Geschichte des Guerillakriegs Was Soldaten in Afghanistan aus dem Malaya-Krieg lernen

Einen Guerillakrieg können fremde Truppen nicht gewinnen. Nur einmal gelang es den Briten doch: 1957 in Malaya, dem heutigen Malaysia. Ein Vorbild für Afghanistan?

Ein US-Militärhubschrauber auf dem Weg von Kabul zum Gefängnis Bagram im Norden

Ein US-Militärhubschrauber auf dem Weg von Kabul zum Gefängnis Bagram im Norden

Ich sage nur: Malaya, Malaya, Malaya!« So oder so ähnlich klingen derzeit viele Mahnungen nicht nur von Sicherheitsexperten. Auch deutsche Soldaten, die in Afghanistan stationiert waren, nennen gern den Namen des südostasiatischen Landes, wenn es um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation am Hindukusch geht.

Einer von ihnen ist Marc Lindemann, der von 2005 bis 2009 als Nachrichtenoffizier in Afghanistan diente. »Das Ziel, Herzen und Köpfe zu gewinnen«, schreibt er in seinem gerade erschienenen Buch Unter Beschuss. Warum Deutschland in Afghanistan scheitert, »kam nach der Malaya-Intervention kaum noch weltweit konsequent zur Anwendung, obwohl es die einzige Chance zu sein scheint, einen Krieg gegen eine Guerilla mit Erfolg zu führen.«

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Was ist oder war Malaya? Malaya entspricht ungefähr dem Territorium des heutigen Staates Malaysia. Der historische Begriff umfasst etliche kleinere staatliche Gebilde und Handelszentren auf der Malaiischen Halbinsel südlich von Thailand, die seit Jahrhunderten begehrte Stützpunkte im chinesisch-indischen Welthandel waren. Während des 19. Jahrhunderts wurde Malaya zum Zankapfel der Kolonialmächte; die Engländer machten das Rennen und verleibten die Region einschließlich des Nordens von Borneo ihrem Empire ein.

1948, als der Entkolonialisierungsprozess bereits lief, begann die überwiegend aus Chinesen bestehende kommunistische Partei in Malaya einen Guerillakrieg. Zunächst, bis 1951, mit Erfolg. Durch Sabotageakte und Anschläge auf Plantagen und Minen versuchten die Untergrundkämpfer, die Einkommensquellen der Briten versiegen zu lassen. Denn ohne Profite, so lautete das Kalkül, würden die Kolonialherren rasch das Interesse an Malaya verlieren. In dieser Phase reagierten Armee und Polizei rigoros. Auch vor kollektiven Repressionen gegen die chinesische Bevölkerungsgruppe schreckten sie nicht zurück – was die Revolte nur anheizte.

Nachdem die Aufständischen sogar Hochkommissar Henry Gurney in seinem Rolls-Royce erschossen hatten und immer dominanter auftraten, wurde General Gerald Templer, ein früherer Leiter des Heeresnachrichtendienstes in London, im Februar 1952 zu Gurneys Nachfolger ernannt. Zugleich übernahm er die Leitung auch der militärischen Operationen.

Mit Unterstützung des britischen Geheimdienstes reformierte er die örtliche Spionage. Agenten infiltrierten erfolgreich die Reihen der Guerilla; deren Schlagkraft nahm ab. Templers Vorstöße und die Unterbrechung ihrer Nachschublinien zwangen die Kämpfer schließlich, sich immer tiefer in den Dschungel zurückzuziehen.

Leser-Kommentare
  1. Was für Malaya die Unabhängigkeit war, könnte für heutige Problemstaaten die Aussicht auf gleichberechtigte Mitgliedschaft in einem Bündnis demokratischer Staaten sein.

    Beharren wir auf den Veto-Strukturen in internationalen Institutionen und öffnen wir uns nicht den potentiellen Möglichkeiten einer demokratischen UNO, so gibt es wenig Anreize sich uns gegenüber zu öffnen.

    Ansonsten kann ich dem Artikel nur zustimmen: "Mit Waffen allein ist dieser Krieg nicht zu gewinnen."

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    Mehr Demokratie wagen in der UNO? Was wäre der Ausfluss? Schnellere und gezieltere Resolutionen? Oder nicht doch eher eine noch tiefergehende Blockade des einzigen globalen Sicherheitsinstrumentes (neben der USA...)?

