Studieren mit Kind Mütter-Courage
Fünf Frauen werden mitten im Studium gleichzeitig schwanger und so zur Schicksalsgemeinschaft. Ein Jahr zwischen dem Anspruch, eine gute Mutter und eine gute Studentin zu sein
Oktober, Semesteranfang
Der Stillraum der Universität Hamburg ist weiß gekachelt und fensterlos, auf der Heizung prangt ein Graffito. Sophia Müller, 25, und Hanna Wetter, 24, sitzen auf einem alten Sofa und stillen ihre Neugeborenen. »Ich komme mir hier immer so vor, als würde ich mir gleich eine Spritze setzen«, sagt Hanna. Wenn Sophia ihre Muttermilch in ein Fläschchen abpumpt, geht sie dafür ins Behinderten-WC. Dort ist es sauber, und man ist für sich allein.
Fünf Studentinnen der Universität Hamburg sind beinahe gleichzeitig schwanger geworden – vier von ihnen ungeplant. Auf der Suche nach Solidarität haben sie sich zusammengefunden und seitdem jede Woche getroffen, zuerst zu fünft, mit dicken Bäuchen, mittlerweile hat sich die Gruppe mit Frieda (*23.8.), Enola (*20.9.), Mia Isabella (*22.9.), Emilia (*25.9.) und Luna (*30.9.) verdoppelt.
Draußen fegen Blätter über den Campus, das Wintersemester geht los. Keine der Frauen möchte ihr Studium nach der Geburt lange unterbrechen. Aber wie viel kann man schaffen, wenn man im Alltag und im Studium einen Säugling mit sich herumträgt – im Kinderwagen, Tragetuch oder zumindest immer in Gedanken?
Jeden Freitagnachmittag sehen sich Sophia, Hanna, Annie, Kalotina und Simone nahe der Universität in einem Café, wo kontrolliert biologische Speisen angeboten und fünf unkontrollierbare Säuglinge gelassener als überall sonst aufgenommen werden. Hier ist ihr regelmäßiger Treffpunkt.
Annie Kleiber, 24, erzählt Einschlafgeschichten. Seit der Geburt ihrer Tochter schläft sie fast nur noch im Sitzen. In jeder anderen Position fängt ihr Kind an zu schreien. Im Dreistundenrhythmus wechseln Annie und ihr Mann sich ab. Einer streckt sich im Bett aus, der andere lehnt sich schräg gegen den Sofarücken mit dem Baby auf dem Bauch. Die Gruppe lacht zusammen.
Sophia hat sich von den Frauen die ehrgeizigsten Ziele gesteckt. Zwei Wochen nach der Entbindung hat sie eine VWL-Klausur mitgeschrieben. Während der Schwangerschaft ging es ihr oft so schlecht, dass sie keine Scheine machen konnte. Da in ihrem Bachelorstudiengang die Seminare nur einmal jährlich angeboten werden, hat sie dadurch ein Jahr verpasst. Ein zweites möchte sie auf keinen Fall verlieren. Ihr Freund Moritz, 26, der im VWL-Studium noch nicht so weit ist wie sie, will oft auf das Kind aufpassen, damit sie zügig ihren Abschluss machen kann. Ihre Betreuungsteilung sieht er wie viele junge Eltern nicht ideologisch, sondern selbstverständlich pragmatisch: »Sophia ist einfach näher daran, später unabhängig Geld zu verdienen.«
- Datum 19.07.2010 - 09:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Und wo sind die Berichte über Männer, die Vater werden im Studium und sich auch um die Kinder kümmern?
...verhalten sich oftmals wie die arbeitenden Väter - recht abwesend. Kümmernde Väter an der Universität wie auch in der Wirtschaft sind immer noch Exoten, wie ich nach diversen Jahren mit meinen Kindern in Uni-Kitas bestätigen kann.
...verhalten sich oftmals wie die arbeitenden Väter - recht abwesend. Kümmernde Väter an der Universität wie auch in der Wirtschaft sind immer noch Exoten, wie ich nach diversen Jahren mit meinen Kindern in Uni-Kitas bestätigen kann.
@MarcoVogt
Als Biologie-Studentin mit Kind kann ich ihnen sagen: die sind eine absolute Ausnahme.
Die meisten verabschieden sich wenn die Freundin ungeplant schwanger wird. Die anderen halten sich raus.
Wenn es sie wirklich so sehr interessiert gehen sie mal an eine Uni und fragen da die "Betroffenen" sie werden überrascht sein...
man siehts ihnen nur nicht an, weil sie ja keinen Bauch mit sich herumtragen. Wenn das Kleine dann gestillt wird, nimmts der Mann nicht mit in die Uni und später kann mans (wenn man denn einen KiTa-Platz hat)abgeben.
