Globalisierung China übernimmtSeite 3/3
Athen. Draußen vor dem Parlament haben sich die Kommunisten versammelt, nicht die chinesischen, sondern die griechischen. Arm in Arm schwenken sie rote Flaggen und singen die Lieder der Revolution, einer trägt das Konterfei Stalins auf dem T-Shirt. Die Kommunisten haben den Generalstreik ausgerufen. Ausgerechnet sie sind die größten Gegner des Engagements der chinesischen Genossen. Eine ältere Dame mit kurzem Haar, pensionierte Technikerin einer Schuhfabrik, sagt, sie hätte zwar im Prinzip nichts gegen ausländische Investitionen. So aber nicht! »Die Chinesen werden alle Schlüsselindustrien der griechischen Wirtschaft übernehmen! Es ist ein kompletter Ausverkauf.«
Ein paar Kilometer weiter sitzt Tasos Telloglou, ein ebenso bewunderter wie gefürchteter investigativer Journalist, in der Kantine seines Senders Skai TV. »Die Situation ist zum Verzweifeln«, sagt er. »Die Regierung wäre bereit, jede Investition anzunehmen.« Wer heutzutage überhaupt noch in Griechenland investiere? Chinesen, Russen, Araber. Griechenland sei ein demokratisches Land, doch das Geld komme aus geschlossenen Gesellschaften. »Griechenland bewegt sich weg von Europa«, befürchtet der Journalist. Sein Land sei ein weicher Staat. Ein Staat, den man biegen könne.
Mit oder ohne Verschwörungstheorien – auf jeden Fall ist bei den Chinesen in diesen Tagen eine gewisse Eile festzustellen. Etliche Erklärungen bieten sich an: die begrenzte Haltbarkeit der chinesischen Devisenreserven, die Angst vor versiegenden Rohstoffquellen – und Selbstzweifel. Ist der chinesische Boom, der große chinesische Moment nach der Krise, womöglich doch flüchtig?
Der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff, Exchefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, provozierte Anfang Juli eine Reihe alarmierender Schlagzeilen: Er sagte voraus, Chinas Immobilienmarkt werde zusammenbrechen, und wertete dies als einen empfindlichen Schlag für die Volksrepublik, weil damit auch eine Reihe von Banken kollabieren könnte. Die psychologischen Folgen wären möglicherweise dramatisch. Rogoffs Schwarzmalerei ist in Ökonomenkreisen umstritten, zumal Pekings Führung das Problem selbst sieht und im April den Kauf von Immobilien zu spekulativen Zwecken erschwerte – Maßnahmen, die bereits ein wenig greifen. Doch auch die Chinesen wissen, dass Stimmungen manchmal stärker sind als Fakten. »Mittelfristig braucht China ein neues Modell«, so sieht es Rolf J. Langhammer, der Vizechef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Vielleicht müsse der Weg dorthin über die eine oder andere geplatzte Blase führen.
Wenn China deswegen aber hastig in der Welt einkauft, könnte es sich schnell das Falsche aneignen. In den USA wird in diesen Tagen daran erinnert, dass ja auch eine andere aufstrebende Wirtschaftsnation – Japan – in den achtziger Jahren einem großen Kaufrausch erlag. Am Ende versenkten die Japaner viel Geld in spektakulären, aber unprofitablen Riesenprojekten wie etwa beim Kauf des Rockefeller Center in New York oder abgewirtschafteter Filmstudios an der Westküste.
Ob die Chinesen am Ende auch in solche Fallen tappen? Geht es um Lagerstätten oder Förderanlagen für Rohstoffe, soll China gern mehr bezahlen als üblich. Das Kalkül der Chinesen mag im einzelnen Fall trotzdem stimmen: Womöglich ist es für sie günstiger, mehr zu bezahlen, als am Ende leer auszugehen. Ohne Rohstoffe kein Wachstum in China, so einfach kalkulieren Peking und seine Staatskonzerne. Doch sie verderben dem Rest der Welt die Preise und am Ende auch sich selbst.
Den Griechen allerdings könnte es in Peking gar nicht eilig genug zugehen. Vizepremier Pangalos, der Mann mit dem Buddha, würde chinesischen Investoren gern die verschuldete Eisenbahn andrehen – er glaubt aber selbst nicht so recht daran. »Die will doch keiner haben«, sagt der Politiker.
Und dann gibt es da diesen Deal im großen 14-Punkte-Abkommen, einen 123 Millionen Dollar teuren Hotelkomplex in Piräus zu bauen – ausgerechnet an einem sehr unattraktiven Verkehrsknotenpunkt. Mal sehen, ob die Chinesen da nicht doch am Ende kühlen Kopf bewahren.
