Bei einem Lawinenunglück 1944 starben 22 Arbeiter
Erst drei Jahre nachdem das Projekt in Angriff genommen worden war, fiel die Mühe des täglichen Aufstieges durch die Errichtung einer Stollensiedlung fort. Doch dort lebten die Arbeiter gefährlich: Am 11. November 1944 donnerte eine Staublawine den Berg hinab und verschüttete die Baracken, die mitten im Lawinenstrich standen. 22 Personen kamen ums Leben, vor allem russische Arbeiter. Das Lawinenunglück war ein herber Rückschlag. Die Arbeit kam fast vollständig zum Erliegen.
Trotzdem wollte man einen neuen Anlauf nehmen. Ein befestigtes Gebäude, das den Lawinen die Stirn bieten konnte, sollte am Berg errichtet werden. Sogar eine direkte Telefonleitung nach Berlin war geplant. Wieder wurden Dutzende neuer Arbeiter in das Valsertal verlegt. Noch im Februar 1945 wurde ein italienischer Zwangsarbeiter, der Tischler Luigi Zanella, aus dem Konzentrationslager Auschwitz der Edelmetallsuche zugeteilt. Erst am 3. Mai, als alliierte Truppen Innsbruck besetzt hatten, wurde der Betrieb auf der Alpeiner Scharte eingestellt.
Der hochalpine Wahnwitz mündete in einem wirtschaftlichen und menschlichen Desaster: Fünf Millionen Reichsmark verschlang das Projekt, zumindest zwei Dutzend Menschen ließen ihr Leben. Kein Gramm Molybdän von der Alpeiner Scharte härtete je deutschen Stahl. »Das Bergwerk erzählt viel über die unglaublich träge nationalsozialistische Bürokratie«, sagt der Innsbrucker Wirtschafts- und Sozialhistoriker Wolfgang Meixner.
Warum 1989 die in Vergessenheit geratene Aufbereitungsanlage im Tal vom Bundesheer gesprengt wurde, weiß niemand genau zu sagen. Aus »Sicherheitsgründen« hieß es damals. »Die Anlage war vielen ein Dorn im Auge. Vor allem, als damals wieder die Frage der Zwangsarbeiter aufkam. Und natürlich ist die Beseitigung aller Spuren auch eine Form der Vergangenheitsbewältigung«, sagt Meixner. Über die Schicksale der Zwangsarbeiter, die seinerzeit die Förderstätte in den Fels schlugen, ist bis heute fast nichts bekannt.
Man muss im Valsertal einen genauen Blick auf die Landschaft werfen, um jetzt noch Spuren der Molybdänsucher zu entdecken. Einzig ein Hakenkreuz auf einer Steinmauer am Straßenrand gibt noch Kunde über die Erbauer. Wo früher die Aufbereitungsanlage stand, wachsen heute Disteln. Es wird noch viele Jahre dauern, bis hier wieder eine normale Vegetation entstehen kann. Durch den Wald zieht sich eine breite Schneise, in der nur kleine Bäume wachsen. Hier verlief einst die Seilbahn. Große Betonfundamente ragen noch in unregelmäßigen Abständen aus der Erde. Nach dem Ende der Arbeiten wurde ein großer Teil des Materials aus den Anlagen geplündert. Einiges davon findet noch heute Verwendung. Auf den umliegenden Futterwiesen und Feldern dienen verrostete Maschinenteile des Bergwerksprojektes als Gegengewichte an Weidegattern.
- Datum 16.07.2010 - 15:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Also eins muss man dieser Zeit lassen: Es war ganz schön was los auf der Welt.
Es gab in der ZEIT auch schon interessantere Nazi-Artikel als den ueber Molybdaen-Bergbau in Oesterreich.
Wie waer's denn noch mit Stories ueber synthetisches Nazi-Benzin aus Leuna, oder Kali aus dem gigantomanischen Nazi-Bergbau in Sondershausen?
haben wir damit den wöchentlichen Nazi-Artikel.
Interessant wäre mal 1 Nummer ganz ohne ...
Liebe Redaktion!
Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wir einen Artikel über Nazi-Deutschland, den Krieg, die Massenmorde usw. zu lesen bekommen.
Heute ist der 20. Juli 2010.
20. Juli ??
Vor 66 Jahren?
Da war doch was?
Wo bleibt der wenigstens kurze Zeit-Artikel zur Erinnerung?
Immerhin gab es sogar Kontakte der früheren Zeit-Chefin Gräfin Dönhoff zu den Akteuren.
Alles vergessen?
Und das in der ZEIT?
Während noch die obskursten Hinterlassenschaften der Nazis um und um-gewendet werden?
Ist Widerstand nicht mehr "in"?
Ist die Frage "Pflicht und Gehorsam gegen Ethik und Gewissen" längst entschieden?
Lohnen solche Fragen in der Spassgesellschaft nicht mehr?
Ist die Denunziation einer Bischöfin wegen 11 Jahre zurückliegender Nachlässigkeit im Umgang mit unbewiesenen Anschuldigungen wichtiger?
MfG
th
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