Uni Lübeck Eine Stadt sieht gelb

Selten hat die drohende Schließung eines Studiengangs die Gemüter so sehr erregt wie im Falle der Lübecker Medizinerausbildung. Die Chronologie einer überraschenden Rettung.

Montag, 5. Juli

Die Woche der Rettung beginnt, wie die davor aufgehört hat: In Lübeck herrscht trotzige Hoffnungslosigkeit. Im Asta-Büro streifen sie ihre gelben Hemden über, auf denen »Lübeck kämpft« steht, die Farbe und der Slogan der 10.000 Demonstranten, die vor dem Wochenende durch die Innenstadt gezogen sind. Literaturnobelpreisträger Günter Grass schickt laut Lübecker Nachrichten einen Brief an den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen: Die Entscheidung der Landesregierung sei »barbarisch«. Um 25 Millionen Euro im Jahr einzusparen, will Carstensens schwarz-gelbe Koalition den Lübecker Medizinstudiengang schließen – was das faktische Aus für die kleine, als exzellent geltende Uni bedeuten würde. Auch die Wirtschaft der strukturschwachen Stadt wäre schwer getroffen: 12.000 Arbeitsplätze hängen am Wissenschaftsbetrieb, eine Vielzahl von Medizintechnikfirmen hat sich angesiedelt. Doch die Lübecker geben sich nicht geschlagen. Seit die Regierung Ende Mai die Kürzungspläne veröffentlicht hat, haben sie einen Protestmarathon gestartet, dessen Intensität sie selbst überrascht – inklusive der größten Demo in der Geschichte des Bundeslandes.

Dienstag, 6. Juli

Die Gerüchteküche brodelt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan wolle die Uni und damit die Medizin-Studienplätze retten, von denen es bundesweit zu wenige gibt. Doch wie soll das gehen? Der Bildungsföderalismus verbietet, dass der Bund Hochschulen finanziert. Dann der erste Paukenschlag: Lübecks Uni-Präsident Peter Dominiak präsentiert ein Alternativkonzept. Anstatt Lübeck zu schließen, könne Wissenschaftsminister Jost de Jager den Zuschuss ans privatisierte Uni-Klinikum kürzen. Außerdem soll auch die zweite medizinische Fakultät im Land Federn lassen – Kiel. Wenn beide Standorte ein Drittel ihrer Studienplätze abbauten, könnten beide erhalten bleiben, rechnen die Lübecker vor. Es sind bewusste Provokationen: Der im Bundesvergleich enorm hohe Zuschuss ans Klinikum ist seit mehr als 20 Jahren ein Politikum, an das sich kein Politiker herantraut, und natürlich warnt die Klinikleitung auch diesmal vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Und was die Uni Kiel angeht: De Jager hat vor Wochen festgelegt, dass Kiel im Gegensatz zu Lübeck und Flensburg von allen Kürzungen ausgenommen werden soll, um in der Exzellenzinitiative punkten zu können. Sein Credo: »Wir halten es für besser, zwei Stücke aus der Torte zu nehmen und anderswo die Sahnehäubchen zu belassen.« Entsprechend deutlich kanzelt er das Lübecker Konzept ab. Auch Dominiaks Kieler Kollege Gerhard Fouquet ist empört. Ohne Vorwarnung hätten die Lübecker ihren Plan ausgearbeitet, »Piraterie« sei das. »Dominiak teilt die Ohrfeigen aus, die er selbst empfangen hat.« Der Lübecker Uni-Präsident kontert: Die Kürzungen entsprächen einer zwei Jahre alten Zielvereinbarung mit dem Land, die beide Unis längst unterschrieben hätten, die aber offenbar sowohl de Jager als auch Fouquet vergessen wollten. »Sechs Wochen lang haben wir von den Kielern kein Wort der Unterstützung gehört, doch kaum drohen ihnen selbst Kürzungen, beginnt das Heulen und Zähneklappern.«

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Mittwoch, 7. Juli

Aus der stillschweigenden Rivalität beider Universitäten ist ein offener Konflikt geworden. Und Dominiak legt nach. Die Idee, die Lübecker Medizin abzuwickeln, sei dem Wissenschaftsminister aus der Kieler Uni heraus souffliert worden. »Seit Jahren haben sie daran gearbeitet.« Unsinn, sagt Fouquet, das sei nur der Beleg, dass die Lübecker an einem sachlichen Dialog noch nicht interessiert seien. Direkt miteinander reden tun die Präsidenten nicht – im Gegensatz zu den Studenten ihrer Hochschulen. »Wir machen nicht mit dabei, wenn jetzt unsere beiden Universitäten aufeinander losgehen«, sagt die Lübecker Asta-Chefin Linda Krause.