    Auch hier gilt höchstwahrscheinlich: Viele Köche verderben dern Brei...

    > gleichberechtigte Mitgliedschaft in einem Bündnis
    > demokratischer Staaten

    Die Mehrheit der in der UNO vertretenen Staaten ist eben nicht demokratisch.
    Was schwebt Ihnen da vor? Eine Premium-Mitgliedschaft nach Erreichtung demokratischer Strukturen?
    Wer entscheidet das?

    Mehr Demokratie wagen in der UNO? Was wäre der Ausfluss? Schnellere und gezieltere Resolutionen? Oder nicht doch eher eine noch tiefergehende Blockade des einzigen globalen Sicherheitsinstrumentes (neben der USA...)?

    Auch hier gilt höchstwahrscheinlich: Viele Köche verderben dern Brei...

    > gleichberechtigte Mitgliedschaft in einem Bündnis
    > demokratischer Staaten

    Die Mehrheit der in der UNO vertretenen Staaten ist eben nicht demokratisch.
    Was schwebt Ihnen da vor? Eine Premium-Mitgliedschaft nach Erreichtung demokratischer Strukturen?
    Wer entscheidet das?

  2. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Afghanistan-Blamage zu kaschieren.
    Die billigere Möglichkeit:
    Die NATO erklärt wie angekündigt 2011 ihren Sieg, zieht ab nachdem sie dem Bürgermeister eines kleinen Stadtteils von Kabul, Herrn Karsai die Weiterführung des Kampfes gegen den paschtunischen Islam überträgt und stellt nach angemessener Zeit fest, dass dieser Herr unfähig war, den tollen Endsieg endgültig zu erhalten.

    Die teurere Möglichkeit:
    Die insolvente NATO lässt den eingesetzten Verwalter im Jahre 2020 oder danach den Sieg erklären, zieht ab...(usw.).

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    soald die Amerikaner aus Afghanistan raus ist Karsai keine Minute überleben wird.Eine erneute Machtergeifung der Taliban oder ein neuer Bürgerkrieg dürfe dann nichts im Wege stehen.Wie sie aus solchen Perspektiven rhetorisch einen "Sieg" basteln wollen ist mir schleierhaft.

    soald die Amerikaner aus Afghanistan raus ist Karsai keine Minute überleben wird.Eine erneute Machtergeifung der Taliban oder ein neuer Bürgerkrieg dürfe dann nichts im Wege stehen.Wie sie aus solchen Perspektiven rhetorisch einen "Sieg" basteln wollen ist mir schleierhaft.

  3. Die Geschichte kann immer nur Prüfstein eigenen Handelns sein und niemals vollständig applizierbare Lösungen bieten.

    Insofern ist es erfreulich, dass der Autor des Artikels auch auf das Scheitern eines "Heart and Mind"-Ansatzes in verschiedenen anderen Fällen eingeht.

    Für den speziellen Fall AFG müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden, die eine "Malaya-Lösung" deutlich erschweren.

    Erstens können die Kräfte der Allianz in AFG kaum auf eine ähnliche Basis (Ortskenntnis, Ressourcen, Verbindungen) zurückgreifen, wie es die Briten in Malaya konnten. Als Expeditionskräfte einen Fuß in die Tür zu bekommen ist deutlich schwieriger. Vor diesem Hintergrund ist auch die Möglichkeit Agenten in den Kreis der Insurgenten in AFG einzuschleusen als deutlich schwieriger zu bewerten.

    Zweitens hat sich selbstverständlich der technologische Wandel auch bei den Insurgenten niedergeschlagen. Es sei dahingestellt, über welche Kommunikationsmöglichkeiten die Insurgenten im Malaya-Krieg verfügten, fest steht, der Insurgent in AFG verständigt sich auf vielfältige Weise und nutzt u.a. moderne Kommunikationsmittel von Mobilfunk bis VHF-Funk. Moderne Führungsmittel steigern die Kampfkraft des Insurgenten beträchtlich und erschweren seine Bekämpfung.