Und wärend der Mutter glücklicherweise ein paar Fehlstunden nachgesehen werden, muss der Vater schauen, wo er bleibt.
Eine Anmerkung an den Artikel: Die ersten drei Monate mit Kind sind immer anstrengend, egal ob man studiert oder nicht. Und das mit dem ins-Studium-wieder-einsteigen ist ähnlich schwer, wie wenn Frau wieder in den Beruf will (lange pausen können sich wohl nur die wenigsten erlauben). Alleinerziehen und Trennung ist ein Problem, das leider nicht nur Studentinnen betrifft.
Dafür ist man im Studium sehr flexibel und Frau kann die Erziehung und den Haushalt wirklich mit ihrem Mann teilen. Als Studentin mit Kind würd ichs jedem raten, der eine/n PartnerIn hat, mit er/sie sich eine Familie vorstellen kann.
man siehts ihnen nur nicht an, weil sie ja keinen Bauch mit sich herumtragen. Wenn das Kleine dann gestillt wird, nimmts der Mann nicht mit in die Uni und später kann mans (wenn man denn einen KiTa-Platz hat)abgeben.
Und wärend der Mutter glücklicherweise ein paar Fehlstunden nachgesehen werden, muss der Vater schauen, wo er bleibt.
Eine Anmerkung an den Artikel: Die ersten drei Monate mit Kind sind immer anstrengend, egal ob man studiert oder nicht. Und das mit dem ins-Studium-wieder-einsteigen ist ähnlich schwer, wie wenn Frau wieder in den Beruf will (lange pausen können sich wohl nur die wenigsten erlauben). Alleinerziehen und Trennung ist ein Problem, das leider nicht nur Studentinnen betrifft.
Dafür ist man im Studium sehr flexibel und Frau kann die Erziehung und den Haushalt wirklich mit ihrem Mann teilen. Als Studentin mit Kind würd ichs jedem raten, der eine/n PartnerIn hat, mit er/sie sich eine Familie vorstellen kann.
man siehts ihnen nur nicht an, weil sie ja keinen Bauch mit sich herumtragen. Wenn das Kleine dann gestillt wird, nimmts der Mann nicht mit in die Uni und später kann mans (wenn man denn einen KiTa-Platz hat)abgeben.
Und wärend der Mutter glücklicherweise ein paar Fehlstunden nachgesehen werden, muss der Vater schauen, wo er bleibt.
Eine Anmerkung an den Artikel: Die ersten drei Monate mit Kind sind immer anstrengend, egal ob man studiert oder nicht. Und das mit dem ins-Studium-wieder-einsteigen ist ähnlich schwer, wie wenn Frau wieder in den Beruf will (lange pausen können sich wohl nur die wenigsten erlauben). Alleinerziehen und Trennung ist ein Problem, das leider nicht nur Studentinnen betrifft.
Dafür ist man im Studium sehr flexibel und Frau kann die Erziehung und den Haushalt wirklich mit ihrem Mann teilen. Als Studentin mit Kind würd ichs jedem raten, der eine/n PartnerIn hat, mit er/sie sich eine Familie vorstellen kann.
...verhalten sich oftmals wie die arbeitenden Väter - recht abwesend. Kümmernde Väter an der Universität wie auch in der Wirtschaft sind immer noch Exoten, wie ich nach diversen Jahren mit meinen Kindern in Uni-Kitas bestätigen kann.
Groß ist das Gerede der Gleichstellungsbeauftragten an den Universitäten und ausführlich die Beschreibung der Wohltaten für Familien, wenn Forschungsanträge geschrieben werden. Danach passiert dann oft - nichts, wie man hier wieder mal sieht.
Die Situation ist an vielen Unis nicht anders als in Hamburg. Eigentlich ist das Studium eine ideale Phase, um Kinder zu bekommen, denn die Flexibilität ist später im Beruf nie mehr so groß. Daher sollten eigentlich Studentinnen und Studenten besonders gefördert werden, wenn sie ihre Kinder im Studium bekommen. Man könnte ja einen Teil der neuen "Eliteförderung" dafür nutzen. Angesichts der demographischen Entwicklung brauchen wir sicher gerade mehr Akademiker mit Kindern.
Ich stimme Ihnen zu, wir brauchen mehr Kinder von Akademikerinnen, und außerdem sollte es Akademikerinnen nicht schwerer als anderen Frauen gemacht werden, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das Studium ist keine schlechte Zeit dafür, es ist ein Trugschluß zu glauben, daß es später unbedingt leichter wird. "Später" heißt für viele am Ende dann "nie".
