NS-Geschichte Stollen für den Sieg
Hoch in den Tiroler Alpen errichteten die Nazis ein Bergwerk, um einen kriegswichtigen Rohstoff zu fördern.
© Johannes Simon/Getty Images

In den Tiroler Alpen bauten die Nazis einen Stollen, um Molybdän zu bergen
Nebelschwaden ziehen über die Gebirgskette, nur vereinzelt stechen Spitzen und Kanten hervor. Im Tiroler Valsertal, südlich von Innsbruck, wo die Gipfel über 3000 Meter in die Höhe ragen, liegt auf der Alpeiner Scharte in den Zillertaler Alpen ein vergessenes Stück NS-Geschichte vergraben: ein verlassenes Bergwerk inmitten von Geröllhalden und Lawinenstrichen. 18 Quadratkilometer groß war die Anlage, vom Stollen, knapp unter der Gletschergrenze, bis hinunter in das Tal. Große Hoffnungen wurden einst in dieses Projekt gesetzt; schließlich endete es in einem Fiasko.
»Grab hier«, ruft Gerhard Stadler, ein Industriearchäologe von der Technischen Universität Wien. Sein Assistent schwingt das rostige Werkzeug. Schon beim ersten Spatenstich stößt er auf eine Betonplatte: »Vielleicht ein Maschinenfundament oder doch ein Wasserbecken.« 14 Studenten und ihre Betreuer sind derzeit im Valsertal unterwegs, um ein wahnwitziges Stück Geschichte zu erkunden. »Es ist das höchstgelegene Bergwerk Europas, das mir je untergekommen ist«, sagt Stadler. »Allein die Seilbahn, die hier stand, besaß eine bis dahin ungeahnte Dimension.«
Viel von dem waghalsigen Projekt ist nicht mehr übrig: Die Aufbereitungsanlage im Tal wurde 1989 gesprengt. Andere Gebäude sind zugewuchert, und der Eingang zum Bergwerk liegt unwegsam abseits der Wanderwege. Bis Kriegsende wurde allerdings in der unwirtlichen Gerölllandschaft geschuftet und nach Molybdän gesucht – einem kriegswichtigen Edelmetall für die Flugzeug- und Panzerproduktion.
Die deutsche Rüstungsindustrie war auf den Stahlhärter angewiesen, bei dem das Wirtschaftsministerium 1938 einen Fehlbedarf von jährlich 2400 Tonnen registrierte. Da eröffnete der Anschluss Österreichs im selben Jahr die Möglichkeit, der Kriegsvorbereitung neue Lagerstätten in Bleiberg oder im steirischen Rubland zu erschließen und so die »Molybdängewinnung auf inländischer Grundlage« um die Hälfte zu erhöhen.
Auch auf der Alpeiner Scharte versprach sich die Reichsstelle für Bodenforschung großes Potenzial. Bereits 1774 hatte der Tiroler Kartograf Peter Anich in seinem Tagebuch von einem »glänzenden Metall« berichtet, das er dort, knapp unter der Gletschergrenze auf 2800 Meter Höhe, entdeckt habe. Doch niemand hatte sich auf das Abenteuer eingelassen, in einer Region, in der es sogar im Hochsommer zu Schneegestöber kommen kann, ein Bergwerk errichten zu wollen.
Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem Mangel jede Vernunft außer Kraft setzte. Nun prophezeite der Geologe Oskar Schmidegg von der Universität Innsbruck in einem Gutachten für das Reichsamt für Bodenforschung, das Gebirgsmassiv würde 840 Tonnen Molybdän bergen – ein Schatz, auf den die Kriegsmaschinerie der Nazis meinte nicht verzichten zu können.
- Datum 16.07.2010 - 15:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Also eins muss man dieser Zeit lassen: Es war ganz schön was los auf der Welt.
Es gab in der ZEIT auch schon interessantere Nazi-Artikel als den ueber Molybdaen-Bergbau in Oesterreich.
Wie waer's denn noch mit Stories ueber synthetisches Nazi-Benzin aus Leuna, oder Kali aus dem gigantomanischen Nazi-Bergbau in Sondershausen?
haben wir damit den wöchentlichen Nazi-Artikel.
Interessant wäre mal 1 Nummer ganz ohne ...
Liebe Redaktion!
Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wir einen Artikel über Nazi-Deutschland, den Krieg, die Massenmorde usw. zu lesen bekommen.
Heute ist der 20. Juli 2010.
20. Juli ??
Vor 66 Jahren?
Da war doch was?
Wo bleibt der wenigstens kurze Zeit-Artikel zur Erinnerung?
Immerhin gab es sogar Kontakte der früheren Zeit-Chefin Gräfin Dönhoff zu den Akteuren.
Alles vergessen?
Und das in der ZEIT?
Während noch die obskursten Hinterlassenschaften der Nazis um und um-gewendet werden?
Ist Widerstand nicht mehr "in"?
Ist die Frage "Pflicht und Gehorsam gegen Ethik und Gewissen" längst entschieden?
Lohnen solche Fragen in der Spassgesellschaft nicht mehr?
Ist die Denunziation einer Bischöfin wegen 11 Jahre zurückliegender Nachlässigkeit im Umgang mit unbewiesenen Anschuldigungen wichtiger?
MfG
th
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