China Die Macht des hungrigen Riesen

Wie sich China, von langer Hand geplant, den Zugang zu Rohstoffen sichert

Sie können geduldig sein, die Pekinger Rohstoffstrategen. Sie sind es gewohnt zu warten, Rückschläge hinzunehmen, politische Widerstände wegzustecken. Doch manchmal agieren sie sehr schnell. Seit einer Woche sind sie besonders aktiv: Nachdem es immer mehr so scheint, als könne BP die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nicht aus eigener Kraft bewältigen und sich BP-Chef Tony Hayward schon im Mittleren Osten nach finanzieller Hilfe umgeschaut hat, wittern auch die Chinesen ihre Chance.

Schon jetzt ist klar: Sollten die Briten wichtige Teile ihres Konzerns abstoßen müssen, sollte BP gar komplett zum Verkauf stehen, werden chinesische Bieter mit von der Partie sein. Zwei Unternehmen bereiten sich darauf vor: die China National Petroleum Corporation (CNPC) und die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Beide pflegen bereits enge und erfolgreiche Verbindungen zu dem britischen Ölmulti, zum Beispiel gewannen BP und CNPC im Oktober 2009 gemeinsam die Auktion für eines der größten Ölfelder der Welt im Irak. Und CNOOC unterbreitete den britischen Kollegen in der vergangenen Woche bereits ein Angebot: Für neun Milliarden Dollar würde man die restlichen Anteile an einem Joint Venture aufkaufen, das in Argentinien, Bolivien und Chile Öl und Gas fördert und verarbeitet.

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Wenn es um Rohstoffe geht, kämpfen die Chinesen mit harten Bandagen. Das Land verfügt kaum über eigene Reserven, mit zwei Ausnahmen: Steinkohle, die in gewaltigen Mengen gefördert und überwiegend im Inland verarbeitet wird – und die sogenannten seltenen Erden und Metalle.

An ihnen wird deutlich, wie zielstrebig die chinesische Führung vorgeht. Über 90 Prozent der Spezialstoffe wie Erbium, Europium, Tantal, Molybdän, Niob und Indium werden in China gefördert und hergestellt. Ohne sie ist die Herstellung von Flachbildschirmen, Mobilfunkgeräten oder Hybridfahrzeugen nicht möglich. Darum provoziert es seit einigen Jahren helle Aufregung in Industrie-, Militär- und Geheimdienstkreisen, wie konsequent die chinesische Führung den Zugang zu diesen Stoffen reglementiert, Förder- und Ausfuhrquoten erlässt und neuerdings den Abbau auf wenige Staatskonzerne konzentriert. Zugleich wurde sogar systematisch versucht, im Ausland die wenigen restlichen Förderstätten unter chinesische Kontrolle zu bringen.

Die japanische Regierung legte ein Strategiepapier zur »Sicherung der stabilen Versorgung mit seltenen Erden« vor, der Bundesverband der Deutschen Industrie sprach besorgt von einer »Rohstofflücke«, die USA wollen sich die Vorräte seltener Erden in Afghanistan sichern. Auch die EU-Kommission ist aufgewacht, sie erklärte Ende Juni: »Wir müssen sicherstellen, dass der Zugang unserer Unternehmen zu Rohstoffen nicht behindert wird.« Überrascht müsste eigentlich niemand sein: Schon 1992 hatte Deng Xiaping erklärt: »Der Mittlere Osten hat Öl. China hat die seltenen Erden.« Im Klartext: China wird, wenn möglich, seine Macht so ausspielen wie einst die Opec, die den Westen mit ihren Ölreserven in Atem hielt.

Doch weit überwiegend ist China eben ein Importeur von Rohstoffen – und die chinesische Strategie im Umgang mit diesem Problem ist nicht weniger knallhart: Das chinesische Regime und seine Staatsunternehmen sind Global Player in der Sicherung von Rohstoffvorkommen geworden.

Das Tempo und das Volumen der Ankäufe ist rasant. Im April 2009 gaben die Chinesen beispielsweise 3,3 Milliarden US-Dollar für ein Öl-Joint-Venture in Kasachstan aus. Peking kontrolliert damit bereits ein Viertel der kasachischen Ölförderung. Erfolgreich agierte China auch im Mittleren Osten: Im Irak etwa bekamen nicht die Invasoren aus den USA die meisten Zuschläge für neue Ölfelder – sondern mit großem Abstand die Chinesen, nämlich mehr als doppelt so viele wie die Amerikaner.