Leser-Kommentare
  1. Als Direktbetroffene an der Uni Lübeck kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln, wenn ich lese das Herr Fouquet persönliche Verletzungen verarbeiten muss.

    Persönlich verletzt wurden wir "Lübecker", die erfahren mussten, das die Schliessungspläne aus der Uni Kiel heraus erarbeitet wurden
    siehe hier: http://www.luebeck-kaempf...

    Dann mussten wir auch noch erfahren, dass bereits 2003 ein Dokument von 300 (!) Kielern Professoren unterschrieben wurde, in dem die Uni Kiel als die einzige Uni in S-H bezeichnet wird und die Uni Lübeck als verzichtbar bezeichnet wird. Das Papier wurde auch von Herrn Fouqouet unterschrieben!!!

    siehe hier: http://www.ln-online.de/a...

    Was sich in den letzten Tagen und Wochen in S-H abgespielt hat, hat mein Grundvertrauen in die Politik aber auch mein Vertrauen gegenüber langjährigen Kooperationspartnern in Kiel schwer erschüttert.

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    Hallo,
    vielleicht wäre es eine Möglichkeit eine eigene Regionalpartei zu gründen, um ein Gegengewicht zur Landeshauptstadt und den Westküsten-Klüngel um Carstensen zu gründen.
    Einige Programmpunkte könnten sein:
    -Erhaltung und Ausbau der Universität Lübeck.
    -Erweiterung des Hamburger Verkehrsverbundes nach Lübeck und Ostholstein.

    Aus meiner Sicht hat Ostholstein eine zu geringe Lobby, deshalb wäre dies ein denkbarer Schritt, außerhalb des traditionellen Parteienspektrums eine Regionalpartei für Ostholstein zu gründen, die neben Dominanz in Städten und Gemeinden den Einzug in den Landtag anstreben sollte.

    Hallo,
    vielleicht wäre es eine Möglichkeit eine eigene Regionalpartei zu gründen, um ein Gegengewicht zur Landeshauptstadt und den Westküsten-Klüngel um Carstensen zu gründen.
    Einige Programmpunkte könnten sein:
    -Erhaltung und Ausbau der Universität Lübeck.
    -Erweiterung des Hamburger Verkehrsverbundes nach Lübeck und Ostholstein.

    Aus meiner Sicht hat Ostholstein eine zu geringe Lobby, deshalb wäre dies ein denkbarer Schritt, außerhalb des traditionellen Parteienspektrums eine Regionalpartei für Ostholstein zu gründen, die neben Dominanz in Städten und Gemeinden den Einzug in den Landtag anstreben sollte.

  2. erwähnenswert wäre doch gewesen, dass der plan, die lübecker uni zu schließen, bereits 2003 vorlag. Fouquet hat diesen plan in vorderster front miterarbeitet. De Jager, der Wissenschaftsminister, übernahm diesen plan von Fouquet.
    Folglich sind doch die anschuldigen vpn fouquet bzgl des sparentwurfs der lübecker uni ein witz. Piraterie? herr fouquet sollte sich an seine nase fassen und lieber ganz leise sein. denn er ist doch der eigentlich drahtzieher der aktion. denn eine schließung hätte überhaupt keine einsparung gehabt. möge fouquet doch bitte die finger aus der SH Politik lassen.

