Afghanistan "Schießt der Papa auch auf Menschen?"Seite 5/5

Tag 132, Burger King

Mit eineinhalb Stunden Verspätung landet der Bundeswehr-Airbus aus Usbekistan um 19.20 Uhr auf dem Flughafen Hannover. Elfi, Florian und Fabian haben an der Glasscheibe vor dem Gepäckband auf Matthias gewartet. Elfi Reinz hat die Autofahrt nach Hannover genossen, weil sie mit jedem Kilometer dem Wiedersehen mit ihrem Mann näher gekommen ist und weil sie gern Autobahn fährt. Dazu hat sie selten Gelegenheit, denn Matthias findet, der Platz hinter dem Steuer gehöre ihm.

Eigentlich wollten sie groß essen gehen, zum Italiener in der Innenstadt von Hannover. Dort waren sie auch, als Matthias aus dem Kosovo zurückgekommen ist. Jetzt sitzen sie bei Burger King am Flughafen, Matthias und Elfi halten sich an den Händen, schweigend, und schauen zu, wie ihre Söhne zufrieden Pommes frites kauen.

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Als sie am Auto ankommen, stellt sich Matthias neben die Fahrertür. »Ich fahre«, sagt er. Nach »Es tut gut, euch zu sehen« sind es die ersten Worte, die er an diesem Abend spricht. Elfi Reinz beobachtet ihn, wie er den Rückspiegel einstellt, und in diesem Moment ist sie sicher, dass alles wieder so werden kann, wie es einmal war.

Florian hat fünf Tage gewartet, dann hat er seinen Vater gefragt, ob er auf Menschen geschossen habe. »Einmal sind wir unter Beschuss geraten«, hat er geantwortet. »Wie fühlt sich das an?« – »Du bist froh, dass es dich nicht erwischt hat.« – »Das ist in Ordnung«, hat Florian gesagt.

15. Juli 2010, wieder Geburtstag

Sommerferien, Ligurien, ein kleiner Ort in der Nähe von San Remo. Eine zierliche Frau mit heller Haut und schwarzem Haar feiert zusammen mit ihrer Familie ihren 34. Geburtstag, statt Maulwurfskuchen gibt es Espresso und Biscotti. Als sie am Morgen aufgewacht ist, hat Elfi Reinz zum ersten Mal seit Langem wieder an Afghanistan gedacht, daran, wie sie sich an ihrem Geburtstag vor einem Jahr gefühlt hat, als Matthias vom Flughafen Köln-Bonn zu Hause angerufen hat, bevor er in den Bundeswehr-Airbus gestiegen ist. Afghanistan, das ist auch ihr Krieg gewesen. Jetzt ist dieser Krieg weit weg. Matthias ist vor wenigen Wochen zum Bürgermeister seiner Heimatstadt gewählt worden, deshalb wird er 2012, wenn seine Division wieder in den Einsatz geht, nicht mitmüssen.

Florian will noch immer Soldat werden, er hätte gern ein Berufspraktikum in der Kaserne in Gotha gemacht, dort, wo auch sein Vater stationiert ist. Doch Matthias Reinz hat das nicht erlaubt, er möchte, dass sein Sohn etwas Vernünftiges lernt. Mit »vernünftig« meint er einen Beruf, in dem Florian nicht sein Leben riskieren muss. »Als Vater denkst du anders über das Soldatsein. Was ich in Afghanistan erlebt habe, das möchte ich meinem Sohn ersparen«, sagt er.

Und wahrscheinlich möchte er sich selbst ersparen, was Florian erlebt hat: um das Leben eines Menschen fürchten zu müssen, den man über alles liebt.

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/cs

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    • smpHH
    • 18.07.2010 um 20:38 Uhr

    Es wird ja auch keiner gezwungen, unsere Freiheit als Polizist zu verteidigen. Braucht es da also auch keine Sentimentalitäten?

    Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr.

    ... geht mir aber auch der Hut hoch. Zumal der Artikel primär um die Angehörigen der in Afghanistan stationierten Soldaten geht - und die haben sich nun wirklich nicht freiwillig für die bangen Stunden entschieden, die sie während des Einsatzes ihres Familienangehörigen durchleben müssen. Und abgesehen davon haben die SoldatInnen in Afghanistan, völlig abgesehen von allen politischen Gesichtspunkten, unser aller Respekt verdient. Immerhin riskieren sie ihr Leben in unserem Namen.

    • joG
    • 19.07.2010 um 6:30 Uhr

    ....nicht nur für die Soldaten und deren Familien recht steil, seitdem Deutschland begonnen hat ein Bisschen Verantwortung für internationale Sicherheit zu übernehmen. Die gesamte Gesellschaft wird mit Realitäten und Fragen konfrontiert, auf die die Kultur, die sich in den letzten 50 Jahren hier entwickelte, in keiner Weise vorbereitet ist. Viel Erfahrungen erfordern nun unvermutet, dass man sich mit Fragen beschäftigt, zu denen man früher fixe Antworten hatte aber halt Antworten ohne Bezug zu den Realitäten am Boden.