Vor einer Sache haben sie jedenfalls keine Angst mehr: vor der Wut der Öffentlichkeit. Die schwindet, je verzweifelter Empfängerländer nach Kapital Ausschau halten.
Anfang Juni übernahm die chinesische Reederei Cosco den Betrieb auf dem größten Terminal von Piräus, Terminal 2, und zunächst streikte die Gewerkschaft der Hafenarbeiter gegen Dumpinglöhne und Konkurrenz durch chinesische Arbeiter. Andere befürchteten, um den Hafen herum würden sich bald chinesische Firmen ansiedeln, die so gut wie fertige Produkte mit einem letzten Handgriff in Endprodukte verwandelten, um ihnen dann ein Etikett »made in Europe« aufzukleben.
Als der Cosco-Chef Wei Jiafu diesen Sommer Griechenland besuchte, wurde der Mann, den sie hier liebevoll »Kapitän Wei« nennen, aber regelrecht gefeiert.
Und der Staatsminister Haris Pamboukis, der in Griechenland die Strippen bei Deals mit ausländischen Investoren zieht, preist den Cosco-Deal heute im Land als großes Vorbild an. »In Zeiten der Krise muss man sich einfach öffnen.«
- Datum 16.07.2010 - 18:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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..meiner persönlichen Meinung nach wird man dem 21. Jahrhundert und der Globalisierung nicht gerecht wenn man vin einem "Wachwechsel der Weltmächte" ausgeht (angelehnt an die Überschrift "China übernimmt").
Denn die Globalisierung macht die Welt wahrscheinlich weder "flach" noch verschiebt sie einfach nur die Machtzentren. Viel mehr wird aus der Welt eine Kastanie in einer stacheligen grünen Schale.
Weniger denn je ist heute bei Betrachtung der Kenndaten, Statistiken und Standortinformationen eine Aussage die mit "In Deutschland...." oder "Die Chinesen..." beginnt richtig. Es gibt und wird zunehmend regionale Leuchttürme geben, die sich von der Entwicklung in dem Nationalstaat dem sie formal zugehörig sind abkoppeln.
In der Bundesrepublik sehen wir das wenn wir uns München und Oberbayern anschauen und mit der nördlichen Hälfte Bayerns, Franken, vergleichen. Schon innerhalb dieses Bundeslandes sind die Unterschiede in allen Bereich enormst. Demographie, Einkommen, Wirtschaftsstruktur, Steueraufkommen, ...
In China ist es nicht anders. Die glitzernden Metropolen mit wachsender Kaufkraft gibt es neben rückständigen Regionen in denen viele Millionen Bauern wohl kaum anders als vor Jahrzehnten leben, eher unter den Schattenseiten der boomenden Wirtschaftszentren leiden (vor allem Umweltverschmutzung wäre zu nennen).
Globalisierung und eine neue Regionalisierung schließen sich eben nicht aus, im Gegenteil.
Die Zentrum-Peripherie-Theorie, auf die Sie sich beziehen, wird möglicherweise ihre Gültigkeit behalten. Das Neue an der Globalisierung ist aber, dass sie zu einem Entstehen neuer Zentren und langfristig zu einem Angleichen der Wohlstandsniveaus zwischen den Wirtschaftszentren dieser Welt führen wird. Das bedeutet, dass das Wachstumstempo von Wirtschaft und Wohlstand in den alten Zentren, wie Europa, deutlich geringer sein wird als in den neuen Zentren (z.B. Süd-Ost-Asien) und dass das Wohlstandswachstum weltweit gesehen immer mehr Menschen erreichen wird. Die Globalisierung bewirkt damit sozusagen eine Gleichzeitigkeit von Divergenz (Zentrum/Peripherie) wie Konvergenz (Ausweitung und Angleichung der Zentren).
Wäre ich an Ihrer Stelle etwas vorsichtig
oder halten Sie den Rest der Republik etwa auch für unbelehrbare Sepparatisten, die nicht zurück ins Reich wollen und die Harmonie stören?!
Die Zentrum-Peripherie-Theorie, auf die Sie sich beziehen, wird möglicherweise ihre Gültigkeit behalten. Das Neue an der Globalisierung ist aber, dass sie zu einem Entstehen neuer Zentren und langfristig zu einem Angleichen der Wohlstandsniveaus zwischen den Wirtschaftszentren dieser Welt führen wird. Das bedeutet, dass das Wachstumstempo von Wirtschaft und Wohlstand in den alten Zentren, wie Europa, deutlich geringer sein wird als in den neuen Zentren (z.B. Süd-Ost-Asien) und dass das Wohlstandswachstum weltweit gesehen immer mehr Menschen erreichen wird. Die Globalisierung bewirkt damit sozusagen eine Gleichzeitigkeit von Divergenz (Zentrum/Peripherie) wie Konvergenz (Ausweitung und Angleichung der Zentren).
