Möglicherweise sitzt Albers bei der Antrittsrede des Reichsministers im Publikum, beim Bankett am folgenden Tag erscheint er nicht. Er meidet offizielle Veranstaltungen. Bei der Verleihung des Staatspreises für seinen Film Flüchtlinge, ein stark propagandöses Produkt über die Wolgadeutschen, lässt er sich vertreten. Es gibt kein Foto, das ihn mit einer Nazigröße zeigt; anders als die meisten seiner Kollegen erhält er nie ein signiertes Bild des »Führers«. Hans Albers verachtet das System, das ihn auf Händen trägt.

Er hat ein Problem: Hansi Burg, »nichtarisch« 

Er zieht sich zurück, kauft in Garatshausen am Starnberger See ein prächtiges Anwesen, weit weg von Berlin. Er weigert sich, der Reichsfilmkammer beizutreten, was für Schauspieler Pflicht ist. Er wird abgemahnt, lässt Termine verstreichen. Berufsverbot droht. Endlich füllt er den Aufnahmeantrag aus, streitet aber weiter. Im Juni 1934 wird er aus der Kammer ausgeschlossen, sein Pass gesperrt, fällige Gagennachzahlungen werden einbehalten. Albers hat ein Problem.

Sein Problem heißt Hansi Burg, »nichtarisch«. Der Fall beschäftigt sogar Hitlers Privatkanzlei. Zwar ist die Personalakte »sauber«: Der Staatsschauspieler ist ledig und mit eigener Anschrift gemeldet. Aber jeder weiß, dass die beiden seit Ewigkeiten ein Paar sind und es bleiben wollen. Der Druck nimmt zu. Schließlich lenkt Albers ein. »In Erfüllung meiner Pflicht gegen den nationalsozialistischen Staat und in dem Bekenntnis zu ihm«, schreibt er im Oktober 1935 an Goebbels, »habe ich meine persönlichen Beziehungen zu Frau Hansi Burg gelöst. Ich darf Sie, geehrter Herr Reichsminister, nunmehr bitten, dass unter der veränderten Sachlage der nationalsozialistische Staat auch mir den Schutz angedeihen läßt, den er seinen Künstlern gibt. Heil Hitler! Hans Albers«. Goebbels ist zufrieden.

Hansi Burg heiratet den Norweger Erich Blydt, eine Scheinehe. Hans und Hansi bleiben ein Paar. Sie treffen sich heimlich, unternehmen bald wieder gemeinsame Reisen, die weniger verborgen bleiben. Das Büro des Reichsdramaturgen erteilt eine Weisung an die Studios, nicht mehr mit Albers zu verhandeln. Ohne Folgen. 1939 nutzt Hansi Burg einen Urlaub in der Schweiz, um sich nach London abzusetzen. Hans Albers bleibt. Er ist bald fünfzig, spricht kein Englisch und ist im Ausland kaum bekannt. Außerdem hat er gut zu tun.

Es wird einsam um ihn. Albers verliert seine besten Freunde. Die jüdischen Schauspieler Kurt Gerron und Otto Wallburg werden in den Niederlanden verhaftet, deportiert und ermordet. Herbert Selpin, der Regisseur, mit dem Albers von 1938 bis 1941 zusammenarbeitet – auch bei dem besonders üblen Propagandafilm Carl Peters –, wird denunziert. Er hat lautstark über »Scheißritterkreuzträger« geschimpft. Man findet ihn erhängt in seiner Zelle. Und als Eugen Burg, Hansis Vater, sich zur Emigration entschließt, ist es zu spät. 1944 wird er in Theresienstadt ermordet.

Albers trinkt, redet frei von der Leber weg: »Kinder, ich finde alles ganz großartig, nur zwei Sachen müßten anders sein. Einmal müßte meine Hansi hier sein, denn die hat heute nur noch arisches Blut, nachdem ich jahrelang mit ihr zusammen war. Und dann reden Rundfunk und Zeitungen seit Jahren dauernd von Hindenburg und Hitler, da gehöre ich doch dazu, mein Name ist schließlich genauso bekannt.«

Ist er tollkühn oder nur naiv? Als im Frühjahr 1943 Bulgariens König Boris III. auf Einladung Hitlers München besucht, weigert sich Albers, für den Staatsgast seine Hotelsuite zu räumen: »Ich bin selber König.« Albers wird zum Verhör bestellt, für ihn ein Auftritt wie andere auch. »Was verschafft mir die Ehre?«, trompetet er beim Eintreten, hört sich die Anschuldigungen an. »Und das war alles, was Sie mir zu sagen haben?« Ob man wirklich aus so einer kleinen Geschichte eine Staatsaktion machen wolle? Er nimmt seinen Hut. Ein starker Abgang.