Gesellschaftskritik Über den weiblichen Blick
Der ungenierte Männervergleich unter Frauen ist zur erstaunlichsten Nebendisziplin der WM avanciert. Die Männer vor dem Fernseher verstummten dagegen
Natürlich hat Jogi Löw tolle Haare. Für Löw, sagen die Löw-Verehrerinnen, sprechen außerdem: die klasse Figur, der mediterrane Einschlag, das ironische Blitzen in den Augen, die interessante Mischung aus Beherrschtheit und Gefühlsausbrüchen. Und diese Art zu verlieren. Guck doch mal, schreien die Löw-Verehrerinnen, wenn der Trainer bei einem Tor seiner Mannschaft die Arme hochreißt und zwischen Hosenbund und blauem Pullover Löws dunkle Bauchbehaarung sichtbar wird. Er hat nichts drunter!
Entschuldigung, meldet sich die Gegenpartei zu Wort, was soll denn daran sexy sein? Hansi Flick hat auch nichts drunter und zeigt nicht gleich der ganzen Welt seinen Bauchnabel. Hansi who?, die Löw-Verehrerinnen schütteln den Kopf, wie kann man diesen deutschen Durchschnittsmann, diesen Typ des ewigen Assistenten toll finden? Ihr habt keine Ahnung, sagen die Flick-Verehrerinnen, ihr lasst euch von der Löw-Masche blenden, der schreit doch nach Bewunderung, der ist nur intelligent genug, das zu kaschieren. Bei Hansi Flick weiß eine Frau, woran sie ist. Außerdem: Hansi Flick hat die schönsten blauen Augen der ganzen WM.
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So ging es zu in den Halbzeitpausen. Man kann sagen, dass sich noch nie so viele Frauen so fanatisch mit der Beurteilung der erotischen Qualitäten von Männern befasst haben wie in den letzten Wochen. Schweinsteiger oder Özil. Müller oder Friedrich. Die Löw-Verehrerinnen tendierten übrigens auch zu Özil und Friedrich, die Flick-Verehrerinnen zu Schweinsteiger und Müller. Es gab natürlich Überschneidungen. Auf Lahm konnten sich alle Frauen einigen, wenn auch eher als Kumpel.
Ja, der ungenierte Männervergleich avancierte zur erstaunlichsten Nebendisziplin der WM. Erstaunlich vor allem für die vor dem Fernseher dabeisitzenden, stumm und stummer werdenden Männer. Ihnen kann man sagen: Der Männervergleich ist im Kern so grausam und anmaßend wie der Frauenvergleich, den geduldig zu ertragen Frauen ja nun wahrlich gewöhnt sind. Sophia Loren oder Grace Kelly. Claudia Schiffer oder Cindy Crawford. Sabine Christiansen oder Anne Will, blond oder brünett, schmal oder üppig. Witzig war das nie. Wir haben den Spaß daran aber immer verstanden, wir haben großzügig über die Beleidigung hinweggesehen, die das Verglichenwerden an sich hat. Und jetzt steht es 1:1.
- Datum 15.07.2010 - 07:02 Uhr
- Serie Gesellschaftskritik
- Quelle ZEITmagazin, 15.07.2010 Nr. 29
- Kommentare 18
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...widerspreche ich entschieden: Schon der Namensvergleich zwischen einem Jogi, Hansi, Phillip oder Basti auf der einen und einer Sophia, Grace, Cindy oder Claudia auf der anderen fällt schon eindeutig aus. Und in der Verlängerung wird der Vorsprung uneinholbar - wenn es um die visuelle Attraktivität beider Parteien geht. Bringt man endlich die intellektuellen Fähigkeiten einer Anne oder Sabine ins Spiel ist die Meisterschaft endgültig entschieden: 3:1.
Was daran ist denn neu? Die meisten Frauen gucken Fußball hauptsächlich nach den ästhetischen Regeln der sportlichen Körbchengröße knackiger Männergesäße. Die Frauen-WM findet doch auch nur statt, weil Männer es richtig dufte finden, wenn Mädchen sich lasziv vor der Kamera bewegen.
Frauen sitzen nicht mehr mit zusammengekniffenen Knien und Mündern daneben. Wagen vulgäre Witze und outen sich als unheilige Wesen vom gleichen Stern.
Auf ein gleichberechtigtes Miteinander!
wäre es mir spätestens beim Lesen dieses Artikels klar geworden:
Frauen sind, wenn es um Männer geht, genau so dümmlich und oberflächlich wie Männer bei der Beurteilung von Frauen.
Dazu bedurfte es nicht einmal einer Gleichstellungsverordnung!
Die Schönheit der Frau hat zur Dichtung, Musik, Gemälden und herrlichen Filmen geführt.
Die Schönheit der Fussballer garantiert leider nicht für schönes und erfolgreiches Spiel. Aber es sei Euch trotzdem gegönnt. Für mich und auch für einige weibliche, die ich kenne, waren allerdings die Italiener in den 1980/90iger Jahren die schönsten Fussballer. Und da gabs auch bei der WM schon einen Wettbewerb um den Schönsten, ich glaube in Italien, aber auch wo sonst.
Das waren die Hoch-Zeiten der wirklich schönen Kerle!
:-)
Und ja, auch Frauen können/wollen/dürfen echte Chauvis sein :-))
P.S. Wenn Maradonna nur 20 cm größer gewesen wäre.... in den 80ern.... was für ein KOPF!.... in Stein zu meisseln.
Dachte immer, das wären Dichter, Maler, Musiker, usw. gewesen.
Das waren die Hoch-Zeiten der wirklich schönen Kerle!
:-)
Und ja, auch Frauen können/wollen/dürfen echte Chauvis sein :-))
P.S. Wenn Maradonna nur 20 cm größer gewesen wäre.... in den 80ern.... was für ein KOPF!.... in Stein zu meisseln.
Dachte immer, das wären Dichter, Maler, Musiker, usw. gewesen.
war eindeutig die Anbetung von Tintenfischen! ^^
hat Löw das gewisse Etwas im verhaltenen und doch so beredten Spiel seiner feinen Züge und seiner geschliffenen Zunge.
Wer würde dahinter einen Fußballer vermuten?
An den athletischen Körpern der Spieler vermisse ich ein wenig Substanz an den Armen ...;-)
der 456ste
man ist das peinlich
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