven Systemveränderen wie von Beust am grünen Tisch beschlossene "Schulreform" nichts als Geldverschwendung. Nicht längere Gemeinschaftschulen mit unglaublichen Folgekosten für Unterhalt und Organisation sind das Gebot der Stunde, sondern Binnendifferenzierung in heterogenen Klassen, individuelle Förderung der Schwachen und frühestmögliche Vermittlung guter Deutschkenntnisse für Migrantenkinder in Krippe und Kita. Dafür sollten Regierungen investieren. Hoffentlich weisen die Hamburger mit einer Ablehung der "Schulreform" am Sonntag ihrem fehlgeleiteten Senat dazu den Weg !
[Anm.: Bitte beachten Sie, dass das Wort "Gutmensch" als hämische Beleidigung hier nicht erwünscht ist. Danke. /Die Redaktion pt.]
In der Tat ist die von ideologisierten Gutmenschen wie Frau Goetsch und naiven Systemveränderen wie von Beust am grünen Tisch
Wirklich empfehlenswert:
Grüner Tisch? Frau Goetsch ist Grundschullehrerin und hat als solche gearbeitet.
Wie war das noch mit der Integration auch geistig behinderter Kinder?
Da weiß man doch auch, dass sie von dem selbstverständlichen Umgang und gemeinsamen Lernen mit normalen Kindern profitieren und desgleichen umgekehrt.
In Berlin gibt es übrigens die 6jährige Grundschulzeit und ich habe sehr wohl den Eindruck, dass das etwas entspanntere Verhältnisse schafft für die Kinder.
Nichts gehört über die zunehmenden Depressionen von Schulkindern durch den allgegenwärtigen Leistungsdruck?
Mein Eindruck ist da, dass ehrgeizige Eltern völlig unsozial denken und lästige Konkurrenz fern halten wollen.
http://www.youtube.com/wa...
Und wenn jetzt kommt, dass man immer zuerst und ausschließlich an das Wohl der eigenen Kinder denken solle, dann frage ich mich schon, zu welchen Egomanen und Egoisten diese Kinder erzogen werden sollen. Dann sollen sie später mit ihren tollen Berufen und Positionen wahrscheinlich bestenfalls karitativ tätig werden und von oben ein paar mildtätige Brosamen verstreuen, als dass durch gemeinsames Lernen eine gemeinsame Lebens- und Arbeitskultur geschaffen wird, die womöglich Brosamen überflüssig macht.
der von "ideologisierten Gutmenschen" und "naiven Systemveränderen" fabuliert, der muss wohl selbst ein idelogisierter, naiver, konservativer Bösmensch sein :)
Hinweis an die Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich.
...ja gerade nicht - im Gegenteil: In unserer Stadt wurde soeben eine wertvolle, Schwächere fördernde Grund-und Hauptschule aus Haushaltseinspargründen geschlossen - das Filetgrundstück an Bauträger verkauft. Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen: Erst wenn die reicheren Bildungsnahen Schulgeld zahlen müssen um es an die ärmeren Bildungsfernen umzuverteilen wird sich an der ungerechten Bildungspolitik etwas ändern.
....haben Sie auch Ihre Meinung. Wieso aber sollte ich dafür zahlen? Gründen Sie eine Schule, wie Freunde von mir getan haben und führen Sie die Kinder, deren Eltern bereit sind sie Ihnen anzuvertrauen und Ihnen sogar die Kosten dafür bezahlen zum Erfolg. Das gleiche Sollte für den Staat gelten, nachdem er die Hälfte der Schulen privatisiert und mit dem Erlös Schulden getilgt hat.
In der Tat ist die von ideologisierten Gutmenschen wie Frau Goetsch und naiven Systemveränderen wie von Beust am grünen Tisch
Wirklich empfehlenswert:
Grüner Tisch? Frau Goetsch ist Grundschullehrerin und hat als solche gearbeitet.
Wie war das noch mit der Integration auch geistig behinderter Kinder?
