50. Todestag So wahr ich der liebe Gott bin

Das Leben des legendären Volksschauspielers Hans Albers, der vor fünfzig Jahren gestorben ist

Ob als Lebemann, Abenteurer oder Seemann, der Schauspieler Hans Albers bezwang in seinen Filmen die Frauenherzen und das stürmische Meer

Ob als Lebemann, Abenteurer oder Seemann, der Schauspieler Hans Albers bezwang in seinen Filmen die Frauenherzen und das stürmische Meer

Er kommt in der Langen Reihe zur Welt, in Hamburg-St. Georg, am 22. September 1891 als sechstes und letztes Kind des Schlachtermeisters Philipp Albers und seiner Frau Johanna. Schon als Kind entdeckt er das Theater: das Hansa-Theater, ein Varieté, es liegt nur wenige Schritte entfernt am Steindamm. Hier lernt der kleine Hans, was Applaus ist, erlebt Otto Reutter, den Kabarettisten und Sprechartisten, im »Otto! Otto!«-Jubel. Otto-Otto, so wird er sich später selbst nennen, und alles, was ihm gefällt, ist ein toller Otto.

Heimlich nimmt er Schauspielunterricht. Der Vater schickt ihn nach Frankfurt am Main, in eine Seidenfirma. Tagsüber arbeitet der junge Mann als Commis; abends steht er – zwanzigjährig – zum ersten Mal auf einer Bühne, als Bedienter im Zerbrochnen Krug. Zwei Jahre später ist er schon Rekrut in Wallensteins Lager, in der Altonaer Schilleroper. 1915 muss er in den echten Krieg. In Flandern wird er verwundet, liegt stundenlang im Niemandsland zwischen den Fronten, ehe ihn Kameraden bergen können. Der Lazarettarzt gibt sein Bein verloren, doch Hans Albers wehrt sich gegen die Amputation.

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Noch mal davongekommen. 1917 steht er schon wieder auf der Bühne. Große Rollen sind es nicht. Er sucht sein Glück in Berlin, findet es in den Armen einer verheirateten Frau: Claire Dux, Primadonna der Hofoper, verliebt sich in den neun Jahre jüngeren Schauspieler. Sie lässt sich scheiden, nennt sich Claire Albers-Dux. Der junge Mann zieht in ihre Wohnung am Kaiserdamm. Doch die Geliebte ist viel unterwegs, meist in Amerika. Die Romanze verklingt. In Chicago hält ein Fleischkonserven-Millionär um ihre Hand an. Da kann sie nicht Nein sagen.

Der blonde Hans kämpft um den Durchbruch. Er singt nicht besonders gut, aber gern. Am Ende seiner Karriere wird er rund achtzig Schallplattenaufnahmen hinterlassen, unverwüstliche Evergreens wie Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, La Paloma und Komm auf die Schaukel, Luise . Noch singt er sich ein. Im Theater am Kurfürstendamm probt er ein Duett mit Hansi Burg: Ich will Sie küssen, wenn Sie es verlangen. Das Verlangen ist groß. Hansi, Tochter des gefeierten Schauspielers Eugen Burg, kümmert sich auch um die Geschäfte des jungen Herrn Albers, der inzwischen so wohlhabend ist, dass er als Dauergast im Hotel Adlon logiert. Sie besorgt ihm eine Wohnung am Tiergarten, zieht in seine Nähe und lenkt seine Laufbahn mit kluger Hand in geordnete Bahnen. Er kauft seinen ersten Cadillac.

Das viele Geld hat er weniger auf der Bühne denn als Filmschurke verdient, als zwielichtiger Finsterling mit Monokel und Frack oder skrupelloser Verführer. Die Lichtspieldramen heißen Fräulein Raffke, Saxophon-Susi oder Weib in Flammen. Man wird auf ihn aufmerksam. Ein Kritiker nennt ihn »den Troubadour des 20. Jahrhunderts«, etwas farblos zwar, »aber von gewinnender seelischer Blondheit«.