Leider habe ich nicht den Eindruck, daß sich in dieser Richtung in der Sozial- und Familienpolitik viel tut. Ich könnte mir vorstellen, daß unter diesen Bedingungen mit privatem Engagement mehr erreicht werden kann, als wenn man nur auf die Politik wartet.
In der ZEIT selbst war neulich ein Artikel über Uni-"Großeltern".
Von dieser Initiative hört man leider viel zu wenig:
http://www.bmi.bund.de/BO...
Man beachte: 250 000 Euro, um an acht (8) Hochschulen Familienfreundlichkeit zu fördern. Besonders ernst scheint die bekundete Absicht nicht genommen zu werden.
Ich selbst spende an die Christiane-Nüsslein-Volhard-Stiftung (leider nur kleine Summen, mehr ist nicht drin):
http://www.cnv-stiftung.d...
Ich stimme Ihnen zu, wir brauchen mehr Kinder von Akademikerinnen, und außerdem sollte es Akademikerinnen nicht schwerer als anderen Frauen gemacht werden, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das Studium ist keine schlechte Zeit dafür, es ist ein Trugschluß zu glauben, daß es später unbedingt leichter wird. "Später" heißt für viele am Ende dann "nie".
Leider habe ich nicht den Eindruck, daß sich in dieser Richtung in der Sozial- und Familienpolitik viel tut. Ich könnte mir vorstellen, daß unter diesen Bedingungen mit privatem Engagement mehr erreicht werden kann, als wenn man nur auf die Politik wartet.
In der ZEIT selbst war neulich ein Artikel über Uni-"Großeltern".
Von dieser Initiative hört man leider viel zu wenig:
http://www.bmi.bund.de/BO...
Man beachte: 250 000 Euro, um an acht (8) Hochschulen Familienfreundlichkeit zu fördern. Besonders ernst scheint die bekundete Absicht nicht genommen zu werden.
Ich selbst spende an die Christiane-Nüsslein-Volhard-Stiftung (leider nur kleine Summen, mehr ist nicht drin):
http://www.cnv-stiftung.d...
Das passt nicht zusammen. Regelrecht naiv! Im Artikel wurden keine Naturwissenschaftlerinnen erwähnt.
Ich habe eine Naturwissenschaft studiert - da dürfen Sie nicht mehr ins Labor, wenn Sie schwanger sind. Radioaktivität, Chemikalien - vergessen Sie's. Und Klausuren nebenbei, wenn das Kind mal schläft? Kind mit in den Hörsaal, wo 200 andere Kommilitonen sitzen? Macht kein Mensch.
Die Mütter, die ich an der Uni kennengelernt habe, waren alle alleinerziehend.
Im Osten nämlich hätten Sie erleben können, daß es recht normal war, während des Studiums ein Kind zu bekommen. Und zwar auch bei Naturwissenschaftlerinnen ! Uni und Kind sind also durchaus miteinander zu vereinbaren, es kommt auf die Rahmenbedingungen an. Welche genau den Kindersegen an DDR-Unis bewirkt haben, wäre eine interessante Frage, auch im Hinblick darauf, woran es jetzt in dieser Hinsicht am meisten hapert.
Im Osten nämlich hätten Sie erleben können, daß es recht normal war, während des Studiums ein Kind zu bekommen. Und zwar auch bei Naturwissenschaftlerinnen ! Uni und Kind sind also durchaus miteinander zu vereinbaren, es kommt auf die Rahmenbedingungen an. Welche genau den Kindersegen an DDR-Unis bewirkt haben, wäre eine interessante Frage, auch im Hinblick darauf, woran es jetzt in dieser Hinsicht am meisten hapert.
Die Naturwissenschaftlerinnen mit Kind gibt es doch!
Meine Freundin hat es probiert, es ist hart aber machbar.
Klar mit Labor war vorbei aber sie konnte glücklicherweise alles so planen, dass sie während der Schwangerschaft nicht ins Labor musste. Allerdings hat sich auch ihr Partner getrennt, da es immer wieder Streit um die Rollenverteilung gab. Männer tun sich halt leider immer wieder schwer sich eine Zeitlang nur über als Vater zu definieren!
Schade! Ein positives Beispiel ist der Autor aus dem Buch Kinderkacke...leider eine Seltenheit.
Im Osten nämlich hätten Sie erleben können, daß es recht normal war, während des Studiums ein Kind zu bekommen. Und zwar auch bei Naturwissenschaftlerinnen ! Uni und Kind sind also durchaus miteinander zu vereinbaren, es kommt auf die Rahmenbedingungen an. Welche genau den Kindersegen an DDR-Unis bewirkt haben, wäre eine interessante Frage, auch im Hinblick darauf, woran es jetzt in dieser Hinsicht am meisten hapert.
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