Da weiß man doch auch, dass sie von dem selbstverständlichen Umgang und gemeinsamen Lernen mit normalen Kindern profitieren und desgleichen umgekehrt.
In Berlin gibt es übrigens die 6jährige Grundschulzeit und ich habe sehr wohl den Eindruck, dass das etwas entspanntere Verhältnisse schafft für die Kinder.
Nichts gehört über die zunehmenden Depressionen von Schulkindern durch den allgegenwärtigen Leistungsdruck?
Mein Eindruck ist da, dass ehrgeizige Eltern völlig unsozial denken und lästige Konkurrenz fern halten wollen.
http://www.youtube.com/wa...
Und wenn jetzt kommt, dass man immer zuerst und ausschließlich an das Wohl der eigenen Kinder denken solle, dann frage ich mich schon, zu welchen Egomanen und Egoisten diese Kinder erzogen werden sollen. Dann sollen sie später mit ihren tollen Berufen und Positionen wahrscheinlich bestenfalls karitativ tätig werden und von oben ein paar mildtätige Brosamen verstreuen, als dass durch gemeinsames Lernen eine gemeinsame Lebens- und Arbeitskultur geschaffen wird, die womöglich Brosamen überflüssig macht.
der von "ideologisierten Gutmenschen" und "naiven Systemveränderen" fabuliert, der muss wohl selbst ein idelogisierter, naiver, konservativer Bösmensch sein :)
Hinweis an die Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich.
...ja gerade nicht - im Gegenteil: In unserer Stadt wurde soeben eine wertvolle, Schwächere fördernde Grund-und Hauptschule aus Haushaltseinspargründen geschlossen - das Filetgrundstück an Bauträger verkauft. Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen: Erst wenn die reicheren Bildungsnahen Schulgeld zahlen müssen um es an die ärmeren Bildungsfernen umzuverteilen wird sich an der ungerechten Bildungspolitik etwas ändern.
....haben Sie auch Ihre Meinung. Wieso aber sollte ich dafür zahlen? Gründen Sie eine Schule, wie Freunde von mir getan haben und führen Sie die Kinder, deren Eltern bereit sind sie Ihnen anzuvertrauen und Ihnen sogar die Kosten dafür bezahlen zum Erfolg. Das gleiche Sollte für den Staat gelten, nachdem er die Hälfte der Schulen privatisiert und mit dem Erlös Schulden getilgt hat.
Beim Status quo kann es nicht bleiben. 20% Bildungsverlierer eines Jahrgangs ist eine so erschreckende Zahl, dass es dringend und so früh wie möglich einzugreifen gilt.
Bisher sind Grundschulen weniger ins Visier geraten, sollen gar verlängert werden. Dabei wird übersehen - und in fast allen Studien nicht mitüberprüft - was Elternhäuser zu den Bildungserfolgen der Schüler beigetragen haben.
Die leichte Verbesserung der Gesamtleistung bei IGLU ist möglicherweise vorrangig Elternanstrengungen geschuldet.
Die Schulen sind in der Pflicht, sich gute und effektive Konzepte anzueignen, mit denen auch Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern unterstützt werden.
Leider dominieren in den Grundschulen ähnlich unausgegorene Vorstellungen wie "längeres gemeinsames Lernen". Hier heißt es dann "jahrgangsübergreifender Unterricht" und man möchte uns weismachen, dass Lernen besser vonstatten geht, wenn man die ohnehin vorhandene Heterogenität eines Jahrgangs noch künstlich weiter erhöht.
Das erste halbe Jahrhundert Schulpflicht hat die Analphabetenrate drastisch vermindert. Danach hat man sich auf den Erfolgen ausgeruht und die Schule zum Spielfeld für weitere Ziele gemacht und den eigentlichen Zweck als bekannt vorausgesetzt und unbeachtet gelassen.
Jetzt erhöht sich die Analphabetenrate wieder. Das muss dringend geändert werden.