Zwischen 1917 und 1929 wirkt Albers in mehr als 105 Stummfilmen mit. Die Filme machen ihn reich, Revuen machen ihn berühmt. Die BZ am Mittag ist begeistert: »Fällt ins Orchester, daß es kracht, stürzt in die Loge, daß es knallt, springt über ein halbes Dutzend Weiber, turnt am Kronleuchter.« Und wenn er vom Kronleuchter in ein Wasserbecken stürzt, hinter die Bühne rennt und keine Minute braucht, um in trockener Garderobe wieder an die Rampe zu treten, dann gibt es im Saal kein Halten mehr.

Leser-Kommentare
  1. und hatte überhaupt keinen guten Eindruck von ihm. Für ihn war er zu sehr mit dem Regime verbunden und ein Wichtigtuer.

  2. Nachdem die Nazis schon vor ihrer Machtergreifung unmissverständlich verdeutlicht hatten, wie sie nach ihrer Machtergreifung mit Linken, Juden, modernen Künstlern und Intellektuellen verfahren würden, konnte sich jeder oppositionell Denkende oder rassisch/politisch von ihnen Stigmatisierte an einer Hand ausrechnen, welche Chancen bleiben würden, wenn sie weiterhin in Deutschland wirken oder arbeiten wollten. Dementsprechend sah schon die erste Emigrationswelle Ende Januar 1933 aus, die schwarzen Listen waren geschrieben und wer sich während der Weimarer Republik auffällig "antinational" verhalten hatte, suchte das Weite jenseits der Grenzen.
    Die geschichtliche Deutung, dass viele Künstler nicht gehen wollten, weil sie keine Fremdsprache konnten, ist sehr fadenscheinig, wenn man bedenkt wie z.B. Heinrich Mann, Hedy Lamarr oder Lilian Harvey als glänzende Künstlerpersönlichkeiten ins Bodenlose fielen. Albers blieb und auch all die Deutungsversuche seiner nicht präziser definierten
    "Oppositionsrolle" haben einen schalen Nachgeschmack. Ihm Nazismus zu erstellen wäre eine Frechheit, aber als "Querulant" geduldet zu werden und dem Unwesen der Hitler-Goebbels-Schergen einfach nur zu zuschauen, ist nicht genug, um seine Zeit im tausendjährigen Reich in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Wie Rommel war er ein Volksidol, aber von Albers kennt man keine eindeutigen Aussagen zum Naziregime.
    Im übrigen war er kein begnadeter Schauspieler sondern Mittelmaß wie viele.

    W.Neisser

  3. hat Albers nicht als Soldat am II. Weltkrieg teilgenommen und smomit keine Gelegenheit Menschen zu töten.
    Im übrigen haben gilt "über die Toten nur Gutes".
    Diese humanistische Grunsatz scheint so manch einem Kommentierer fremd.

  4. Aus Wikipedia: "1940 trat Buchheim als Freiwilliger in die Kriegsmarine ein und tat Dienst als Kriegsberichterstatter auf Minenräumbooten, Zerstörern und U-Booten, zuletzt im Range eines Oberleutnants. Er war Angehöriger der "Propagandakompanie" der Waffen-SS."
    Den Eindruck von Buchheim über Hans Albers hier wiederzugeben,welchen Sinn soll das bei dessen Biografie haben ?

  5. Im 3. Reich hatten viele Privilegierte die Möglichkeit die Wehrmacht zu umgehen. Als Verdienst würde ich das diesen Angepaßten aber überhaupt nicht anrechnen.

    Buchheim war Berichterstatter und "somit auch keine Gelegenheit Menschen zu töten". Ich halte es aber für falsch dies den dt. Soldaten anzulasten: Damals hatte man nicht die möglichkeit zu verweigern.

    Und wenn Sie nach "über Tote nur Gutes" handeln werden Sie sicher auch nichts Negatives über Hitler erzählen können.
    ICH bin aber anderer Ansicht: Die Wahrheit zählt, egal ob der Tote nun Albers, Hitler oder sonstwer ist.

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