Leser-Kommentare
  1. ... wenn man sich in ihre Position versetzt. Ein konsequentes strategisches Handeln, klar ausgerichtet an den eigenen Interessen. Ohne eine ebensolche konsequente Strategie werden sich die Konkurrenten um die knappen Rohstoffe, zu denen auch Deutschland gehört, sehr schwer tun.

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    Entweder sind wir alle sowieso verdammt, wenn wir keinen Ersatz finden können bzw es keinen gibt, ob jetzt ein Land ein paar Jahrzehnte länger durchhält oder nicht oder die Industriestaaten werden eben rechtzeitig umschalten auf andere Ressourcen. Gerade Energie ist dort ja ein entscheidender Faktor, für den es aber viele Lösungen gibt und für z.B. Öl als Bestandteil von Produkten wird man eben andere Lösungen finden müssen, z.B. ein synthetischer Ersatz oder künstliche Art er Herstellung.

    Ich glaube nicht, dass die Führung von China groß intelligenter ist, als der Rest der Welt oder egoistischer, da geben die sich alle nicht viel. Alternativen lassen mit Sicherheit vor allem deshalb auf sich warten, weil man dann mit dem derzeitigen Status quo nicht mehr so schön Geld verdienen kann.

    Entweder sind wir alle sowieso verdammt, wenn wir keinen Ersatz finden können bzw es keinen gibt, ob jetzt ein Land ein paar Jahrzehnte länger durchhält oder nicht oder die Industriestaaten werden eben rechtzeitig umschalten auf andere Ressourcen. Gerade Energie ist dort ja ein entscheidender Faktor, für den es aber viele Lösungen gibt und für z.B. Öl als Bestandteil von Produkten wird man eben andere Lösungen finden müssen, z.B. ein synthetischer Ersatz oder künstliche Art er Herstellung.

    Ich glaube nicht, dass die Führung von China groß intelligenter ist, als der Rest der Welt oder egoistischer, da geben die sich alle nicht viel. Alternativen lassen mit Sicherheit vor allem deshalb auf sich warten, weil man dann mit dem derzeitigen Status quo nicht mehr so schön Geld verdienen kann.

  2. Mit der Rohstoffsicherung rückt Sieren einen entscheidenden Parameter der Weltwirtschaft und der Weltpolitik in das Zentrum der Aufmerksamkeit: Herzlichen Dank, Herr Sieren.

  3. Als eine der wenigen Mächte, wenn nicht gar als einzige, arbeiten die Chinesen zielstrebig und mit handfesten Strategien an ihrer Zukunft.
    Im offensichtlichen Gegensatz geht es bei unseren heimischen Demokratien faktisch von einer Legislaturperiode bis zur Nächsten.
    Ein derartiges Verhalten kann man auch im Zoo beobachten:
    Die Gibbons hangeln sich auch von Ast zu Ast.

    Die Chinesen haben auch noch den ungemein wichtigen Vorteil, dass der gesamte Staatsapparat nicht wie bei uns geradezu(nach leuchtendem Vorbild der USA) von Juristen durchsetzt ist(Oettinger hat es ohne eigentliche Fachkompetenz bis zum EU-Energiekommissar gebracht), sondern von Ingenieuren dominiert wird.

    • goofy3
    • 17.07.2010 um 22:11 Uhr

    Hat sie nun ein Ausbildungsvertrag in der Tasche?

    Wäre doch nicht schlecht für unser Land, oder?

    • Mete
    • 17.07.2010 um 22:13 Uhr

    Tja, kennen Sie noch den Film mit Micky Maus?

    Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los. Das Vorbild für die Chinesen:

    ""Gerade als die Amerikaner sich daran gewöhnt hatten, zwanzig mal mehr Erdöl pro Kopf zu verwenden, als in Großbritannien verwendet wird; gerade als die Erfindungen die Nachfrage nach Erdöl für die Industrie in unabsehbare Maße gesteigert haben; gerade als der Satz 'Erdöl ist König!' genau so allgemein und war wurde wie vor zwanzig Jahren der Satz 'Stahl ist König!'; gerade zu diesem Zeitpunkt, da das Erdöl das Geld bestimmt, statt das Geld das Erdöl, sehen die Vereinigten Staaten, dass die Hauptquellen in ihrem eigenen Land zu versiegen beginnen, und daß eine Zeit kommt in der sie, statt den Erdölmarkt der Welt zu beherrschen, mit anderen Ländern um ihren Anteil am Rohprodukt sich bewerben müssen. Die Britische Stellung ist unbezwingbar. Alle bekannten Ölfelder, alle möglichen oder wahrscheinlichen Ölfelder außerhalb der Vereinigten Staaten selbst, sind in britischen Händen, oder unter britischer Leitung, oder Kontrolle, oder wenigstens durch britisches Geld finanziert."

    aus
    http://de.wikipedia.org/w...