Alle anderen Ziele wie Bildungsgerechtigkeit, demokratisches Lernen, soziales Lernen werden besser erreicht, wenn alle Schüler über Basisfertigkeiten verfügen.
Im Artikel heiß es, die Befürworter des längeren gemeinsamen Lernens "zerschlagen ohne Not funktionierende Strukturen". Im nächsten Satz ist dann gelich vom "Problembeladenen" Schulsystem die Rede. Das ist doch absurd!
Wenn es sich bei unserem Schulsystem um eine funktionierende Struktur handeln würde, dann wäre diese sicherlich nicht problembeladen, sondern erfolgreich, gerecht und zukunftsfähig.
genau das ist unser veraltetes 3-gliedriges Schulsystem aber nicht!
Diese immer wieder mantramäßig dozierten Argumente und angeblichen Studien, die beweisen wollen, dass längeres gemeinsames Lernen nichts nütze, kann man, bei Bedarf, mithilfe von Studien aushebeln, die belegen, dass längeres gemeinsames Lernen nichts schade. Empirisch belegt ist davon nichts, denn es hat in Deutschlad noch keine ernst zu nehmenden Reformen gegeben, die es aus wissenschaftlicher Sicht rechtfertigen, Bildungskarrieren entsprechend nachzuvollziehen. Evtl. wird die derzeitig aktuelle NEPS-Studie hier helfen können - das dauert aber, da es sich um eine Langzeitstudie handelt, noch Jahre.
Selbst ein konservativer Bildungsexperte wie Herr Bueb, der die Hamburger Primarschule ablehnt, stellt das längere gemeinsame Lernen nciht in Frage. In einem jüngsten Radiogespräch empfahl er Frau Goetsch sogar, ihre Reform ohne die Primarschule fortzuführen, um dann, längerfristig eine echte Gemeinschaftschule, mit gemeinsamen Lernen bis Klasse 10 einzuführen.
Es existiert keine bestätigende Erfahrung in Schulungs- und Ausbildungsgängen, dass die gemeinsame Unterrichtung von Schülern auf unterschiedlichem Leistungsniveau für Teilnehmer solcher Lerngruppen förderlich ist - wie sollte es auch sein, wenn die einen sich langweilen und die anderen überfordert sind. Selbstverständlich könnte man sich sozial toll gelungene Unterrichte vorstellen, wo gute Schüler den schwächeren helfen und so Hilfslehrerfunktionen übernehmen. Allerdings rückt in dieser Zeit der Stoff für die guten Schüler nicht weiter und sie blieben hinter ihrem möglichen Lerntempo zurück. Wer sich damit begnügt, dass der Strom aus der Steckdose kommt, wird Lernrückstand sogar ganz toll finden. Allerdings gibt es heutzutage kaum einen gesellschaftlichen Bereich, der nicht die Nutzung von Konsumgütern, Dienstleistungen oder sonstigen gesellschaftlichen Einrichtungen verlangt und dabei die Arbeit von akademisch gebildeten Fachleuten benötigt, die auf höchsten kognitiven Niveau denken müssen. So stellt sich die Ausbildung von Spitzenkräften als dringend benötigte gesellschaftliche Ressource dar, die in einer Industriegesellschaft durch nichts ersetzt werden kann. Und hier ist es wie bei Sportler- oder Musikerkarrieren, dass auf eine zusammenhängende Förderung in Kindheit und Jugend nicht verzichtet werden kann. So wie Breitensport nicht gegen Spitzensport ausgespielt werden sollte, so wäre es erforderlich, dass auch der Weg zu kognitiver Hochqualifizierung offen bliebe.
Guten Tag allerseits
Ich stimme Ihnen, Herr Kersten, vollkommen zu,
dass man sich den Bildungsverlierern stärker und mit mehr "Kraft" helfen muss.
Dass des öfteren vorhandene, bestätigte und in der Theorie und (kleiner) Praxis funktionierende(System-)Veränderungen nicht in Erwägung geschweige denn umgesetzt werden, ist ein deutsches Politmysterium.