    Interessant im übrigen:jetzt wo fouquets plan, die lübecker uni zu schließen nicht aufgegangen ist, dies sogar durch die stiftungsuni langfristig, guckt er ziemlich dumm aus der wäsche. der eigentliche verlierer ist also er. aber anstatt ein guter verlierer zu sein, feuert er noch die schlechte stimmung an, redet die idee der umwandlung in eine helmholtz-stiftung nieder; behauptet, als helmholtzstiftung könnten keine Drittmittel eingefordert werden. dies ist natürlich reiner blödsinn und man erkennt doch an diesen aussagen, wie schwer er doch getroffen ist und wie arm er mittlerweile dran ist, auf solche lügen zurückgreifen zu müssen. äußerst amüsant!

  3. Hallo,
    vielleicht wäre es eine Möglichkeit eine eigene Regionalpartei zu gründen, um ein Gegengewicht zur Landeshauptstadt und den Westküsten-Klüngel um Carstensen zu gründen.
    Einige Programmpunkte könnten sein:
    -Erhaltung und Ausbau der Universität Lübeck.
    -Erweiterung des Hamburger Verkehrsverbundes nach Lübeck und Ostholstein.

    Aus meiner Sicht hat Ostholstein eine zu geringe Lobby, deshalb wäre dies ein denkbarer Schritt, außerhalb des traditionellen Parteienspektrums eine Regionalpartei für Ostholstein zu gründen, die neben Dominanz in Städten und Gemeinden den Einzug in den Landtag anstreben sollte.

  4. Gehts noch? Der Unipräsident der CAU Kiel, der sowohl 2003 das Positionspapier gegen Lübeck mitunterschrieben als auch Anfang 2009 beim Geheimtreffen um die Schließung der Medizin in Lübeck bereits Präsident war (auch wenn er nicht selbst am Treffen teilgenommen und vielleicht wirklich nichts gewusst hat, aber jetzt mal deshalb in den eigenen Reihen aufräumen müsste), muss mit "persönlichen Verletzungen" klar kommen? Darüber kann man nur fassungslos staunen!!! Das ist eine Ohrfeige für alle die, die sich für die Uni Lübeck eingesetzt haben, während Herr F. die Hände in den Schoß gelegt und die ganze Angelegenheit beschwiegen hat. Das ist unverantwortlich und man kann hier ganz simpel sagen: "Dann heul doch"

  5. Aus meiner Sicht ist die geschilderte Misere auch eine Folge der Uni-Gründeritis. Zumeist aus strukturpolitischen Gründen wurden in jeder etwas größeren Stadt, manchmal auch in einer Kleinstadt (Vechta - kennt das einer? - hat eine Uni!) auf Teufel komm heraus Unis gegründet. Bei gleichbleibenden zur Verfügung stehenden Mitteln, kann das nur bedeuten, daß die bestehenden, traditionsreichen Universitäten bluten müssen. Eine andere Alternative ist, die Steuern zu erhöhen, denn irgendwo müssen zusätzliche Mittel ja herkommen. In der Vergangenheit wurde wohl ein Mittelding zwischen beidem getan ... nicht sehr weitsichtig!

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    Ich sehe das nicht so, weil die Uni Lübeck im Bereich Medizin hervorragende Leistungen abgeliefert hat.
    Eher sehe ich, dass hier ein Klüngel zwischen den Professoren der Uni Kiel und der Landesregierung besteht.
    Außerdem gilt der Grundsatz, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Wenn die traditionellen Unis sich anstrengen, werden sie mit den Kürzungen leben müssen.

    Ich sehe das nicht so, weil die Uni Lübeck im Bereich Medizin hervorragende Leistungen abgeliefert hat.
    Eher sehe ich, dass hier ein Klüngel zwischen den Professoren der Uni Kiel und der Landesregierung besteht.
    Außerdem gilt der Grundsatz, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Wenn die traditionellen Unis sich anstrengen, werden sie mit den Kürzungen leben müssen.

  6. Ich sehe das nicht so, weil die Uni Lübeck im Bereich Medizin hervorragende Leistungen abgeliefert hat.
    Eher sehe ich, dass hier ein Klüngel zwischen den Professoren der Uni Kiel und der Landesregierung besteht.
    Außerdem gilt der Grundsatz, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Wenn die traditionellen Unis sich anstrengen, werden sie mit den Kürzungen leben müssen.

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