    Drittens ist es natürlich richtig die Zivilbevölkerung zu schonen, doch nicht um jeden Preis. Ein Krieg ist und bleibt ein Krieg und hier gibt es selbstverständlich zivilie Opfer. Wofür es in AFG übrigens auch Verständnis in der Bevölkerung gibt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben vollkommen Recht, das notwendige kleine Bevölkerungsopfer, wir hoffen auf das von Ihnen erwähnte Verständnis in der Bevölkerung, muss erbracht werden. Man kann einfach nicht so zimperlich sein.
    Ist ja nun mal Krieg und diese lediglich acht Millionen notwendig zu opfernden paschtunischen Taliban kann das Land mit seiner extrem hohen Geburtenrate über kurz oder lang sicher wieder ausgleichen.

    [...]

    Verzichten Sie auf Ironie, die missverstanden werden kann. Die Redaktion/is

    • -Ziet-
    • 17.07.2010 um 14:06 Uhr

    Zustimmung für die ersten 80% Ihrer Aussagen, Soldat.
    Aber im Abschluß demonstrieren Sie wieder die Beschränktheit (Vereinfachung) militärischer Überheblichkeit.

    "Ein Krieg ist und bleibt ein Krieg" - das klingt in meinen Ohren wie Nachgeplappertes von einem Ohnmächtigen.

    "hier gibt es selbstverständlich zivile Opfer" - wieso sollte man an sich einem solchen Einsatz beteiligen, wenn man das als selbstverständlich sieht??? - wie verroht muß eine Seele sein, sowas zu akzeptieren.

    Ihr letzter Satz ist eine solch gewaltige Enttäuschung für jeden Ausbilder - der klare Beweis, daß der Azubi nichts kapiert hat!

    Sie glauben ernsthaft, daß die "Bevölkerung Verständnis für die zivilen Opfer hat"? - Zur Aufklärung: dort freut es möglicherweise die eine Gruppe, wenn dem konkurrierenden Stamm ein Leid geschied? - Aber selbst das dürfte nur auf die ganz Dummen unter den Afghanen zu treffen. Denn die Afghanen wissen sehr wohl, daß beim nächsten Vorfall auch sie selbst dran sein könnten.

    Wenn man sich als ~Befreier~ nicht traut viel Geld in die Hand zu nehmen, um das Leben der Frauen und einfachen Leute (nicht derer mit Waffe in der Hand) zu verbessern (Kanalisation, Bildung, Landreform) und die Dorfverhältnisse sicherer und gerechter zu organisieren ... wird man nicht die Herzen und Köpfe der Menschen erreichen.

    Dann ist man halt darauf angewiesen mit den bewaffneten Clan-Führern zu kungeln - und so wird man dann auch von den Menschen angesehen - mißtrauisch.

    Sie haben vollkommen Recht, das notwendige kleine Bevölkerungsopfer, wir hoffen auf das von Ihnen erwähnte Verständnis in der Bevölkerung, muss erbracht werden. Man kann einfach nicht so zimperlich sein.
    Ist ja nun mal Krieg und diese lediglich acht Millionen notwendig zu opfernden paschtunischen Taliban kann das Land mit seiner extrem hohen Geburtenrate über kurz oder lang sicher wieder ausgleichen.

    [...]

    Verzichten Sie auf Ironie, die missverstanden werden kann. Die Redaktion/is

    • -Ziet-
    • 17.07.2010 um 14:06 Uhr

    Zustimmung für die ersten 80% Ihrer Aussagen, Soldat.
    Aber im Abschluß demonstrieren Sie wieder die Beschränktheit (Vereinfachung) militärischer Überheblichkeit.

    "Ein Krieg ist und bleibt ein Krieg" - das klingt in meinen Ohren wie Nachgeplappertes von einem Ohnmächtigen.

    "hier gibt es selbstverständlich zivile Opfer" - wieso sollte man an sich einem solchen Einsatz beteiligen, wenn man das als selbstverständlich sieht??? - wie verroht muß eine Seele sein, sowas zu akzeptieren.

    Ihr letzter Satz ist eine solch gewaltige Enttäuschung für jeden Ausbilder - der klare Beweis, daß der Azubi nichts kapiert hat!

    Sie glauben ernsthaft, daß die "Bevölkerung Verständnis für die zivilen Opfer hat"? - Zur Aufklärung: dort freut es möglicherweise die eine Gruppe, wenn dem konkurrierenden Stamm ein Leid geschied? - Aber selbst das dürfte nur auf die ganz Dummen unter den Afghanen zu treffen. Denn die Afghanen wissen sehr wohl, daß beim nächsten Vorfall auch sie selbst dran sein könnten.