Dennoch würde diese Symptombeseitigung immer noch nicht die Ursache beseitigen.
Es stände also zur Debatte, ob eine 6-Jahre-Gemeinschaftsschule diese Ursachen beseitigen. Fakt ist, auch ihren Worten nach, dass das aktuelle Schulsystem diese Ursachen nicht beseitigen würde.
Das aktuelle Grundschulsytem wäre sehr schwer mit all den nötigen Föderungsmaßnahmen zu vereinigen.
Warum also nicht Alt(un-)bewährtes mal umschmeißen und eine Pionioertat wagen?. Wenn genug Interesse besteht können auch bestimmt nötige Verhältnisse geschaffen werden, um aufzufagen was fällt, falls die Pioniertat doch fehlschlagen sollte.
Freue mich auf konstruktive freundliche Kritik,
Auf den zweiten Blick scheint vieles anders,
Liebe Grüße
Wertungsfrei
@ Wertungsfrei_hoffe ich
Theoretisch würde ich Ihnen zustimmen. Nur ist das Schulsystem ein komplexer, gewachsener Organismus. Und wenn man Experimente mit offenem Ausgang veranstaltet, muss einem bewusst sein, dass davon immer ganz konkrete Schülerinnen und Schüler betroffen sind (plus Lehrer und Eltern). Deshalb halte ich es für geboten, bei Reformen möglichst behutsam vorzugehen.
@ Wertungsfrei_hoffe ich
Theoretisch würde ich Ihnen zustimmen. Nur ist das Schulsystem ein komplexer, gewachsener Organismus. Und wenn man Experimente mit offenem Ausgang veranstaltet, muss einem bewusst sein, dass davon immer ganz konkrete Schülerinnen und Schüler betroffen sind (plus Lehrer und Eltern). Deshalb halte ich es für geboten, bei Reformen möglichst behutsam vorzugehen.
"Diese immer wieder mantramäßig dozierten Argumente und angeblichen Studien, die beweisen wollen, dass längeres gemeinsames Lernen nichts nütze, kann man, bei Bedarf, mithilfe von Studien aushebeln, die belegen, dass längeres gemeinsames Lernen nichts schade."
Skurril. Rechtfertigt es, viel Geld, das woanders fehlt, auszugeben für eine Reform, die voraussichtlich nicht schadet? Zumindest entstünde ein finanzieller Schaden.
Es ist guter wissenschaftlicher Standard, Änderungen dann vorzunehmen, wenn Untersuchungen zweifelsfrei ergeben haben, dass Änderungen einen Nutzen haben.
Zum Vergleich: ein neues Medikament, bei dem nachgewiesen wird, das es vorraussichtlich "nicht schadet", wird hierzulande kaum Chancen auf Zulassung haben. Es müsste schon seinen spezifischen Nutzen für alle Anwender nachweisen.
Schön wäre es, wenn Medikamente nur zugelassen seien, deren Wirkung einwandfrei und nachhaltig ohne Nebenwirkungen nachweisbar ist. Das ist faktisch falsch!
Ein Beispiel: Die gängigen Allergiemedikamente gelten erst seit kurzer Zeit als unbedenklich für Schwangere, obwohl sie schon jahrelang zugelassen sind - auch hier lassen sich also bestimmte positive Wirkungen nur durch Erfahrung evaluieren, ein übliches und sinnvolles Vorgehen.
Zurück zur Pädagogik: nie gab es eine Studie, die einen Nutzen belegt, bevor ein Bildungssytem eingeführt, verändert oder reformiert wurde. Auch die vielgepriesene Dreigliedrigkeit ist keine Folge einer durch Studien belegten pädagogischen Lehre.
Wer nun fordert, man müsse erst jahrelange Beweise antreten, um ein System zu reformieren, erstarrt in Handlungsunfähigkeit. Das gilt für alle Bereiche der WIssenschaft, nicht nur für die Pädagogik. Darauf können wir nicht warten.