    Vielleicht wird gerade jetzt deutlich, wie dringend eine Software-aenderung für die Menschheit ist:
    Ökologie, statt Ökonomie an erster Stelle.
    Denn wenn wir aufhören wie wild zu konsumieren, werden die da aufhören durch unsere Schwaechen die gleichen Fehler zu wiederholen, die man bereits vor Jahrzehnten hier machte...

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    • bivi
    • 17.07.2010 um 23:04 Uhr

    Das Original des Zauberlehhrlings stammt aus Goethe's Faust und nicht von der Miky Mouse!

    gez.: Bil Dung (Minister für Erziehung der VRC)

    • bivi
    • 17.07.2010 um 23:04 Uhr

    Das Original des Zauberlehhrlings stammt aus Goethe's Faust und nicht von der Miky Mouse!

    gez.: Bil Dung (Minister für Erziehung der VRC)

    • Feyn
    • 17.07.2010 um 22:23 Uhr

    Ich an Stelle eines chinesischen Funktionärs würde nicht einsehen, warum das Land kein Recht auf Einschränkung des Exportvolumens habe. Ich sehe es auch nicht ein, ohne diese Stellung innezuhaben. Schließlich steht das Land selbst unter einer Vielzahl von Handelsembargen oder leidet unter Schutzzöllen, die nicht einmal wirtschaftliche Zwecke verfolgen, oder total unbeholfen sind. (Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Sache mit den Autoreifen in den USA?).
    Wir haben es hier mit einem Land zu tun, dass nach Innen effizient grausam, aber nach Außen (und nach Vorne) grausam effizient handelt. Ein Hätschelkurs wie bei uns führt zu zufriedenen Bürgern, aber auch zu sinkendem Fortschritt.
    Zeit, abzuspringen und die Staatsbürgerschaft zu wechseln.

  4. sondern auch im kleinen sichert sich china alles was es für seine zukünftige entwicklung braucht.

    auch hier in der südsee, vor allem den fiji-inseln, sind sie große spender in entwicklungshilfe oder nierdig zins löhne und im tausch gibt es fisch, holz und metalle. china hat sich 80% der schürfrechte für bauxit erkauft und exportiert aber die gesammte abgebaute erde - "ausgesiebt" wird das ganze dann zuhause und da ist dann bestimmt auch etwas von den ein oder anderen seltenen erden drin.

    fiji kann mit solchen deals zufrieden sein, es bringt arbeitsplätze, einnahmen und ein gutes verhältnis zu einem "sehr reichen" freund, der vor allem eines respektiert: sich nicht in inner politische angelegenheiten einzumischen.

  5. wenn die globale Marktwirtschaft plötzlich andere Gewinner als die Üblichen der letzten 150 Jahre erlebt.
    Die knallharten Praktiken der schlitzäugigen Kommunisten sind nichts anderes als normales Tagesgeschäft auf dem globalen Marktplatz. Einem deutschen Großkonzern würde man in vergleichbaren Fällen kluge Führung, Sinn für Nachhaltig-
    keit und geniale strategische Weitsicht (natürlich nur zum Wohle der Menschen in D, insbesondere der Kinder ...!) attestieren und Verdienstkreuze aushändigen.
    ZenithXL bringt es auf den Punkt: Unsere Eliten studieren Jurisprudenz. Sie sind zu Allem bereit und zu nichts in der Lage (außer sprechen).
    Während man in D alle politische Kraft daran setzt, die Einführung von Mindestlöhnen bei Hausmeistern noch um ein, zwei Monate zu verschieben, denkt man anderswo in anderen Dimensionen. Und handelt. Übrigens ohne Inszenierung von Stellvertreterkriegen, billig begründeten Interventionen und dem ganzen alten teuren Krempel aus der Zeit des Kalten Krieges.
    Markt - Geld - Macht - das ist doch unsere Religion!
    Und das das Rad der Geschichte nicht ewig stillstehen wird war auch klar. Also, was soll das Klagen?

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