    • smpHH
    • 18.07.2010 um 20:38 Uhr

    Es wird ja auch keiner gezwungen, unsere Freiheit als Polizist zu verteidigen. Braucht es da also auch keine Sentimentalitäten?

    Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr.

    ... geht mir aber auch der Hut hoch. Zumal der Artikel primär um die Angehörigen der in Afghanistan stationierten Soldaten geht - und die haben sich nun wirklich nicht freiwillig für die bangen Stunden entschieden, die sie während des Einsatzes ihres Familienangehörigen durchleben müssen. Und abgesehen davon haben die SoldatInnen in Afghanistan, völlig abgesehen von allen politischen Gesichtspunkten, unser aller Respekt verdient. Immerhin riskieren sie ihr Leben in unserem Namen.

    • joG
    • 19.07.2010 um 6:30 Uhr

    ....nicht nur für die Soldaten und deren Familien recht steil, seitdem Deutschland begonnen hat ein Bisschen Verantwortung für internationale Sicherheit zu übernehmen. Die gesamte Gesellschaft wird mit Realitäten und Fragen konfrontiert, auf die die Kultur, die sich in den letzten 50 Jahren hier entwickelte, in keiner Weise vorbereitet ist. Viel Erfahrungen erfordern nun unvermutet, dass man sich mit Fragen beschäftigt, zu denen man früher fixe Antworten hatte aber halt Antworten ohne Bezug zu den Realitäten am Boden.

    • smpHH
    • 18.07.2010 um 20:38 Uhr

    Es wird ja auch keiner gezwungen, unsere Freiheit als Polizist zu verteidigen. Braucht es da also auch keine Sentimentalitäten?

    Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr.

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    "Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr."

    Können Sie mich aufklären?

    "Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr."

    Können Sie mich aufklären?

  2. "Sorry, aber auf Zeit-Online nerven diese wohl links-ideologisch gefärbten Spinnereien von Leuten, die vermutlich gar nichts verteidigen außer ihren Sozialneid, immer mehr."

    Können Sie mich aufklären?

    Antwort auf "Um Zwang geht es nicht"
  3. ... geht mir aber auch der Hut hoch. Zumal der Artikel primär um die Angehörigen der in Afghanistan stationierten Soldaten geht - und die haben sich nun wirklich nicht freiwillig für die bangen Stunden entschieden, die sie während des Einsatzes ihres Familienangehörigen durchleben müssen. Und abgesehen davon haben die SoldatInnen in Afghanistan, völlig abgesehen von allen politischen Gesichtspunkten, unser aller Respekt verdient. Immerhin riskieren sie ihr Leben in unserem Namen.

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    • empro
    • 18.07.2010 um 21:21 Uhr

    Ganz meiner Meinung!

    Ich wünsche den Angehörigen unserer Soldaten viel Kraft für die nächste Zeit. Hoffen wir, dass diese Problematik in naher Zukunft nicht mehr besteht.

    Sie tun es auch in meinem Namen, aber das muss nicht heißen das ich es richtig finde.

    Die Kriegsgeneration muss sich bis heute rechtfertigen warum sie nichts gegen das Unrecht und das Morden unternommen hat. Haben Sie mal darüber nachgedacht das wir uns vielleicht eines Tages auch moralisch Anklagen und Fragen lassen müssen wie wir das alles geschehen lassen konnten?

    Sagen wir dann auch wir wussten von nichts?

    • empro
    • 18.07.2010 um 21:21 Uhr

    Ganz meiner Meinung!

    Ich wünsche den Angehörigen unserer Soldaten viel Kraft für die nächste Zeit. Hoffen wir, dass diese Problematik in naher Zukunft nicht mehr besteht.

    Sie tun es auch in meinem Namen, aber das muss nicht heißen das ich es richtig finde.

    Die Kriegsgeneration muss sich bis heute rechtfertigen warum sie nichts gegen das Unrecht und das Morden unternommen hat. Haben Sie mal darüber nachgedacht das wir uns vielleicht eines Tages auch moralisch Anklagen und Fragen lassen müssen wie wir das alles geschehen lassen konnten?

    Sagen wir dann auch wir wussten von nichts?

    • empro
    • 18.07.2010 um 21:21 Uhr

    Ganz meiner Meinung!

    Ich wünsche den Angehörigen unserer Soldaten viel Kraft für die nächste Zeit. Hoffen wir, dass diese Problematik in naher Zukunft nicht mehr besteht.

  4. Sie tun es auch in meinem Namen, aber das muss nicht heißen das ich es richtig finde.

    Die Kriegsgeneration muss sich bis heute rechtfertigen warum sie nichts gegen das Unrecht und das Morden unternommen hat. Haben Sie mal darüber nachgedacht das wir uns vielleicht eines Tages auch moralisch Anklagen und Fragen lassen müssen wie wir das alles geschehen lassen konnten?

    Sagen wir dann auch wir wussten von nichts?

    • porph
    • 18.07.2010 um 21:39 Uhr
    7. Danke

    Danke an die Autorin für diesen schönen Artikel. Es ist erfrischend, auch mal etwas über die sonst eher vernachlässigte menschliche Seite in diesem stark ideologisch aufgeladenen und politisierten Thema zu lesen.

  5. [Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

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