Wäre ich an Ihrer Stelle etwas vorsichtig
oder halten Sie den Rest der Republik etwa auch für unbelehrbare Sepparatisten, die nicht zurück ins Reich wollen und die Harmonie stören?!
"Ist der chinesische Boom, der große chinesische Moment nach der Krise, womöglich doch flüchtig?"
Bestärkt sie doch in lieber in dem Glauben, ihr Wachstum würde ewig und unendlich weitergehen.
Und in 50 - 100 Jahren ist dann wohl Afrika dran mit dem Wirtschaftswunder.
200 - 300 Jahre später dann wieder Europa gefolgt von den Amerikas.
*kopfschütteln*
China geht im Ausland shoppen, und Deutschland versenkt seine Milliarden im Schuldensumpf der Währungsunion.
Chinesische Bosse sind effizient, da geht's rund. Dann ist's vermutlich aus mit der griechischen Schlamperei. Fragen Sie mal die Bewohner von Afrika, wo die Chinesen schon eingezogen sind. Ich kenne auch noch einige, die von einem chinesischen Chef profitieren könnten.
Chinas Wachstum in den letzten drei Dekaden ist wirklich bemerkenswert. Das chinesische BIP hat sich von 1990 bis 2010 mehr als verelffacht; das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Zudem konnten die Chinesen durch ihren "gutgefüllten Geldbeutel" in Zeiten der Krise eine makroökonomische Steuerung betreiben, ohne sich dafür massiv zu verschulden. Das Paket war etwa 400 Mrd US-$ groß.
China wächst wie kein zweites Land auf dieser Erde. Zudem ist China immer noch das bevölkerungsreichste Land der Welt. Landburlis Sicht der Dinge finde ich sehr interessant, in weiten Teilen kann ich ihm da auch nur zustimmen. Jedoch wird der Nationalstaat nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Auch ein China mit krassen inneren Gegensätzen kann ein starkes internationales Gewicht besitzen.
Natürlich darf man die Kehrseite der Medaille nicht ausser Acht lassen. China hat ein gewaltiges Umweltproblem, welches sich in den nächsten paar Dekaden noch verschärfen dürfte. Das Land verbraucht innerhalb einiger wichtiger Metropolregionen zuviel Grundwasser. Zudem sind viele Gewässer auf das abartigste verschmutzt. Die voranschreitende Desertifizierung ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Problem, wenn auch der Großteil der Chinesen in der Küstenregion und fernab jeder Wüste lebt.
Und die demographische Entwicklung wird auch für China eine große Herausforderung werden. Dabei ist das Rentensystem bei Weitem nicht so gut ausgebaut wie in Europa.
Die Zentrum-Peripherie-Theorie, auf die Sie sich beziehen, wird möglicherweise ihre Gültigkeit behalten. Das Neue an der Globalisierung ist aber, dass sie zu einem Entstehen neuer Zentren und langfristig zu einem Angleichen der Wohlstandsniveaus zwischen den Wirtschaftszentren dieser Welt führen wird. Das bedeutet, dass das Wachstumstempo von Wirtschaft und Wohlstand in den alten Zentren, wie Europa, deutlich geringer sein wird als in den neuen Zentren (z.B. Süd-Ost-Asien) und dass das Wohlstandswachstum weltweit gesehen immer mehr Menschen erreichen wird. Die Globalisierung bewirkt damit sozusagen eine Gleichzeitigkeit von Divergenz (Zentrum/Peripherie) wie Konvergenz (Ausweitung und Angleichung der Zentren).
...kann schnell vorbei sein, wenn die Chinesen neben Reichtum auch mehr Freiheiten haben wollen.
Dann wird das chinesischen Kartenhaus innerhalb kürzester Zeit einstürzen.
...wer hätte gedacht, dass Chinas Abstieg bereits anfängt:
"Chinas neue Elite geht
Das Rechts- und Sozialsystem ist ihnen zu unsicher: Chinas qualifizierte Mittelschicht verlässt die Heimat. Es zieht sie in die USA und nach Kanada."
http://www.zeit.de/gesell...
...wer hätte gedacht, dass Chinas Abstieg bereits anfängt:
"Chinas neue Elite geht
Das Rechts- und Sozialsystem ist ihnen zu unsicher: Chinas qualifizierte Mittelschicht verlässt die Heimat. Es zieht sie in die USA und nach Kanada."
http://www.zeit.de/gesell...
muß man aber eine Weile nach China suchen->
http://www.indexmundi.com...
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