Ferienprogramm Jugend gräbtSeite 2/2
Das Publikum sitzt und lauscht. Nur einmal wird es unruhig, als die Rede auf ein mittelalterliches arabisches Schwert aus Marokko kommt. »Marokko gehört doch nicht zu Arabien«, interveniert ein Junge. »Damals schon«, sagt der Prof. Ein Knirps meldet sich: »Das Schwert ist eigentlich die wichtigste Waffe für Ritter!« Nun ist die Aufregung groß. Es gibt doch auf Föhr die Lembecksburg! Aus der Wikingerzeit! Da lebte doch der Ritter Klaus! Hilflos hält der Archäologe mit seiner Wissenschaft dagegen: »Wir wissen nicht, wer auf der Burg gelebt hat!«
Nach exakt 45 Minuten präsentiert Herr Segschneider die letzte Folie: »Im Watt ist wat los! Vielen Dank!« Plätschernder Beifall. Noch Fragen? »Was verdienen Sie?«, fragt ein Dreikäsehoch. Herr Segschneider zögert, dann bleibt er vage: »Ich bin verbeamtet und verdiene nicht schlecht.«
Als die kleinen Studenten ihren Eltern in die Arme laufen, wirken sie überraschend zufrieden. Ein Henning aus Oldenburg schwärmt: »Der war voll lieb!« Seine ältere Schwester: »Wir mussten uns nur melden, dann konnten wir Fragen stellen!« Der Vater betont, die Kinder hätten sich die Vorlesung selbst ausgesucht. »Die haben das Plakat gesehen.«
Kinder-Uni Teil 2, Steineseminar der Geografin Marion Wissel. Ein paar Kinderstudenten sind gekommen, aber auch Quereinsteiger und Eltern. Sie treffen sich im Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museum. Man betritt es durch ein Portal aus Blauwal-Unterkieferknochen; das Haus beherbergt eine bedeutende Sammlung zum Walfang und zur Seefahrt.
Frau Wissel lässt genau die Steine anfassen und untersuchen, die der Urlauber auch am Strand finden kann – Granite, Porphyre, Gneise, Feuerstein. Sie zeigt, woran man Kalkstein erkennt: »Der Geologe hat immer ein Fläschchen Salzsäure dabei.« Auf Kalk geträufelt, schäumt die Säure eindrucksvoll. Eher selten dürfte man auf Föhr Bernstein finden, aber sicherheitshalber zeigt Frau Wissel, wie man den von gelbem Feuerstein unterscheidet – Bernstein schwimmt in Salzlake.
Die Kurse sind für Kinder ab sechs, doch übereifrige Eltern wollen auch die ganz Kleinen schicken. Frau Wissel seufzt, »viel Bildungsbürgertum hier«. Als die Geografin die Entstehung von Steinen aus dem flüssigen Erdinneren erläutern will, wird sie von Pascal, zwölf, gelangweilt unterbrochen: »...das ist Magma. Und wenn sie an die Oberfläche kommt, nennt man sie Lava.«
Abend auf Föhr. Der Himmel leuchtet orangerosé, das Meer ist fern. Einige Kinder kehren aus dem Watt heim, ein Führer hat ihnen die Tiere im Freien gezeigt, die sie in einer der nächsten Vorlesungen kennenlernen werden. In Nieblum, im Nordwesten der Insel, kaum 20 Fahrradminuten entfernt von Wyk, gibt es am Musikpavillon »Gute-Nacht-Geschichten«. Organisiert wird das von Menschen, die sich allen Ernstes »Freizeithelfer« nennen. Das Publikum ist zwischen neugeboren und jenseits der achtzig. Viele Jungen und Mädchen tragen den grünen Studentenausweis der Kinder-Uni Föhr, der ihnen an einem gelben Band um den Hals baumelt. Der knallgrüne Ausweis ist vielleicht das Schönste am Studieren auf Föhr. Das Zweitschönste ist das Ausspannen danach, bei einem Märchen am Strand.
Auskunft : Föhr Tourismus, Wyk auf Föhr, Tel. 04681/300, www.kinderuni-foehr.de
- Datum 27.07.2010 - 10:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.07.2010 Nr. 29
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Jessica Braun
Ressort Reisen
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