    Wenn man sich als ~Befreier~ nicht traut viel Geld in die Hand zu nehmen, um das Leben der Frauen und einfachen Leute (nicht derer mit Waffe in der Hand) zu verbessern (Kanalisation, Bildung, Landreform) und die Dorfverhältnisse sicherer und gerechter zu organisieren ... wird man nicht die Herzen und Köpfe der Menschen erreichen.

    Dann ist man halt darauf angewiesen mit den bewaffneten Clan-Führern zu kungeln - und so wird man dann auch von den Menschen angesehen - mißtrauisch.

  4. Mehr Demokratie wagen in der UNO? Was wäre der Ausfluss? Schnellere und gezieltere Resolutionen? Oder nicht doch eher eine noch tiefergehende Blockade des einzigen globalen Sicherheitsinstrumentes (neben der USA...)?

    Auch hier gilt höchstwahrscheinlich: Viele Köche verderben dern Brei...

  5. Sie haben vollkommen Recht, das notwendige kleine Bevölkerungsopfer, wir hoffen auf das von Ihnen erwähnte Verständnis in der Bevölkerung, muss erbracht werden. Man kann einfach nicht so zimperlich sein.
    Ist ja nun mal Krieg und diese lediglich acht Millionen notwendig zu opfernden paschtunischen Taliban kann das Land mit seiner extrem hohen Geburtenrate über kurz oder lang sicher wieder ausgleichen.

    [...]

    Verzichten Sie auf Ironie, die missverstanden werden kann. Die Redaktion/is

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    Was soll ich Ihrem Beitrag denn jetzt entnehmen?

    Sowohl Ihrer ersten sowie Ihrer zweiten Äußerung mangelt es an Substanz.

    Woran es nicht mangelt ist stumpfer Zynismus, der in einer Diskussion meistens niemanden weiterbringt und allerhöchstens Ihr Denkmuster und Argumentationsverhalten aufdeckt.

    Meine sie nicht auch?

    Was soll ich Ihrem Beitrag denn jetzt entnehmen?

    Sowohl Ihrer ersten sowie Ihrer zweiten Äußerung mangelt es an Substanz.

    Woran es nicht mangelt ist stumpfer Zynismus, der in einer Diskussion meistens niemanden weiterbringt und allerhöchstens Ihr Denkmuster und Argumentationsverhalten aufdeckt.

    Meine sie nicht auch?

  6. ... scheitert in Afghanistan schon deswegen, weil die Besatzer nicht willens sind, in die Afghanen zu investieren, wie das in Malaya gemacht wurde. Die afghanischen Polizisten werden schlecht bezahlt, nicht besonders gut ausgebildet, haben kein Ansehen in der Bevölkerung und werden meist schneller aus dem Weg geschafft als sie ersetzt werden können.

    Die Milliardeninvestitionen fließen hauptsächlich in Kriegsgerät und die Versorgung der eigenen Truppen. Truppen, die zu einem übergroßen Teil hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich selbst zu schützen.

    Nun könnte man sagen, es hat was Gutes, dass den Appeasement-Verächtern fortlaufend gezeigt wird, wie schwach ihr Konzept in der Realität ist, aber die in ihrem Selbstverständnis beleidigten Testosteronköpfe machen parallel zum Krieg weltweit den Muslimen das Leben schwer und schwerer.

    Kopftuch-Verbot, Minarett-Verbot, Burka-Verbot, Der freie Westen zeigt, wie's um seine Freiheit bestellt ist. Demokratie als Unterdrückungsinstrument von Minderheiten. Nach ein paar Jährchen Aufklärung sind wir mit Volldampf unterwegs ins zweite dunkle Mittelalter

  7. Was soll ich Ihrem Beitrag denn jetzt entnehmen?

    Sowohl Ihrer ersten sowie Ihrer zweiten Äußerung mangelt es an Substanz.

    Woran es nicht mangelt ist stumpfer Zynismus, der in einer Diskussion meistens niemanden weiterbringt und allerhöchstens Ihr Denkmuster und Argumentationsverhalten aufdeckt.

    Antwort auf "Lieber Martin 81,"
  8. Die Bevölkerung jedenfalls war ihnen egal. Im Sinne der Neokons sind arme Menschen sowieso nur Verbrauchsmaterial für die erfolgreiche Elite.

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