Dennoch finanziert die Bundesregierung ein extrem aufwendiges und sehr kostenintensives Forschungsprojekt - die NEPS Studie (Nationales Bildungspanel), die Bildungskarrieren vom Kiga bis zur UNi nachzeichnet, dokumentiert und evaluiert. Vielleicht hilft das ja der zukünftigen Generation dabei, die unsinnigen Fragen nach wissenschaftlicher Belegbarkeit jeder unbeliebten geplanten Maßnahme zu relativieren. In ca. 25 Jahren wissen wir mehr. Leider ist das deutlich zu spät für die nächste Generation.
Schön wäre es, wenn Medikamente nur zugelassen seien, deren Wirkung einwandfrei und nachhaltig ohne Nebenwirkungen nachweisbar ist. Das ist faktisch falsch!
Ein Beispiel: Die gängigen Allergiemedikamente gelten erst seit kurzer Zeit als unbedenklich für Schwangere, obwohl sie schon jahrelang zugelassen sind - auch hier lassen sich also bestimmte positive Wirkungen nur durch Erfahrung evaluieren, ein übliches und sinnvolles Vorgehen.
Zurück zur Pädagogik: nie gab es eine Studie, die einen Nutzen belegt, bevor ein Bildungssytem eingeführt, verändert oder reformiert wurde. Auch die vielgepriesene Dreigliedrigkeit ist keine Folge einer durch Studien belegten pädagogischen Lehre.
Wer nun fordert, man müsse erst jahrelange Beweise antreten, um ein System zu reformieren, erstarrt in Handlungsunfähigkeit. Das gilt für alle Bereiche der WIssenschaft, nicht nur für die Pädagogik. Darauf können wir nicht warten.
Dennoch finanziert die Bundesregierung ein extrem aufwendiges und sehr kostenintensives Forschungsprojekt - die NEPS Studie (Nationales Bildungspanel), die Bildungskarrieren vom Kiga bis zur UNi nachzeichnet, dokumentiert und evaluiert. Vielleicht hilft das ja der zukünftigen Generation dabei, die unsinnigen Fragen nach wissenschaftlicher Belegbarkeit jeder unbeliebten geplanten Maßnahme zu relativieren. In ca. 25 Jahren wissen wir mehr. Leider ist das deutlich zu spät für die nächste Generation.
In einem hat der Artikel den Punkt getroffen: Schule ist die moderne Form des Glaubenskrieg. Keiner weiß eigentlich was menschliches Lernen ist. Die Lehrer meinen sie wüßten dass und dürfen ungestört ihre Macken an den Schülern auslassen. Bolemielernen ist das Credo an den Gymnaisien: Lernen, Auskotzen und Vergessen. Welche Zerstörung von menschlichen Talenten.
Die Schulleitungen und Lehrer sind dabei die Inquisitoren geistigen Lernens und scheuchen unsere Kinder über die kognitiven Masstweiden. Wir wundern uns dann nur noch, dass jeder zweite Schulabgänger nicht ausbildungsfähig ist.
Das deutsche Schulsystem ist nicht reformierbar, es muss völlig neu aufgebaut werden. Und wir brauchen vor allem ganz andere Lehrer und Lehrerinnen, die ein wirkliches Interesse an den Talenten von Menschen haben. Wir müssen die Stärken und Stärken. Wir brauchen einen kreativen Kapitalismus, wo Menschen ihre Talente umsetzen können. Unsere Schulen produzieren nur konvergente Qualen. Und an dieser Realität geht deser Aritkel völlig vorbei. Denn insbesondere das dreigliedrige Schulsystem stammt aus der wilhemischen Zeit des autoritären Ameisenstaates, wo die Elite denkt und lenkt und die Volks- und Realschüler arbeiten. Wer an so etwas wie der Spiegelautor festhalten will, den kann ich nicht mehr ernstnehmen.
Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft
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